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Aktuelles aus dem Einsatz

11.06.2017 20:55
von Marco Pracht
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Band-7
Wappen Kommando Heer
Wappen Kommando Heer

Lageberichte, Erfahrungen und Bewertungen der militärischen Führung aus den Einsätzen sind fester Bestandteil eines jeden Symposiums der gepanzerten Truppen, so auch in diesem Jahr, als Generalleutnant Carsten Jacobson, stv InspH und Kommandeur Einsatz über die Einsätze in einer Art „Tour d`Horizon“ informierte und damit thematisch das Symposium abschloss.

Mit einem kurzen Rückblick veranschaulichte General Jacobson die Unwägbarkeiten der weltweiten politischen Entwicklungen, die es trotz bester Absichten nahezu unmöglich machen treffsicher belastbare Vorhersagen für die Zukunft zu prognostizieren, so wie jetzt mit dem Weissbuch 2016 geschehen. Ein Blick zurück auf die letzten 15 Jahre führt anschaulich vor Augen, dass die Entwicklung gänzlich anders verlief als erwartet. Aber dennoch müsse natürlich geplant werden. Dabei stelle man wieder einmal fest, dass der Abbau von Fähigkeiten sehr schnell voranschreite, der Aufbau von Fähigkeiten dagegen viel Zeit und Ausbildung erfordere, wie wir gerade schmerzlich feststellen. Aber nach seiner Meinung sei das „Tal der Tränen“ durchschritten, es wird besser, auch wenn sich dies in der Truppe noch nicht gleich bemerkbar machen wird.

Finanzielle Mittel sind in ausreichendem Maße vorhanden, allerdings gäbe es zu wenig Material und die Beschaffungsprozesse seinen oftmals zu langwierig. Künftig müssen sich die Streitkräfte wieder mit längst überholt geglaubten Verfahren zu militärischen Vorwarnzeiten vertraut machen und Warnzeiten, Alarmierung und Alarmkalender gehören dann wieder zu den Grundfertigkeiten eines jeden Stabes.

Ausbildungsseitig kommt der Führung einer konventionellen Auseinandersetzung mit größeren Truppenteilen im hochintensiven Gefecht und im Systemverbund wieder eine besondere Bedeutung zu und vor allem die „Brigade“ muss dabei als operatives Element wieder in die Lage versetzt werden, zwei Operationen (Führung des laufenden Gefechts und Planung der Folgeoperation) gleichzeitig bewältigen zu können. Dieses Führungsvermögen muss zwingend wieder Bestandteil unserer Ausbildung werden.

Nun zu den konkreten Einsätzen

Die Bundeswehr ist weltweit an 17 Einsätzen beteiligt, davon bei 12 mit Heereskräften, die personell ca. 31% der Kontingente ausmachen. Auch wenn die Einsatzumfänge mitunter sehr klein sind, erfordert jede Mission doch eigenes Schlüsselpersonal, (Logistiker, Militärisches Nachrichtenwesen, Kampfmittelbeseitiger, IT-StOffz und Sprachqualifikationen) sowie spezielles Material, was beim Personal unter Beachtung einsatzfreier Zeiten immer nur eine begrenzte Auswahl zulässt und beim Material zu schwierigen Beschaffungsprozessen und erschwerter Ersatzteilversorgung führt. Beides führt, vor allem im Einsatz, immer wieder zu Spannungen.

Der Einsatz bei KFOR soll 2018 beendet werden, bis dahin steht die ORFBereitschaft im Wechsel mit Österreich. Betroffen sind das PzBtl 393 mit 1 Stabs-und VersKp und 2 KpfKp´n sowie einer Österreichischen Kampf- Kompanie. Im zweiten Halbjahr dann der Wechsel und das PzBtl stellt dann nur 1 Kampfkompanie.

Die Mission NordIRAK ist eine echte Erfolgsstory, die Ausbildung der Führer verläuft planmäßig, das Heer ist dort allerdings nur mit Ausbildern aktiv.

Resolut Support (Afghanistan)

Das Heer hat sich auch für 2018 auf erhebliche Abstellungen einzustellen, der Auftrag beinhaltet vor allem Beratung der AFG Truppen und ist eine stark „führerlastige“ Aufgabe. Die Fähigkeiten der AFG Streitkräfte sind nicht nach dem Kalender vorhersehbar und insoweit gibt es für eine Verringerung des Auftrages, oder sogar Beendigung, keine Zeitlinien. Sorgen bereiten vor allem die realen Zunahmen der Anschläge in AFG mit hohen Todeszahlen, mittlerweile vor allem durch den „IS“, was die Taliban vermehrt zum Kampf gegen den „IS“ zwingt.

MALI und MINUSMA

Generalleutnant Jacobson während seines Vortrags
Generalleutnant Jacobson während seines Vortrags

Zahlenmäßig der umfangsreichste Einsatz und zwei Erfolgsstorys, die vor allem durch den zeitgerechten Einsatz der FR Kräfte möglich wurde. Die Ausbildung der malischen Streikräfte zeigt vernünftige Ergebnisse, auch wenn von deutscher Seite wieder einmal hohe Improvisationskunst erforderlich ist. An der UN-Mission MINUSMA beteiligt sich auch China, ein interessanter Aspekt. Die Herausforderung wird der Einsatz der NH 90 Hubschrauber sein, denen Mitte des Jahres der Kampfhubschrauber TIGER folgt, die Systeme sollen dann ein Jahr im Einsatz verbleiben.

Zum Schluss noch einige Anmerkungen zu den einsatzgleichen Verpflichtungen. Die Verlegung nach Litauen im Rahmen „Enhanced Forward Present“ der NATO durch das Panzergrenadierbataillon 122 erfolgte in ausgezeichneter Weise. Nun hat die Truppe vor Ort erst einmal den Besucheransturm zu bewältigen, um dort dann bis Mitte des Jahres Generalleutnant Jacobson während seines Vortrags 2017 zu verbleiben. Danach erfolgt die Ablösung durch das Panzergrenadierbataillon 371, das bis Ende des Jahres 2017 dort die Präsenz aufrecht erhalten wird.

Die Truppe ist in Deutschland durch umfangreiche Übungen vorzubereiten, wird zudem durch intensive Übungen im Land einen ausgezeichneten Leistungsstand erreichen und kann ggfs. Lücken vor Ort schließen. Aus Ausbildungssicht ein unschätzbarer Vorteil, so intensiv wie dort, wird die Truppe wohl kaum mehr ausbilden können. Präsent muss die Truppe mit 75% ständig vor Ort sein und dabei 2 Kampfkompanien vorhalten. Ein Langzeitauftrag, der naturgemäß einer intensiven Betreuung bedarf und eine Bezahlung nach Einsatzkriterien rechtfertigt. Zusammen mit den Verpflichtungen im Rahmen von VJTF in 2019, die von der PzLBrigade 9 wahrgenommen werden wird, bleiben fordernde Aufgaben auch im Friedensbetrieb, die Personal wie Material besonders beanspruchen. Dafür muss auch von der bisherigen Einsatzsystematik abgewichen werden und die Zuweisung von Material und den Ausbildungseinrichtungen dementsprechend auftragsbezogen erfolgen. Die Maßnahmen aus dem Weissbuch 2016 mit einem starken Aufwuchs an Fähigkeiten kommen für diese Herausforderungen zu spät. Aber das Heer wird seine Aufträge dennoch, wie bisher auch, wieder meistern.

Hinweis

Das Symposium der Freundeskreise Panzer- und Panzergrenadiertruppe wird am 8. und 9. März 2018 erneut in Munster am Ausbildungszentrum stattfinden. Verantwortlich zeichnet turnusgemaß der Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe. Im Anschluss an das Symposium findet für den Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe die Mitgliederversammlung statt.

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Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender