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Armee im Aufbruch

2016-07-13 20:21
von Marco Pracht
Band-7
Autor: Major Marcel Bohnert

Allgemeines

Wappen

Im folgenden Beitrag werden die Hintergründe des Ende 2014 im Miles-Verlag erschienenen Buchbandes »Armee im Aufbruch« erläutert. Dabei soll einleitend beschrieben werden, was die Autorenschaft beim Verfassen ihrer Texte bewegt hat und was sie mit ihrem knapp 280-seitigen Band erreichen möchte. Anschließend wird auf gegen das Projekt vorgebrachte Kritik eingegangen und damit in Zusammenhang stehende Fragen beantwortet. In einem Fazit und Ausblick sollen der Status Quo bestimmt und zu weiteren Diskussionen angeregt werden.

Hintergründe des Projektes

Buchcover: Armee im Aufbruch
Das Buch der 16 jungen Kampftruppenoffiziere wird in Bundeswehr, Öffentlichkeit und Medien sehr kontrovers diskutiert

In den letzten beiden Ausgaben dieser Zeitschrift wurde bereits über das Projekt »Armee im Aufbruch« berichtet. Daher sollen seine Hintergründe in diesem Abschnitt nur kurz umrahmt werden: Das Projekt ist Anfang 2013 durch einen freiwilligen Zusammenschluss junger Offiziere und Offizieranwärter der Kampftruppen an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg entstanden.

Ziel des Zusammenschlusses war es, sich mit Fragen der Identitätsbildung in den Streitkräften zu befassen und dabei in einen Austausch mit der militärischen Führung, wissenschaftlichen Kreisen und der interessierten Öffentlichkeit zu treten. Zu diesem Zwecke haben sich die jungen Offiziere und Offizieranwärter nach Dienst über mehrere Monate hinweg in Kolloquien an der Universität zusammengefunden.

Diese als »Denkzirkel« gedachten Veranstaltungen dienten dem zwanglosen Austausch und einer unbefangenen Reflexion der Gedanken. Als Meilenstein wurde nach fast zwei Jahren intensiven Debattierens die Aufsatzsammlung »Armee im Aufbruch« publiziert, in der die Beteiligten ihre Gedanken niedergeschrieben haben und sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Damit wollen sie ihre Chance wahrnehmen, sich als uniformierte Staatsbürger in den zivilgesellschaftlichen Diskurs einzubringen und in einen offenen Dialog mit Leserinnen und Lesern sowie den Usern sozialer Medien treten. Um einen interaktiven Meinungsaustausch zu ermöglichen, sind u.a. eine Internet- sowie eine Facebook- Seite eingerichtet worden. Zudem finden öffentliche Vorträge, Lesungen, Kolloquien und Podiumsdiskussionen statt, die teils aufgezeichnet und online verfügbar gemacht werden.

Stellungnahme zur Kritik am Projekt

Die in diesem Abschnitt aufgezeigte Kritik speist sich vor allem aus den Diskussionen in sozialen Netzwerken und aus den in Vortragsveranstaltungen aufgeworfenen Fragen. Sie bezieht sich zudem auf Rezensionen und Medienbeiträge sowie auf Hintergrundgespräche mit Journalisten und Militärs. Dabei ist zu erwähnen, dass die Diskussionen um die Aufsatzsammlung nur zu einem kleinen Teil in den von der Autorenschaft dafür vorgesehenen Foren stattfinden. Sie sind bislang vor allem »extern« erfolgt; etwa auf der Facebook-Seite der Bundeswehr, in der Zeitschrift loyal oder auf der Facebook- Präsenz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Weiterhin lässt sich erkennen, dass sich die Kritikpunkte am Projekt wiederholen und inzwischen ein guter Überblick über die am häufigsten aufgeworfenen Fragen gewonnen werden konnte. Im Folgenden wird auf einige der am intensivsten diskutierten Themen eingegangen.

