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Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864

2015-06-06 07:12
von Marco Pracht
Band-6

Kriegsgeschichtliche Exkursion vom 10..-13 Oktober 2013

von Karl-Theo Schleicher und Dr. Heinrich Walle

Die Habinsel Jütland auf deutschem und dänischem Boden war Ziel unserer Exkursion 2013. 50 Mitglieder und Gäste unseres Freundeskreises erlebten bei gutem Wetter vom 10. - 13. Oktober 2013 Stationen des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 nach. Als kultureller Anteil stand die altehrwürdige Marineschule, die 2010 das Jubiläum "100 Jahre Offizierausbildung an der Marineschule Mürwik" begangen hatte, auf dem Plan.

Referent war der Historiker Fregattenkapitän a.D. Dr. Heinrich Walle, vielen der Teilnehmer von zwei früheren Exkursionen – so 2008 "Kämpfe um die Vogesen im Ersten Weltkrieg" etc. und 2011 "Vorstoß der Schnellen Truppen im Mai 1940 von der Maas zum Kanal" – bekannt. Korreferent für Waffen, Kampfweise, Uniformen und Truppengliederungen war Oberstleutnant a.D. Uwe Piontek. Auch er ist kein Unbekannter, hat er doch bereits u.a. bei der Exkursion 2004 "Westwall / Hürtgenwald / Remagen" mitgewirkt.Für die Organisation der Exkursion war wie seit 15 Jahren – diesmal aber zum letzten Male – unser Beauftragter für Militärgeschichtliche Exkursionen, Oberst a.D. K.-T. Schleicher, verantwortlich.

1. Tag (Donnerstag)

Landkarte

Nach Aufnahme der Teilnehmer am Donnerstagmorgen in Erftstadt und am Hauptbahnhof Köln erfolgte die Anfahrt über die Autobahn A1 nach Hamburg, wo wir weitere Kameraden und Gäste aufnahmen. Unser 1. Besprechungspunkt (B-Pkt.) war das Danewerk bei Schleswig. Dort trafen wir mit den direkt zum Hotel in Schleswig angereisten Teilnehmern der Exkursion zusammen. Da die Abenddämmerung sich schon abzeichnete, begingen wir die Wehranlage bis zur 1. Schanze, um noch bei Tageslicht einen Eindruck von dieser bedeutenden Befestigungsanlage zu bekommen.

Naturschutzgebiet

Danach gab uns der Referent Dr. Walle einen Überblick über das Danewerk als jahrhundert alte Wehranlage und deren Bedeutung im Kriege von 1864. Das Danewerk (dänisch: Dannevirke), der Limes des Nordens, wird in den fränkischen Reichsannalen als eine Befestigung der Dänen gegen die Sachsen und slawische Stämme beschrieben. Das Danewerk verlief vom heutigen Hollingstedt nach Haithabu auf einer Länge von 30 km und schloss damit die Lücke zwischen den natürlichen Barrieren, dem westlich gelegenen sumpfigen Gelände um Eider und Treene und der östlich gelegenen Schlei. Der Bau erfolgte in mehreren Phasen: Bauphase I 737 n. Chr. – Vorläufer ggf. schon in der Römerzeit –, Bauphase II um 800 sowie Bauphase III von 968-1170. In der Neuzeit, im Schleswigschen Krieg 1864, wurde es durch dänische Pioniere zur Verteidigungslinie ausgebaut. Die Dänen verschanzten sich auch dort vor den anrückenden Österreichern. Es wurde dann aber sehr schnell mehr oder minder kampflos aufgegeben. In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar rückten die Dänen ab (Gründe: s. Abendeinweisung Dr. Walle). In einem Armeebefehl vom 8. Februar geht König Christian IX. darauf ein (Zitat):

"Das Dannewerk ist aufgegeben, in der Hand des Feindes ist der größte Teil der Kanonen, welche die Stellung verteidigen sollten; tief fühlen Wir mit euch, was Wir dadurch verloren haben. Aber, Kameraden, Wir haben nur diese eine Armee für die Verteidigung des Landes, und eure kriegstüchtigen Führer haben gemeint, dass Wir nicht längen eine Armee besitzen würden, wenn Wir euch nicht zurückzögen."

