Hotline: Mo + Mi 08:00 - 13:00 Uhr +49 (0) 5192 / 98 62 81 freundeskreis@panzertruppe.com
Detailansicht

Das Heer auf dem Weg in die Zukunft

2015-06-05 15:56
von Redaktion
Band-6
Brigadegeneral Westphal
Brigadegeneral Westphal
Brigadegeneral Westphal

Mit dem nachfolgenden Beitrag schloss BrigGen Westphal, Leiter VMH, (Aufgaben und Organisation des VMH s. am Ende) unmittelbar an die grundsätzlichen Ausführungen des Chef des Stabes FüH, Gen Maj Halbauer, zur künftigen Struktur des Heeres an und machte anhand von Daten und Fakten anschaulich deutlich, auf welcher Grundlage die jeweiligen Entscheidungen von der Heeresführung getroffen wurden.

Der Vortrag von Gen Maj Halbauer und der Vortrag von BG Westphal sind aus konzeptioneller Sicht als Einheit zu verstehen und nur als Ganzes erklärend. Um Redundancen zu vermeiden, wird auf die Wiederholung der grundsätzlicher Aspekte und wesentlichen Überlegungen zur Strukturplanung verzichtet, obwohl BG Westphal sie in seinem Vortrag sozusagen als den "konzeptionelle Überbau" jeweils kurz angerissen hat.

Im Folgenden trug BG Westphal zu ausgewählten Aspekten mit einigen Kerngedanken zur Neuausrichtung des Heeres, unter besonderer Hervorhebung der Aspekte für die Panzertruppen, vor. Zunächst ein kurzer Blick auf die Historie der Entwicklung der vorangegangenen Strukturen, die i.d.R. einen Bestand von 5 Jahren hatten und mit unterschiedlichen Bezeichnungen für die jeweilige Struktur verbunden waren. Die neu ausgeplante Struktur heißt nach der Entscheidung des Inspekteur des Heeres HEER2011. 2011 gibt dabei die Jahreszahl der Strukturentscheidung wider. Danach machte BG Westphal noch einmal deutlich, dass jetzt die Phase der Harmonisierung für die gesamte Bw läuft, einschließlich der entsprechenden Priorisierungen, unter Berücksichtigung vfgb. Ressourcen.

Dazu wird ein Meilensteinplan bis Ende März erstellt, der dem BM bis Mitte April und deren Billigung am 31. Mai geplant ist. Die folgende Feinstrukturplanung mit dem Realisierungsplan soll voraussichtlich im späten Frühjahr erfolgen. Der Beginn der Realisierung im top down- Ansatz ist ab dem 1. April 2012 mit Einnahme neuer Struktur BMVg und der direkten Unterstellung der Inspekteure und des BefH EisFüKdo unter den Generalinspekteur der Bw vorgesehen. Aufbauend auf den Vortrag Chef des Stabes FüH wandte sich BG Westphal nunmehr mit umfangreichen ergänzenden Informationen der Frage zu,

Warum diese Struktur?

Bevor jedoch der Fokus auf das Heer gerichtet wurde, erläutert der Vortragende zunächst die Problematik der Schnittstellen, d. h. die Frage, was bleibt im Heer, was geben wir ab und was bekommen wir dazu? Mit der Neuausrichtung des Heeres werden Fähigkeitstransfers MilOrgBer übergreifend durchgeführt. Für das Heer hat dies zur Folge, dass der taktische operative Lufttransport (CH 53) und die Verantwortung zur Flugabwehr zur Luftwaffe wechseln. Der taktische Lufttransport (NH90) zukünftig allein verantwortlich durch das Heer sichergestellt wird, die Fähigkeiten C-IED (Countering Improvised Explosive Devices) und KpfmBes von der Streitkräftebasis (SKB) in die Verantwortung des Heeres übertragen werden. Zukünftig zeichnet die SKB für den Bereich ABCAbwehr und Weitverkehr verantwortlich. Festzuhalten bleibt: Das Heer verliert zwar Fähigkeiten, aber sie bleiben den Streitkräften insgesamt erhalten. Das schafft auch Handlungsspielräume bei der endlichen Ressource Dienstposten.

