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Die Führungsaufgabe fest im Blick

2015-06-05 13:37
von Marco Pracht
Band-6

Der Bataillonskommandeurlehrgang 2011 im Ausbildungszentrum Panzertruppen

Autor: Oberstleutnant Horst Blankenburg Leiter Ausbildungsbereich I im Ausbildungszentrum Panzertruppen
Autor: Oberstleutnant Horst Blankenburg Leiter Ausbildungsbereich I im Ausbildungszentrum Panzertruppen
Autor: Oberstleutnant Horst Blankenburg Leiter Ausbildungsbereich I im Ausbildungszentrum Panzertruppen

Der Führungslehrgang 2B ("Bataillonskommandeurlehrgang") für ausgewählte Stabsoffiziere der Kampftruppen (Panzertruppen und Infanterie) wurde vom 07. November bis zum 02. Dezember 2011 am Ausbildungszentrum Panzertruppen im Ausbildungsbereich I PzTr durchgeführt. An diesem Lehrgang nahmen 14 Lehrgangsteilnehmer, davon 4 Offiziere der Panzergrenadiertruppe, 6 Offiziere der Panzertruppe und 4 Offiziere der Infanterie teil. Unter diesen Lehrgangsteilnehmern waren 5 Reserveoffiziere, von denen 2 das Angebot der modulartigen Ausbildung nutzten. Um die Attraktivität für Reservisten und die Akzeptanz für deren Arbeitgeber zu erhöhen, wird dieser Lehrgang seit 2008 in zwei 2wöchigen Modulen angeboten.

Mit diesem Kurzbericht wird die im Schwarzen Barett Nr. 42 nachzulesende ausführliche Darstellung des Lehrgangs fortgesetzt. Daher wurde vor allem auf die Darstellung von neu integrierten Ausbildungsinhalten im Lehrgang Wert gelegt.

Konzeption des Führungslehrgangs 2B 2011

Die einerseits sehr guten Erfahrungen mit dem bisherigen Lehrgangskonzept und andererseits Neuerungen im Rahmen der Truppen- und Führerausbildung der Kampftruppen wurden in diesem Jahr konsequent in der Lehrgangsplanung und -umsetzung berücksichtigt. In Verbindung mit den unveränderten Lehrgangszielen (vgl. Schwarzes Barett Nr. 42) wurde wiederum ein sehr "sportlicher" Führungslehrgang entwickelt, der seinen klaren Schwerpunkt auf das truppengattungsspezifische und einsatzorientierte Handlungstraining der zukünftigen Bataillonskommandeure legte und in den "Mutterhäusern der Truppengattungen" in Munster und Hammelburg durchgeführt wurde. Den Kern bildeten die Ausbildungsgebiete "Der Bataillonskommandeur als Führer im Einsatz" und "Der Bataillonskommandeur als Ausbilder seines Verbandes". Dabei wurde das "Auf Stand bringen" seiner truppengattungsspezifischen Fachexpertise durchgängig in den Ausbildungsabschnitten integriert. Da darüber hinaus aufgrund der aktuellen Entscheidungen hinsichtlich der Neuausrichtung der Bundeswehr auch die Auswirkungen der Strukturentscheidungen laufend Thema waren, wurde die Gelegenheit zur Teilnahme am "Tag der Panzertruppen" genutzt.

Ablauf des Führungslehrgangs 2B 2011

Lehrgangsfoto Lehrgangsteilnehmer
Lehrgangsfoto Lehrgangsteilnehmer

Die ersten beiden Lehrgangswochen, gleichzeitig Modul 1, wurden durch das Ausbildungsgebiet "Der Bataillonskommandeur als Führer im Einsatz" geprägt. In der ersten Lehrgangswoche führte die Gruppe Truppenfachlehrer des Ausbildungszentrums Munster die Planübung "HEIDEFEGER" inkl. einer Geländebesprechung durch. Im Gegensatz zu den früheren Lehrgängen stand nicht die Anfangsoperation, sondern die Führung eines Panzertruppenbataillons (2 Panzerkompanien, 2 Panzergrenadierkompanien) im laufenden Einsatz im Rahmen einer Operation verbundener Kräfte hoher Intensität im Mittelpunkt der Ausbildung. Den Abschluss der Woche bildete die Teilnahme am Tag der Panzertruppen. Hier wurden die Lehrgangsteilnehmer u.a. über die Auswirkungen der Strukturentscheidungen auf die Panzertruppen, Sachstände und Entwicklungen in den Truppengattungen sowie die aktuelle Lage im Einsatzland Afghanistan informiert.

In der zweiten Lehrgangswoche standen das Handlungstraining als Kommandeur eines Einsatzbataillons im Rahmen der SIRA – gestützten Führungsübung "HEIDEFEGER" sowie parallel das Handlungstraining "Der Kommandeur auf der beweglichen Befehlsstelle" im Rahmen des Führungsparcours mit Großgerät der Panzertruppen und Infanterie im Fokus. Beide Ausbildungsanteile bauten unmittelbar auf der Planübung auf und wurden parallel durch Gruppe TFL bzw. Ausbildungsbereich I PzTr geleitet und mit Unterstützung aus den Ausbildungsbereichen und anderen Bereichen des Ausbildungszentrums Munster durchgeführt. Neu in den Panzerparcours integriert wurde mit Unterstützung des Bereichs WE PzTr der GTK BOXER mit der Führungsausstattung sowohl als Gefechtsstandfahrzeug des dargestellten Bataillonsgefechtsstandes als auch als bewegliche Befehlsstelle für die zukünftigen Kommandeure der Infanterie. Dadurch konnte dieser Ausbildungsabschnitt noch aktueller und zielorientierter gestaltet werden. Den Fähigkeiten der Lehrgangsteilnehmer der Infanterie wurde dadurch mehr Rechnung getragen, was in den bisherigen Lehrgängen noch nicht realisiert werden konnte.

Dienstplan
Dienstplan

Die dritte Lehrgangswoche (Beginn des Moduls 2) war geprägt durch das Ausbildungsgebiet "Der Bataillonskommandeur als Ausbilder seines Verbandes" und wurde mit Unterstützung der Ausbildungsbereiche I – III PzTr, des Simulatorenzentrums PzTr und des Ausbildungsberatungstrupps PzTr (Schießberater PzTr bzw. PzGrenTr) durchgeführt. Der Schwerpunkt lag im Handlungstraining zum "Dienstaufsicht führenden Kommandeur" in der Durchführung der Ausbildung seines Bataillons. Einer 2tägigen praktischen Ausbildung im Rahmen des neuen Schießausbildungskonzepts (nSAK) und einer integrierten interaktiven Präsentation "Dienstaufsicht des Bataillonskommandeurs beim Handwaffenschießen auf der Standortschießanlage" schloss ein 2tägiger Ausbildungsabschnitt mit Fokus auf die methodische Umsetzung des Gefechtsdienstes und der Schießausbildung in der Truppen- und Führerausbildung des Bataillons an. Anhand des neu in die Führerausbildung der Offiziere und Unteroffiziere der Panzertruppen integrierten Ausbildungsthemas "Einsatz von Panzertruppen in urbanen Operationen" wurden die Lehrgangsteilnehmer als die Ausbildung begleitende Kommandeure in den Ausbildungsabschnitten Sandkastenausbildung, WuG – Ausbildung ("Tapedrill", drillmäßige Vorübungen abgesessener Schützentrupps im Rahmen des Gefechtsdienstes ohne Großgerät), Geländebegehung, Simulatorausbildung und Schießausbildung im scharfen Schuss eingesetzt.

Mit diesem Handlungstraining wurden den Lehrgangsteilnehmern wichtige Hinweise und Anregungen für die Ausbildung ihres Verbandes vermittelt. Mit den neu integrierten praktischen Ausbildungsanteilen "Neues Schießausbildungskonzept" und "Einsatz von Panzertruppen in urbanen Operationen" konnten gleich 2 Ziele erreicht werden. Hoch aktuelle und überwiegend von den Lehrgangsteilnehmern noch nicht bekannte Ausbildungsinhalte wurden vermittelt und mit der auch in einem Bataillon anzustrebenden Ausbildungsmethodik verknüpft und praktisch erlebt. Dadurch konnte der stattdessen weggefallene, weil zeitlich nicht mehr darstellbare, Ausbildungsabschnitt "Dienstaufsicht des Bataillonskommandeurs beim Schießen mit dem Hauptwaffensystem" inkl. Inübunghaltung der Lehrgangsteilnehmer im scharfen Schuss verschmerzt werden.

Dienstaufsicht Schießausbildung in urbanen Operationen
Dienstaufsicht Schießausbildung in urbanen Operationen

Die vierte und letzte Lehrgangswoche war durch das Vermitteln der infanteriespezifischen Ausbildungsthemen an der Infanterieschule in HAMMELBURG gekennzeichnet. Wie in früheren Kommandeurlehrgängen wurde dieser Ausbildungsabschnitt vorab durch das Ausbildungszentrum Panzertruppen und der Infanterieschule gemeinsam geplant. Der Schwerpunkt lag neben einem "Update" von Truppengattungsthemen in der Durchführung der Planübung "FRANCONIA". Im Rahmen einer Planübung inkl. einer Geländeerkundung und -besprechung wurden die Lehrgangsteilnehmer als Kommandeur eines Einsatzbataillons in der Operationsart Stabilisierung im urbanen Gelände (SCHWEINFURT) gefordert. Der Lehrgang schloss mit Hinweisen und Anregungen für die anstehende Übernahme eines Bataillons sowie für die zukünftige 3. Kommandeuraufgabe "Erziehung seines Verbandes" ab.

Zusammenfassung

Der Führungslehrgang 2B 2011 knüpft nahtlos an die sehr guten Erfahrungen der Vorjahre an. Auch die neu gewählten Lehrgangsinhalte in Verbindung mit der genutzten Ausbildungsmethodik waren sehr gut geeignet, das Lehrgangsziel zu erreichen. Der Ausbildungserfolg rechtfertigte auch den im Ausbildungszentrum Panzertruppen mit Unterstützung der Infanterieschule betriebenen sehr hohen Aufwand an Kräften und Mitteln. Die Lehrgangsteilnehmer haben die verschiedenen Angebote zum Handlungstraining engagiert genutzt, um die eigene praktische Handlungssicherheit wiederzuerlangen und das Führungskönnen und Führungsverhalten wieder zu steigern. Zusammenarbeit und Kameradschaft waren ausgezeichnet.

Der Führungslehrgang 2B, Ausbildungsklasse Panzertruppen und Infanterie, hat in der lehrgangsgebundenen Führerausbildung im Ausbildungszentrum Panzertruppen unverändert einen ausgesprochen hohen Stellenwert. Die Lehrgangsteilnehmer werden, trotz fehlender Lehrübungen, orientiert an der Einsatzrealität zielführend, ebenengerecht und anspruchsvoll auf ihre Führungsverwendung in den Kampftruppen vorbereitet. Die 19 Ausbildungstage mit Schwerpunktsetzung auf das Handlungstraining sind für eine Ausbildung mit diesem hohen Anspruch noch relativ wenig, aber aus unserer Sicht richtig, zielführend und gewinnbringend investiert.

Diese Bewertung gilt gleichermaßen für den 5wöchigen Führungslehrgang 1B (Kompaniecheflehrgang Panzertruppen, vgl. Schwarzes Barett Nr. 41), der von der Konzeption vergleichbar aufgebaut ist und unverändert einen sehr hohen Stellenwert in der lehrgangsgebundenen Führerausbildung des Ausbildungszentrums Panzertruppen hat. Weitere für die Zukunft prognostizierte mögliche deutliche Verkürzungen dieser beiden Lehrgänge im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr bzw. der damit zusammenhängenden Neuordnung von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sind ein deutlicher Rückschritt und können aus unserer Sicht nicht durch andere flankierende Ausbildungsmaßnahmen aufgefangen werden.

