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A Quiet Revolution

2015-06-04 16:50
von Marco Pracht
Band-6
von Generalmajor Adrian Bradshaw, ehemals Kommandeur des britischen Cavalry-Regiments The King’s Royal Hussars; bis März 2011 Kommandeur der 1 (UK) Division)
Generalmajor Adrian Bradshaw
Generalmajor Adrian Bradshaw

Im Laufe der letzten Jahre hat das britische Heer in aller Stille eine Art Revolution durchlaufen, obwohl der Schwerpunkt seiner Anstrengungen auf einen Erfolg in Afghanistan ausgerichtet war. Es kommt darauf an, zu erkennen, was sich verändert hat und was beibehalten werden muss, wenn wir den Kampfeinsatz in Afghanistan letztendlich tatsächlich zum Abschluss bringen. Wir müssen bereit sein, auf der erheblichen Weiterentwicklung, die unsere Grundlagenausbildung (Foundation Training) erfahren hat, aufzubauen, so dass diese relevant sein kann – nicht für eine Ära des Kalten Kriegs, in der es vor allem auf breit angelegte Panzerbewegungen ankam, sondern für die vielfältigen, wohl nicht in unserem Ermessen liegenden Herausforderungen, die wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts auf uns zukommen werden.

Welcher Art diese sein werden, wird uns in der ausgezeichneten Arbeit mit dem Titel "Future Character of Conflict" (FCOC)1 deutlich vor Augen geführt, einer der wenigen den Kern treffenden, detaillierten und ausreichend fundierten Untersuchungen vor der SDSR (Strategic Defense and Security Review), zu der Vertreter aller Teilstreitkräfte, Wissenschaftler und andere beigetragen haben.

In dieser Studie wird dargelegt, dass die Konfliktarten infolge des Drucks, der von Gefährdungspotentialen wie Globalisierung, Klimawandel, Wettbewerb um Energiequellen, ungleichmäßiges Bevölkerungswachstum und zerfallende Staaten ausgeht, wahrscheinlich Streitkräfte erforderlich machen wird, die eher inmitten der jeweiligen Bevölkerung operieren müssen als auf Gefechtsfeldern, wo Zivilisten einfach aus dem Weg gehen. Deren Gefechtsraum wird zudem dicht gedrängt, unübersichtlich, umkämpft und zusammenhängend sein.

Gefechtsfahrzeuge

Für die Krisenreaktionsfähigkeit der britischen Streitkräfte wird eine Kräftemischung erforderlich sein, die zur gleichzeitigen, truppengattungsübergreifenden, beweglichen Kriegführung befähigt ist sowie zur Aufstands- und Terrorismusbekämpfung und die sämtliche militärische Aspekte der Stabilisierung2 und Friedensunterstützung beherrscht, die während eines Konfliktjahrzehnts auf dem Balkan unser Leben prägten. Gerade dort wurden wir daran erinnert, dass Einsätze selbst am "weicheren" Rand dessen, was wir als "Konfliktspektrum" zu bezeichnen pflegten, als Unterbau robuste, kampffähige Truppen erforderten, die wiederum Rückhalt in der beharrlichen Präsenz der Panzertruppe finden.

1 Future Character of Conflict (Die zukünftige Natur des Konflikts), DCDC (Development, Concepts and Doctrine Centre; Zentrum für Entwicklung und Doktrin der britischen Landstreitkräfte), Februar 2010

2 Einschließlich solcher Dinge wie Polizeiausbildung und Mentoring, für die adäquate zivile Eventualfallkräfte einfach nicht existieren.

Es stellte sich heraus, dass es selbst für den einem Kriegseinsatz vergleichsweise unähnlichen Auftrag, dafür zu sorgen, dass bewaffnete Gruppierungen die von ihren politischen Führern vereinbarten Friedensvereinbarungen einhielten, nötig war, Zugriff auf hochmoderne Kampffähigkeiten zu haben, zumal sich im Arsenal der Gruppierungen selbst Panzer und Artillerie befanden.

Dies alles spielte sich am äußersten Rand der Europäischen Union ab, wo noch immer potenziell instabile Gebiete vorhanden sind, 2 Einschließlich solcher Dinge wie Polizeiausbildung und Mentoring, für die adäquate zivile Eventualfallkräfte einfach nicht existieren. wie auch an vielen anderen Orten auf der ganzen Welt, wo das Vereinigte Königreich lebenswichtige Interessen hat.

Wir müssen in den kommenden Jahrzehnten darauf eingestellt sein, die unterschiedlichen militärischen Auftragsarten in einer Reihe verschiedener Umfelder durchzuführen, insbesondere im dichten, städtisch-bebauten und im virtuellen Umfeld, wobei wir auf beide bislang deutlich zu wenig vorbereitet sind. Vor allem auf diese Bereiche müssen wir zusätzliche Ressourcen und Zeit konzentrieren, sobald wir in der Lage sind, sie vom derzeitigen Schwerpunkt der Aufstandsbekämpfung in Afghanistan abzuziehen. In den letzten Jahren haben wir uns tatsächlich von einem Heer der Zeit nach dem Kalten Krieg weiterentwickelt, für das der Erste Golfkrieg mit seinem Schwerpunkt auf raumgreifenden Panzerbewegungen und dem Fehlen einer Stabilisierungsphase einen Ansatz nach dem Motto "Train heavy and you can fight light" ("Wenn man für den Extremfall ausbildet, fällt der eigentliche Einsatz leicht") hervorgebracht hatte. Unser anschließender Einsatz auf dem Balkan wurde eher als eine Art Verirrung betrachtet, und ein Großteil der Field Army sollte sich nach seiner Rückkehr erneut auf groß angelegte Panzerbewegungen konzentrieren.

Die Anforderungen der letzten Jahre im Irak und in Afghanistan sowie unsere Beobachtungen bei anderen Konflikten weltweit führten zu der Erkenntnis, dass schwere Panzertruppen zwar ein unverzichtbarer Teil des Bestands sind, aber bei den meisten Kämpfen, die wir wahrscheinlich in der Zukunft austragen, nicht mehr das Gefechtsfeld beherrschen werden. Natürlich müssen wir die Fertigkeiten aufrechterhalten, die wir für ihren Einsatz benötigen, da mindestens ein Jahrzehnt investiert werden müsste, wollte man wieder bei Null beginnen. In der FCOC-Studie wird jedoch die Feststellung getroffen, dass bei den meisten Eventualfällen, mit denen wir u.U. konfrontiert werden, ebenso wie in unserem derzeitigen aktiven Einsatzgebiet, die Infanterie die Hauptrolle spielen würde, meistens mitten unter der Bevölkerung. Wenngleich das Bewegungstempo oftmals der Marschgeschwindigkeit des Infanteristen entspricht, können Tempo und Differenziertheit der Einsatzmaßnahmen erheblich gesteigert werden.

Das hochbewegliche Festfrequenz-Truppenfunknetz der Armoured Battlegroup oder Armoured Infantry Battlegroup der 1990er Jahre hat sich inzwischen zu einem flacheren, digitalen Netz ausgeweitet, das auf großer Bandbreite basiert. Es ermöglicht eine Sprech- und Datenverbindung über die gesamte Befehlskette, zwischen Elementen streitkräftegemeinsamer Verbände (Joint Force Components) und zu anderen Dienststellen, so dass die Verbreitung riesiger Informationsmengen erleichtert wird und, bei einem effektiven Informationsmanagement, das Lagebewusstsein deutlich verbessert wird. Heute dient uns nicht mehr die 2:2-Battle Group (BG)3 als Grundlage für den Kern unserer Gemeinschaftsausbildung auf Truppenteilebene, sondern wir führen unsere Grundlagenausbildung (Foundation Training) mit einer Battle Group durch, die nur eine einzige Panzerkompanie umfasst. Sie besteht in der Regel aus einer Panzeraufklärer- bzw. möglicherweise leichten Panzerkompanie,4 einer Panzergrenadierkompanie, einer Protected- Mobility-Kompanie (PM = Beweglichkeit unter Schutz), einer oder zwei leichten Infanteriekompanien sowie möglicherweise einer Partner Company5 eines geeigneten befreundeten Staates, in Verbindung mit geeigneten Kampfunterstützungs- und Einsatzunterstützungselementen.

Der Beitrag der Einsatzunterstützung wurde entsprechend verbessert, um den Charakter des modernen Gefechtsfelds widerzuspiegeln, wo es außerhalb der sicheren Stützpunkte keine "rückwärtigen Räume" gibt und Einsatzunterstützungskräfte ebenso kampfbereit sein müssen wie jede andere Truppe. Tatsächlich sind wir aus der Notwendigkeit heraus wieder zu einer Armee geworden, in der alle Soldaten, unabhängig von ihrer Truppengattung, in allererster Linie grundlegende, einfache Infanterietaktiken beherrschen müssen, um sich selbst und ihre Kameraden im äußersten Notfall aus Schwierigkeiten retten zu können.

Infanterie bei Schützenpanzer

Mit dieser Kräftemischung muss der militärische Führer der Battle Group die Einsatzgliederung so flexibel und einfallsreich vornehmen, dass eine Reihe von Aufträgen erfüllt werden können, von denen die ersten so angelegt sein sollen, dass sie es seiner Battle Group ermöglichen, mit den Grundlagen truppenteilübergreifender, beweglicher Kriegführung zurechtzukommen. Hierfür muss er die Maßnahmen seiner Einheiten koordinieren, um das Find-Fix- Strike-and-Exploit-Konzept6 rasch, fließend und aggressiv gegen einen Feind zur Anwendung bringen zu können, der sich auf eine relativ herkömmliche Kräftemischung, einschließlich einiger Panzerkräfte, stützt. Spätere Einsätze verlangen vom Kommandeur der Battle Group dann, zu offensichtlicheren (Aufstandsbekämpfungs-) Maßnahmen überzugehen, wobei der Einfluss durch die einheimische Bevölkerung immer mehr zunimmt. Allmählich wird er auch mit den Erfordernissen einer ganzen Bandbreite anspruchsvoller Stabilisierungsmaßnahmen konfrontiert, wobei es wesentlich mehr darauf ankommt, das politische, stammesbezogene und gesellschaftliche Wechselspiel zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungselementen seines Umfelds zu verstehen. Eine seiner wichtigsten Aufgaben besteht darin, zu erkennen, welche Art von Gefecht er eigentlich führt und sich in wichtigen Bereichen ein Urteil zu bilden, z.B. in welchem der vom Heer neu definierten Standard-IED-/Minenbedrohungsumfelder er arbeitet und welche drillmäßigen Schutzverfahren seine Leute daher anwenden müssen.

Die Gefechtsübung der Battle Group zu Beginn dieser Abfolge von Schritten bereitet eine unabdingbare Grundlage für die in der FCOC-Ära erforderliche Bandbreite an Fertigkeiten, indem die Elemente dieses Gefechtsverbands dazu gebracht werden, zusammenzuarbeiten und einander zu verstehen, während sie hochbewegliche, frei fließende, aggressive, äußerst riskante Maßnahmen durchführen, die für unsere Landstreitkräfte völlig zum Instinkt geworden sein müssen. Diese lebenswichtigen soldatischen Fertigkeiten sind es, die unter dem Druck einer solchen Ausbildung entstanden sind, auf die sie während ihres Einsatzes in den verschiedensten Auftragsarten möglicherweise jederzeit kurzfristig zurückgreifen müssen. In Einsatzberichten von Battle-Group- Kommandeuren wird immer wieder ausgeführt, dass durch diese grundlegende, aber dennoch anspruchsvolle Gefechtsausbildung ein Fundament gelegt worden sei, das sich als unbezahlbar erwiesen habe, wenn es um die Vorbereitung der eigenen Leute ging, die Einsätze von einer Stabilisierung auf dem Balkan bis hin zur Aufstandsbekämpfung im Irak und in Afghanistan erfolgreich zu bewältigen hatten. Es hat sich bewährt, den Kommandeuren von Battle Groups, Stäben und Soldaten Gelegenheit zu geben, in Situationen richtig zusammenzuarbeiten, wie sie beängstigender und gefährlicher nicht sein könnten.

Die Elemente "Aufstandsbekämpfung" und "Stabilisierung", die in die letzten Phasen der Grundlagenausbildung einbezogen wurden, ermöglichen es den Battle Groups von heute, sich allmählich daran zu gewöhnen, in ihre Planung und Gefechtsfeldführung eine immer differenziertere Nachrichtengewinnung, Überwachung, Zielaufklärung und Aufklärung (engl.: ISTAR) mit einzubeziehen und allmählich die Vielschichtigkeit in den Griff zu bekommen, die sich zeigt, wenn das menschliche Umfeld (Human Terrain) abgesteckt werden soll. In diesen Ausbildungsphasen wird die Bereitstellung einer "Rundum"-ISTAR-Erfassung – teils real, teils virtuell – sowie eines breiten und komplexen Spektrums an Informationen über die Bevölkerung äußerst wichtig für die Entwicklung und Erprobung der zusätzlichen Fertigkeiten, die für einen "Krieg inmitten der Bevölkerung" benötigt werden. Die Informationen über die Bevölkerung und das Feindspektrum, dem sich eine Battle Group während dieser Ausbildung gegenübersieht, stammt aus einer speziell für unsere Grundlagenausbildung konstruierten Datenbank und basiert auf Mustern, die in Afghanistan und weiteren der jüngsten Einsatzgebiete vorgefunden wurden. Diese "Rundum-Bereitstellung" wird durch Stabsbeiträge auf Brigadeebene für die Übungen der Battle Group ermöglicht, was nicht als Test für den Brigadegefechtsstand zu verstehen ist, sondern den Komplexitätsgrad schaffen soll, der inzwischen für eine angemessene Ausbildung auf Battle- Group-Ebene erforderlich ist. Zwar bleibt die Relevanz solcher Beiträge eindeutig, solange unser Schwerpunkt weiterhin auf der Aufstandsbekämpfung in Afghanistan liegt, doch müssen gerade diese Elemente auch nach dem Ende der Gefechtsoperationen in Afghanistan beibehalten werden, wenn unsere Battle Groups in der Lage sein sollen, irgendeine der zahlreichen unterschiedlichen Richtungen einzuschlagen, die ihnen die FCOC-Ära abverlangen mag.

3 Die 2:2-Battle Group basiert auf den Kernfähigkeiten zweier Panzerkompanien und zweier Panzergrenadierkompanien.

4 Da weder direktes Feuer durch das Future Rapid Effect System (FRES) noch ein geeignetes mittelschweres Fahrzeug vorhanden ist, muss künstlich nachgeholfen werden, indem statt dessen einem Fahrzeug wie beispielsweise einem Spähpanzer mittels laser-basierter Gefechtssimulation die entsprechende Mischung aus simulierter Feuerkraft und Schutz verliehen wird.

5 An der Übung PRAIRIE THUNDER im Mai 2010 nahm eine Partner Company der jordanischen Streitkräfte teil. Jordanien wird voraussichtlich auch für eine Reihe von Übungen des British Army Training Unit Suffield (BATUS) im Jahr 2011 Partnerkompanien stellen.

6 Die Aufgaben im Gefecht ( Auffinden, Binden, Angreifen und Ausnutzen )

7 Nicht nur für den Truppenführer auf operativer/strategischer Ebene ist es so wichtig, den Krieg zu erkennen, in dem man sich befindet (frei nach Clausewitz).

Kampfpanzer in Stellung

Die Kräftezusammensetzung für eine auf Brigadeebene angesiedelte Reaktion auf einen modernen, nicht im eigenen Ermessen liegenden Eventualfall wird wahrscheinlich aus einer Reihe von Battle Groups bestehen, von denen jede auf völlig unterschiedliche Einsatzfunktionen auf einem vielschichtigen Gefechtsfeld vorbereitet ist, auf dem Gefechtsoperationen gleichzeitig mit Maßnahmen zur Aufstandsbekämpfung, Stabilisierung und Friedensunterstützung vorkommen.

In Zukunft – nach Afghanistan wird die Arbeit im Bereich der Grundlagenausbildung, die aus den Divisionen der Field Army und des Land Warfare Centre (Zentrum für Landkriegführung) hervorgegangen ist, wohl eine Weiterentwicklung erfahren. Dabei wird dieses System der Grundlagenausbildung, das im Laufe der letzten Jahre so gestaltet wurde, dass es sowohl den Anforderungen des Operationsgebiets Afghanistan als auch den Erfordernissen künftiger Eventualfälle entspricht, voraussichtlich erweitert werden. Anstelle der auftragsspezifischen Ausbildung (Mission Specific Training), die derzeit zur Vorbereitung unserer Truppen auf Afghanistan dient, werden die Battle Groups wohl nach ihrer Grundlagenausbildung unmittelbar einer Reihe von Ausbildungsmodulen zugeführt, in denen sie jeweils darauf vorbereitet werden sollen, sich auf einen der vielen Eventualfälle zu spezialisieren, mit denen wir in der FCOC-Ära möglicherweise konfrontiert sein werden.

So besteht u.U. die Möglichkeit, dass die zukünftigen mehrrollenfähigen Brigaden (Multi-Role Brigades) in einer wirklich mehrrollenfähigen, zusammenhängenden Gliederung die Mittel vereinen, die nötig sind, um sämtliche Aufgaben erfüllen zu können, die wahrscheinlich im Rahmen eines einzigen Gesamtauftrags der Brigade oder des Einsatzverbands anfallen werden. Die Battle-Group-Module würden Rahmenoperationen der Aufstandsbekämpfung beinhalten, eine Reihe von Fachkenntnissen der Stabilisierung, z.B. Polizeiausbildung und Mentoring,8 sowie Kampf im urbanen Gelände,9 Dabei wäre es durchaus möglich, dass eine der Battle Groups der Brigaden eine 2:2-Einsatzgliederung annimmt, um den "Keim" des Panzerpotentials zu bewahren und der Brigade für bestimmte Arten von Eventualfällen Kräfte zur Verfügung stellen zu können, die ausreichend robust sind. Die BG-Module müssten natürlich zusätzlich eine geeignete Gemeinschaftsausbildung auf Brigadeebene durchlaufen, um diese äußerst leistungsfähige Kräftemischung in eine einheitliche, zur Verlegung bereite Gefechtsgliederung einzubinden.

Hierfür wäre, wie dies heute für Afghanistan der Fall ist, auch weiterhin eine hochkomplexe virtuelle Ausbildung erforderlich, die durch die aktive Beteiligung verschiedenster staatlicher Dienststellen und ziviler Organisationen unterstützt wird. Landeskundliche und fremdsprachliche Kenntnisse sollten ebenfalls weiterhin hohe Priorität besitzen, wobei bestimmte Kernsprachen langfristig gepflegt und kulturelle Schwerpunkte je nach den aktuellen Erkenntnissen vielleicht in geeigneten Zeitabständen verlagert werden sollten.

Der lasergestützte taktische Gefechtssimulator (Tactical Engagement System; TES) wäre weiterhin die Grundlage eines Großteils der Geländeausbildung. Er ermöglicht es, den beteiligten Kräften sowohl als "Übende" als auch als "Feindkräfte" entsprechende Feuerkraft und Schutzcharakteristika zur Verfügung zu stellen, um die realen Umstände, für die sie ausgebildet werden, darzustellen. So wird eine größtmögliche Realitätsnähe erzielt. Diese Geländeausbildung ermöglicht außerdem die unerlässliche Erfahrung des Umgangs mit echtem Gerät sowie mit einigen Aspekten der von Clausewitz angeführten Reibung, die durch Ausfälle von Gerät, das Wetter und die Umwelt herbeigeführt werden, was eine rein virtuelle Ausbildung nicht bieten kann.

In einen Großteil dieser Ausbildung sollten Erprobungen und Versuche miteinbezogen werden, um Taktiken, Techniken und Verfahren sowie neue taktische Grundsätze entwickeln zu können, damit neuen und sich abzeichnenden Bedrohungen begegnet werden kann. Außerdem soll damit sichergestellt werden, dass der Beschaffungsprozess für Landsysteme durch entsprechende Daten untermauert wird, die von erfahrenen Truppenführern und Soldaten stammen, von denen eine Ausrüstung mit wirklichkeitsnahem Verhalten gegen einen denkenden Feind eingesetzt wird, der sein eigenes Potential clever und entschlossen geltend macht. So erfasste Daten können parallel zur herkömmlichen, computergestützten operationellen Analyse verwendet werden, um es der Field Army zu ermöglichen, die Vorteile deutlich darzustellen, die durch die Fahrzeuge bzw. Systeme, deren Beschaffung wir anstreben, erzielt werden können.

8 Was sich, wie die Erfahrung zeigt, fast immer als eine militärische Aufgabe erweist, besonders in den frühen Phasen der Stabilisierung.

9 Für den unsere derzeitige Ausbildung besonders unzureichend ist und der in der FCOC-Studie eindeutig als Forderung herausgestellt wird.

Während der ganzen Zeit werden die Battle Groups auch weiterhin durch die unterschiedlichen Beiträge der Luftwaffe, Heeresflieger und ISTAR-Kräfte unterstützt werden müssen, die auf dem modernen Gefechtsfeld bis in die untersten Ebenen unerlässliche Attribute des taktischen Gefechts geworden sind. Trotz der offensichtlichen Herausforderungen bezüglich Ressourcen kann es kein Zurück zum Ausgangspunkt geben, nur weil wir uns zufällig nicht mehr im Krieg mit Afghanistan befinden. Nur indem wir voranschreiten, werden wir weiterhin in der Lage sein, Streitkräfte vorzuhalten, die bereit sind, auf den geeigneten Ebenen auf die Art von Eventualfällen zu reagieren, auf die der Verteidigungsbereich vorbereitet sein muss.

Die Alternative wäre ein dramatischer Rückgang unserer Fähigkeiten sowie die Aussicht auf erhebliche und unnötige personelle Verluste bei der Wiedererlangung des erforderlichen Leistungsvermögens in entscheidenden Bereichen. Außerdem riskieren wir, unsere lebenswichtigen nationalen Interessen nicht schützen zu können. Für die Angehörigen der britischen Panzertruppe (Royal Armoured Corps; RAC) gilt, dass die Einsatzfunktion unserer Panzeraufklärungsregimenter nach wie vor als unerlässlich für Operationen unter der Bevölkerung anerkannt wird. Ihre Kompanien können von einer Reihe von Fahrzeugtypen aus operieren, von gepanzerten Kettenfahrzeugen bis hin zu leichten Radfahrzeugen, oder zu Fuß. Der moderne BG-Gefechtsstand Aufklärung hat sich dahin entwickelt, dass er innerhalb des Brigadegefechtsstands die Führungs- und Stabsfunktionen zur Verfügung stellt, um den zahlreichen, inzwischen in moderne Operationen eingegliederten ISTAR-Mitteln Aufträge zu erteilen und diese zu koordinieren.