Das Danewerk gilt als das größte archäologische Bodendenkmal Nordeuropas – die Aufnahme in die Liste UNESCO-Welterbe wird angestrebt – und besitzt in Dänemark als nationales Symbol eine große Bedeutung. Nach Beziehen der Unterkünfte im schön gelegenen Hotel Waldschlösschen in Schleswig – die guten Beziehungen unseres Kameraden und ehem. Kurdirektors OTL a.D. H.-J. Schick hatten sich wieder einmal bewährt – und einem schmackhaften Abendessen begrüßte Schleicher die nun komplette Gruppe. Ein besonderer Gruß galt unserem Ehrenvorsitzenden GenMaj a.D. H.F. Beckmann, unserem Senior Herrn M. Hagelüken sowie Damen und Herren, die als Teilnehmer neu hinzugekommen waren.

Danach erfolgte die grundlegende Einweisung im Saale durch den Referenten Dr. H. Walle. Dieser schilderte zunächst die politische und militärische Ausgangslage bevor im weitern auf den Verlauf und das Ergebnis des Konflikts einging. Der Deutsch-Dänische Krieg (auch Zweiter Schleswiger Krieg oder Zweiter Schleswig-Holsteiner Krieg in Abgrenzung zum Krieg 1848-1851) war die militärische Auseinandersetzung um Schleswig-Holstein und vor allem um das Herzogtum Schleswig. Die Kriegsparteien waren auf der einen Seite Österreich und Preußen und auf der anderen das Königreich Dänemark. Der Krieg dauerte vom 1. Februar bis 30.Oktober 1864. Er gilt auch als der erste der drei Einigungskriege.

Karte des Feldzuges

Seine Ursache lag in der dänischen Novemberverfassung von 1863, in der Dänemark vertragswidrig Schleswig als integralen Bestandteil in den dänischen Kernstaat einbezog. Nach dem Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848-1851) behielt die dänische Krone zwar die Hoheit über die Herzogtümer Schleswig (als dänisches Lehen) sowie Holstein und Lauenburg (als Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes), verpflichtete sich aber, diese drei Herzogtümer weiterhin als selbständige Einheiten innerhalb des dänischen Gesamtstaates zu behandeln. Zu dem sollte nach dem Londoner Protokoll von 1852 Schleswig verfassungsmäßig nicht enger an Dänemark gebunden werden als Holstein und Lauenburg, die beide staatsrechtlich zu Deutschland gehörten.

Am 14. Januar 1864 erklärten Österreich und Preußen in Frankfurt, ihre Politik gegenüber Dänemark im weiteren Verlauf auch ohne Rücksicht auf die Beschlüsse des Bundestages zu verfolgen. Nach Ablauf eines Ultimatums an Dänemark überschritten österreichische und preußische Truppen unter Generalfeldmarschall Graf von Wrangel am 1. Februar 1864 die Eider. Der Plan sah vor, dass die Österreicher das Danewerk frontal angreifen sollten, während die Preußen die Schlei bei Missunde überschreiten, die Dänen von hinten umgehen und einschließen sollten.

Portraits

Nachdem der Übergang bei Missunde misslungen war, überschritt die preußische Armee ohne große Gegenwehr der Dänen die Schlei bei Arnis. Der dänische Oberbefehlshaber Generalleutnant de Meza ließ daraufhin das Danewerk räumen, um der preußischen Umfassung zu entgehen. Unter Zurücklassung der Schweren Artillerie zog er sich auf Flensburg zurück Dies löste zwar in Dänemark einen erheblichen Schock aus, bewahrte allerdings die dänische Armee vor der Vernichtung. Letztlich verschanzte sich die dänische Armee bei Düppel vor den Toren Sonderburgs.

Dort kam es am 18. April 1864 zur entscheidenden Schlacht. Der Erstürmung der zehn Schanzen gingen die immer engere Einschließung, Vorpostengefechte und eine mehrwöchige Belagerung voraus. Das Ergebnis war: Der dänische Herrschaftsbereich verkleinerte sich zum zweiten Male im 19. Jahrhundert. Die beiden Siegermächte übernahmen die Besetzung und Verwaltung als Kondominium.

Zu keiner Zeit war klar, ob der Krieg um die Herzogtümer Schleswig und Holstein überhaupt als Krieg zu bezeichnen waren. Die Exekution des Deutschen Bundes gegen Holstein, die im Dezember 1863 eingeleitet wurde, hatte eher den Charakter einer polizeilichen als einer militärischen Maßnahme. Das Übergewicht der beiden Großmächte Preußen und Österreich gegenüber der kleinen dänischen Armee war so deutlich, dass auch die Besetzung Schleswigs seit Ende Januar 1864 fast wie eine politisch-militärische Strafexpedition wirkte. Die Dänen waren außerstande, den verbündeten Armeen in einer offenen Feldschlacht entgegenzutreten. Sie konnten nur versuchen, durch hartnäckige Verteidigung ihrer Festungen so viel Zeit zu gewinnen, bis eine europäische Großmacht an ihre Seite treten würde. Dabei wurden die militärischen Aktionen immer wieder von diplomatischen Initiativen begleitet oder unterbrochen; die gesamte Krise um Schleswig- Holstein wirkte wie ein primär politisch- diplomatischer Konflikt, in dem militärische Aktionen nur eingeflochten wurden, um die Verhandlungsposition des Gegners zu schwächen. Bismarck vermied die Einmischung ausländischer Mächte, indem er strikt auf die Einhaltung des Londoner Protokolls achtete.

Ohne die Gefechte und Scharmützel in Schleswig verharmlosen zu wollen, muss doch eingeräumt werden, dass Preußen und Österreich nur begrenzte Truppenkontingente einsetzten und keinen Hehl daraus machten, dass sie ihre Armeen nicht in Kriegsstärke aufzubieten gedachten. Auch die Verluste an Toten und Verwundeten bei den Haupttreffen des Krieges waren vergleichsweise gering. So kostete die Erstürmung der Düppeler Schanzen die Preußen rund 1.200 Tote und Verwundete, während die dänischen Verteidiger ca. 2.200 Mann verloren. Die Gesamtzahl der während des mehrmonatigen Feldzuges getöteten Preußen lag bei knapp über 1.000 Soldaten. Eine nicht unbedeutende Rolle spielte auch das dänische Panzerschiff (Monitor) "Rolf Krake", das mit vier 64 Pfünder-Kanonen (Kal. ca. 200 mm) in zwei Rundtürmen ausgestattet war. Es kreuzte mehrfach im Wenningbund und beschoss die preußischen Stellungen vor Düppel. Walle ging auch noch auf die Landung der preußischen Truppen auf der Insel Alsen am 29. Juni 1864 ein.

OTL a.D. U. Piontek gab uns anschließend einen anschaulichen Waffenunterricht, in dessen Mittelpunkt die Entwicklung der Waffentechnik mit Schwerpunkt bei den Handwaffen und hier besonders das preußische Zündnadelgewehr stand. Im Detail schilderte er uns dessen Einfluss auf die preußische Infanterietaktik. Der Übergang vom Vorderlader, der nur aufrecht stehend und zeitaufwendig geladen werden konnte, hin zum Zündnadelgewehr, das liegend geladen werden konnte, brachte u.a. wegen dessen Fähigkeit zu hohem Munitionseinsatz in kurzer Zeit eine waffentechnische Überlegenheit. Die Eigenart der Kämpfe – Stellungskrieg und Häuserkampf – im Deutsch-Dänischen Krieg ließ diesen Vorteil jedoch nicht augenfällig zur Geltung kommen.