Beitrag des Heeres zur Nationalen Zielvorgabe (LoA/StabOp)

Schnittstellen
Schnittstellen

Die aus den Verteidigungspolitischen Richtlinien abgeleiteten 4 Szenarien (grob skizziert mit Anfangsoperationen, Stabilisierungsoperationen, Landesverteidigung im Bündnis und Landesverteidigung, einschl Katastrophenhilfe) bilden die Vorgabe. Dabei galt es mit Blick auf die Struktur möglichst frühzeitig Gedanken zum eigenem LoA für Stabilisierungsoperationen, die wahrscheinlichsten Fälle, zu entwickelt und dabei im Wesentlichen die Abdeckung des gesamten Aufgaben- und Intensitätsspektrum sicherzustellen. Vorrangig strukturbegründend war die Sicherstellung der langfristigen Durchhaltefähigkeit für zukünftige Einsätze mit im Kern 2 stehen Einsatzverbänden.

Beitrag Heer
Beitrag Heer

Dazu kommen die Fähigkeiten, entsprechende Einsatzverbände zu führen sowie sich an multinationalen HQ zu beteiligen und Aufgaben der Unterstützung fremder Streitkräfte, wie OMLT, zu gewährleisten. Dazu kommt die Gestellung eines gem. HubschrEinsVbd. Im Ergebnis entstand die neue Struktur HEER2011 mit 6 nahezu gleichen Brigaden im Kern. Die Brigadestäbe erhalten eine neue Abteilung OMLT zur Unterstützung fremder Kräfte (ges. 121 DP), daneben die neue Fähigkeit für Military Engineering (MilEng) künftig bei G3. Zusätzlich eine Joint Fire Support Coordination Groups (JFSCG) und je nach Einsatzerfordernissen eine neu gegliederte G2 Abteilungen (gepl. Stärke neu: 53 DP, zum Vgl. alte G2-Abt: 15 DP).Brigadestab alt: ca. 100 DP (ohne StKp)Neu: 112 DP Stab + 121 OMLT = 233 DP(ohne StKp)

Zur Bataillonsebene

Die Jägerbataillone wurden nach dem Muster JgBtl 292 mit GTK Boxer und System Infanterist der Zukunft (IDZ ES) als Zielausstattung, mit großen aktiven Fernmeldestaffeln ausgeplant, um im Einsatz Leitverbandsfunktion übernehmen zu können. Es ist geplant sie zukünftig mit leichten Mörsern unmittelbar zu unterstützen und eigenständige GraMaWa Gruppen aufzubauen. Die PzGrenBtl, die konzeptionell das Bindglied zu den mechanisierten Truppen bilden, werden mit PUMA ausgestattet, sie sind ebenfalls als Leitverbände vorgesehen und haben damit auch große aktive Fernmeldestaffeln.

Die Divisions-Ebene

1. und 10. PzDiv sind grundsätzlich gleich gegliedert (10. PzDiv mit 2. ArtBtl), Stäbe sind gleich.

Divisionstruppen

gem. ArtBtl mit PzH 2000 und MARS. sPiBtl stellt als na Verband für die Landesverteidigung die Brücken und Übergangsfähigkeiten sicher. UstgBtl Eins bieten Führungsfähigkeit für Sicherungskräfte beim Heimatschutz.

Neuer DivStab

Die Divisionsstäbe (ohne Stab DSK) sind nach dem Vorbild 1. PzDiv ausgeplant und haben künftig zusätzlich 2 Abteilungen Einsatz mit ca 180 DP für die Einzelpersonalgestellung in Multinationale HQ. Der Aufwuchs des DivStab von 226 DP (o. StKp) erfolgt auf rund 600 DP. Neu dabei mit ca. 180 DP die Abt Eins

Die Division Schnelle Kräfte

fasst die HFlg Kr und die FschJg sowie die Spezialkräfte unter einem Dach zusammen um damit sowohl LBewegl Op, Spezielle Operationen und Spezialisierte Operationen, hier vor allem MilEvakOp, planen, ausbilden und bei Bedarf durchführen zu können. LL Brig 1 wird zwei FschJgRgt, eines mit 10 Kp'n in SEEDORF und ein zweites kleineres mit 8 Kp'n im SAARLAND führen und sich im SP auf die Aufgabe MilEvakOp konzentrieren. Die FschJgKp werden zunächst die Erweiterte Grundbefähigung zur Unterstützung des KSK bereitstellen. HFlgRgt werden mit je 36 WaSys NH 90 und 32 WaSys TIGER ausgestattet, der Rest wird am AusbZ Bückeburg bzw. in Le Luc (FR) stationiert. D/F Brigade bleibt im Wesentlichen unverändert.

Die neue Führungsorganisation des Heeres.

Amt Heeresentwicklung
Amt Heeresentwicklung

Künftig führt der Inspekteur das Heer aus einer KdoBehörde, dem neuen Kommando Heer. Kdo Heer als neuer Stab Insp H und einzige Höhere KdoBehörde im OrgBer ist zukünftig die einzige Ansprechstelle im Heer für das BMVg. Das Kdo wird Planungs-, Führungs-, Lenkungs- und Kontrollaufgaben für den Insp H wahrnehmen. Die Struktur ist so ausgerichtet, dass sie konsequent an die Strukturen der übergeordneten ministeriellen Ebene zur Unterstützung der dortigen Prozesse anknüpft und sieht in der Grundgliederung vier Abteilungen vor. (s. dazu Artikel Seite 41). Dem nachgeordnet wird das Amt für Heeresentwicklung neu aufgestellt, das die gesamte Kompetenz für Konzeption und Weiterentwicklung im Heer bündelt. Dies umfasst sowohl die bisher an den Schulen abgebildete Expertise, einschließlich aller bisher dezentral wahrgenommenen Aufgaben der Weiterentwicklung (WE). Künftig werden in einem einstufigen WE-System alle Fähigkeits- und Planungskategorien zusammengeführt. Es arbeitet in einer Matrixorganisation gegliedert dem Kdo Heer, aber auch allen anderen Ämtern und KdoBehörden, zu und nimmt neu auf die Abt C-IED (Pilotaufgabe Heer). Im Amt ist zukünftig die konzeptionelle Spitze aller 13 Truppengattungen ("System Heer") angesiedelt.

Um die Ziele der Strukturreform zu erreichen, musste die künftige Ausbildungslandschaft des Heeres deutlich gestrafft und jede Möglichkeit einer noch effizienteren Aufgabenwahrnehmung genutzt werden. Hierzu wurde u.a. folgender Grundansatz verfolgt: – Durchführung der lehrgangsgebundenen Ausbildung in möglichst wenigen AusbZ sowie Konzentration von gleichen oder ähnlichen Ausbildungsinhalten an einer Stelle unter einheitlicher Verantwortung, – System AusbZ wird ergänzt durch nachgeordnete Ausb-/ÜbZ und AusbStP, die nur dann und dort eingerichtet werden, wo besondere Anforderungen dieses zwingend erfordern (Bsp. Geb/WiKpfS, STF / indir Feuer). Sehr früh stand fest, dass die zentralen AusbEinr des Heeres an ihren heutigen gut geeigneten StO verbleiben sollen; dieses ist gelungen.

Zusatz Munster / WE:

Die AusbZentren verlieren ihre Elemente WE. Nach Munster wird z.B. der Ausbildungsstützpunkt STF/ indirektes Feuer in Idar-Oberstein einschließlich der Mörserausbildung verlegt und unterstellt und bringt hier seine Expertise zielgerichtet ein, wo die Vorbereitung der mechanisierten Einsatzverbände mit ausgestaltet wird.

Eine kurze Bilanzierung der Strukturen.

Einsatzrelevante Strukturen wurden deutlich gestärkt, Führungsstrukturen, Ämter, Kommandobehörden und Ausbildungskommando und Ausbildungseinrichtungen: Ausbildungseinrichtungen auf einen Mindestumfang begrenzt. Dabei wurde der Umfang Kampftruppe und hier die Infanterie deutlich gestärkt

Fazit:

Erhöhung Kampftruppe zu Lasten KU/FüUstg Neue DP werden außerdem in Brigadeund Divisionsstäbe investiert um die Beiträge zu multinationalen Einsatzstäben zu gewährleisten und die Masse der OMLT- Gestellung sicherzustellen. Damit wird das Durchgreifen für Abstellungen auf die Btl-Ebene künftig vermieden. Erläuterungen zu den materiellen Aspekten der Neuausrichtung des Heeres mit den einsatzrelevanten Zusammenhängen von Strukturen, Ausbildung und Ausrüstung. Im Kern steht dabei das einsatzorientierte Ausrüstungskonzept des Heeres. Es dient mit der Abkehr von der Vollausstattung dazu, die bedarfsgerechte Verfügbarkeit von Material und Gerät für Ausbildung und Einsatz künftig innerhalb des finanziellen Rahmens sicherzustellen.

Ausrüstungsplanung
Ausrüstungsplanung

Künftig werden wir uns an Begriffe wie "vorausschauende Bereitstellungsplanung" (Btl 2 Jahre im voraus bis auf die y-Nr) und "dynamisches Verfügbarkeitsmanagement" gewöhnen müssen. Das Einsatzorientierte Ausrüstungskonzept ist unsere Antwort auf die Schere zwischen strukturellem Bedarf und voraussichtlich verfügbaren Haushaltsmitteln. Wesentliche Herausforderung der nächsten Jahre wird die im Rahmen der angestrebten nachhaltigen Finanzierung trotzdem zu erwartende Begrenztheit der Haushaltsmittel sein, was eine permanente Konkurrenz zwischen hinreichender Ausstattung und der Forderung nach langfristiger Innovationsfähigkeit bedeutet und eine klare Schwerpunktbildung und Priorisierung erforderlich macht. Ein "sowohl als auch" kann es nicht geben, auch wenn dies mit spürbaren Einschnitten in der Ausstattung einhergeht.

Das bisherige Streben nach durchgängiger Vollausstattung wird durch ein Konzept der bedarfsorientierten Planung und Steuerung ersetzt werden. Das Ausrüstungskonzept sieht für eine bestimmte Phase der Truppenausbildung nur noch die Deckung des materiellen Mindestbedarfes (ca. 1/3 der Vollausstattung + 35 % Sicherheitszuschlag) vor. Für den Einsatz, die Einsatzvorbereitende Ausbildung (EVA), für Einsatzgleiche Verpflichtungen sowie für die Sicherstellung der Ausbildung an den Schulen hingegen ist eine Vollausstattung vorgesehen, deren Verfügbarkeit durch eine Großgerätereserve sichergestellt wird.

Zur Steuerung der Materialflüsse wird ein "Dynamisches Verfügbarkeitsmanagement" vorgesehen, dass zielgerichtete Materialsteuerung für die jeweils geforderte Ausbildungsstufe innerhalb der Truppenausbildung bis hin zur Auffüllung für die EVA sicherstellt. Insgesamt kann so der Materialbedarf des Heeres auf ca. 70-80% der bisherigen Vollausstattungshöhen abgesenkt werden. BG Westphal erläuterte eingehend das neue Ausstattungskonzept in Verbindung mit der Ausbildungssystematik. Nur so könnten finanzielle Handlungsspielräume für den Betrieb, vor allem aber für Investitionen in modernes Gerät, geschaffen werden. Was man will, muss man auch bezahlen können. Die Realisierbarkeit dieser Planungen ist in einer Studie nachgewiesen worden.