Unerfahrenheit der Autorenschaft

Eine häufig vorgebrachte Kritik bezieht sich auf die Unerfahrenheit der Autorenschaft des Sammelbandes. Mit dem Hinweis auf die geringe Diensterfahrung oder die mangelnde Erfahrung im Verfassen von Buchbeiträgen wird dabei versucht, ihr die Wichtigkeit und Relevanz der geäußerten Gedanken abzusprechen. Zunächst gilt es herauszustellen, dass die Autorenschaft nie von sich behauptet hat, über viele Erfahrungen in der Bundeswehr zu verfügen oder besonders schreiberfahren zu sein. Der Untertitel des Bandes lautet »Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr« und bringt zum Ausdruck, dass sich hier Autorinnen und Autoren zu einem relativ frühen Zeitpunkt ihrer Karriere mit ihrem Berufsverständnis auseinandersetzen.

Daraus sollten jedoch keine Zweifel an der Bedeutung des Sammelbandes erwachsen. Der Vorwurf der Unerfahrenheit ist auch deshalb absurd, weil er – wenn er konsequent zu Ende gedacht wird – impliziert, dass jedweder Diskurs lediglich von erfahrenen, mithin älteren Soldatinnen und Soldaten geführt werden kann. Gedanken machen sich die Projektteilnehmer trotz ihres vergleichsweise jungen Alters – oder vielleicht auch gerade deswegen. Abgesehen davon können einige Autoren bereits auf Einsatzerfahrung, Vordienstzeit oder Truppenpraktika zurückblicken. Das Besondere am Sammelband ist vor allem, dass sich junge Offiziere und Offizieranwärter unbefangen zu Wort melden. Das ermöglicht einen unverfälschten Blick auf Themen, die unseren Offiziernachwuchs schon zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere bewegen. Dabei erhebt keiner der Autorinnen und Autoren den Anspruch, das gesamte Offizierkorps zu repräsentieren oder absolute Wahrheiten zu verkünden. Vielmehr wollen sie zu einem Diskurs herausfordern.

Politische Ausrichtung der Autorenschaft

Cover der Facebookseite zum Buch "Armee im Aufbruch"
Die »Leutnante 2014« diskutieren die Inhalte ihres Sammelbandes inzwischen mit fast 2.000 Facebook-Followern

Der Autorenschaft werden mitunter pauschal streng konservative und traditionalistische bis hin zu nationalistischen Ansichten vorgehalten. Dabei wurden politische, religiöse oder weltanschauliche Orientierungen der Offiziere und Offizieranwärter zu keinem Zeitpunkt des Projektes thematisiert oder waren Inhalt von Diskussionen in den Kolloquien. Sie waren für die Projektteilnahme auch völlig irrelevant – zumindest, solange sie sich innerhalb des freiheitlich-demokratischen Wertesystems bewegt haben. Im Kern geht es im Sammelband um soldatische Fragen. Das Primat der Politik wurde von keiner Autorin und keinem Autoren jemals in Frage gestellt. Drei der jungen Offiziere haben zudem einen Migrationshintergrund und hätten sich bei rechtspopulistischen oder ähnlichen Tendenzen in der Autorengemeinschaft zweifellos gegen eine Projektteilnahme entschieden.

Ausbildungsmängel

Einige Kritiker argumentieren, dass Mängel in der Offizierausbildung zur Publikation des Sammelbandes geführt haben müssen. Sie sehen »Armee im Aufbruch« als Wortmeldung eines unzureichend qualifizierten und desorientierten Führungsnachwuchses, dem das Verständnis für die geistigen Grundlagen des Militärdienstes in unserem Lande fehlt. Teilweise wird daraus auch Handlungs- oder Nachsteuerungsbedarf abgeleitet. Zum einen spielen diese Kritiker damit – vermutlich ungewollt – einigen Autoren wie den Leutnanten Richard Unger, Kai Skwara oder Lukas Reitstetter in die Karten, die sich kritisch mit dem derzeitigen Ausbildungsgang für Heeresoffiziere auseinandersetzen.

