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Auswirkungen der neuen Struktur

2015-05-14 07:15
von Redaktion
Band-4

Auswirkungen der neuen Struktur auf die Panzertruppe

Von Autoren der Gruppe Weiterentwicklung der Panzertruppenschule

Das Deutsche Heer gliedert zur Zeit noch vom "Neuen Heer für neue Aufgaben" zum "Heer der Zukunft" um. Diese Struktur ist noch nicht in vollem Umfang eingenommen und schon werden neue Strukturen und damit einhergehend neue Reduzierungen beschlossen, um den notwendigen Transformationsprozess der Bundeswehr zur Anpassung an neue Aufgaben einzuleiten.

Entwicklung der Heeresstrukturen

Um den Herausforderungen der neuen Aufgaben wie sie in den VPR beschrieben worden sind gerecht zu werden wird die Bundeswehr in drei Kategorien gegliedert:

  1. Eingreifkräfte
  2. Stabilisierungskräfte
  3. Unterstützungskräfte

Mit dem Umfang der Kräfte in dieser Gliederung soll ein Kontinuum an Fähigkeiten erreicht werden, wonach das Heer den künftig wahrscheinlicheren Einsätzen angepasst und den sicherheitspolitischen Anforderungen gerecht werden kann.

Im Mittelpunkt der künftigen Struktur steht die Absicht, Kräfte für mittlere Fähigkeiten zu optimieren, die luftverlastbar mit dem A 400 M sind. Dieser Forderung ist auch die Konzeption des Neuen Schützenpanzers PUMA gefolgt, der mit einem Gewicht von 31,4 t in der Schutzstufe A lufttransportabel sein wird. Kräfte mit mittleren Fähigkeiten sind durchhaltefähig und ausgewogen in Mobilität und Flexibilität einerseits und bieten Schutz und Feuerkraft anderseits. Werden für Eingreif- als auch Stabilisierungsoperationen schwere Kräfte benötigt, müssen diese im Bahn- bzw Schiffstransport verlegt werden. Die Eingreifkräfte als auch die Stabilisierungskräfte verfügen dann über alle Elemente, die sie zur Führung des Gefechts der Verbundenen Waffen befähigen.

Kontinuum an Fähigkeiten

Danach steht fest, dass es im künftigen Heer nur noch 6 Panzer- und 8 Panzergrenadierbataillone geben wird. Mit der Bekanntgabe des Stationierungskonzeptes am 02.November 2004 hat der BMVg festgelegt welche Panzerbataillone künftig als schwere Komponente das Rückrat des Deutschen Heeres bilden werden. Von den bisherigen 13 Panzerbataillonen werden die Panzerbataillone 33, 203 sowie das Panzerlehrbataillon 93 den Eingreifkräften und die Bataillone 413, 393 sowie 104 den Stabilisierungskräften angehören. Alle anderen Panzerverbände fallen der neuen Struktur zum Opfer.

Die Panzertruppe ist auch im "Heer 2010" das Rückgrat der mechanisierten und der Kern der schweren Kräfte. Sie stellt aufgrund ihrer universellen Einsetzbarkeit mit der Kombination der elementaren Eigenschaften Beweglichkeit, Feuerkraft, Schutz und Führungsfähigkeit ein wesentliches Mittel im Fähigkeitsprofil der Streitkräfte dar. Im Einsatzspektrum der Eingreifkräfte wirkt die Panzertruppe durch Feuer, Stoßkraft, hohes Tempo sowie Überlebensfähigkeit insbesondere bei Duellsituationen hoher Intensität wirken. Im Bereich der Stabilisierungskräfte trägt die Panzertruppe zur abgestuften Wirkung und kontrollierten Eskalation und Deeskalation bei.

Welche Folgerungen hat die neue Ausrichtung des Heeres für die Panzertruppe ?