Dies ist eine weitere wichtige Entwicklung, die die Anforderungen des heutigen Einsatzumfelds widerspiegelt, wo sich der Schwerpunkt für ISTAR verlagert hat: Während es früher darum ging, Kenntnisse über die Gefechtsgliederung des Feindes zu erlangen und Vorarbeit für "harte" Effekte zu leisten, kommt es heute darauf an, ein Verständnis des Gefechtsraums und aller darin vorkommenden Akteure zu entwickeln sowie Vorarbeit für "weiche" Effekte und für begrenztes, selektiveres und präziseres Feuer zu leisten. Im modernen britischen Heer wird die Panzertruppe auch weiterhin einen wichtigen Platz einnehmen, mag sie auch anteilig und häufig auf eine Art und Weise eingesetzt werden, die sich erheblich von den Erfordernissen groß angelegter Panzerkriegführung unterscheidet.

Während wir für bestimmte Einsatzfunktionen u.U. das Profil eines Fahrzeugs "mittleren" Gewichts bevorzugen, wie es im FRES10-Konzept (für direktes Feuer) vorgesehen ist, haben wir derzeit einen wirklich leistungsfähigen Panzer im Bestand, der in vielerlei Hinsicht genauso gut geeignet ist und mit Sicherheit mehr Schutz bietet. Tatsächlich mussten die USA ebenso wie andere Länder mit mittelschweren gepanzerten Fahrzeugen wie beispielsweise dem Stryker die Panzerung dieser Fahrzeuge nachträglich erheblich verstärken, um mit den IED- und Minenbedrohungen fertig zu werden, die sich im Irak ergaben, so dass ein entscheidender Grund für deren Beschaffung, nämlich die Lufttransportfähigkeit, verloren ging.

Schützenpanzer in Fahrt

In den letzten zwanzig Jahren wurde die Panzertruppe in der Friedensunterstützung, in der Aufstandsbekämpfung und bei Einsatzoperationen der verbundenen Waffen in verschiedenen Einsatzfunktionen auf dem Balkan, in Tschetschenien, in Afghanistan, in Irak und in Georgien eingesetzt. In britischen Einsatzberichten vom Balkan und Irak ist darauf hingewiesen worden, dass Panzer bei einer ganzen Reihe von Krisensituationen von erheblichem Wert sind. Obwohl bereits in den Anfangsphasen unseres Einsatzes in Helmand leichte gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt wurden, war man bei der Verlegung von Kampfpanzern nach Afghanistan verständlicherweise zögerlich. Grund hierfür war anfänglich die Überzeugung, leichte Kräfte würden genügen und später Bedenken wegen des Personalaufwands und der Kosten. Stattdessen verließen wir uns auf die dänischen Kampfpanzer des Typs Leopard, die sich als nützliche Ergänzung für die Einsatztruppe in Helmand erwiesen haben. Ebenso betrachten die Kanadier und inzwischen auch die amerikanische Marineinfanterie sie als einen wesentlichen Bestandteil der Kräftemischung in den schwierigsten Gegenden Afghanistans.

Die Panzertruppe hat sich bei Operationen zur Aufstandsbekämpfung im Irak und bei den jüngsten Maßnahmen in Afghanistan als äußerst nützlich erwiesen, indem sie Angriffsoperationen von Spezialkräften und konventionellen Kräften der Kategorie Framework Forces unterstützte und abgesessener Infanterie bei routinemäßiger Streifentätigkeit, bei Streifentätigkeit zur mobilen Abschreckung, bei Konvoi- und Schutzaufträgen und bei Streifentätigkeit zur Abwehr von indirektem Feuer Feuerschutz gab.

Kampfpanzer wurden in geringer Anzahl eingesetzt und möglichst im Hintergrund gehalten, wo ihre Präsenz und Reichweite zwar Einfluss hatten, sie aber weniger Schaden an der Infrastruktur und den Beziehungen zu den Einheimischen anrichteten. Abgehörte Informationen und die Aussagen der örtlichen Bevölkerung bestätigen, dass die Anwesenheit von Kampfpanzern den Feind häufig davon abbringt zu handeln. Deren physische Präsenz, ihre Fähigkeit, Ziele bei Tag oder Nacht mit großer Präzision zu erfassen und zu vernichten, fast unbegrenzt in Wartestellung zu liegen, sich rasch zu bewegen und zur richtigen Zeit an unerwarteter Stelle aufzutauchen sowie ihre relative Unverwundbarkeit durch Handwaffen, Panzerfäuste und behelfsmäßige Sprengvorrichtungen (IED) bewirken zusammengenommen, dass ihre Präsenz auf dem Gefechtsfeld Furcht und Einschüchterung auslöst.

Bei dem berühmten Drachen von Musa Qala handelte es sich um ein einzelnes, leichtes 105-mm-Geschütz in fester Stellung auf dem die grüne Zone überblickenden Steilhang. Aus abgehörtem Funkverkehr wusste man genau, dass es so einschüchternd auf die Taliban wirkte, dass sie Patrouillen, die innerhalb seines Überwachungsbereichs unterwegs waren, nicht angriffen. Unter solchen Umständen ist ein Kampfpanzer mit seiner wesentlich besseren Tag/ Nacht-Überwachungsund Zielerfassungsfähigkeit, seiner Fähigkeit zu schnellem, hochpräzisen Schießen im direkten Richten, seiner Eigenbeweglichkeit sowie seiner Führungs- und Fernmeldefähigkeit sogar von noch größerem Nutzen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Heer eine entscheidende Entwicklung durchgemacht hat, die sich in der Gestaltung unserer derzeitigen Grundlagenausbildung und der damit verbundenen Funktionalitätserweiterung der taktischen Gefechtsstände, insbesondere auf der Ebene der Battle Group und Brigade, widerspiegelt. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr so stark auf der beweglichen Kriegführung der verbundenen Waffen unter Einsatz von Panzern, obgleich dieses Potential als eine Kernfähigkeit unter vielen beibehalten wird, die für das in der FCOC-Studie beschriebene, vielschichtige, moderne Gefechtsfeld von entscheidender Bedeutung sind. Hierzu gehört auch die koordinierte, fließende Zusammenarbeit der Battle Groups, und der hochbewegliche, aggressive und risikobereite Ansatz, der für alle Gefechtsoperationen unabdingbar ist, kommt verstärkt zum Tragen. Es ist diese Ausbildungsmischung, die sämtliche Aspekte von Kampf, Aufstandsbekämpfung und Stabilisierung abdeckt und das benötigte Spektrum unverzichtbarer Fähigkeiten hervorbringt, die wir derzeit mit unserer auftragsspezifischen Ausbildung (Mission Specific Training) anwenden und die uns befähigt, eine Abfolge äußerst leistungsfähiger Brigaden jeweils als Helmand Task Force in den Einsatz zu schicken. In Zukunft sollte sie die Grundlage darstellen, auf der wir aufbauen müssen, um uns auf die Bandbreite von Eventualfällen vorzubereiten, mit dem wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts wohl zu rechnen haben.

10 Future Rapid Effects System

MAJOR GENERAL A J BRADSHAW Major General Adrian Bradshaw was born in 1958. On promotion to brigadier he went to 3rd (US) Army in Kuwait, planning for Land operations in Iraq. During OP TELIC he was Deputy Commander of US 'Task Force West'. He took over 7th Armoured Brigade in Basra for the initial stabilisation operations before recovering with the Brigade to Germany. After attending the Royal College of Defence Studies he became a Director in the Commitments area of MOD, involving frequent deployments to Iraq, Afghanistan and other theatres, and was promoted in post to Major General in Nov '07. In Mar '09 he took command of 1st (UK) Armoured Division based in Germany, where the primary focus is currently training and force generation for counter insurgency operations in Afghanistan.

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