Zum anderen muss herausgestellt werden, dass gerade das Gegenteil der Fall ist: Die Autorinnen und Autoren haben sich intensiv und mehr als andere mit ihrem beruflichen Selbstverständnis und ihrer zukünftigen Rolle als militärische Führer auseinandergesetzt. Sie haben nicht nur am Ethik-Curriculum der Hamburger-Bundeswehruniversität sowie an den Autorenkolloquien zum Buchband teilgenommen, sondern waren in Truppengattungskameradschaften oder in der Schießausbildung der Universität weit über ihr Studium hinaus engagiert. Niemand, der derartige Vorwürfe erhoben hat, hat bis dato auch nur ein einziges Wort mit einer der Autorinnen bzw. einem der Autoren gewechselt. Damit wird eine wichtige Chance zum kritischen Dialog mit unserem Nachwuchs und ein Beleg für eine gut funktionierende Innere Führung vertan.

Wer sich ernsthaft mit den jungen Offizieren und Offizieranwärtern befasst, wird schnell feststellen, dass sie ausgesprochen reflektiert argumentieren können und nicht nur die Themen, sondern auch die Motive und Hintergründe für das Verfassen ihrer Aufsätze ganz unterschiedlicher Natur sind.

Geplanter Tabubruch

Collage der 12 Autoren
Zwölf der jungen Offiziere und Offizieranwärter waren mutig genug, sich der Diskussion ihrer Beiträge von Beginn an offen (mit Klarnamen und Foto) zu stellen

Der Autorenschaft wird vorgeworfen, mit dem Sammelband eine beabsichtigte Provokation vorzunehmen und durch die freien Meinungsäußerungen einen Tabubruch anzustreben. Richtig ist, die Zurückhaltung des deutschen Offizierkorps im gesellschaftlichen Diskurs hatte in den letzten Jahren einen nicht unerheblichen Raumverlust zur Folge.

Richtig ist auch, dass der Sammelband eine kritische Diskussion initiieren möchte und die Öffentlichkeit zu Reaktionen auffordert. Durch diese grundlegende Absicht kann der vorgenommene Vergleich ihrer Meinungsäußerungen mit den Thesen der »Leutnante 70« oder der »Hauptleute von Unna/Hauptleute 71« nur begrenzt bestehen, da »Armee im Aufbruch« explizit auf einen Dialog angelegt ist und die Autorenschaft auch inhaltlich nicht immer einheitliche Sichtweisen vertritt. Die im Diskurs genutzten Pseudonyme der »Leutnante 2014« oder der »Jungen Wilden« sind für die jungen Offiziere und Offizieranwärter zumindest insofern erfreulich, als dass sie zeigen, dass ihre Ansichten gehört und diskutiert werden. Sie sehen es als ihr Recht und auch ihre Verantwortung an, in einer Debatte um den Status Quo und die Führungskultur unserer Streitkräfte eine Stimme zu haben.

Eine ganze Reihe von Politikern, Wissenschaftlern, Journalisten und Militärs gibt ihnen in Statements zum Buchband in der Sache recht. Es liegt allerdings auch in der Überzeugung zumindest von Teilen der Autorenschaft, dass es eines gewissen Provokationspotenziales bedarf, um eine solche Debatte initiieren zu können. Texte ohne scharfe und auch provokante Thesen werden kaum zum Nachdenken anregen, geschweige denn Reaktionen hervorrufen.

Die enttäuschend geringe Resonanz auf den wissenschaftlich orientierten Sammelband »Soldatentum« (Olzog- Verlag, 2013), dessen Erstellung auf eine Initiative junger Offiziere der Universität der Bundeswehr München zurückgeht, bestätigt diese Annahme. Aber: Keiner der Aufsätze erhebt den Anspruch, absolute Wahrheiten zu verkünden. Im Gegenteil: Sie sollen als Grundlage für eine offene und kontroverse Diskussion dienen. Dem Argument, dass die Inhalte des Bandes zu provokant sind, um überhaupt in einen sachlichen Diskurs mit interessierten Kreisen eintreten zu können, widerspricht die Realität inzwischen deutlich.

Nichtsdestotrotz kam es gerade zu Beginn der Debatte zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen, die auch auf der Herausgeber- und Autorenseite zu Lernprozessen geführt haben. Einige der jungen Offiziere haben ihre Gedanken inzwischen weiterentwickelt und argumentieren noch dezidierter. Bei aller Kritik, die die Autorinnen und Autoren an der Bundeswehr oder gesellschaftlichen Verhältnissen üben, sollten zudem niemals Zweifel daran aufkommen, dass sie allesamt überzeugte und pflichtbewusste Soldatinnen bzw. Soldaten mit einer überdurchschnittlichen Verbundenheit zu unseren Streitkräften sind, die ihren Treueeid auch unter schwierigen Rahmenbedingungen erfüllen werden.

Inhaltliche Kritik

Insgesamt scheint es bisher relativ wenig inhaltliche Beschäftigung mit dem Sammelband zu geben. Diskussionen erinnern mitunter eher an Mahnungen mit erhobenem Zeigefinger, als an eine fundierte Auseinandersetzung mit den Fragen, Problemen und Argumenten der Autorenschaft. Einige Kritiker erwecken zudem den Eindruck, als hätten sie den Sammelband gar nicht gelesen, sondern sich lediglich aus Sekundärquellen informiert und sich darauf aufbauend ihre Meinung gebildet. Wenn sich doch inhaltlich mit dem Band befasst wird, wird dabei gern pauschalisiert und verallgemeinert und sich damit desselben stilistischen Mittels bedient, das man der Autorenschaft gern vorhält.

Mehr als andere Beiträge hat der Aufsatz von Leutnant Jan-Philipp Birkhoff die Gemüter erregt. Dieser wurde in verkürzter Form in der Januarausgabe 2015 des sicherheitspolitischen Magazins loyal publiziert und hat eine Vielzahl an Leserbriefen hervorgerufen.

Die Herausgeber der Zeitschrift sahen sich veranlasst, sich im Editorial der Februarausgabe an ihre Leserschaft zu wenden und anlassbezogen eine Doppelseite mit Kommentaren abzudrucken. Zudem erreichten den Autoren zahlreiche direkt an ihn gerichtete Zuschriften. In seinem Beitrag befasst sich Leutnant Birkhoff mit den heutigen Aufgaben des militärischen Führers, die er als nicht mit zivilen Äquivalenten vergleichbar betrachtet. Er sieht die militärische Handlungsfähigkeit unter den Bedingungen der pluralistischen Gesellschaft erheblich eingeschränkt und plädiert daher für ein professionelles Berufsethos.

Damit wendet er sich von grundlegenden Prinzipien der Inneren Führung ab und stellt die Vorzüge eines neuen Selbstverständnisses heraus. Dabei überspitzt er möglicherweise, wenn er u.a. davon spricht, dass Dekadenz, unkontrollierte Gewalt und Rücksichtslosigkeit heute mehr denn je zu unserer Gesellschaft gehören. Aber wie alle anderen Autoren stellt auch Leutnant Birkhoff seine Auffassung zur Disposition. Sein Beitrag hat es bisher zudem als einer der wenigen geschafft, eine umfassende Diskussion auszulösen und damit eine äußerst nützliche Funktion – unabhängig davon, ob man ihm inhaltlich zustimmt oder nicht. Die durch seine scharfe Polemik in Bezug auf gesellschaftliche Missstände behauptete „Herabwürdigung des Auftraggebers“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Februar 2015) verkennt Herabwürdigungen, die sich die Bundeswehr seit Jahren aus gesellschaftlichen Kreisen gefallen lässt, ohne nachdrücklich eine Stimme dagegen zu erheben.

Erinnert sei etwa an (a) die Verleihung des »Aachener Friedenspreis 2013« an drei deutsche Schulen, die den Ausschluss von Jugendoffizieren und Wehrdienstberatern aus ihren Einrichtungen beschlossen hatten, (b) die emotionale Debatte um die »Zivilklausel « an wissenschaftlichen Einrichtungen, (c) der erfolglose, durch den damaligen Bundesminister der Verteidigung Thomas de Maizière initiierte Diskurs um einen deutschen Veteranentag, (d) der Spott über die »Attraktivitätsoffensive « der Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen, (e) Aktionen wie »Feste feiern, wie Sie fallen« und »GelöbNIX« oder (f ) die Aussetzung einer Kopfprämie auf Brigadegeneral Georg Klein am Rande der Verhandlungen über die Schadensersatzklagen von Hinterbliebenen des Kunduz-Bombardements vor dem Bonner Landgericht.

Es ließe sich mit Blick auf die Afghanistan- Erfahrungen darüber hinaus im Sinne Leutnant Birkhoffs argumentieren, dass die zivile Orientierung des Militärs dazu beigetragen hat, dass die sich verschärfende Situation im Einsatzgebiet über viele Jahre verkannt wurde und die Illusion eines humanitär orientierten Stabilisierungseinsatzes selbst noch aufrecht erhalten blieb, als deutsche Soldatinnen und Soldaten längst in erbitterte Gefechte und Sprengstoffanschläge verwickelt waren. Die Innere Führung hat sicher auch in Afghanistan ihre Erfolge gehabt, aber pauschal von einer uneingeschränkten Bewährung zu besprechen, verkommt zum Lippenbekenntnis und verkennt den diskursiven Charakter dieser Führungsphilosophie. Das seit 2009 erscheinende »Jahrbuch Innere Führung« liefert weitere Argumente in der Kontroverse und einen fundierten Einblick in die wissenschaftlichen Debatten um die Innere Führung.

Um eine Bewährungsprobe glaubhaft bestehen zu können, erscheint zumindest eine Diskussion um ihre Anpassung an streitkräfteinterne Entwicklungen und sicherheitspolitische Veränderungen unbedingt erforderlich. Das offen anzusprechen, mag ungewohnt sein, es ist nach dem Verständnis der Autorenschaft aber völlig legitim: Die Innere Führung selbst fordert nicht nur freimütige Diskussionen und eine offene Gesprächskultur, sondern auch ihre beständige Anpassung an sich ändernde gesellschaftliche, politische, rechtliche und militärische Rahmenbedingungen.

Bereicherung der Autorenschaft

Zeichnung Pistole und Bücher
Kontroverse Themen etwa im Text des Panzeroffiziers Leutnant Kai Skwara, der sich mit der Rolle des Offiziers in der Gesellschaft und dem Einfluss des Studiums an den Bundeswehruniversitäten auseinandersetzt (Illustration: Leutnant Nathalie Falkowski, Pan

Der Autorenschaft wird häufig vorgeworfen, sich durch den Verkauf des Sammelbandes finanziell zu bereichern. Das Projekt ist jedoch in keiner Form monetär ausgerichtet oder durch die Autorinnen und Autoren mit dem Ziel eines finanziellen Gewinns aus den Verkaufserlösen des Buches betrieben worden. Das wurde schon bei der Initiierung des Projektes klar kommuniziert. Im Gegenteil: Insgesamt sind etwa 1.500 Euro aus privaten Mitteln in das Vorhaben eingebracht worden, bevor das erste Buch gedruckt wurde und in den Verkauf gelangt ist. Der Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe (FOP) sowie der Freundeskreis der Panzergrenadiertruppe (FKPG) haben das Projekt darüber hinaus mit einem Druckkostenzuschuss von jeweils 500 Euro unterstützt.

Keiner der Autorinnen und Autoren hat für seine Beteiligung am Projekt oder nach Veröffentlichung des Bandes eine finanzielle Zuwendung erhalten. Stattdessen sind sie darin übereingekommen, dass jegliche Erlöse aus dem Buchverkauf genutzt werden, um die finanziellen Vorleistungen auszugleichen und erneut in Werbemaßnahmen oder andere Ideen zum Projekt zu investieren. Sollte es darüber hinausgehende Einnahmen geben, wird über deren Verwendung gemeinschaftlich beraten. Denkbar sind Spenden, etwa an die Familie des verstorbenen Autoren Oberleutnant Torben Andreas Mayer (*01.04.1987 †09.06.2015), den Bund Deutscher Veteranen oder das Soldatenhilfswerk.

Fazit

Der kürzlich pensionierte Generalleutnant Bruno Kasdorf, ehemaliger Inspekteur des Heeres, hat die Besonderheit des Projektes »Armee im Aufbruch « sehr treffend zusammengefasst: „Für die Sicherheit unseres Landes und den Schutz unserer Bürger aktiv einzutreten, ist ein ehrenvoller Dienst an unserer Gesellschaft – die Diskussion darüber wollen wir nicht nur anderen überlassen. Die jungen Autorinnen und Autoren leisten hierzu einen bemerkenswerten und mutigen Beitrag.“ Die mit dem Sammelband verbundene Intention der jungen Offiziere und Offizieranwärter und die Bedeutung des Buches bringt zudem Generalmajor Walter Spindler, Kommandeur des Ausbildungskommandos Heer und Vorsitzender des FKPG, auf den Punkt: „Es kommt nicht darauf an, ob sie mit ihren Beobachtungen und Anmerkungen immer Recht haben, entscheidend ist, dass sie es gewagt haben, diese niederzuschreiben und so ihr Berufsbild auch kritisch zu reflektieren. Dazu bedarf es Leidenschaft, Mut und Zivilcourage.

Dass eine umfassende Diskussion um das Selbstverständnis und die Führungskultur der Bundeswehr bislang ausgeblieben ist, obwohl sich die Rahmenbedingungen des militärischen Dienens gravierend verändert haben, ist ein schweres Versäumnis: Die Eingliederung der Nationalen Volksarmee, die Aussetzung der Wehrpflicht, Standortschließungen, Reformen und Umstrukturierungen, die Truppenreduzierung, die Öffnung aller Karrierewege für Frauen und vor allem die teils hochintensiven Auslandseinsätze haben das Gesicht unserer Streitkräfte in den letzten fünfundzwanzig Jahren maßgeblich verändert.

Die Auslandsmissionen der Bundeswehr haben zudem – offenbar weitgehend unbemerkt – etwa 350.000 Einsatzveteranen in die deutsche Gesellschaft gespült (dazu ausführlich im am Karfreitag 2016 erscheinenden Buchband »Die unsichtbaren Veteranen«). Angesichts dieser Entwicklungen lässt sich die Notwendigkeit einer umfassenden Debatte über den inneren Zustand der Bundeswehr kaum mehr bestreiten. Dass Soldatinnen und Soldaten dabei selbst eine gewichtige Stimme erhalten, sollte selbstverständlich sein. Der aktuelle »Weißbuchprozess 2016« bietet für einen solchen Diskurs ganz sicher eine geeignete Gelegenheit.

Ausblick

„16 jungen Offizieren und Studierenden der Hamburger Bundeswehr- Universität ist es gelungen, eine […] bundesweite Debatte über die gesellschaftliche Akzeptanz von Soldaten und die Innere Führung zu entfachen.“ (Hamburger Abendblatt, 03. Juni 2015)

Auch wenn die erste Resonanz auf den Sammelband durchaus zufriedenstellend ist, kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden, inwieweit er auch weiterhin zu einer konstruktiven Debatte beitragen kann und welche langfristige Wirkung er entfalten wird. Das wird sich erst in den kommenden Monaten herausstellen und ist neben der Frage, ob die Autorinnen und Autoren ihre Leserschaft nachhaltig herausfordern konnten, auch von dem generellen Interesse der Öffentlichkeit an Streitkräften und sicherheitspolitischen Themen abhängig.

Es ist zu hoffen, dass der Band zu weiteren Meinungsäußerungen – gerne auch zur Gegenrede – von Offizieren und Offizieranwärtern aller Couleur animiert, vielleicht sogar von Angehörigen anderer Dienstgrad- und Laufbahngruppen. Bislang wird leider noch immer mehr über die jungen Autorinnen und Autoren, als mit ihnen gesprochen. Dabei betonen die jungen Offiziere immer wieder, dass sie mit ihrem Sammelband ein Gesprächsangebot vorgelegt haben und in einen offenen Dialog mit interessierten Kreisen treten möchten. Wie bereits erwähnt, stehen dafür ausreichende und für jedermann zugängliche Plattformen und Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung, die zukünftig hoffentlich noch stärker genutzt werden (z.B. unter www.Armeeim- Aufbruch.de ).

Autor: Major Marcel Bohnert
Autor: Major Marcel Bohnert

Autor: Major Marcel Bohnert ist Panzergrenadieroffizier und Teilnehmer des »Lehrganges Generalstabs-/Admiaralstabsdienst National (LGAN 2015)« an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Die vollumfängliche Version dieses Beitrages wurde im »Jahrbuch Innere Führung 2015« (Miles-Verlag) publiziert.

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Generalleutnant Jacobson
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