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Die erste Bürgerpflicht ist...

2015-06-01 16:39
von Marco Pracht
Band-5

Die erste Bürgerpflicht ist, seinem Vaterland zu dienen

Von Volker Tschapke

Manchmal frage ich mich, ob ich Präsident der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg geworden bin, weil ich im Dienste des Vaterlandes eine grundsolide Ausbildung bei der 3. Kompanie vom Panzerbataillon 14 in Hildesheim genossen habe, oder ob mich preußisch-fridericianisches Gedankengut zu meinem Einsatz in Hildesheim begleitet und beflügelt hat. Sei es wie es sei – beide Bereiche meines Seins durchdringen einander und haben mich wesentlich geprägt. Sie haben natürlich ihre positiven Effekte darauf, womit ich mein Geld verdiene: als diplomierter Bauingenieur im Inund Ausland.

Doch der Reihe nach. Was ich im väterlichen Ingenieurbüro mit 160 Mitarbeitern gelernt hatte, vertiefte ich nach meinem Dienst bei der Bundeswehr im Hochschulstudium des Bauingenieurwesens von 1969 bis 1975. Dann sammelte ich ein Dezennium lang in verantwortlichen Positionen beim Bau begehrter deutscher Industrieanlagen in Nigeria, in Ägypten, in den Vereinigten Emiraten und in Algerien berufliche und menschliche Erfahrungen. Auch hier stellte ich mir die Frage, wo der Ursprung der von mir praktizierten und vor allem an afrikanische Mitarbeiter vermittelten Tugenden wie Pflichtbewusstsein, Disziplin, Loyalität, Pünktlichkeit etc. lag: in Hildesheim oder in Preußen. Ich entschied für ein Sowohl-als-auch.

Am 1. April 1993 wechselte ich beruflich nach Berlin. Das geschah am 1. April, dem 178. Geburtstag des Urpreußen und Reichskanzlers der deutschen Einheit Otto von Bismarck. Ich will nicht meine Freude darüber verhehlen, dass ich mit meinen bescheidenen Mitteln im Bauwesen Berlins, der einstigen preußischen Metropole, gewissermaßen auf den Spuren von Schlüter, Knobelsdorff und Schinkel wandelte. Ich leitete Bauunternehmungen in den Bereichen Straßenbau, Kanalbau, Bausanierung, Deponietechnik, Umweltsanierung, Konversion sowie Brückenbau, führte innovative Techniken in der Bauindustrie ein und organisierte Aufbau und Leitung von Profit-Centern.

Mitunter gestattete ich mir – ohne in Größenwahn zu verfallen - den Vergleich mit Friedrich dem Großen, und zwar angesichts der permanenten Krise auf dem Bausektor. Befand ich mich nicht wie er 1757 bei Leuthen in Schlesien vor einer schier ausweglosen Schlacht? Er musste seine Truppen gegen eine dreifache feindliche Übermacht geistig und militärisch formieren und besiegte das österreichische Heer unter der Führung des Prinzen Karl Alexander von Lothringen.

Ich sah vor mir die Opfer in der Bauindustrie - Zehntausende Bauleute arbeitslos - und an die materiellen Verluste - Hunderte Firmenzusammenbrüche. Meine Truppen waren hochmotivierte Bauleute, meine Haubitzen scharf kalkulierte Preise. Der Unterschied zwischen Leuthen und Berlin: Dort endete die Schlacht kurzfristig, in der deutschen Hauptstadt hält sie weiter an.

Wie es engagierter Einsatz in der Millionenstadt an der Spree so mit sich bringt, stiegen die Anforderungen mit den Leistungen. Inzwischen verfüge ich auch in der ehrenamtlichen Tätigkeit über reiche Erfahrungen in der Verbands-, Kammer- und Öffentlichkeitsarbeit. Die erwähnte anhaltende Schlacht setze ich auch als Leiter der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. fort.

Seit geraumer Zeit widme ich mich aus aktuellen und aus historischen Gründen den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China. Wieder begeistern mich historische Ansatzpunkte. Bereits der Große Kurfürst erkannte mit seiner Brandenburgisch-Ostindischen Kompanie den Vorteil des Handels mit dem Reich der Mitte für beide Seiten. Friedrich der Große gründete 1751 die "Königlich-Preußische Asiatische Compagnie in Emden nach Canton und China". Er war überzeugt von einem lohnenden Geschäft mit China, das sich tatsächlich einstellte. Diese Tradition setze ich im Rahmen des Projektes Z.E.R.A. (Zero Emission Region Anji) fort.

Dabei geht es darum, im Rayon Anji - bekannt als "Bambus-Region" Chinas sowie als Land des "Weißen Tees" und als ökologische Musterregion - ein weltweit erstes Modellprojekt für Stadtentwicklungen der Zukunft zu realisieren, das alle umwelttechnologischen Anforderungen erfüllt. Dies soll im Weiteren die Ansiedelung umweltfreundlicher, internationaler Unternehmen in einem Eco-Industriepark nach sich ziehen und die Region wirtschaftlich und touristisch entwickeln. Dafür wurde die P r o j e k t e n t w i c k l u n g s g e s e l l s c h a f t "Z.E.R.A.- Zero Emission Region Anji" gegründet, zu deren Mitgliedern ich zähle. Ich bin mit Unternehmen unseres Landes und mit der Politik im Gespräch über das lukrative Projekt und für weitere Interessenten offen.

Seit 1996 streiten sich zwei Seelen in meiner Brust um die Vorherrschaft: meine Profession als engagierter Wirtschaftsmann und meine Passion als leidenschaftlicher Preuße. Mit einem Fähnlein der sieben Aufrechten hob ich am 28. September 1996 im Palais am Festungsgraben die Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg aus der Taufe. Trotz gebotener Bescheidenheit darf ich als deren Präsident sagen, dass sich der gemeinnützige Verein seitdem in der deutschen und internationalen Öffentlichkeit großes Ansehen erworben hat. Getreu dem Motto von Friedrich dem Großen

Die erste Bürgerpflicht ist, seinem Vaterland zu dienen

widmet sich die Preußische Gesellschaft – auf dem Boden des Grundgesetzes – in Zeiten eines allgemeinen Werteverfalls und zunehmender Orientierungslosigkeit der Aufgabe, preußisch-friderizianisches Gedankengut und preußische Tugenden zu Von Volker Tschapke "Die erste Bürgerpflicht ist, seinem Vaterland zu dienen" RESERVE DAS SCHWARZE BARETT NR.41 87 bewahren und zu pflegen. In Tradition mit der Reformpartei von 1807 tritt sie dafür ein, dass Deutschland wieder als Vaterland begriffen wird, dem zu dienen Ehre ist. Verantwortung, Pflichtbewußtsein, Toleranz und Ethik sollen ihren hohen Stellenwert als moralische Kategorien zurück erhalten, Sparsamkeit und Genügsamkeit als erstrebenswerte Tugenden gelten.

Wir laden zu Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Foren, Kolloquien, Podiumsdiskussionen und Einzelgesprächen ein, um Erkenntnisse aus der Geschichte Preußens für heutiges Handeln in Staat und Gesellschaft nutzbar zu machen.

Persönlichkeiten aller gesellschaftlichen Bereiche gaben der Preußischen Gesellschaft die Ehre eines Vortrages. Einige wenige seien für alle genannt: Ferdinand Fürst von Bismarck Botschafter Dr. Christian Blickenstorfer Dr. Alfred Dregger Prof. Dr. Etienne Francois Dr. Carl Friedrich Freiherr von Gablenz, Staatsminister Dr. Thomas Goppel Walther Leisler Kiep US-Botschafter John C. Kornblum S.E. Dr. habil. Jerzy Kranz Botschafter Prinz Stefan von und zu Liechtenstein Premier a. D. Lothar de Maizière Minister Jörg Schönbohm Dr. Hermann Simon Erika Steinbach Dr. Wolfgang Venohr Superintendent Dr. Ulrich Woronowicz Dr. Kazimierz Wóycicki

Dass ich als Leutnant der Reserve und als Kenner der preußischen Militärgeschichte eine besondere Affinität zur Bundeswehr habe und pflege, brauche ich nicht zu betonen. So konnte ich in unserer Gesellschaft herzlich General Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr, zu seinem Vortrag "Vernetzte Sicherheitspolitik - Rolle und Aufgaben der Bundeswehr im 21. Jahrhundert" begrüßen. Unter den zahlreichen weiteren Vertretern der Bundeswehr befanden sich General a. D. Dr. Günter Kiessling Generalmajor a. D. Gerd. H. Komossa Wolfram Nowsch, Mitglied des Bundesvorstandes des B W A Oberst i. G. Wolfgang Schneider, Protokoll beim BMVg Hauptmann Michael Berger; MGFA. Oberstleutnant Dr. Matthias Rogg

Besondere Beachtung fand das Referat von Professor Dr. Klaus Hornung "Scharnhorst und die preußischen Reformen - Eine historisch-politische Würdigung" Enge Beziehungen pflege ich zu den Militärattachés des diplomatischen Corps. Erfreut stelle ich bei den Begegnungen und Gesprächen fest, dass sie ausgesprochen gut über Preußen informiert und an einem Gedankenaustausch über diesen bedeutenden Teil der deutschen Vergangenheit sehr interessiert sind. Auf ihre Weise bekunden Sie wie alle Freunde unserer Gesellschaft: Preußen ist eine bleibende Idee.

Friedrich Wilhelm
Friedrich Wilhelm

Friedrich Wilhelm übernahm 1713 von seinem Vater einen verschuldeten Staat. Nur durch Anstrengung und eiserne Sparsamkeit konnte Preußen wieder gesunden. Diese Gesundung wurde nicht durch eine Erhöhung der Abgaben von den Bürgern, Bauern und Gewerbetreibenden herbeigeführt, sondern ausschließlich durch eine drastische Reduzierung der teuren Hofhaltung. Der "Soldatenkönig" verkaufte den Krönungsmantel seines Vaters, dessen Diamantknöpfe je 30000 Dukaten gekostet hatten. Das Tafelsilber aus den königlichen Schlössern ließ er einschmelzen, um zunächst die väterlichen Schulden zu begleichen. Der Pferdebestand wurde von 600 auf 120 Pferde reduziert. Die Zahl der Minister und Bediensteten wurde drastisch reduziert. Die Gehälter des Schloßhauptmanns und des Hofpersonals wurden um mehr als die Hälfte gekürzt. Auch die Hofküche blieb von seiner Sparsamkeit nicht verschont. 47 Köche und Bäckermeister mußten sich eine andere Beschäftigung suchen. Nur fünf Personen duldete der König in seiner Küche. Im Jahr 1712 hatten die Personalkosten für den Hof noch 175000 Taler betragen. Jetzt schrumpften diese Kosten auf wenige Tausend zusammen. Gewaltig fuhr der Rotstift auch durch die Verwaltung. Von den 24 Schlössern und Gärten rings um Berlin wurden 18 verkauft oder verpachtet. Minister- und Generalsgehälter wurden auf ein Drittel ihrer ursprünglichen Höhe reduziert. Am Hof herrschte spartanische Einfachheit. Mit seiner bescheidenen Lebensführung und Anspruchslosigkeit war Friedrich Wilhelm der erste gewesen, der die herkömmlichen Formen der damaligen Monarchien verlassen hat. In einem verschlissenen Soldatenrock lebte er mit seinen Untertanen. Statt in einer Umgebung von Prachtbauten und Prunkmöbeln lebte er zwischen hölzernen Tischen und Schemeln, aß bürgerliche Gerichte, trank Bier dazu, rauchte seine Tonpfeife, schlief im Alkoven und wusch sich im Freien mit frischem Brunnenwasser. König Friedrich Wilhelm I. folgte seiner Devise: "Lieber mit Honneur nichts haben als mit Deshonneur im guten Stande sein." Pflicht, Arbeit, und eine Bindung des Königs und seiner Untertanen an das christlich-calvinistische Ethos stellten eine Vertrauensbasis im preußischen Staat her, die in Verwaltung und Rechtsprechung über 200 Jahre andauerte. Nicht militärische Eroberungen, sondern Fleiß und Sparsamkeit förderten das Ansehen Preußens in der Welt. Aus der Hinterlassenschaft eines ansehnlichen Staatsvermögens von zehn Millionen Taler, die in den Kellern des Berliner Schlosses lagerten, und einem starken Heer konnte 1740 der Sohn, König Friedrich II., den Ausbau des Staates zum preußischen Absolutismus durchführen. Er war selbst ein sparsamer Haushalter: "Eine Regierung muß sparsam ein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß seines Volkes stammt."(....) Preußen hatte eine streng geregelte Finanzwirtschaft, aber dieser friderizianische Staat verkörperte auch geistig ein neues Prinzip. So heißt es im Testament Friedrichs II. vom Jahr 1752: "Die erste Bürgerpflicht ist, seinem Vaterland zu dienen.

(Preussische-Allgemeine)

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