Die Panzer- und die Panzergrenadiertruppe sind im Verbund der Kampftruppen die Hauptträger des beweglich geführten Gefechts. Sie stellen einen gepanzerten Kern für Eingreifkräfte und Stabilisierungskräfte bereit. Das unmittelbare und enge Zusammenwirken von Panzertruppe und Panzergrenadiertruppe im streitkräftegemeinsamen Verbund ist auf Grund ihrer sich ergänzenden Fähigkeiten eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg im Einsatz. Ihre Vielseitigkeit sowie Reaktions- und Durchhaltefähigkeit versetzt sie sowohl in die Lage, die Initiative zu 20A3u gustdorf Munster L93 Bad Salzungen 393 Spechtberg 413 Pfreimd 104 Neustadt 33 Panzertruppe "Heer 2010" erringen, zu erhalten und eine Entscheidung herbeizuführen als auch gesteuert eskalierend oder deeskalierend zu wirken. Auf der Basis der unverändert gültigen Einsatzgrundsätze ist das zukünftige Fähigkeitsprofil den neuen Herausforderungen anzupassen, insbesondere bei Operationen im bebauten Gelände sowie bei Einsätzen niedriger und mittlerer Intensität im Sinne eines "Three Block War" (high intensity conflicts – stabilisation operations – humanitarian aid).

Einsätze/Operationen mechanisierter Kräfte in bebautem Gelände (Urban Operations) werden aufgrund der zunehmenden Verlagerung der Bevölkerung in Städte sowie deren Nutzung durch potentielle Gegner zukünftig eine besondere Bedeutung erhalten. Dafür notwendige Fähigkeiten für die Gepanzerten Kampftruppen sind bezüglich Konzeption, Ausbildung wie auch hinsichtlich weiterer möglicher struktureller Anpassungen streitkräftegemeinsam weiterzuentwickeln.

Dem ist dahingehend Rechnung getragen worden, dass die Verbände der Eingreifkräfte und der Stabilisierungskräfte weitgehend in räumlicher Nähe zueinander stationiert sind, um endlich das gemeinsame Ausbilden und Üben der Panzer- und Panzergrenadiertruppe wieder zu ermöglichen. Mögliche Einbindungen anderer Staaten, z.B. bei der Errichtung eines nationalen Ausbildungszentrums, sind dabei zu prüfen. Auch aus diesem Grund hat der General der Panzertruppen neben den 350 Leopard 2 A5/A6/A6M 50 Leopard 2 A 4 für die weitere Nutzung beantragt, um im internationalen Verbund das Waffensystem für die Ausbildung verfügbar zu haben und andererseits für technische Erprobungen eine bewährte Waffenplattform nutzbar zu haben.

Struktur der Panzerkompanie „Heer 2010“

Anpassung des Kampfpanzer Leopard 2 an neue Bedrohungslagen

Wenngleich der Leopard 2 A 6 in der Version Minenschutz bereits ein hervorragendes Waffensystem darstellt, sind für die wahrscheinlicheren Einsätze Anpassungen des Kampfpanzer erforderlich, die es erlauben mit einem optimierten Waffensystem auch an Operationen in urbanen Räumen teilnehmen zu können, das für die Besatzungen den höchst möglichen Schutz bietet.

Im Mittelpunkt konzeptioneller Überlegungen stehen als Reaktion auf die Fähigkeitslücken der Panzertruppe sowohl die technische Weiterentwicklung einerseits als auch die Anpassungen an taktische und operative Erfordernisse, die aus solch einem Einsatzspektrum abzuleiten sind andererseits. Wie die Erfahrungen der US und GB Panzertruppe im Irak gezeigt haben, ist die Bedrohung für Kampfpanzer nicht wie im klassischen Panzerduell hauptsächlich frontal zu sehen, sondern in gleichem Maße auch in den Flanken, von hinten und von oben. Besonders gravierend wirken sich die toten Räume der Optiken für die Besatzung aus, wo künftig nach dem Vorbild des israelischen MERKAVA mit einer Rundumsichtkamera Sorge dafür zu tragen ist, dass die Besatzung auch für den Kampf mit geschlossenen Luken optimale Sicht hat.

Ein ebenso wertvolles wie wirkungsvolles Modul als Zweitbewaffnung ist eine Autonome Waffenstation auf der Ladeschützenseite statt des antiquierten Fliegerabwehrmaschinengewehrs, die neben der Bedienung unter Panzerschutz sowie hervorragender Feuerkraft und Präzision auch exzellente Beobachtungsmöglichkeiten für den Ladeschützen bietet und diesen in die Beobachtung des Gefechtsraumes insbesondere in hohen Richtbereichen einbindet.

Für die Verbesserung des Schutzes an den Turmflanken sind Module vorzusehen, die für Einsätze in urbanen Räumen am Turm adaptiert werden können, um der Gefährdung durch die allgegenwärtigen RPG zu begegnen. Entsprechende Muster dafür werden bereits von KMW geprüft.

Auch die primären und die sekundären Optiken müssen , werden Einsätze in bebauten Gebieten betrachtet, besonders geschützt werden, um deren Zerstörung durch Scharfschützen zu verhindern. Hier gibt es Abhilfe nach spanischem Muster, wie das folgende Bild zeigt.

Selbstverständlich werden auch Maßnahmen zur besseren Kommunikation in die Überlegungen zur Verbesserung des Kampfpanzer für den Kampf in Urbanen Räumen in die Überlegungen einbezogen. Hier ist zunächst wichtig, dass die Besatzung mit den abgesessen kämpfenden Kräften in Verbindung steht, andererseits diese aber auch über eine sichere Außenbordsprechverbindung mit der Besatzung kommunizieren können. Zum Räumen von Barrikaden oder Hindernissen mit versteckten Ladungen kann ein Räumschild zweckmäßig sein, womit für den Schutz der Wanne und des Kraftfahrers eine wirkungsvolles Modul angebracht wäre.

Auch was die Verfügbarkeit geeigneter Munition für den Kampf in urbanen Gebieten betrifft, wird die Panzertruppe mit der HE Munition über eine geeignete Sprengmunition verfügen, um gegen Flächenziele oder zum Schießen von Breschen wirkungsvoll eingesetzt werden zu können. Dennoch müssen auch bei der Weiterentwicklung von Panzermunition neue Wege beschritten werden, um nichtletale Wirkmittel, die geringe Nebenwirkungen mit sich bringen, einsetzen zu können.

Kritische Kenner werden sicherlich anzumerken haben, dass die Zeit für Kampfpanzer jetzt endgültig vorbei ist. Wir sehen das nicht so. Die Bilder aus dem Irak belegen eindeutig, dass zur Durchsetzung eines Mandats robuster Schutz und schwere Bewaffnung nach wie vor modern sind und deshalb auch der Anpassung bedürfen. Was das Gewicht schwerer Kampfpanzer betrifft, sind die Obergrenzen erreicht. Deshalb muss darüber nachgedacht werden, wie die Gewichte am Kampfpanzer neu zu verteilen sind, ohne den Faktor Schutz zu vernachlässigen. Im übrigen muss darauf verwiesen werden, dass die oben skizzierten technischen Ergänzungen des Kampfpanzers kein Hexenwerk sind, sondern im Deutschen Panzermuseum in Munster an den Vorvätern des Leopard 2 bereits – mit mehr oder weniger großen Erfolg - erprobt worden sind.

Neue Werksstoffe und Arbeitsverfahren sind in diese Überlegungen einzubeziehen, damit dem Soldaten im Einsatz das bestmögliche Gerät zur Verfügung gestellt wird. Der Kampf in bebauten Gebieten ist nichts wirklich Neues – wir haben es nur für eine Weile ignoriert.

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