Die Realisierbarkeit dieser Planungen ist in einer Studie nachgewiesen worden. Wesentliches Anliegen der Neuausrichtung gerade im Übergang ist die weitere Verbesserung des Materials für Einsatz und EVA. Dafür sind entsprechende Beschaffungen eingeleitet. Aber auch insbesondere Investitionen in Produktverbesserungen, wie z.B. geschützte Fahrzeuge und deren Peripherie (Waffenstationen, Funkgeräte, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme) einschließlich das erweiterte System IdZ, unterschiedliche MunSorten für Einsatz und EVA sowie verschiedene Systeme zur Verbesserung der Nachtsichtfähigkeit sind damit möglich. Beispiele dazu sind: Ausstattung PzH 2000 mit Klimaanlage, Erhöhung des Schutzfaktors TPz FUCHS 1A8, Anpassung SPz MARDER an Einsatzbedingungen. Wo stehen wir imHinblick auf: – GTK BOXER – IdZ ES – Luftbeweglichkeit Ein weiterer Ansatz zur Stärkung der Infanterie ist die Einführung des GTK BOXER als das Gepanzerte Transport- KFz der Infanterie. Der BOXER ist bereits mit 25 EA im Einsatz, die Erfahrungsberichte sind positiv, weiterer Zulauf in den nächsten Jahren ist gesichert, mit Blick auf die neue Struktur ist die Situation aber genau umgekehrt als beim PUMA. Vertraglich gesichert sind 272 Stück in unterschiedlichen Varianten, dabei nicht alle für das Heer, der struktureller Bedarf liegt aber deutlich höher (684), sodass zusätzliche Beschaffungen notwendig sind, die allerdings nur realisierbar sind, wenn zusätzliche HH Mittel verfügbar gemacht werden.

IDZ ES: neben PUMA und BOXER ein wesentliches Element zur beabsichtigten Stärkung des Systems Infanterie. Das abgestimmtes Gesamtsystem bestehend aus Bekleidungs- und Trageausstattung mit Schutz, Bewaffnung einschl. Nachtkampffähigkeit und Führungssystem mit Integration in PUMA und BOXER. Der Einstieg in die netzwerkbasierte Operationsführung mit Fü InfoSys Heer ist möglich. Die Beschaffung von 90 Systemen als Einstieg ab 2012 ist vorgesehen, d.h. die Ausstattung von 900 Soldaten. Die Luftbeweglichkeit wird deutlich verbessert mit der Einführung von UH TIGER und NH 90. Beide Systeme werden zukünftig nur noch im Heer betrieben, wobei die Stückzahlen deutlich reduziert werden mussten, beim UH TIGER von 80 auf 40 und beim NH 90 von 122 (Lw und H) auf 80.

Selbst wenn eine Vertragsanpassung nicht gelingt, ist der Betrieb größerer Stückzahlen nicht finanzierbar. Beide Systeme sind in der Truppe bereits verfügbar, haben aber technische Probleme. Die Anstrengungen konzentrieren sich darauf beide Hubschrauber 2012 bzw. 2013 (TIGER) in den Einsatz zu bringen! Attraktivität ist im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr ein vielbenutzter Begriff, der vielfältige Aspekte enthält und mit einer mit hohen Erwartungshaltungen verbunden ist. Attraktivität war von Anbeginn der Strukturüberlegungen des Heeres ein integrales Gestaltungskriterium, wobei der Schwerpunkt dabei ganz bewusst auf der Einheits- und Verbandsebene liegt.

Ein kurzer auszugsweiser Überblick, festgemacht an den folgenden fünf Stichworten.

  • 4/20 – ein Planungsansatz, der nicht nur den Einsatzrhythmus und den Ausbildungsrhythmus bestimmt sondern auch berücksichtigt, dass 4 Monate Kontingentdauer den besonderen physischen und psychischen Belastungen im Einsatz Rechnung tragen und von den Soldaten besser zu bewältigen sind. Er berücksichtigt zudem, dass 20 Monate zwischen den Einsätzen nicht nur der EVA und der sonstigen Truppenausbildung dienen, sondern auch die Einsatznachbereitung (Urlaub, Einsatznachbereitungsseminar u.ä.) beinhalten und der besseren Vereinbarkeit von Familie und Dienst in dieser Zeit zu ihrem Recht verhelfen soll
  • 70/30 wird die Notwendigkeit reduzieren, Einsatzkontingente mit Soldaten von außerhalb zu ergänzen und macht den Ansatz 4/20 solider und realistischer
  • 2/25 bedeutet für unsere Soldaten auf Zeit flexiblere und längere Verpflichtungszeiten nämlich von 2 bis 25 Jahren. Eine Antwort auf die demographische Entwicklung, weil wir so einen geringeren Regenerierungsbedarf bei Neueinstellungen bewirken, den Ausbildungsbedarf verringern und damit Dienstposten in der Ausbildungsorganisation und Zeit für die Ausbildung sparen. Auch die Professionalität wird erhöht, weil bspw. unsere Mannschaften dann, wenn sie voll ausgebildet sind und nach dem Einsatz den höchsten Grad ihrer Professionalität erreicht haben, nicht entlassen werden müssen, weil ihre Dienstzeit abgelaufen ist
  • 11/12/13 bedeuten angepasste Besoldungsgruppen für Offiziere des Truppendienstes in den Verwendungen als ZgFhr I, KpOffz und KpChef. Anlass dafür ist nicht der Wunsch nach einer höheren Besoldung dieser Männer und Frauen, sondern die Erkenntnis, dass der heutige Werdegang unserer Offiziere nach dem Studium dazu führt, dass die angehenden KpChefs zu wenig Erfahrungen sammeln können, bevor sie ihre Verwendung als KpChef antreten. Dafür stehen nur ca 3-4 Jahre, d.h. etwa zwei kurze Verwendungen zur Verfügung und führt auch bei den Verwendungen als ZgFhr und KpOffz zu einer hohen Fluktuation auf den Dienstposten. Als Verwendungsdauer auf dem DP der KpChefs sind heute schon 3 Jahre gefordert, tatsächlich erreichen wir im Durchschnitt jedoch nur etwa 2 bis 2,5 Jahre. Dies wird der hohen Bedeutung und dem Stellenwert, den die Einheitsebene in den Einsätzen und damit im Gesamtsystem des Heeres hat, nicht gerecht. Es soll hier eine größere Kontinuität in den Verwendungen der Offiziere auf der Einheitsebene insgesamt und insbesondere eine größere Dienst- und auch Lebenserfahrung der angehenden KpChefs erreicht werden
  • Kennziffer 200 bedeutet, dass in der neuen HStruktur etwa 200 DP auf der Verbandsebene ausgebracht werden, mit denen die BtlKdre und Einheitsführer in der Betreuung und Fürsorge für ihre Soldaten und deren Familien unterstützt werden. Absicht ist eine Verbesserung der Betreuung und Fürsorge auf Verbandsebene, insbesondere für einsatzgeschädigte Soldaten und Unterstützung der verantwortlichen Vorgesetzten (Kdr, KpChef, KpFw). Dabei werden u.a. wahrgenommen Lotsendienste für einsatzgeschädigte Soldaten und deren Familien, Knüpfen /Halten /Wiederherstellen von Kontakten im sozialen und psychosozialen Netzwerk, dauerhafte Verknüpfung der Informations-und Netzwerkstruktur der Familienbetreuungsorganisation, Prüfung und Zusammenarbeit mit StoÄ im Rahmen Vereinbarkeit Familie und Dienst (Netzwerke, Kinderbetreuung, Pflege, Teilzeit, Telearbeit)

Ausbildungs- und Übungsverbünde

Planungsparameter
Planungsparameter

Für den Erfolg des "Systems Brigade" ist die zusammenhängende Stationierung in einem möglichst geschlossenen "Brigaderaum" eine wesentliche Voraussetzung. Verbände und Ausbildungseinrichtungen des Heeres werden aus militärisch/ funktionalen und betriebswirtschaftlichen Gründen so stationiert, dass hierdurch regionale Ausbildungs- und Übungsverbünde zur Herstellung von Fähigkeiten / Einsatzbereitschaft ermöglicht und gefördert werden. Dazu einige Anmerkungen zu Struktur und Stationierung des künftigen Heeres:

Das Ziel, "Expertise zu erhalten" und "Verlegungen auf das unvermeidbare Minimum zu begrenzen" wurden weitgehend erreicht. In Einzelfällen war dieses leider nicht möglich, die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von dem banalen Fakt, dass der DP-Aufwuchs in der künftigen Struktur den Verbleib am alten StO verhindert bis zu der Tatsache, dass wegen entsprechender funktionaler Vorteile, auch in Verbindung mit wirtschaftlichen Aspekten, die Verlegung vorgeschlagen werden musste. Dabei darf auch erwähnt werden, dass einige Liegenschaften nur deswegen gehalten werden konnten, weil unter Berufung auf den erhöhten Infrastrukturbedarf für einsatzvorbereitende Ausbildung und Nicht-Ortsansässige eine wirtschaftliche Auslastung nachweisbar war.

Die Abläufe zur Umstrukturierung des Heeres

Realisierungsprinzip
Realisierungsprinzip

Wir sind ein Heer im Einsatz, was maßgeblichen Einfluss auf die Planungen für die Einnahme der neuen Struktur hat. Organisatorische Maßnahmen zur Umstrukturierung eines Truppenteils haben innerhalb von sechs Monaten vor, während oder drei Monate nach einem Einsatz zu unterbleiben, um die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung laufender Einsätze nicht zu beeinträchtigen. Die Realisierung der Struktur erfolgt in einem Top-Down-Ansatz, beginnend im BMVg. Dieses Prinzip gilt auch für das Heer. Die Umstrukturierung beginnt beim Führungsstab des Heeres und setzt sich fort über die Kommandobehörden hin zu den Truppenteilen, Verbänden und Einheiten. Den Abschluss bilden die Ausbildungseinrichtungen, da nur so die Ausbildung des Heeres auch in der schwierigen Phase der Umgliederung der Truppe bruchfrei geleistet werden kann.

Startpunkt ist nach unserer Planung der 1. Oktober 2012 mit der Aufstellung des Kommando Heer, unmittelbar im Anschluss, ab Frühjahr 2013, folgen das Amt für Heeresentwicklung und das Ausbildungskommando. Der Kern des Heers soll unter Berücksichtigung der laufenden Einsatzverpflichtungen in den Jahren 2014 und 2015 umgegliedert werden und der Zeitbedarf für die Einnahme der künftigen Struktur beläuft sich voraussichtlich auf 4 bis 5 Jahre; d.h. Abschluss Ende 2016. Zum Schluss seiner Ausführungen ging BG Westphal noch auf das der Gliederung der Panzer- und Panzergrenadiertruppe zugrundeliegende Rational hinsichtlich der Anzahl der Bataillone ein. Es verbleiben im HEER2011: 9 PzGrenBtl (mit drei KpfKp'n) und 4 PzBtl (mit vier KpfKp'n). Die jeweilige Anzahl der Bataillone folgt stringent den Ableitungen aus dem LoA/StabOp, der letztendlich strukturbestimmend ist.

Den beiden Zahlen (9x PzGren / 4x PzBtl) liegt folgendes Rational zugrunde: Rechenweg 9 PzGrenBtl: 2 + 1 = 3 Kp für beide EinsVbd gem. LOA x 1,5 Faktor (70/30) = 4,5 x 6 Rhytmus(4/20) = 27 = 9 Btl á 3 Kp. Rechenweg 4 PzBtl: 0,66 + 0,66 = 1,3 Kp für beide EinsVbd gem. LOA x 1,5 = 2 x 6 = 12 = 4 Btl á 3 Kp'n. Oder: Alle 4 Mon Bedarf von 1 PzKp (2 Züge) für den Eins ergibt 3 PzKp'n im Jahr x 1,5 (wg. 70/30) = realer Bedarf von 4,5 PzKp'n im Jahr x 3 (wg. 4/20, 2 Jahre zw den Eins) = 13,5 Kp'n. PzBtl im Unterschied zu PzGrenBtl künftig mit 4 KpfKp'n. Rational für die Aufstellung von zwei na PzBtl für die Landesverteidigung (LV) GebPzBtl 8 und PzBtl 414. Rational am Beispiel PzBtl 414: Die 3./414 kommt vom PzLBtl 93 MUNSTER), die zweite aktive PzKp (4./414) kommt vom PzBtl 203 aus AUGUSTDORF. Damit werden für die LV bis zu 6 Btl á 3 Kp bereitzustellen, bzw. bei LV im Bündnisrahmen das 5. Btl + freiwillige Reservisten. Das Gerät einheitlicher Standard Leo 2A6 = 225 EA (damit alle genutzt) reicht allerdings gerade für 5 Btl. Die Feinstrukturplanungen auf Ebene Vbd / Kp werden voraussichtlich Mitte des Jahres entschieden. Pz / PzGren verbindet das gemeinsames Element der 4er Gliederung im Zug und die Abkehr von der Vollausstattung sowie das dynamisches Verfügbarkeitsmanagement.

Ich fasse zusammen:

Das HEER2011 wird seine Reformziele sicher erreichen

  • Zur verbesserten Einsatzorientierung gehört insbs. die verbesserte Befähigung zum Kampf, v.a. die Stärkung der Infanterie
  • Der mechanisierte Kern des Heeres wird aber auch zukünftig unverzichtbarer Bestandteil des Heeres sein. – V orrangig strukturbegründend war der LoA StabOp
  • Die Basisstrukturen im Heer werden durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen gezielt und nachhaltig gestärkt
  • Für die dem Heer gestellten Aufgaben haben wir – vor dem Hintergrund der verfügbaren Ressourcen – die richtige Struktur!

Aussprache

Im Anschluss daran folgte eine sehr intensive und teilweise auch kontroverse Diskussion, die im Kern um Laufbahnfragen, das Ausrüstungskonzept und das Verfügbarkeitsmanagement von Großgerät sowie dem richtigen Kräftedispositv im Hinblick auf den LoA bei den gepanzerten Truppen und der zu erreichenden Nachhaltigkeit kreisten. Besonders das einsatzorientierte Ausrüstungskonzept hinterließ doch starke Skepsis hinsichtlich seiner Praktikabilität und Auswirkungen auf die Ausbildung und Motivation der Soldaten, die sich z.B. nicht in der Einsatzvorbereitung bzw. Einsatz befinden.

Veränderungsmanagement Heer

Wo gibt es uns? Wir haben eine eigene Seite und eigenes Logo (Kompass) im Intranet des Heeres, daneben auch im Internet für unsere Reservisten verfügbar.

Zentrale Aufgaben des VMH sind:

  • Steuerung
  • Koordinierung und
  • Überwachung der Maßnahmen zur Neuausrichtung des Heeres sowie
  • die Begleitung dieser Maßnahmen durch nachhaltige Informations- und Kommunikationsarbeit

Zurück

© Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe e.V. | Webdesign von webdesign24.biz
Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender