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Abschlussrede Symposium 2016

15.10.2016 20:20
von Marco Pracht
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Band-7
Autor: Carsten Jacobson
Fotos: Katrin Selsemeier
Folie aus dem Vortrag

„Innenpolitik kann dazu führen, dass man Wahlen verliert, Außenpolitik aber, dass man sein Leben verliert.“ Mit diesem Zitat des russischen Ministerpräsidenten Dimitri Medwedjew betonte Generalleutnant Carsten Jacobsen die Bedeutung der Sicherheitsund Verteidigungspolitik. Gleich zu Anfang ließ der General erkennen, dass für sorgenfreien Optimismus zurzeit kein Platz ist. „Der Gipfel von Warschau (das Nato-Treffen der Staats- und Regierungschefs vom 8. bis 9. Juli 2016) kommt auf uns zu. Auf dem Gipfel in Wales stand anlässlich des Ukraine-Konfliktes nur die Ostflanke des Bündnisses im Fokus, dazu kommen jetzt Nordafrika und der Nahe Osten.“

Die Probleme sind neu und mit ihnen verändern sich die Herausforderungen an die Streitkräfte. Das größte Problem sieht Jacobsen in den unterschiedlichen Bedrohungsarten. Im Osten haben die Partner große Sorgen, von Estland, wo eine starke russische Minderheit lebt, bis nach Polen. Im Süden gehe es um die Stabilität einer ganzen Region, inklusive Migrationsströmen. „Wir haben damit innerhalb der Nato unterschiedliche Bedrohungsarten. Spanien und Italien haben andere Sorgen als Estland“, erklärte Jacobson. „Wir stehen vor einer Parallelität der Entwicklungen, müssen uns aber auf alle einstellen.“

Generalleutnant Jacobson während der Diskussion nach seinem Vortrag
Generalleutnant Jacobson während der Diskussion nach seinem Vortrag

Als Folge stellen wir fest, dass sich der Fokus der NATO mehr in Richtung einer „360°-Rundumsicherung“ bewegen muss. Weiterhin sehen wir, dass die Taktung von Krisen und Konflikten stetig zunimmt. Die Herausforderungen an die Nato sind hoch. „Für eine glaubhafte Diplomatie“, unterstrich der General, „braucht man die Fähigkeit zur Abschreckung.“ Das Heer ist dabei zentraler Dreh- und Angelpunkt militärischer Handlungsoptionen.

Als Folge dieser sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen stellt sich das Deutsche Heer grundsätzlich auf ein weites Spektrum möglicher Einsatzszenarien ein. Diese bewegen sich in der Bandbreite von der Flüchtlingshilfe bis hin zur Landes- und Bündnisverteidigung. Das ist keine Utopie, das ist kein Wunschdenken.

Denn schaut man sich das aktuelle Lastenheft des Heeres an, so stellen wir fest, dass wir schon heute genauso gefordert sind. Tausende Kameraden und Kameradinnen sind in Einsätzen, einsatzgleichen Verpflichtungen und Übungen und nicht zuletzt an der „Heimatfront“ in der Flüchtlingshilfe gebunden. Damit sind wir ausgelastet. Diese hohe Taktung offenbart aber auch Schwächen. Besonders drastisch war das im Rahmen der NATO Speerspitze im Jahr 2015 der Fall. Es hat sich gezeigt, dass wir in vielen Dingen besser werden müssen. Deutschland hat sich verpflichtet, einen bedeutenden Anteil an der VJTF ab 2019 zu übernehmen, die auch Nato-Speerspitze genannt wird; insgesamt 2.700 von 5.000 Mann. „Die 1. Panzerdivision hat den Auftrag als Leitdivision, im Zentrum steht die Panzerlehrbrigade“, erklärte der Generalleutnant, „wir können das nicht alleine, die Niederländer und die Norweger sind dabei.“ Man plane insgesamt in einer Größenordnung von maximal sechs teilnehmenden Nationen.

Gerade die materielle Ausstattung des Heeres ist alles andere als optimal. Doch glücklicherweise wurde dieser Umstand mittlerweile erkannt, es gibt einen breiten Konsens darüber, dass uns Sicherheit etwas kostet und dass uns die Einsparungen der vergangenen Jahre in eine gefährliche Schieflage gebracht haben. Bis sich die versprochenen Milliarden im Bereich der materiellen Ausstattung aber tatsächlich materialisieren, wird noch einige Zeit vergehen. Bis dahin bleiben die volle Einsatzbereitschaft SPz PUMA und die Flotte KPz Leopard 2 in unterschiedlichen Rüstzuständen, neben vielen anderen Projekten, unsere Sorgenkinder.

Und wo steht das Heer in der Gesamtbetrachtung? „Wir müssen uns von der Priorisierung der Auslandseinsätze lösen und bei Bündnis- und Landesverteidigung ansetzen“, sagte Jacobson. Insgesamt sei die Struktur 2011 ein Glücksfall. Aber es gebe Lücken in Ausbildung und Ausrüstung, die gelte es zu schließen. So habe das Heer die Minenwerfer abgesteuert, dieser Mangel bleibe absehbar bestehen. Die Flugabwehrfähigkeit hat das Heer an die Luftwaffe abgegeben. Die bodengebundene begleitende Flugabwehr des Heeres ist damit nicht mehr vorhanden. An Brückenlegegerät brauche das Heer mehr, als der Brückenlegepanzer „Biber“ leisten könne.

Folie aus dem Vortrag

Der neue SPz „Puma“ habe noch Kinderkrankheiten, aber er sei ein Quantensprung, sagte der General. „Der Schützenpanzer „Marder“ wird deswegen noch benötigt.“ Er brauche aber eine bessere Panzerabwehrfähigkeit, etwa die Panzerabwehrlenkrakete „Spike“, die auch für den Puma vorgesehen ist. Außerdem ein Fahrernachtsichtgerät. Im Bereich der Ausbildung gilt es, sich auf Altbewährtes zurück zu besinnen. Landes- und Bündnisverteidigung rückt in der Ausbildung wieder stärker in den Fokus. Es gilt dabei, das Heer „abwärtskompatibel“ zu machen. Denn wer für den „Worst-Case“ ausgebildet ist, der wird auch in Einsätzen niedrigerer Intensität bestehen.

Unsere Kernforderung ist, dass das Heer schneller, kampfstärker, durchsetzungsfähiger, interoperabel und multinationaler werden muss. Daran arbeiten wir.

Zum Abschluss bedankte sich der Vorsitzende des „Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe“, Generalmajor Walter Spindler, bei den Ausrichtern des Symposiums. Er lud alle Teilnehmer ein zum Tag der Bundeswehr am 11. Juni 2016 im Ausbildungszentrum in Munster und zum internationalen Hubschrauberausbildungszentrum nach Bückeburg. Das nächste Symposium wird am 09. und 10. März 2017 (geändert v. d. Redaktion) stattfinden. Dann wird der Freundeskreis der Panzergrenadiertruppe wieder Gastgeber sein.

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Generalleutnant Jacobson
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Carsten Jacobson

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General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

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Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

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