Sehr eindrücklich schilderte er auch die Kampfweise nach dem Exerzierreglement von 1847. Hiernach lag der Schwerpunkt des Kräfteansatzes im Angriff nach wie vor auf der geschlossenen Ordnung der Bataillonskolonnen, die ihr Massenfeuer linear unterhielten. Die Entscheidung wurde aber weniger durch eigenes Dauerfeuer als vielmehr dadurch gesucht, das Feuer des Gegners bald zu unterlaufen und den Feind im Bajonetangriff zu werfen. Ein Überblick über die Truppengliederungen und Uniformen rundete das Bild ab.

2.Tag (Freitag)

Über Flensburg führte uns die Fahrt zum kulturellen Anteil der Exkursion nach Mürwik zur Marineschule. Nach einer Begrüßung durch einen Vertreter des noch in Bonn diensttuenden neuen Schulkommandeurs, Kapitän zur See C. Stawitzki, teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Korvettenkapitän M.A. Chr. Jentzsch führte uns durch das Wehrgeschichtliche Ausbildungszentrum. Tradition und Brauchtum der deutschen Marine von der kaiserlichen Marine bis hin zur heutigen Bundesmarine sowie Schlachtenereignisse standen dabei im Mittelpunkt. Der Bezug zu unserer Exkursion wurde durch Bilder der Seegefechte in der Eckernförder Bucht in den Deutsch-Dänischen Kriegen von 1848-1850 und 1864 und entsprechenden Kommentaren hergestellt. Die sehr sachkundigen Erläuterungen und das leidenschaftliche Engagement des jungen Offiziers fand bei uns hohen Anklang. Dr. Walle - der Schule kein Fremder - erklärte uns die Anlage der Schule führte uns durch das "Heiligtum" des Hauptgebäudes. Neidlos mussten die Heeressoldaten eingestehen: Luftwaffe und Marine haben die imposanteren Kasernen und Kasinos. Bescheidenheit zeichnet das Heer aus. Der Besuch der Marineschule war ein Erlebnis besonderer Art. Voller guter Eindrücke verließen wir nach gut zwei Stunden und einem herzlichen Dank an die Schule das "Rote Schloss am Meer".

Um 12.00 Uhr rasteten wir am Museum Danewerk. Der Eine oder Andere nutzte dies, um das dortige Museum zu besuchen. Die "Mittagsverpflegung" erfolgte feldmäßig am Bus. Heiße Würstchen stillten den Hunger. Missunde, der Ort des missglückten preußischen Übergangs über die Schlei war unser nächstes Ziel. Unser Referent ging vor Ort auf die damaligen Ereignisse ein: Prinz Friedrich Karl hatte mit annähernd 10.000 Mann und einem gigantischen Aufgebot an Feldartillerie von 66 Kanonen die Dänen in einer vorgeschobenen Schanzenstellung bei Missunde angegriffen. Seine Übermacht war gewaltig gewesen. Die Dänen gegenüber verfügten nur über ein einziges Regiment von ca. 2.500 Mann und lediglich 20 Kanonen. Und doch misslang dem Prinzen alles.

Plan zum Gefecht

Die Kanonen dröhnten bei Missunde. Die Erde bebte, der Pulverdampf vermischte sich mit dem Nebel. Der Ort Missunde brannte lichterloh. Preußische Einheiten rückten näher auf die Schanzen vor, aber der dänische Widerstand wurde nicht gebrochen. Prinz Friedrich Karl ließ zum Rückzug blasen. Der geschichtlich interessierte Bürgermeister von Kosel – übrigens vormals Militärpfarrer – ließ es sich nicht nehmen, die Erklärungen unseres Referenten aus seiner Sicht zu ergänzen.

Referent Dr. Walle in Aktion
Referent Dr. Walle in Aktion

Bei Arnis – unserem nächste B-Pkt – gelang dann den Preußen der Übergang ohne große Probleme. In Booten und auf einer nachts geschlagenen Brücke setzten sie über die Schlei. Die Dänen hatten bereits in der Nacht zum 6. Februar auf eisglatten Straßen den Rückzug angetreten. Unter Zeitdruck mussten sie jedoch 150 Geschütze in den Schanzen an der Schlei stehen lassen. Um 10.00 Uhr konnte Kappeln vom preußischen 24. Infanterie-Regiment besetzt werden. Den Abschluss des Tages bildete die Nachbereitung der Gefechte bei Oeversee und am Sankelmarker See vom 6. Februar 1864.

Geländeorientierung ostw. Oeversee
Geländeorientierung ostw. Oeversee

Nach einer fachkundigen Geländeorientierung durch OTL d.R a.D. Herms – hin und wieder werden unsere Teilnehmer dazu aufgefordert – versetzten wir uns in die damalige Zeit zurück. Vom Standort der österreichischen Brigade Nostitz blickten wir am Historischen Krug von Oeversee vorbei zur damals moorigen Niederung der Treene. Mit viel Fantasie vollzogen wir so das Gefecht von Oeversee nach. Nach vorangegangenem Schusswechsel wurde dann blank gezogen und das Gefecht mit dem Bajonett entschieden.

Übergang über die Schlei
Übergang über die Schlei

Am Sankelmarker See erklommen wir die Denkmalshöhe der Österreicher. Von dort hatten wir den See und die Straße von Oeversee nach Bilschau im Blick. Der Engpass zwischen dem See und den sich ostwärts anschließenden Höhen trat in seiner strategischen Bedeutung deutlich hervor. Dort tobte am 6. Februar 1864 das Gefecht zwischen den vom Süden vorrückenden Österreichern und den nach Norden ausweichenden Dänen.

Gruppe vor dem österreichischen Denkmal
Gruppe vor dem österreichischen Denkmal

Nach den Schilderungen von Dr. Walle aufbauend auf den Bericht von Carl Bleibtreu machten die Dänen den Österreichern das Leben schwer. Den Talkessel des Sankelmarker Seegrunds kränzte auf der Nordseite ein Wald, winterlich kahl sowie einige unbewachsene Höhen längs der Chauseeniederung, wo viele Knicks dem Verteidiger Deckung boten, was u.a. die dänische Brigade Müller gut zu nutzen wusste. Ein erbitterter Waldkampf kostete auf beiden Seiten hohe Verluste. Das Gefecht wogte hin und her. Teilweise hatten Kompanien beider Seiten keine Offiziere mehr. Doch die ausgezeichnete Beschaffenheit der k. u.. k. Artillerie bewährte sich wieder glänzend und zwang gegen Abend gemeinsam mit vorwärts stürmenden Steiermärkern die Dänen zur Geländeaufgabe. Eine Verfolgung schloss sich infolge völliger Erschöpfung und tiefer stockfinsterer Nacht jedoch aus. Die folgende Nacht auf der Walstatt brachte neue Schrecken durch schneidende Kälte. Der heulende Nordwind, der rauesten Frost verbreitete, begrub so manchen Verwundeten in "molligen" Schneehaufen erstarrend.

Weiterer Plan zum Gefecht

"Danach besuchten wir auch das dänische Denkmal auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Bemerkenswert dort die Aufschrift mit Ehrung der eigenen und gegnerischen österreichischen Gefallenen. Im äußersten Norden Deutschlands, dort, wo die Republik an Dänemark stößt, liegt am einstigen Heer- und Ochsenweg, auf dem Jahrhunderte hindurch Soldaten in den Krieg zogen und Ochsen von Jütland zu den Märkten in Hamburg und Lübeck getrieben wurden, der Historische Krug von Oeversee. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 war der Krug nacheinander zunächst Rastund Sammelplatz sowie Stabsquartier beider Kriegsparteien, im weiteren Verlauf Lazarett für die Verwundeten beider Seiten. Freund und Feind lagen friedlich nebeneinander. Das 1863 gegründete Internationale Rote Kreuz konnte sich hier bereits bewähren. Zum Abschluss des Abends nahmen wir im Historischen Krug zu Oeversee eine zünftige Vesper ein. Das ganze Hotel gleicht in seiner Ausstattung mit Skizzen und Gemälden der damaligen Ereignisse einem Museum.

3. Tag (Samstag)

Dieser Tag war voll dem Kampf um die Düppeler Schanzen gewidmet. Kurz nach dem Grenzübertritt nach Dänemark machte uns Dr. Walle auf den Kirchturm von Broacker (dän.: Broager) aufmerksam, von dessen Spitze ein Beobachter das preußische Artilleriefeuer geleitet hatte. Eine der Batterien, die sog. Gammelmark- Batterie, war südlich des Vemmingbund aufgestellt und konnte so mit ihrem Feuer flankierend gegen die dänischen Schanzen wirken.

Zündnadelwallbüchse

Zu Fuß folgten wir hinter Palmose den Spuren der angreifenden Preußen. Der Referent schilderte den Ausbau der Parallelen mit den dazwischen liegenden Laufgräben. Diese Arbeiten zogen sich auf preußischer Seite über mehrere Wochen hin. Einen anschaulichen Eindruck von der 1. Parallele über die Artilleriestellungen sowie über die 2. und 3. Parallele bis hin zur Sturmausgangsstellung vermittelt die Abbildung unten. Sie stellt aber ebenso anschaulich das dänische Verteidigungswerk mit den 10 Schanzen und der 2. Verteidigungslinie dar. Aus der Sturmausgangsstellung erklommen wir die Schanzenhöhen. Unser besonderes Augenmerk galt der Schanze IV, die auch im Gefecht 1864 eine zentrale Stellung einnahm.

Nach einer lagebezogenen Geländeorientierung, gekonnt vorgetragen von Oberst a.D. R. Petersen, erläuterte uns Dr. Walle das System der dänischen Schanzen und die Einnahme der 1. Verteidigungslinie durch die Preußen. Mehrere Musikkorps, insgesamt 300 Musiker, spielten unter Leitung des Kapellmeisters Piefke den Yorck`schen Marsch. Von dessen Klängen beseelt, stürmten die preußischen Regimenter die Schanzen. Das ließ sich auf der Exkursion 2013 nachahmen: Hauptmann a.D. Thorsten Schubert hatte sein I -Phone zur Hand und ließ den Marsch von "angriffslustigen" Kameraden umringt erklingen.

Der Sturm auf die Stellungen bei Düppel am 18. April 1864

Auch des berühmten Pioniers Klinke, Angehöriger der 4. Kompanie des Pionierbataillons Nr. 7 wurde gedacht. Er befand sich bereits im Graben vor der Palisade der Schanze II, als ein Kamerad einen gezündeten Pulversack von oben gegen den Fuß des Hindernisses warf. Bei der Explosion erlitt er schwere Verbrennungen, kletterte aber noch aus dem Graben. Dabei wurde er tödlich getroffen. Noch am Vormittag – vor dem Sturm durch die Tiefe der Stellungen – besuchten wir das Museum in Sonderburg. Eigentlich sollte dies zu Beginn der Phase "Düppeler Schanzen" erfolgen, aber da es erst um 10.00 Uhr öffnete, mussten wir um die Zeit zunutzen, unseren Plan umstellen.

Gegenangriff
Gegenangriff

Im Museum erläuterte uns der Referent Dr. Walle anhand eines dort ausgestellten Reliefs noch einmal die Angriffsvorbereitungen in den Parallelen 1- 3 und die Erstürmung der Schanzen I - X. Auf jede Schanze wurde ein preußischer Verband/ Großverband angesetzt. General von Senden stellte in einer kurzen Manöverkritik fest, dass die Preußen mit dem Schwerpunkt rechts richtig lagen. Das Museum war reich an Bildern und Skizzen über den 1864er Krieg ausgestattet. Anhand derer konnte man z. B. auch gut erkennen, dass die Parallelen nicht als schmale Schützengräben gesehen werden dürfen. Sie waren vielmehr so breit angelegt, dass in ihnen ganze Regimenter Platz hatten.

Am Nachmittag widmeten wir uns dem Kampf durch die Tiefe, vor allem dem Nehmen der 2. Verteidigungslinie in Höhe der Düppeler Mühle. Von dort hatten die Preußen – so auch wir bei der Exkursion – den Blick zum Alsensund und auf die Barackenlager der dänischen Reserven. Die Lage der Dänen sah nicht gut aus, aber so leicht gaben sie sich auch nicht geschlagen. Der Gegenangriff der dänischen 8. Brigade gegen den preußischen rechten Flügel brachte zwar kurzfristig Entlastung, verwandelte sich dann aber in einen fluchtartigen Rückzug. Die Räumung der dänischen Stellungen westlich des Alsensundes war letztlich die Folge.

Ein weiteres Museum auf der Schanzenhöhe und eine dort angelegte Musterschanze mit Gräben, Verhauen und Kanonenstellungen rundete das Bild der damaligen Ereignisse für uns ab.

Gruppe vor der Düppeler Mühle
Gruppe vor der Düppeler Mühle

Die Exkursion endete am B-Pkt Sottrupskov mit einem herrlichen Blick über den Sund. Dort schildert der Referent den Übergang über den Alsensund und den Vorstoß auf Sonderburg am 29. Juni 1864, dem dann die Einnahme der Stadt von Norden herfolgte. Auf der Rückfahrt im Bus schloss Dr. Walle mit einigen Hinweisen zum weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen bis zum späteren Friedensschluss am 30. Oktober 1864 in Wien seine Erläuterungen ab. Am späten Nachmittag erfolgte die Gefallenenehrung. Dazu besuchten wir das dänische und das preußische Denkmal vor der Höhe der Düppeler Schanzen. Nach einem geschichtlichen Rückblick auf das damalige Gefechtsgeschehen – dabei sein Hinweis: "Preußen ist untergegangen, aber wir tragen Preußen im Herzen" –, fand Generalmajor a. D. Frhr. Friedrich von Senden ehrende Worte für die gefallenen Dänen, Österreicher und Preußen. An beiden Denkmalen legten wir dann ein Gebinde des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe nieder.

Um 19:00 Uhr eröffnete Oberst Schleicher den Abschlussabend mit einem Toast auf unser deutsches Vaterland. Die Hausherrin des Waldschlösschens überraschte uns mit einer launigen Rede und einem Schnäpschen, das wir dann auf das Wohl des Hauses tranken. Nach dem Hauptgang zog Schleicher dann ein Resümee des Ablaufs der Exkursion 2013. Er dankte er den beiden Referenten für die exakte Vorbereitung und gelungene Durchführung der Exkursion.

Die Einweisung in die Große Lage von 1864 durch Dr. Walle mit den sehr informativen und interessanten Darlegungen habe uns in die Lage versetzt, die Ursache, den Feldzugsplan und -ablauf sowie die Folgen für Dänemark und Deutschland gut zu verstehen. Besonders attraktive Gefechtsausschnitte – Schwerpunkte dabei die Österreicher bei Oeversee und am Sankelmarker See sowie die Preußen bei Düppel – seien uns im Gelände fachkundig und eindrucksvoll nahegebracht worden. So habe man einen umfassenden Überblick über das Gesamtgeschehen gewinnen können. Dr. Walle habe wieder einmal aus seinem großen Fundus an Wissen geschöpft und nicht nur das Geschehen von 1864 beleuchtet, sondern auch den Bogen der Entwicklung in Europa vom Ausgang des 30-jährigen Krieges über den Wiener Kongress und die beiden Weltkriege bis heute geschlagen. Der Südschleswigsche Wählerverband im Bundesland Schleswig-Holstein ist ein Relikt dieser Zeit.

OTL a.D. Piontek dankte er für dessen waffenkundliche Abhandlung, das Aufzeichnen der technischen Entwicklung auf die Taktik und Kampfweise. Auch dessen fachliche Beiträge zum Waffeneinsatz – es starben mehr Soldaten durch Bajonettstiche als durch Kugeln – an unterschiedlichen Besprechungspunkten hob er hervor. Seine Darlegungen seien eine gute Ergänzung zu denen des Dr. Walle gewesen. Schleicher dankte auch General von Senden für seine Ansprache an den Denkmalen auf den Höhen von Düppel, bei der der alte Preuße durchschlug. Unter großem Beifall aller Teilnehmer überreichte er dann dem Referenten FKapt. a.D. Dr. Walle als äußeres Zeichen des Dankes das Buch "50 Jahre Panzertruppe der Bundeswehr" und dem Korreferenten OTL a.D. Piontek das Buch "Aus Feldpostbriefen junger Christen 1939-1945".

Schleicher drückte auch seine Freude darüber aus, dass wiederum neue Teilnehmer – darunter auch jüngere Semester - zum Kreis der an kriegsgeschichtlichen Exkursionen Interessierten gestoßen seien. Sein Dank galt auch den drei Damen, die sich so gut in die Männergemeinschaft eingefügt haben. Frau Dr. Schick und Herrn Dr. Nörenberg sagte er besonderen Dank für die umsichtige ärztliche Unterstützung, die diese dem erkrankten Exkursionsteilnehmer Kuritz haben angedeihen lassen. Schleicher ging nach einem kurzen Rückblick auf die 15 Exkursionen unter seiner Leitung von 1998 bis heute auf seinen Nachfolger und die Exkursion 2014 ein. Die Runde war sichtlich erleichtert und zugleich erfreut zu hören, dass die Exkursionen nunmehr unter der Leitung des noch amtierenden Vorsitzenden des Freundeskreises, GenLt. a.D. Wolfgang Korte, weitergeführt werden. Schleicher drückte die Hoffnung aus, dass er dann als normaler Exkursionsteilnehmer viele Kameraden und Gäste des FOP bei der Exkursion "Market Garden – Die Brücken von Arnheim" vom 9.- 12. Oktober 2014 wiedersehen werde.

Im Namen der Teilnehmer dankte Generalmajor a.D. Friedrich Freiherr von Senden Oberst a.D. Schleicher für die Planung sowie die organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Exkursion 2013, aber auch für die vielen Exkursionen zuvor. Einem Toast auf das Wohl und einem dreifachen Panzer-Hurra auf den Organisator folgte der Dank der Teilnehmer mit anhaltendem Beifall.

Unser Senior Herr Hagelüken schloss sich dem Dank an und erweiterte diesen wegen der Fürsorge für seine Person auf die gelebte Kameradschaft und hervorragende Hilfsbereitschaft dieser Runde. Aus akutem Anlass heraus (s. o.) beantragte er, dass nun neben dem bereits länger ernanntem "Regimentsarzt" Dr. Nörenberg nun auch Frau Dr. Schick mit diesem Titel bedacht wird. Unter großem Beifall erfolgte dies per Akklamation.

Zum Abschluss des offiziellen Teils sangen wir das "Panzerlied", wie immer stimmgewaltig intoniert vom Kameraden Peter Halfpap. Vorweg betonte er, dass die nunmehr wesentlich verkleinerte Panzertruppe trotzdem den "Panzergeist" weitertragen müsse. In gemütlicher Runde, Pflege der Kameradschaft sowie interessanten Gesprächen klang der Abend aus.

4. Tag (Sonntag)

Am Morgen nach der Gepäckverladung starteten wir Richtung Heimat. In Hamburg verabschiedeten wir ebenso wie in Köln Teilnehmer, die ihren Zügen zustrebten. Vor Erreichen von Erftstadt bedankte Schleicher sich im Namen aller bei unserem Busfahrer für dessen umsichtiges und sicheres Fahren sowie die fürsorgliche Betreuung.

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Generalleutnant Jacobson
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General a.D. Wolfgang Brüschke
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Oberst a.D. Schneider
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