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Bedeutung und Rolle des KPz

29.10.2016 07:41
von Marco Pracht
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Band-7

„100 JAHRE PANZER IM EINSATZ“ Bedeutung und Rolle des Kampfpanzers im Spiegel der operativen und taktischen Konzeptionen nach dem Zweiten Weltkrieg in Mitteleuropa

Autor: Dieter Brand
Challenger 2 Kampfpanzer
Challenger 2 Kampfpanzer

Die operativen Vorstellungen der Gründerväter der Bundeswehr waren bestimmt von ihren Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg. Einige der führenden Persönlichkeiten bei Planung und Aufbau der Bundeswehr, wie z.B. General Heusinger oder General v Kielmannsegg, hatten wesentliche Stellen in der Operationsabteilung der Oberkommandos des Heeres innegehabt. Sie knüpften nahtlos an das operative Denken der Kriegszeit an, und im Zentrum dieses Denkens standen gepanzerte Großverbände, mit den man „operieren“ konnte, mit dem Kampfpanzer als entscheidungssuchendes Element. Offensives Handeln zum Gewinnen der Initiative, bewegliche Operationsführung, klare Absage an eine „starre Verteidigung“, gepanzerte Großverbände als Träger der Operationen, gebildet im Verbund mehrerer Truppengattungen, die ein gleiches Maß an Beweglichkeit haben und damit zum Gefecht der verbundenen Waffen fähig sein sollten, enge Zusammenarbeit von gepanzerten Verbänden und „Heeres- Fliegerverbänden“ der Luftwaffe aus „Schlachtfliegern zum Eingreifen in den Erdkampf“, Luftaufklärung und Jagdfliegerverbände wegen der „Luftempfindlichkeit der Panzerdivisionen“ – das waren die Kernstücke, die die ersten Überlegungen zum des Aufbau des neuen deutschen Heeres und der gepanzerten Truppen prägten.

Die ersten operativen Überlegungen für die Verteidigung Mitteleuropas zwischen Ostsee und Alpen spiegeln diese Kategorien wider. Auszug aus der Himmeroder Denkschrift vom Oktober 1950: Die Verteidigung muß, wo immer möglich, offensiv geführt werden. … Man kann selbst mit 50 Divisionen eine von Passau nach Lübeck verlaufende über 800 km lange Front nicht starr verteidigen. Nur in beweglicher Kampfführung läßt sich das Gebiet zwischen Elbe und Rhein erfolgreich halten… Allein die Erwartung, daß sie (die Sowjets) mit ihr (d.h. der beweglichen Verteidigung) zu rechnen haben, kann ihren Angriffsentschluß weitgehend beeinflussen und zu Vorsicht mahnen.

Die praktischen Durchführungsmöglichkeiten … sind im Mittelabschnitt zischen Alpen und Skagerak 4 Gebiete zu unterscheiden:

  • Der süddeutsche Raum, in dem und aus dem heraus etwa 5 bis 6 amerikanische Divisionen und 4 deutsche Panzer-Divisionen zu kämpfen haben
  • der schleswig-holsteinisch-dänische Raum mit möglichst weitem Brückenkopf nach Süden, in dem und aus dem heraus etwa 4 englische, 4 deutsche Panzer-Divisionen einzusetzen wären
  • der Raum zwischen Main und Lüneburger Heide, in dem französische, belgische, holländische Kräfte und etwa 4 deutsche Panzer-Divisionen sich frontal dem sowjetischen Vorgehen insbesondere gegen das Ruhrgebiet entgegenstemmen müssen
  • das Rheingebiet als Rückhalt, in dem die Masse der schweizerischen, französischen, belgischen und holländischen Kräfte – insgesamt etwa 30 Divisionen beschleunigt aufzumarschieren hätten.“

Und zur Struktur des zukünftigen deutschen Heeres wird gesagt: „Umfang und Art der Verbände … 12 Panzer-Divisionen … ein Höchstmaß an Kampfkraft und Beweglichkeit, wie es nur bei Panzer-Divisionen gegeben ist wird die Aufstellung der Volleinheiten zum 1.11.1951 beginnen können. Für die Volleinheiten zu liefern Panzer: 2.400 (Endziel 3.600). 3.600 Panzer – diese Zahl wird uns erst wesentlich später wieder begegnen. Doch zu den Gründervätern der Bundeswehr gehörten nicht nur solche Offiziere, die den Panzer als Kern der gepanzerten Kampftruppen und diese als Träger von Operationen sahen.

Schließlich bestand die Wehrmacht mit Masse aus noch pferdebespannten Infanteriedivisionen, und die Erfahrungen der Offiziere, die daraus hervorgingen, waren geprägt vom leidvollen Kampf der Infanterie in Stellungen. So wundert es nicht, daß entsprechende Alternativen vorgebracht wurden. Das prominenteste Beispiel sind die Vorstellungen des Oberst v. Bonin aus dem Jahre 1954. Getragen von dem Gedanken, daß die Bundesrepublik einer akuten Bedrohung durch die Sowjets ausgesetzt sei, die mit einem Überraschungsangriff der bevorstehenden Wiederaufrüstung zuvorkommen würden und daß „Westdeutschland unter keinen Umständen Kriegsschauplatz werde darf, also an der Grenze zur Sowjetzone verteidigt werden muß“, forderte er, „daß den Kern der zukünftigen Armee zahllose Panzerabwehrgeschütze bilden sollen“, die in 8 Panzerabwehrdivisionen gegliedert insgesamt 8.640 Geschütze ins Feld bringen sollten. Das wäre jedoch das Minimum dessen „was man einsetzen muß angesichts von 5 – 6.000 Panzern auf Feindseite“. Aber er forderte auch „dann noch die Keimzellen von 4 Panzerdivisionen in Gestalt von 4 PzKampfgruppen“.

In der weiteren Entwicklung wurde jedoch keine der vorgenannten Vorstellungen verwirklicht, weder die von Heusinger mit raumgreifenden Operationen, getragen von Panzerdivisionen, noch der grenznah aufgestellte Panzerabwehrgürtel. Auch der Gedanke einer „Europäischen Armee“ hatte sich in der Zwischenzeit durch das Votum des französischen Parlamentes erledigt. Die Verhandlungen zum Beitritt der Bundesrepublik zum NATO-Bündnis führten zum Ergebnis: Zwölf Divisionen, bestimmt zur grenznahen Verteidigung in den zugewiesenen Gefechtsstreifen nach nationalen Führungsgrundsätzen, gestützt auf die allgemeine Wehrpflicht, geführt durch nationale Korpskommandos, eingebunden in das militärstrategische Konzept des Bündnisses, unter operativer Führung durch NATO-Kommandobehörden – und dieses gegen einen klar definierten Gegner, den sowjetisch dominierten Warschauer Pakt.

Damit stellte sich die Frage nach den Führungsgrundsätzen für die neuen deutschen Truppen in ihren zugewiesenen Korps-Gefechtsstreifen. Die operative Planung für die Verteidigung des Mittelabschnittes zwischen Lübeck und Passau, also das Denken in größeren Dimensionen von Kräften, Zeit und Raum lag in der Verantwortung von NATO-Kommandobehörden, in denen natürlich Offiziere der Bundeswehr auch an prominenter Stelle vertreten waren. Der CINCENT – Oberbefehlshaber aller der NATO-Streitkräfte in der Central Region unterstellten Land-, Luft- und in geringerem Maße Seestreitkräfte – war ein deutscher Viersterne-General.

Rückblickend kann man mit aller Vorsicht sagen, daß sich das deutsche Heer vornehmlich auf das Gefecht der verbundenen Waffen, also Taktik innerhalb der Korpsgefechtsstreifen konzentrierte. Das erforderte auch die Definition, welche Art von Truppe man sich zur Erfüllung des Auftrages vorstellte – und also auch die Frage nach der Rolle der Panzertruppe.

Früh fand die Aussage „Panzerverbände sind die Schwerpunktwaffe in der Hand des Truppenführers … Die Stärke der Panzerverbände liegt im Angriff …“ Eingang in die neuen deutschen Vorschriften für die Truppenführung, die bekannten TF´s, und wurde – trotz der sich ändernden Rahmenbedingungen – zum Fundament operativen und taktischen Denkens.

II

Mit Beitritt der Bundesrepublik zum NATO-Bündnis in 1955 wurde die militärische Führung jedoch mit einem militärstrategischen Konzept konfrontiert, das von anderen neuartigen Mitteln der Kriegsführung bestimmt wurde, der sogenannten „Massive Retaliation.“ Der Kerngedanke dieses Konzeptes war, auf jede Aggression auf das NATO-Territorium, zu dem die Bundesrepublik inzwischen gehörte, mit einem massiven nuklearen Gegenschlag zu reagieren, getragen im Wesentlichen durch die Luftwaffe. Das „Operieren“ mit Panzerverbänden zum Herbeiführen einer Entscheidung war darin nicht vorgesehen.

Die Aufgabenstellung für die Luftwaffe leitete zugleich einen Prozeß der Entfremdung zwischen Heer und Luftwaffe ein. Beide Teilstreitkräfte - unter dem Dach des militärstrategischen Konzeptes der Massive Retaliation – mußten sehr unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Die Luftwaffe war – im Verbund der Luftstreitkräfte des Bündnisses – Träger des massiven nuklearen Vergeltungsschlages. Heusingers Idee von „Heeres-Fliegerverbänden“ zur Unterstützung der Operationen von Panzerdivisionen fand keine Beachtung mehr. Die Landstreitkräfte hatten im militärstrategischen Kontext mehr oder weniger die Funktion eines „Stolperdrahtes“, der mit den konventionellen Kräften als dünner Schleier entlang der innerdeutschen Grenze gezogen wurde. Würde er berührt, also NATO-Territorium verletzt, sollte damit automatisch der nukleare Gegenschlag ausgelöst werden.

Skizze - "Die Verteidigung Niedersachsens im Kalten Krieg"
Die Verteidigung Niedersachsens im Kalten Krieg

In den Gefechtsstreifen der deutschen Korps stellten sich die Bataillone in den Abwehrräumen der Brigaden in eierförmigen Verteidigungsräumen auf, an denen sich die Flut der angreifenden feindlichen Kräfte teilen und in bestimmte Richtungen gelenkt werden sollte, sowie in Riegelstellungen, deren Zweck es war, Feindkräfte zu stauen, um sie dann in vor den Riegeln geplanten Feuerfeldern mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen zu vernichten. In Reserve gehaltene Panzerbataillone sollten dann in örtlichen Gegenangriffen solche Feindkräfte zerschlagen, die nicht vollständig vom nuklearen Feuer erfaßt worden waren. Das nukleare Feuer war das dominierende Element – und erst mit weitem Abstand danach die Panzerverbände. Dieses nicht nur wegen ihrer Beweglichkeit, die man auch noch im atomaren Gefecht zu verwirklichen suchte, sondern auch, weil die Panzerung einen gewissen Schutz gegen die Wirkung der atomaren Strahlung bot.

III

Die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Konzeptes der Massive Retaliation hatten mehrere Wurzeln. Je mehr man über die Auswirkungen einer nuklearen Kriegführung in Mitteleuropa nachdachte, desto deutlicher wurde bewußt, daß dabei „zerstört würde, was verteidigt werden soll“, und insbesondere deutsches Territorium in West und Ost Opfer einer nuklearen Vernichtung werden würde. Zweitens gewann die Sowjetunion zunehmend die Befähigung zu einem Gegenschlag, was die eigene Absicht eines Nuklearschlages unglaubwürdig werden ließ. Aber auch im engeren militärischen Sinn griff die Überzeugung Platz, daß ein auf taktische Nuklearwaffen gestütztes Gefecht nicht zu führen sei in dem Sinne, daß nukleares Feuer und Bewegungen der Truppe nicht zu koordinieren seien. Treffend faßte dieses ein späterer Kommandierenden Generale in dem Satz zusammen, „daß die führenden Soldaten in Ost und West sich darüber klar sind, daß dort, wo Atomsprengkörper fallen, Truppenführung überhaupt aufhört. Es wird nur noch ein Retten und Sammeln geben. Operationsführung auf solchem Gefechtsfeld gibt es nicht mehr.“

Anfang der 60er Jahre setzte ein Prozeß der Revision des militärstrategischen Konzeptes im Bündnis ein, die 1967 zu der Verabschiedung eines neuen Konzeptes führte. Dieses sah eine flexible Antwort auf eine mögliche Aggression durch den Warschauer Pakt vor. das Konzept der „Flexible Response“. Nun sollte einem Angriff mit konventionelle Kräften auf gleicher Ebene in der Form der „Direkten Verteidigung“ begegnet werden. Träger des Kampfes waren die eigenen konventionellen Kräfte. Nuklearwaffen wurden nun im strategischen Kontext gedacht. Damit stieg wieder die Bedeutung der Panzertruppe, sie wurde wieder die Schwerpunktwaffe in der Hand des Truppenführers zum Herbeiführen einer Entscheidung durch Angriff.

Auf der taktischen Ebene wurde jedoch weiter in Abwehrräumen der Großverbände gedacht, in denen die Bataillone nach wie vor in Verteidigungsräumen und Riegeln eingesetzt oder zu Gegenangriffen bereitgehalten wurden. Nach Wegfall der Atomwaffen sollte die Abwehr verstärkt angriffsweise geführt werden, weil – so die in den Führungsvorschriften formulierte Überzeugung – nur durch Gegenangriff, also durch die Stoßkraft gepanzerter Verbände, der Feind vernichtet werden könne. Die Abwehr sollte im R a u m beweglich geführt werden, und der Truppenführer sollte das Gefecht im Wechsel der Kampfarten der Bataillone zwischen Verzögerung, Verteidigung und Angriff gestalten, so wie es die Lage erlaube. Damit erhielt der Gedanke der Beweglichkeit, verstanden als die Befähigung zum schnellen Wechsel der Aufträge und ggf. der Truppeneiteilung und Gefechtsgliederung, wieder den alten Stellenwert.

Allerdings hatten die Truppen in ihren Verteidigungsräumen und Riegeln keine unmittelbare Verbindung zueinander, es gab keine geschlossene Frontlinie, vielmehr war die Ordnung auf dem Gefechtsfeld durch einen insularen Charakter gekennzeichnet. Dieses führte zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Frage, ob damit die richtige Antwort auf die quantitative Überlegenheit des Gegners insbesondere an Kampfpanzern gefunden sei. Im Prinzip sei das Konzept des beweglichen Kampfes in einem Abwehrraum einer Division mit Vereidigungsräumen, Riegeln und Gegenangriffen nichts anderes als die Fortsetzung des vormaligen Konzeptes, nur ohne die entscheidende Wirkung der Nuklearwaffen. In der Zwischenzeit war im Bündnis die Entscheidung gefallen, die Verteidigung des Territoriums der Bundesrepublik Deutschland so nahe an der Innerdeutschen Grenze aufzunehmen wie möglich. Man sprach nun von der grenznahen integrierten Vorneverteidigung. Die drei deutschen Korps sowie die 6. Division im Korps COMLANDJUT waren darin eingebunden. Alle alliierten Korps folgten dem grundlegenden Ansatz des General Defense Plan – GDP – des Bündnisses.

IV

Ein geradezu fundamentaler Wandel im Führungsdenken des deutschen Heeres und damit in der Anlage der Verteidigungsoperationen vollzog sich ab 1973 mit Herausgabe der neuen HDv 100/100 „Führung im Gefecht“, der TF 73. Die Gefechtsarten Verzögerung und Angriff waren weniger betroffen Mit dieser TF wurde der vollständige Bruch mit den vorhergehenden Vorstellungen vom „insularen“ Aufbau der Verteidigung mit isolierten Verteidigungsräumen und Riegeln und von der Suche der Entscheidung im Abwehrraum vollzogen. Nunmehr wurde durch den vom Truppenführer befohlenen „Vorderen Rand der Verteidigung“ eine Linie vorgegeben, auf die sich die Anlage des Verteidigungsgefechtes hin orientierten sollte. Durch Gliederung in der Breite sollte der Verteidiger schon weit vorne eine starke und möglichst lückenlose Feuerwirkung erzielen. Durch Gliederung in die Tiefe sollte zwar „der Raum beherrscht“ werden, aber sie diente vor allem dem Schutz der eigenen Truppe durch Auflockerung gegen feindliche Waffenwirkung. Und daneben sollte die Handlungsfreiheit der Führung erhalten bleiben. Aber das Wesentliche war, daß es „stets darauf ankommt, den Angriff des Feindes bereits vorne, noch vor den Verteidigungsräumen oder in einem vorderen Teil abzuwehren. Dabei hat die Vernichtung der feindlichen Panzer entscheidende Bedeutung. Trotz der notwendigen Tiefengliederung müssen daher die vorne verteidigenden Truppen am stärksten sein.“ Alle Geländeabschnitte sollten „mit Feuer beherrscht werden“.

In der Konsequenz ergab sich daraus eine mehr oder weniger geschlossene Frontlinie von aneinander aufgereihten Vereidigungsräumen der Bataillone, links und rechts angelehnt, aus denen heraus das Feuer frontal und flankierend organisiert wurde. Reserven wurden in den Verteidigungsräumen der Bataillone und Brigaden im Unterschied zu früher kleiner gehalten zugunsten der Kräfte, die „vorne am stärksten“ sein sollten. Auch war ihre Rolle primär, ggf. die Verteidigung vorne frühzeitig zu verstärken oder durchbrechenden Feind aufzufangen, erst danach wurden Gegenangriffe erwähnt. Das alles klingt nach sehr statischer Gefechtsführung und nach dem Kampf aus Stellungen. Das galt sicher für solche Truppengattungen, die, wenn sie einmal eine mehr oder weniger ausgebaute Stellung bezogen hatten, damit auch an diese Stellung gebunden und „unbeweglich“ wurden. Das galt nicht für Panzerverbände. Sie konnten „mit ihrer Feuerkraft und Beweglichkeit geeignetes Gelände selbst gegen einen überlegenen Feind halten und seine Kräfte abnutzen“. Auch wurde konstatiert, daß die besondere Stärke der gepanzerten Tuppen in ihrer Fähigkeit zu Gegenangriffen besteht, die sie überraschend führen können.

Parallel zu der Ausbildung von Führern und Truppe in den neuen Führungsgrundsätzen setzte eine massive Aufrüstung des Heeres ein. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Panzerabwehr, vornehmlich gestützt auf Panzerabwehrlenkraketen unterschiedlicher Typen. Ein Kommandierender General meinte,“daß nach wie vor die Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit an schnell wechselnde Lagen eine indiskutable Voraussetzung jeder sinnvollen Verteidigung eines zahlenmäßig Schwächeren ist … die gestiegene Bedeutung der aktiven Panzerabwehr … (bringt) die neue TF in den Gedanken zum Ausdruck, daß der Panzer in der Vorneverteidigung mehr die Rolle des Panzerjägers hat als die der Durchbruchs-, Einkesselungs- und Gegenangriffsmaschine.“

Und der damalige Inspekteur des Heeres stellte heraus, daß „erfolgreiche operative und taktische Führung bei uns als Verteidiger davon abhängt, daß es uns in allen Bereichen des Heeres gelingt, die Fähigkeit zur schnellen Konzentration unserer Panzerabwehrkraft an entscheidender Stelle und damit zur Entscheidung selbst zu erhöhen … Wir als Verteidiger müssen operativ und taktisch schneller sein als der Angreifer.“ Immer wieder wurde gefordert, durch schnelles Zusammenfassen von Kräften, auch von ungebundenen Kräften aus der Front, die örtliche Feuerüberlegenheit zu erringen. Der Inspekteur hob hervor, daß „der Wendigkeit und Schnelligkeit eine umso größere Bedeutung zukommt, weil wir uns große bewegliche und raumgreifende Abwehroperationen nicht leisten können“. Er forderte deshalb „viele kurze Haken“, denn für den „langen Schwinger“ sei weder Raum noch seien die Kräfte verfügbar.

Ein anderer Kommandierender General unterstrich diese Gedanken mit dem Argument, daß „da der Raum zum Operieren fehlt, nur bewegliche Verteidigungstaktik unter zähem Halten der Grenzräume bleibt“. Zunächst soll hier angemerkt werden, daß auch diese Vorstellungen der damaligen Führung des deutschen Heeres Kriegserfahrung widerspiegelten, dieses Mal nicht aus der Perspektive des Oberkommandos des Heeres, sondern aus der Perspektive junger Generalstabsoffiziere, die die Abwehrschlachten im Osten als Ia ( G 3 ) der Divisionen erlebt hatten. Fast jeder der neuen Führungsgrundsätze fußte auf den Erfahrungen aus den Kriegsjahren ab 1943 und läßt sich durch die damaligen Kampfanweisungen belegen. Auch der „kurze Haken“ war damals schon ein geflügeltes Wort.

Die deutsche Luftwaffe und das Heer rückten wieder enger zusammen. Mit der Abkehr von der nuklearen Dimension und der Betonung des konventionellen Gefechtes wurde die Verbindungskommandos der Luftwaffe bei den Kommandobehörden des Heeres ab der Brigadeebene eingerichtet und Fliegerleittrupps bereitgestellt, die die gepanzerten Bataillone begleiten konnten. Auch hier griff man auf Kriegserfahrung zurück und erinnerte sich, daß der Flivo – Fliegerverbindungsoffizier – in den gepanzerten Gruppen der Panzerdivisionen eingegliedert war, die Angriffe mitfuhr, die Verbindung zu den Kräften der Luftwaffe hielt und ggf. deren Unterstützung ins Ziel leitete. Aber der Hauptauftrag der Luftwaffe blieb natürlich die Durchführung von Luftkriegsoperationen, vor allem zum Gewinnen der Luftüberlegenheit und sodann Angriffe in die Tiefe des Gegners als Air Interdiction. Eine Folge der „Verteidigungstaktik zum zähen Halten der Grenzräume“ war jedoch, daß sich das Denken des Führercorps des Heeres auf das Halten am VRV konzentrierte, der Blick sich auf eine Linie verengte und der Begriff vom Raum als Element von Operationen mehr und mehr verloren ging.

Allerdings konnte die „Verteidigungstaktik“ mit „geschlossener Front“ für die praktische Truppenführung, also die Planung des ersten Gefechtes in der Vorneverteidigung, nicht überall die Richtschnur sein. Zuweilen mußte in der praktischen Führung auf den Grundsatz zurückgegriffen werden, daß „der Truppenführer sich nicht scheuen darf, seine Kräfte an besonders gefährdeten Stellen zusammenzufassen und weniger bedrohte Geländeteile nur zu sichern oder zu überwachen.“ Der Verfasser erinnert sich, als G 3 einer Panzerbrigade den Operationsplan für Verzögerung und grenznahe Verteidigung entworfen zu haben, bei dem die Brigade gemäß der Planung der vorgesetzten Division zwar im Schwerpunkt, aber dennoch immerhin auf 48 km Breite eingesetzt war. Da blieb gar nichts anderes übrig als breite Abschnitte nur zu überwachen.

Die damalige Gliederung der Brigaden mit Panzerbataillonen mit mehr als 50 Panzern entsprach nicht mehr den Forderungen nach beweglicher Führung des Verteidigungsgefechtes. Nach intensiven Truppenversuchen wurde dann die Heeresstruktur 4 eingeführt, die bei Beibehaltung der Gesamtzahl des kampfentscheidenden Großgerätes, nun aber in vier statt drei Bataillonen gegliedert, eine intensivere Führung durch den Brigadekommandeur und seinen Stab erforderte. Die Gliederung der Brigade in der Heeresstruktur 4 war geradezu ideal für die bewegliche Führung, und sie war ausschließlich darauf ausgelegt, – unter Inkaufnahme deutlicher Mängel für den Friedensbetrieb der Bataillone. Erst mit der Heerestruktur 4 erreichte die Panzertruppe in den 80er-Jahren mit 85 Panzerbataillonen und 11 Panzeraufklärungsbataillonen die Zahl, die General Heusinger noch vor Beginn der Aufstellung der ersten Verbände als Endstand genannt hatte: 3.600 Panzer.

V

Die Verteidigungsplanung des Bündnisse war Gegenstand umfangreicher Übungen mit Volltruppe in freiem Gelände. Ganze Korps mit drei voll aufgefüllten Divisionen übten bei den „Heeresübungen“ die Aufgaben für die Verteidigung: Herstellen der vollen Einsatzbereitschaft in den Standorten, oftmals durch Aufnahme von Reservisten der Mobilmachungsreserve, Aufmarsch im Eisenbahntransport oder/ und Straßenmarsch, Beziehen der Einsatzräume als Verzögerungstruppe oder in den Verteidigungsräumen, Aufnahme des Gefechtes gegen die Übungstruppe Rot, Gegenangriff starker Reserven, oftmals Panzerdivisionen mit zwei Panzerbrigaden und einer Panzergrenadierbrigade. Neben diesen Heeresübungen führten solche Divisionen, die nicht an diesen Heeresübungen beteiligt waren, eigene Divisons- Gefechtsübungen mit Volltruppe im freien Gelände durch. Solche Großübungen standen auch auf dem Programm der alliierten Korps. Insbesondere die US-Army übte im Rahmen des REFORGER-Programms (Redeployment of Forces to Germany) das Verlegen der dem Bündnis zugesagten Reserven. Das ganze Territorium der alten Bundesrepublik war über Jahrzehnte ein einziger großer Übungsplatz.

An den Großübungen der Alliierten nahmen so gut wie immer auch deutsche Großverbände teil. Damit wurde der wichtige Zeck der Interoperabilität innerhalb der Großverbände in der Central Region verfolgt – und selbstverständlich waren die Luftstreitkräfte des Bündnisses in solche Großübungen der Landstreitkräfte voll eingebunden. Unstrittig ist, daß die Großübungen der verbundenen Land- und Luftstreitkräfte eine unschätzbare Quelle an Erfahrungen für Offiziere aller Ebenen vom Zugführer bis zum Divisionskommandeur waren ebenso wie für die Offiziere in den Stäben. Diese Übungen waren die Gelegenheit, einmal einen Verband in voller Stärke im Gelände rollen zu sehen, aber dabei auch die Erfahrung zu machen, wie wenig man eigentlich tatsächlich sieht, und unstrittig ist auch, daß jede Großübung für die Kompanien ein Erlebnis war, das Führer und Soldaten zusammenschweißte.

Aber für die Truppenausbildung war der Wert mehr als zweifelhaft, weil die Truppe durch Auflagen zur Verhinderung von Flurschäden oftmals zu einem Verhalten gezwungen wurde, das mit gefechtsmäßigem Verhalten nicht viel zu tun hatte. Für die Zivilbevölkerung waren diese Übungen jedoch eine außergewöhnlich hohe Belastung, und entsprechend wuchs der politische Druck – besonders auch angesichts voranschreitender Entspannung mit der Sowjetunion – diese Form der Übungen aufzugeben. Dieses geschah dann Mitte der 80er Jahre.

VI

Trotz der Dominanz der „Verteidigungstaktik“ verstummte die Diskussion über um die Frage, wie denn auf einen operativen Durchbruch zu reagieren sei, nie. Angesichts der erheblich gesteigerten quantitativen Überlegenheit der Truppen des Warschauer Paktes, die es ihm gestattete, in Durchbruchsabschnitten eine erdrückende Überlegenheit zu erzielen, mußte selbst bei größter Tapferkeit und beweglicher Verteidigung der vorn eingesetzten Kräfte mit tiefem Raumgewinn durch den Gegner gerechnet werden, der sich zu einem Durchbruch im operativen Maßstab ausweiten könne. Die damalige Heeresführung antwortete auf dieses Problem mit Herausgabe einer „Operativen Leitlinie“, und der Inspekteur des Heers rief zur „Wiederbelebung des operativen Denkens“ aus. Die Prämisse in der Operativen Leitlinie lautete, daß es zu „Gewichtsverschiebungen“ zwischen den nuklearen und den konventionellen Kräften gekommen sei. Die Operationen konventioneller Kräfte hätten an Bedeutung gewonnen bei nach wie vor notwendiger, aber eindeutig strategisch bestimmter nuklearer Abschreckungsfähigkeit.

Die Faktoren Kräfte, Zeit und Raum müßten unter operativen Bedingungen in Mitteleuropa neu bewertet werden, auch mit Blick auf die vollzogene massiven Verstärkung der konventionellen Kräfte des Warschauer Paktes. „Einem weiträumig angesetzten, von einer umfassenden operativen Idee getragenen Angriff kann nicht vorwiegend statisch und in nationalen, vergleichsweise schmalen Gefechtsstreifen begegnet werden. Hierzu bedarf es der eigenen operativen Idee zur Verteidigung im integrierten Rahmen, die dem tiefgestaffelten Ansatz der WP-Kräfte gerecht wird.“ Die Operative Leitlinie sprach von der 1. und 2. Schlacht. Die 1. Schlacht gegen die erste operative Staffel der Warschauer- Pakt-Kräfte war Aufgabe der nach dem GDP vorn eingesetzten Kräfte. Sie sollten nunmehr allerdings die Gefechte nicht VRV-linienorientiert führen. Die Verteidigung müsse beweglich im Wechsel von Halten und Schlagen „aggressiv und mit dem Willen zum Erfolg“ geführt werden. Die Vorneverteidigung dürfe nicht zum linearen, starren Einsatz von Großverbänden und zu einer statisch geführten Abnutzungsschlacht führen.

Der Erfolg der Verteidigung wurde nun wieder in den Verteidigungsräumen gesucht. „Die 1. Schlacht kann nur erfolgreich geführt werden, wenn es gelingt, das Gesetz des Handelns an sich zu reißen. Hierfür sind schöpferisches Denken und geistige Beweglichkeit notwendig.“ Dieses schließe jeden Schematismus und Vorprogrammieren von Gefechtsabläufen aus „und kann ein rasches Lösen vom GDP erfordern.“ Die 2. Schlacht gegen die folgenden Staffeln der Warschauer-Pakt-Kräfte war dann Sache der Heeresgruppen. Sie mußten dazu allerdings auch auf vorn eingesetzte Kräfte, jedoch solche in weniger bedrohten Frontabschnitten, wie der Verlauf der Operationen zeigen würde, zurückgreifen können. So bedeutete das Erfordernis des „raschen Lösens vom GDP“ z.B. auch das Herauslösen ganzer Großverbände, soll heißen Brigaden, aus der Front zum Bilden von „corpssize- formations“ für Gegenangriffe.

In den nun gedachten „verbundenen Land-Luft-Operationen“ fand der Kampfpanzer wieder seine traditionelle Rolle als Träger von raumgreifenden Angriffs-/ Gegenangriffsoperationen der Landstreitkräfte. Seine technische Konfiguration aus Feuerkraft, Panzerung und Schnelligkeit prädestinierte ihn, dort eingesetzt zu werden, wo die Entscheidung gesucht wurde.

VII

War das wiederbelebte operative Denken der 80er Jahre nun wirklich eine „Revolution“, ein Einreißen der Fundamente des Denkens der 70er Jahre? Der Verfasser dieser Zeilen sieht das nicht so. Er weist als sein tragendes Argument auf die große geistige Verwandschaft beider Denkrichtungen hin, das sich in der Betonung des Elementes der „Beweglichkeit“ zeigt. Beweglichkeit nicht im technischen Sinne verstanden als die Befähigung, dank der Motorleistung und der Geländegängigkeit schnell große Entfernungen überbrücken zu können, sondern Beweglichkeit begriffen als die Fähigkeit zum schnellen Wechsel im Verlauf eines Gefechtes oder einer Operation. Genau dieses meinten die Denker der 70er-Jahre, wenn sie von „der schnellen Konzentration der Panzerabwehrkraft“ sprachen und von der Herausforderung zum Zusammenfassen aller Kräfte für örtliche Gegenangriffe, sowohl der Reserven als auch nicht gebundener Kräfte.

Dabei war ihr Blick auf die Bataillone und Brigaden gerichtet, die „Verteidigungstaktik“ praktizierten. Immer müsse es darum gehen, in der jeweiligen Lage die Initiative zu gewinnen. Und das hieß auf der taktischen Ebenen: Fähigkeit zum schnellen Wechsel, zum schnellen Wechsel der Aufträge, damit verbunden der Truppeneinteilung und in der Folge der Gefechtsgliederung. Eben dieses sagen die Denker der 80er-Jahre mit Blick auf das Grundsätzliche auch. Beweglichkeit ist die Fähigkeit zum schnellen Wechsel, zum Beispiel „zum raschen Lösen vom GDP“ und dem Herauslösen selbst einer ganzen Brigade aus weniger bedrohten Abschnitten, was wiederum die vorgesetzte Division vor die Aufgabe gestellt hätte, wie mit dem freigemachten Raum umzugehen sei. Dazu mußte man sich dann etwas einfallen lassen.

Im wesentlichen Grundsatz herrschte Konsens, nämlich in der Forderung nach Beweglichkeit und der Forderung an Führer aller Ebenen, immer die Initiative zu ergreifen, was eben nur durch bewegliche Führung möglich sei. Insofern gibt es eine große Kontinuität in der Vorstellung von den elementaren Grundlagen für die Führung gepanzerter Verbände und Großverbände. Der Dissens bestand in der Frage des Raumes als Element der Operation. Die „Verteidigungstaktiker“ der 70 Jahre schlossen die Verfügbarkeit des Raumes aus, auch mit dem strategischen Argument der Schadensbegrenzung für unser Land, das ja verteidigt werden sollte. Im Übrigen fehlten, so wurde argumentiert, die notwendigen Reserven. Die „Operateure“ kritisierten dieses gewissermaßen als Problemverweigerung, denn bei der quantitativen Überlegenheit des Gegners müsse man immer damit rechnen, daß es zu Durchbrüchen komme. Dabei hatte man nicht nur die Gefechtsstreifen der eigenen deutschen Korps im Blick, sondern den gesamten Frontabschnitt in Mitteleuropa, von dem die deutschen Korps gerade die Hälfte abdeckten. Die Frage der Nutzung des Raumes würde also vom Gegner aufgedrängt, und dieser Problematik könne man sich nicht verweigern. Also müsse man dafür Lösungen denken. Und eine Lösung war die Beweglichkeit auf operativer Ebene.

VII

Die Operative Leitlinie wie auch alle Planungen für die Verteidigung der Central Region – also des GDP – von der Ebene des CINCENT wie auch der Heeresgruppen, der Korps und Divisionen, der Brigaden und Bataillone verloren Ende der 80er-Jahre in der Folge der Auflösung des Warschauer Paktes und des Zusammenbruches der Sowjetunion ihre Gültigkeit. Bald war die Bundesrepublik – auch nach der Wiedervereinigung – nur noch „von Freunden umgeben“.

In der Führerweiterbildung wurde eine Zeitlang noch operatives Denken geschult. Da es auch als Konsequenz der Rüstungskontrollabkommen in dem gleich groß bleibenden mitteleuropäischen Raum immer weniger Kräfte gab, sich also das Verhältnis von Kräften zu Raum nahezu dramatisch änderte, wurde das operative Konzept der Gegenkonzentration entwickelt Dieses erforderte ein noch intensiveres Denken in raumgreifenden Operationen der verbundenen Land- und Luftstreitkräfte. Und natürlich waren gepanzerte Großverbände Träger der Landoperationen. Im Heer wurde zeitweilig der Begriff der „Freien Operationen“ genutzt, mit dem die hohe Schule der operativen Führung erreicht wurde.

Aber dieses operative Denken hatte im Unterschied zu der Zeit des Kalten Krieges keinen realen Hintergrund mehr. Eine großangelegte Aggression, die eine existentielle Bedrohung der Bundesrepublik Deutschland hätte bedeuten können, war nirgends zu erkennen. Damit stellte sich nicht nur die Frage nach operativen und taktischen Konzepten, sondern vielmehr auch nach dem Sinn von Streitkräften überhaupt. Man fand die Formel „Retten, Helfen, Schützen“ als Aufgabe der Streitkräfte. Panzertruppen fanden darin wenig Platz. Auch das von der militärischen Führung nachgeschobene Argument „aber auch kämpfen können“ bewahrte die Bundeswehr nicht davor, in der öffentlichen Wahrnehmung als mehr oder weniger geeignetes Technisches Hilfswerk zu gelten.

In der strategischen Diskussion wurde zwar nach wie vor die Landesund Bündnisverteidigung erwähnt, ein Einsatz der Streitkräfte in diesem Aufgabenspektrum jedoch als höchst unwahrscheinlich angesehen. Vielmehr stelle sich in Zukunft die Aufgabe von Krisenbewältigung, dieses auch außerhalb der bisherigen NATO-Area. In die grundlegende Führungsvorschrift des Heeres, der TF, wurden die Kapitel „Truppenführung in Friedensmissionen“ und „Truppenführung in Hilfseinsätzen“ aufgenommen.

Für die Bundeswehr stellte sich bald die Aufgabe einer Unterstützungsoperation in Somalia und danach Stabilisierungsoperationen auf dem Balkan. Aus den dortigen Einsätzen gab es nur zwei Ereignisse, in dem gepanzerte Truppen ihrer Eigenart gemäß eingesetzt wurden.

Das war einmal im Kosovo und ein anderes Mal in Mazedonien. In beiden Fällen rechnete man mit nachhaltigem Widerstand, und selbstverständlich wurden nun vorne Kampfpanzer eingesetzt, um den Widerstand zu brechen. Ansonsten spielten Kampfpanzer in den Stabilisierungsoperationen keine Rolle. Gleiches gilt für den jahrelangen Einsatz von Kräften der Bundeswehr in Afghanistan. Hier sollte durch militärische Präsenz öffentliche Sicherheit gewährleistet und Unterstützung beim Aufbau staatlicher Strukturen geleistet werden. Erst als man nach Jahren des Einsatzes auch auf politischer Ebene „kriegsähnlichen Verhältnisse“ erkannte, stellte man der Truppe wenigstens ein paar Schützenpanzer Marder zur Verfügung. Kampfpanzer kamen im deutschen Abschnitt nicht zum Einsatz. Deshalb soll hier auf die Erfahrung eines niederländischen Truppenführers zurückgegriffen werden, der sagte, daß sein bester Scharfschütze auf Entfernung 2000 der Leopard 2 gewesen sei.

Angeregt durch die Erfahrungen der amerikanischen und britischen Truppen im zweiten IRAK-Krieg dachte man auch in der Panzertruppe über den Einsatz im urbanen Umfeld nach. Die Truppe sollte sich auf den Three-Bloc-War einstellen, in der Spitze kämpfen, danach folgend stabilisieren, und schließlich in der dritten Staffel aufbauen. Doch einen realen Bezug gewannen diese Überlegungen nicht. Das Augenmerk der Heeresplaner wandte sich verstärkt den leichten Truppen zu, weil diese für Stabilisierungsoperationen besser geeignet seien. Für die Panzertruppe vollzog sich hingegen über die Jahre ein geradezu dramatischer Abbau ihrer Kampfkraft. Man bot sie auf dem internationalen Markt an, und der Kampfpanzer Leopard II war in dieser Zeit ein von vielen Staaten begehrtes Objekt und für die Bundesrepublik ein Verkaufsschlager. Aber für die Panzertruppe ist in der Bilanz festzuhalten, daß von den einmal in der Heeresstruktur 4 gegebenen 85 Panzerbataillonen letztlich ganze 4 Bataillone übrigblieben.

VIII

Seit zwei Jahren hat sich die poiltischstrategische Lage wieder völlig verändert. Rußland wird in der Folge der Annexion der Krim und des Konfliktes in der Ukraine von den osteuropäischen Mitgliedstaaten des NATOBündnisses als Bedrohung empfunden. Entsprechend den Grundlagen des Bündnisses fordern sie den Schutz durch das Bündnis, wie die alte Bundesrepublik sie jahrzehntelang genossen hat. Aber wie selbstverständlich will man zu diesem Zweck vor allem kampfkräftige, durchsetzungsfähige Kräfte, also gepanzerte Kampftruppen, sehen. Die Heeresführung hat offensichtlich die Zeichen der Zeit erkannt und will die „Afghanisierung“ des Heeres beenden und zu den bewährten Grundsätzen des Gefechtes der verbundenen Waffen zurückkehren.

Auch unter dem Programm der „Rahmennation“ steht die Panzertruppe in der Zusammenarbeit mit der niederländischen Armee wieder mit an der Spitze. Kündigt sich angesichts des Wandels der politischen Landschaft eine Renaissance der Panzertruppe an? Weil man sich plötzlich wieder an eine alte Erkenntnis erinnert: Dort, wo die Entscheidung fällt, kämpfen Panzer!

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Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender