Hotline: Mo + Mi 08:00 - 13:00 Uhr +49 (0) 5192 / 98 62 81 freundeskreis@panzertruppe.com
Detailansicht

Deutsche militärische Führungskultur

11.06.2017 20:24
von Marco Pracht
(Kommentare: 0)
Band-7

Im Wandel der Zeit

Oberst Dr. Groß, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
Oberst Dr. Groß, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

„Ausgehend von der Frage, ob die Auftragstaktik wohl eine deutsche Art der Kriegsführung sei, spannte Oberst Dr. Groß vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften d.Bw. mit Bezug auf Antoine-Henri Jomini (wie führt man Krieg) und Carl v. Clausewitz (was ist Krieg) schnell den Bogen zu den Merkmalen der unterschiedlichen Führungsverfahren und zur Frage der Auftragstaktik. Eindringlich machte er deutlich, dass für die Auftragstaktik bestimmte strategische, bildungsmäßige, kulturelle und gesellschaftliche Voraussetzungen gegeben sein müssen, wenn diese Art der Führungskultur von Erfolg gekrönt sein soll.

So seien z.B. die Kontinental- und Mittellage Deutschlands einerseits und die Auftragstaktik andererseits „quasi“ siamesische Zwillinge, die sich gegenseitig bedingen. Operatives Denken sei an eine Kontinentallage und an ein Massenheer gebunden. Staaten in anderer strategischer Lage, z.B. Seemächte, favorisieren durchaus mit Erfolg sehr viel genauere Auftrags-(Befehls)verfahren.

Die Auftragstaktik sei zudem durch gewisse Konstanten und Variablen geprägt und keinesfalls immer die erfolgreichere Führungsmethode. Und keinesfalls beinhaltet die Auftragstaktik nur Chancen, sonder sehr wohl auch Gefahren für die oberste Führung, genauso wie sie für die „Unterführer“ mehr Verantwortung, bedeutet. So schränkt möglicherweise der mit der Auftragstaktik einhergehende

  • partielle Autoritäts- wie Kontrollverlust,
  • die Verlagerung der Verantwortung auf nachgeordnete Ebenen und
  • die Verrechtlichung des Krieges

die Bereitschaft stark ein, den nachgeordneten Bereich mittels Auftragstaktik zu führen. Im Zeitalter der Massenheere sei aber eine andere Führung kaum durchführbar gewesen. Ebenso müssen sich die Unterführer über die Verlagerung der Verantwortung auf ihre jeweilige Ebene stets bewusst sein.

Leider umfasste der Vortrag nicht die aktuellen Erkenntnisse und Bedeutung dieses Themas für die Streitkräfte von heute. Die zugegebenermaßen excellent vorgetragenen historischen Reminiszenzen konnten allerdings nicht den fehlenden Bezug zu den thematisch aktuellen Bezüge ersetzen. Korrekterweise hat der Referent gleich zu Beginn seines Vortrages auf den fehlenden Bezug zur Bundeswehr hingewiesen. Seine Betrachtungen endeten mit dem 2. Weltkrieg.

Aktueller, drängender und für das Gesamtthema des Symposiums interessanter und ergiebiger wäre sicherlich die Beantwortung der Frage gewesen, ob bereits Anzeichen dafür erkennbar sind, dass durch die Entwicklung der elektronischen Führungsmittel und mit der Einbindung von nationalen Kräften in multinationale Führungsstränge, möglicherweise die „german“ Führungskultur und damit die Auftragstaktik bereits in Gefahr ist, unterlaufen zu werden.

Zurück

© Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe e.V. | Webdesign von webdesign24.biz
Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender