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Der Reservist

2015-06-07 08:42
von Redaktion
Band-5

Rückblick nach 2 Jahren in der Wirtschaft

von Sandro Becker
Sandro Becker

Welche Parallelitäten lassen sichzwi schen Wirtschaft und Bundes wehr nach zwei Jahren des beruflichen Wechsels ziehen? Vor der Entscheidung, die Bundeswehr zu verlassen, stehen jährlich einige Zeitsoldaten. Vorweggenommen sei, dass keine Abwägung, welches der vermeintlich "bessere" Weg ist, erfolgt, sondern vielmehr aufgezeigt wird, dass die militärische Ausbildung in und auch außerhalb der Bundeswehr auf breite Anerkennung stößt. Jeder, der vor einem beruflichen Wechsel steht, wird feststellen, dass die Gründe eines Wechsels sehr vielfältig und kaum pauschal übertragbar sind. Im Beitrag werden ausdrücklich eigene Erfahrungen geschildert.

Zivilberuflicher Einstieg

Der berufliche Einstieg als Assistent des Geschäftsführers bei SKET war erfolgreich, die Probezeit ist überstanden. SKET als Maschinenbaudienstleister im ENERCON Konzern beschäftigt am Standort Magdeburg rund 400 Mitarbeiter, der Jahresumsatz übersteigt 60 Mio. €. ENERCON ist Technologieführer in der Entwicklung von Windenergieanlagen und beschäftigt mehr als 7.000 Mitarbeiter weltweit. (Näheres unter www.sket.de / www.sketindustriepark. de / www.enercon.de) Nach zwei Jahren als Assistent der Geschäftsführung obliegen wesentliche Verantwortungsbereiche des Investitionsmanagements, des Vertrags- und Versicherungswesen, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Funktion. Die operative und strategische Unterstützung der Geschäftsführung ist genauso in der Position verankert wie die Protokollierung und Zielüberprüfung wichtiger Vorgaben. Das Aufgabengebiet ist umfassend und verlangt mehr generalistische als fachspezifische Eigenschaften. Welche Grundlagen der vorherigen Verpflichtungszeit in der Bundeswehr haben dazu beigetragen, den beruflichen Wechsel in die Wirtschaft erfolgreich zu gestalten?

Ausbildung und Training

Die Bundeswehr führt vom ersten Tag an mit den Offizieranwärtern eine lehrgangsorientierte und zielgerichtete Ausbildung zum Offizier durch. Im Wechsel zwischen Ausbildungseinrichtungen und Tätigkeiten im Truppenalltag werden effektiv und effizient die wichtigen Eigenschaften moderner entscheidungsfreudiger Führungskräfte vermittelt. Neumodische Worte der Wirtschaft wie "training on the job", "job enrichment" oder "job rotation" sind in vielen Fachzeitschriften zu lesen und die Beiträge überhäufen sich. Junge Offizieranwärter und spätere Offiziere werden im Sinne dieser Theorien schon seit Jahren ausgebildet. Das Führen mit Auftrag und das Umsetzen von Zielstellungen bei oftmals begrenzten Ressourcen ist von Anfang an Bestandteil.

Im zivilberuflichen Alltag erinnert man sich sehr häufig an die Ausbildungsinhalte. Genaugenommen sind nicht alle Inhalte komplett zu übertragen. Jedoch garantiert die sehr breite Ausbildung in der Bundeswehr eine sehr hohe Flexibilität und gewährleistet schnellste Einarbeitungszeiten in andere Themengebiete. Ob es beispielweise um das strukturierte Denken oder um die Formulierung eines Entschlusses geht, beide Themen sind in jedem beruflichen Umfeld von hohem Interesse. Knappe materielle und personelle Ressourcen unter Beachtung zeitlicher Rahmenbedingungen sind immer zu finden. Der Umgang mit diesen Faktoren ist für den beruflichen Erfolg unerlässlich.

Führungs- und Leitungserfahrungen

Als Teileinheitsführer ist man nach wenigen Jahren bereits komplett in der Pflicht, die Leitung und Ausbildung des Personals sowie die Einsatzbereitschaft eines Panzerzuges sicherzustellen. Eine nicht unerhebliche Verantwortlichkeit für Material, Großgerät und Ausrüstungen liegt früh im Verantwortungsbereich eines Offiziers. Hierbei steht die Linienfunktion mit klaren Grenzbereichen in der Aufbauorganisation im Vordergrund. Gleichzeitig wird abverlangt, Projekte und Großvorhaben zu managen.

Durchweg positiv sind diese frühzeitigen Erfahrungen für die spätere berufliche Entwicklung. Jedoch sind die gelernten Fähigkeiten schwer zu beschreiben oder zu quantifizieren, man würde es wohl eher als Erfahrung auffassen. Deutlich wird dieser Sachverhalt insbesondere bei Vorstellungsgesprächen mit künftigen Vorgesetzten. Ob es der Umgang mit Mitarbeitern oder unterstellten Soldaten ist – die situative Änderung des Führungsstils gehört zum Alltag eines jeden Offiziers. Genauso sind Budget- und Materialverantwortlichkeit im Wesenszug ähnlich – klare Unterschiede bestehen, zu welchem Zeitpunkt diese Verantwortlichkeiten übertragen werden. Die Bundeswehr setzt hierbei auf frühzeitige Verantwortung, die im zivilberuflichen Umfeld ihresgleichen sucht. Selbst vielversprechende Traineeprogramme können nur begrenzt verglichen werden. Offiziere, die sich nach Ablauf ihrer Verpflichtungszeit entscheiden, den beruflichen Wechsel in die Wirtschaft anzustreben, werden in der Regel die Gründe für die spätere Verantwortungsübernahme schnell feststellen. Ein nicht unerheblicher Unterschied liegt in der Wirtschaftlichkeit. Unternehmen reagieren und agieren am Markt schnell und das wohl wichtigste Kriterium neben einem marktfähigen Produkt oder einer Dienstleistung ist die Wirtschaftlichkeit in all ihren Facetten.

Die Disziplinargewalt

Die erstmalige Übertragung der Disziplinargewalt stellt für die meisten Offiziere nochmals einen ganz besonderen Zeitpunkt in ihrer militärischen Laufbahn dar. Als Einheitsführer sind die wesentlichen personellen und materiellen Befugnisse im Truppenalltag unter Beweis zu stellen. Besonders lehrreich und prägend sind Erfahrungen der Leitung einer Einheit im internationalen Einsatz. Mit der persönlichen Entscheidung, die Bundeswehr nach Ablauf der Verpflichtungszeit zu verlassen, verbinden sich einige neue Fragen.

Als Berufssoldat oder mit dem Wunsch, Berufssoldat zu werden, ist die sogenannte "Chefverwendung" einer der wichtigsten Verwendungen. Entscheidet man sich für das zivilberufliche Umfeld, sind klare Kriterien zu definieren, welche Ziele man selbst verfolgt. Hierbei sind die zivilberuflichen Wege, die in den meisten Fällen zu diesem Zeitpunkt noch sehr unscharf sind, nach dem Ausscheiden relevant. Eine pauschale Wertung, dass nur die Tätigkeit mit Disziplinargewalt für den zivilberuflichen Einstieg von Bedeutung ist, ist sicherlich genauso anzuzweifeln, wie dass die Truppengattung von höchster Bedeutung ist. Im zivilberuflichen Umfeld wird schnell klar, dass man bei Personalgesprächen mit ehemaligen Offizieren die Eignung als Führungskraft voraussetzt und dass die Zusatzqualifikationen ebenfalls von immenser Bedeutung sind. Das Anstreben einer Stabsfunktion kann hierbei sogar zielführender sein, als die in der Bundeswehr sehr förderliche erste "Chefverwendung".

Resümee

Aus heutiger Sicht sind folgende Kriterien ausschlaggebend, die den beruflichen Wechsel unproblematisch gestalten ließen.

  1. Das Arbeiten mit eigenen Zielen und Führen von unterstellten Bereichen mit Zielvorgaben
  2. Die Flexibilität und generalistische Ausbildung im Rahmen der Offizierausbildung
  3. Die frühzeitige Leitungserfahrung in verschiedenen Linien- und Stabsfunktionen
  4. Das strukturelle Denken zur Umsetzung der Zielstellung

Einer etwaigen mangelnden Fachkompetenz, insbesondere das Verstehen betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge unter Beachtung wirtschaftlicher Aspekte, sollte bei einem Wechsel in die Wirtschaft frühzeitig entgegengewirkt werden. Hierbei bietet die Bundeswehr eine erstklassige Unterstützung durch den Berufsförderungsdienst und dessen Leistungsspektrum. Grundsätzlich sollte man jedoch auch den Berufsförderungsdienst mit klaren Vorstellungen integrieren. Wenn man selbst nicht weiß, was man erreichen möchte, kann eine zielorientierte Beratung nur misslingen. Dieses Instrument ist einmalig und macht die Bundeswehr für Bewerber attraktiver. Im Beitrag sind eigene Erfahrungen möglichst allgemein dargestellt, für den Meinungsaustausch können sich interessierte Leser gern an den Autor wenden.

Lebenslauf

  • 07/05 – heute Assistent des Geschäftsführers, SKET Maschinen- und Anlagenbau GmbH, Magdeburg
  • 04/01 – 01/06 berufsbegleitendes Studium Industrial Engineering, TFH Berlin
  • 06/02 – 06/05 Studienoffizier, S3 Offizier, Zentrum für Transformation der Bw., Waldbröl, vormals Amt f. Studien und Übungen
  • 11/01 – 05/02 (stellv.) KpChef, KFOREinsatz, Task Force ZUR, Kosovo
  • 05/00 – 10/01 stellv. KpChef, PzBtl 383, Bad Frankenhausen
  • 11/96 – 04/00 Maschinenbaustudium, Universität der Bundeswehr, Hamburg

Kontakt (Logo SKET)

SKET Maschinen- u. Anlagenbau GmbH.

Assistent des Geschäftsführers Schilfbreite 2,

39120 Magdeburg

Telefon: 0391 / 684244

Telefax: 0391 / 683550

Email: sandro.becker@sket.de

Kurzinformation zum ersten „Berliner Panzerschoppen“

Berliner Panzerschoppen
Berliner Panzerschoppen

Nachdem die Panzertruppe aus der Fläche bereits verschwunden ist und immer mehr an Großstandorten konzentriert wird, ist die Arbeit der Regionalkreise unseres Freundeskreises extrem erschwert. Gleichzeitig hat eine Konzentration von militärischen Dienststellen in und um Berlin stattgefunden, die naturgemäß eine größere Anzahl von Panzeroffizieren in diesen Bereich unserer Republik geführt hat. Was liegt da näher, als den "Hardtbergschopen" aus Bonn zu importieren und daraus den "Berliner Panzerschoppen" zu machen. Gesagt, getan: Der Freundeskreis hat durch ein "Ketten E-Mail" und den Versand einiger Einladungsbriefe zu einem solchen "Schoppen" eingeladen und ca. 20 Panzeroffiziere - aktiv, a.D. oder d.R. - trafen sich zu einem Abend mit Kurzvortrag und kameradschaftlichem Gespräch in der Julius-Leber- Kaserne in Berlin.

Es waren insbesondere die Standorte STRAUSBERG, POTSDAM und BERLIN angesprochen. Brigadegeneral Drews, Kdr ZTransfBw, hat den Abend eingeleitet durch einen sehr kurzweiligen und inhaltsreichen Vortrag zum "Sachstand der Transformation der Bundeswehr". Hierbei wurden zahlreiche Aspekte angesprochen; ein wichtiges Fazit war, dass für das Vorhaben bzw. den Prozess der Transf- Bw fortwährend gearbeitet und auch geworben werden müsse, nur dann könnten die Streitkräfte erfolgreich für die Einsätze umgestaltet werden. Anschließend wurde in kameradschaftlicher Runde geplaudert und der eine oder andere Schoppen genossen.

Ein Fortsetzung ist geplant, Zuspruch vorab und Stimmung des Abends lassen hoffen. Noch ein Wort zum Verbindunghalten bzw. dem Einldungsversand: Bitte geben Sie bei Interesse Ihre E-Mail Erreichbarkeit bekannt; eine schriftliche Einladung mit der "gelben Post" wird in Zukunft aus Zeit- und Geldmangel nicht mehr erfolgen können. Auch ist Weitergabe und Streuung der Einladung erwünscht; die Rückmeldung an den Autor erwirkt den Vermerk in der Einladungs –mail- liste.

Oliver Dellschau, Major der Reserve, Beauftragter für Reserveoffiziere des Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe. E-Mail: oliver.dellschau@diehl.de Tel.mobil: 0173/3982538 freundeskreis@panzertruppe.com

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Generalleutnant Jacobson
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Carsten Jacobson

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Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
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Oberst a.D. Schneider
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