Autor: Militärischer Werdegang:

  • Diensteintritt am 01.10.1978 als GWDL im Panzerbataillon 314 (Oldenburg)
  • Führungsverwendungen:
  • Kompaniechef 4./ Panzerbataillon 314 (Oldenburg),
  • Kompaniechef 4./ Panzerbataillon 311 (Delmenhorst),
  • Kompaniechef Panzerjägerkompanie 70 (Cuxhaven/ Altenwalde),
  • Kommandeur Panzerbataillon 383 (Bad Frankenhausen) dabei Einsatz als Kdr PRT Feyzabad
  • Stabsverwendungen im Panzerbataillon 314 (Oldenburg),Panzerbataillon 74 (Cuxhaven/ Altenwalde), Panzergrenadierbrigade 32 (Schwanewede), Panzergrenadierbrigade 19 (Ahlen), PzTrS (Munster), Heeresamt (Köln) 1997 – 1998 LGAI 1997 an der FüAkBw (Hamburg)
  • seit 2008 Leiter Ausbildungsbereich I im Ausbildungszentrum Panzertruppen

„Kommandeur an alle” – Gefechtsbefehl in zwo Minuten – Warten Sie – Ende!

Ein Erfahrungsbericht

Autoren: Oberstleutnant Matthias Ehbrecht (re PzGren) und Oberstleutnant Dirk Franke, (Pz) zwei zukünftige Bataillonskommandeure
Autoren
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Die Überschrift drückt den Kern des Bataillonskommandeurlehrgangs aus, an dem insgesamt 14 Stabsoffiziere der Kampftruppe vom 07. November bis 02. Dezember 2011 teilgenommen haben. In Ergänzung zu dem vorgestellten Bericht durch den Leiter Ausbildungsbereich I soll hier aus der Perspektive zweier Lehrgangsteilnehmer ein Eindruck vom Führungslehrgang 2B ("Bataillonskommandeurlehrgang") vermittelt werden.

Führung im Gefecht

Unmittelbar nach Lehrgangsbeginn hatten wir die Befehlsgebung der vorgesetzten Brigade sowie des eigenen Bataillons für den Angriff studiert und saßen in vier Arbeitsgruppen aufgeteilt im Scharnhorstgebäude vor unseren Karten in Erwartung der ersten Lagemeldungen, die nicht lange auf sich warten ließen.Untrennbar verbunden mit dem Aufwuchs der Lage die beiden Kernfragen "Gibt es eine grundlegende Lageänderung?" und "Besteht Handlungsbedarf?". Gab es bei der ersten Frage eigentlich immer Übereinstimmung, kamen wir bei der Beantwortung der zweiten Frage oft zu unterschiedlichen Antworten. Es entstanden taktische Diskussionen, inwiefern zwingender Handlungsbedarf nun für das Bataillon besteht bzw. inwiefern sich eine günstige Gelegenheit bietet, nun durch Handeln auf der Bataillonsebene die Initiative zu ergreifen und die Entscheidung zu suchen. Ihre Fortsetzung fanden diese Diskussionen bei allabendlichen "Hörsaaltreffen" in der Dragonerstube. Schnell wurden so unter den Lehrgangsteilnehmern unterschiedliche Charaktere und Führungsstile sichtbar.

Angeleitet durch die Gruppe Truppenfachlehrer mit dem Leiter, Oberstleutnant i.G. Lohmann, an der Spitze sowie Oberstleutnant Franke und Oberstleutnant Wargenau gelang es, auf Grundlage einer soliden Lagefeststellung Möglichkeiten eigenen Handelns zu identifizieren. Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder die Frage nach der Verfügbarkeit von Kräften nach Raum und Zeit, wie z.B. "Wann wird meine Reserve im Schwerpunkt wirksam?". Ergänzt wurden diese Ausbildung durch praxisnahe Hinweise "unseres Artillerieführers", Oberstleutnant Nehring, und "unseres Pionierführers", Oberstleutnant Mögle. Daneben wurden wir intensiv begleitet durch unsere Hörsaalleiter, Oberstleutnant Ernst und Major Walter, sowie den Leiter des Ausbildungsbereichs I, Oberstleutnant Blankenburg, und den Leiter des Bereichs Lehrgänge, Oberstleutnant Badstübner. Allein bei der Aufzählung aller unserer Ausbilder wird deutlich, welche Anstrengungen seitens des Ausbildungszentrums Munster unternommen wurden, um uns auszubilden.

Auch wenn die folgende Geländebesprechung durch die "klassischen" Einflüsse und Widrigkeiten des Munsteraner Herbstwetters bezüglich der Sichtstrecken ein wenig litt, wurde der methodische Ansatz und inhaltliche Mehrwert einer solchen Geländebesprechung beispielhaft verdeutlicht. Ein besonderer Höhepunkt war der Besprechungspunkt auf dem Funkturm in Wardböhmen, der bis dahin uns allen immer nur als Orientierungspunkt bei Nacht gedient hatte. Es ist davon auszugehen, dass die Führerkorps verschiedener Kampftruppenbataillone künftig dort häufiger anzutreffen sein werden... In der zweiten Lehrgangswoche stand unverändert die Führung im Gefecht im Mittelpunkt – nun unter Nutzung von SIRA sowie der beweglichen Befehlsstelle Nord. Aufbauend auf den Inhalten der ersten Woche stellte sich schnell Handlungssicherheit bei uns ein und die Freude am Führen wurde immer spürbarer. Ein besonderer Dank gilt hierbei dem Leiter des Gefechtsübungssimulationssystems, Oberstleutnant Paar, und seinen Männern sowie den erfahrenen Kompaniechefs und Zugführern, die aus allen Bereichen des Ausbildungszentrums Munster abgestellt wurden, um diese Ausbildung zu ermöglichen. Wir sind uns bewusst, dass diese Abstellung in vielen Bereichen, in die wir keinen Einblick hatten, für Lücken und Entbehrungen sorgte (z.B. die Panzerwache durch LT). Für uns war das erfahrene Führungspersonal der Schlüssel für das Gelingen der Ausbildung.

Der Bataillonskommandeur als Ausbilder seines Verbandes

In der dritten Lehrgangswoche wurden dann der Schwerpunkt auf den Bereich Ausbildung gelegt und hierbei zunächst auf die Schießausbildung. Auch wenn wir alle gerne mit unseren Hauptwaffensystemen geschossen hätten, stellte die Ausbildung durch den Schießberater Panzergrenadiere, Oberstabsfeldwebel Brunckhorst, und seine Ausbilder in Sachen neues Schießausbildungskonzept (nSAK) einen der Höhepunkte dar. Schnell wurde uns deutlich, welcher Aufwand an Kräften, Mitteln und Zeit mit dieser Ausbildung verbunden ist und welch hohen Ansprüche an die Ausbilder und jeden einzelnen Schützen gestellt werden. Nach dem ersten Ausbildungstag mit "Trockendurchgängen" und am Ausbildungsgerät Schießsimulator Handwaffen/ Panzerabwehrhandwaffen spürten wir am eigenen Körper das eine oder auch andere Zwicken und Zwacken. Die Belohnung folgte jedoch bereits am Folgetag, als wir im scharfen Schuss das nSAK dann tatsächlich in der Praxis anwenden und seine Zweckmäßigkeit feststellen konnten. Die anschließende 2-tägige Ausbildung zum Thema "Einsatz von Panzertruppen in urbanen Operationen" unter Anwendung des Ausbildungsviertakts (Grundsatzunterricht, Sandkastenunterricht, Geländebegehung, Ausbildung mit Großgerät) beendete diesen Ausbildungsabschnitt und war aufgrund der hohen Einsatzrelevanz von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig wurden uns verschiedene und teils neue Möglichkeiten aufgezeigt, wie unabhängig von verfügbaren Ressourcen (insbesondere verfügbarem Großgerät) anspruchsvolle Ausbildung gestaltet und aufeinander aufbauend angelegt und durchgeführt werden kann. Die simulatorgestützte Ausbildung oder der für uns neue "Tape Drill" sind hierbei nur zwei von mehreren Optionen.

An der Infanterieschule

Die letzte Lehrgangswoche führte dann erneut zu einer Verlagerung des Schwerpunkts nun hin zur Infanterie. Dabei setzten wir bereits in Munster begonnene Diskussionen fort, inwiefern die Ausstattung der Infanterie mit dem GTK BOXER gleichermaßen eine Annährung an die Panzergrenadiertruppe bedeutet bzw. inwiefern hier unverändert zwischen Infanterie und Panzergrenadieren zu trennen ist. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Vortrag durch den G3 des Bereichs Weiterentwicklung der Infanterieschule, Oberstleutnant i.G. Brandes, der deutlich Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede aufzeigte.

Die Einweisung in den GTK BOXER war für uns alle ein Höhepunkt und wir Offiziere der Panzertruppen haben jetzt Verständnis für die glänzenden Augen der Infanteristen beim Anblick ihres neuen Gefechtsfahrzeugs. Wir sind sicher, dass das Zusammenwirken Panzertruppe, Panzergrenadiertruppe mit den Truppengattungen der Infanterie eine neue Qualität gewinnen wird. Ebenso hervorzuheben ist die Planübung, die auch an der Infanterieschule durch die Gruppe Truppenfachlehrer durchgeführt wurde. In Ergänzung zur Planübung in Munster stand in Hammelburg nun die Operationsart Stabilisierung im Fokus. Zumindest die Offiziere der Panzertruppe hatten gehofft, im Leiter der Gruppe Truppenfachlehrer mit dem Oberstleutnant i.G. Gnerlich einen alten Panzerkameraden in der Ausbildung zu treffen. Da dieser jedoch längerfristig als Leiter Schulstab und somit rechte Hand des Generals der Infanterie eingesetzt ist, wurde die Ausbildung im Schwerpunkt von Oberstleutnant Dietrich durchgeführt. Mit seiner Erfahrung und ruhigen Art sowie ausgestattet mit einer "spitzen Zunge" und einem trockenen Humor wurde aber auch diese Planübung zu einem echten Gewinn.

Zusammenfassung

Die Auswahl zum Bataillonskommandeur ist im Heer verbunden mit der Teilnahme an drei Lehrgängen. Dies sind der Lehrgang Innere Führung am Zentrum Innere Führung, der Führungslehrgang 2A an der Offizierschule des Heeres in Dresden sowie der Führungslehrgang 2B an der jeweiligen Truppenschule. Die Gestaltung des Führungslehrgangs 2B durch das Ausbildungszentrum Munster und die Infanterieschule ist unseres Erachtens hinsichtlich Inhalten und Methodik beinahe idealtypisch. Es wurde nicht der Versuch unternommen, alle Führungsgrundgebiete und alle Facetten der Verwendung als Kommandeur im Grundbetrieb wie im Einsatz inhaltlich abzudecken. Es wurden mit der Führung im Gefecht und der Ausbildung eines Verbandes klare Schwerpunkte gebildet. Hier wurden wir nach dem Prinzip Tiefe vor Breite ausgebildet.

Schnell wuchsen wir im Lehrgang zu einer echten Kampfgemeinschaft zusammen und trafen uns jeden Abend fast geschlossen in der Dragonerstube, um an einem langen Tisch sitzend über Gott und die Welt zu diskutieren. Hier sind Verbindungen entstanden, die auch über diesen Lehrgang hinaus Bestand haben werden, und es wurde eine Vielzahl von Ideen entwickelt, wie wir gemeinsam ausbilden, üben und kämpfen können.

Es steht für uns außer Frage, dass dieser dritte und letzte Lehrgang an unserem "Mutterhaus" absolut unverzichtbar ist.

Die Anstrengungen und der Aufwand an Kräften, Mitteln und Zeit, die mit diesem Lehrgang verbunden sind, sind trotz der vergleichsweise idealen infrastrukturellen Voraussetzungen am Ausbildungszentrum Munster immens. Doch gerade dies führte zu dem für uns hohen Ausbildungserfolg. Nachdem die Masse der aktiven Offiziere die anderen beiden o.g. Lehrgänge bereits besucht hatte, steht für uns außer Frage, dass dieser dritte und letzte Lehrgang an unserem "Mutterhaus" absolut unverzichtbar ist. Ebenso ist die Länge dieses Lehrgangs mit seinen vier Ausbildungswochen als ideal zu bewerten. Den Beweis werden die von uns antreten können bzw. müssen, die bereits im kommenden Jahr in den Einsatz verlegen und dort Truppe führen werden.

Abschließend danken wir nochmals allen Ausbildern und Beteiligten mit einem: PANZER – HURRA! PANZERGRENADIERE – DRAN, DRAUF, DRÜBER! HORRIDO – JOHO!

Anmerkung Redaktion: OTl Ehbrecht übernimmt am 11.01.2012 das PzGrenBtl 212 und OTL Franke am 16.01.2012 das Panzerbataillon 203, beide in Augustdorf. Die Militärische Vitae OTL Franke s. Seite 90

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Generalleutnant Jacobson
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