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Die Internationale Panzerlage

2015-06-04 19:27
von Redaktion
Band-6
Autor: Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Paschedag

Vorbemerkungen

Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Paschedag
Oberstabsfeldwebel Paschedag

In der ersten Dekade der 2000 er Jahre ist in den westlichen Ländern/Panzerbaunationen keine Neuentwicklung oder Beschaffung von Kampfpanzern zu verzeichnen. Eine Serienreife bzw. Einführung der Entwicklungsprojekte Future Rapid Effect System FRES (GBR) und Future Combat System FCS (USA) ist nicht absehbar. Die US-Army plant daher, ihre M1-Flotte mangels verfügbarer Alternativen noch viele Jahre in Betrieb zu halten. Der M1A1 soll voraussichtlich noch bis ins Jahr 2021 im Dienst verbleiben, der M1A2 sogar noch bis über das Jahr 2050 hinaus!

Auch Deutschland beabsichtigt, den KPz LEOPARD 2 bis mindestens 2030 in Nutzung zu halten. Die Weiterentwicklung/ Produktverbesserung zum LEOPARD 2 A7+ ist firmenseitig von KMW realisiert. Eine Beschaffung für die Bw ist derzeit aus finanziellen Gründen aber nicht absehbar. Planungen für ein mögliches Nachfolgesystem NGS (Neues Gefechtssystem) sind über erste konzeptionelle Grundgedanken (HA I 4 (1) vom Juli 2009) nicht hinaus. Das technologisch fortschrittlichste Waffensystem der nächsten Jahre ist unzweifelhaft der SPz PUMA.

Im asiatischen Raum ist allerdings in den letzten 10 Jahren eine Zunahme von Neuentwicklungen/-Beschaffungen von KPz zu verzeichnen. Aktuell sind hier zu benennen Südkorea, Japan und die Türkei. Bemerkenswert ist dabei eine Rüstungskooperation zwischen Südkorea und der Türkei (s.u.).

Russland will den KPz T-90 als Rückgrat der Panzertruppe noch bis ca. 2025 in Nutzung halten und seinen T-90-Bestand auch noch weiter ausbauen. Ab 2015 soll aber schrittweise auch ein völlig neuartiger Kampfpanzer (T-95) eingeführt werden (s.u.). Gebrauchte, aktuelle oder auch schon etwas ältere Panzermodelle, die aufgrund von Strukturveränderungen oder Bestandsreduzierungen nicht mehr benötigt werden, sind auf dem internationalen Markt gefragt. Spitzenreiter ist hier der KPz LEOPARD 2.

Für Einsätze von KPz im urbanen Umfeld (urbOps), die dort aus taktischer Sicht hauptsächlich als schwere Unterstützungswaffe für abgesessene Kräfte fungieren, sind bei allen westlichen Panzerbauern Nachrüstkits für urbane Einsätze, bzw. spezielle Unterstützungspanzer für urbOps (RUS / UKR) entwickelt worden. Die Fa. KMW hat hierzu den Systemdemonstrator LEOPARD 2 PSO (Peace Support Operations) realisiert.

Forschung/Entwicklung/ Prototypen

Kpz T-95 (Russland)

KPz T-95
KPz T-95

T-95 ist die Bezeichnung für einen ursprünglich ab 2010 bei der russischen Armee zur Einführung geplanten Kampfpanzer der neuen Generation, über den bisher nur äußerst spärliche und teilweise auch widersprüchliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Die Entwicklung und Erprobung des T-95 erfolgte unter strengster Geheimhaltung. Aufgrund von finanziellen Engpässen wurde die bereits für 1994 vorgesehene Serienfertigung des T-95 immer wieder verschoben. Mittlerweile – auch angesichts der in den letzten Jahren massiv gestiegenen russischen Verteidigungsausgaben – wurde mit einem Beginn der Fertigung und Auslieferung für das Jahr 2010 gerechnet. Wegen finanzieller und technischer Probleme verzögerte sich die Fertigstellung des Projekts aber immer wieder. Am 17. Juli 2010 erfolgte eine Vorführung des Panzers für einen sehr engen Personenkreis (unter anderem Präsident Medwedew und Ministerpräsident Putin) im Rahmen der Militäraustellung in Nischni Tagil. Laut eines Interviews mit General Juri Kowalenko im April 2011 soll die russische Armee bereits ab 2015 den neuen Kampfpanzer bekommen.

Nach letzten Informationen verdichten sich folgende Leistungsmerkmale zum T-95:

  • Gefechtsgewicht ca. 50 t
  • herkömmliche Wanne mit Hecktriebwerk
  • Motorleistung 900 kW / 1225 PS
  • besatzungsloser RC-Turm
  • 152mm BK mit Ladeautomat, Scheitellafette
  • Patronenmunition und rohrverschießbare LFK
  • 3 Mann Besatzung in der Wanne
  • reaktive Zusatzpanzerung.

KPz ALTAY

KPz Altay
KPz Altay

Der ALTAY ist das erste nationale Entwicklungsprojekt eines KPz für die türkischen Landstreitkräfte. Die Planungen dafür begannen im Jahre 2005 und im September 2010 wurde die konzeptionelle Design-Phase abgeschlossen. Der Panzer befindet sich derzeit in der Projektierungsphase, die 2015 mit einem ersten Prototyp abgeschlossen werden soll. Auf der Rüstungsmesse IDEF wurde am 11.05.2011 ein 1:1 Modell des KPz ALTAY präsentiert. Das Grundkonzept des ALTAY basiert auf dem südkoreanischen KPz K2 BLACK PANTHER. Hierzu wurde 2007 zwischen der Türkei und Südkorea ein Lizensabkommen vereinbart. Geplant ist die Beschaffung von insgesamt 1000 KPz ALTAY in 4 Baulosen a´ 250 Stück.

Folgende Daten des KPz sind derzeit bekannt:

  • 4 Mann Besatzung
  • Gewicht ca. 60 t
  • VOLCAN Feuerleit- u. Kontrollsystem mit Hunter-Killer Fähigkeit
  • 120mm Glattrohrkanone L/55
  • 7,62mm Koaxial-MG
  • 12,7mm MG in Waffenstation
  • Triebwerk MTU 883, 1500 PS

Neuentwicklungen / Weiterentwicklungen

KPz K2 BLACK PANTHER (Südkorea)

KPz K2 Black Panther
KPz K2 Black Panther

Der K2 Black Panther, während der Erprobungs- und Entwicklungsphase als eXperimental K2 (XK2) bezeichnet, ist ein Kampfpanzer der südkoreanischen Streitkräfte, der sich derzeit noch in der Prototypenphase befindet. Die Serienproduktion wurde aufgrund von Problemen mit den unter Lizenz gefertigten Motoren und Getrieben mehrfach verschoben. Er gilt als einer der fortschrittlichsten Kampfpanzer der Welt. Bisher wurden nur drei Prototypen zu Testzwecken gebaut. 2011 soll die Serienproduktion anlaufen. Das südkoreanische Heer plante ursprünglich etwa 680 K2 Black Panther zu beschaffen, aber wegen finanzieller Gründe wurde bereits mehrfach vor dem Beginn der Serienproduktion eine Reduzierung der Stückzahl erwogen. Der K2 Black Panther ist, wie viele moderne Kampfpanzer, mit der 120-mm Glattrohrkanone L/55 von Rheinmetall bewaffnet, die auch beim KPz Leopard 2A6 eingebaut ist. Sie wird beim K2 allerdings automatisch nachgeladen und erreicht eine Feuergeschwindigkeit von 15 Schuss pro Minute. Der im K2 verwendete Autolader ist dem des KPz LECLERC sehr ähnlich. Auch verfügt der K2 über ein modernes Feuerleitsystem, das die Bekämpfung von tief fliegenden Hubschraubern ermöglicht. Es wird eine maximale Reichweite von zehn Kilometern erreicht. Zudem erlaubt die Feuerleitanlage das automatische Erkennen und die Verfolgung fahrzeuggroßer Ziele ohne das Eingreifen des Richtschützen.

Für die 120-mm L/55-Kanone stehen unter anderem folgende Munitionsarten zur Verfügung:

  • Wuchtgeschosse ähnlich der deutschen LKE II DM63-Munition (mit sehr hoher Durchschlagsleistung)
  • Mehrzweckgeschosse ähnlich dem amerikanischen M830A1 HEAT MP-T
  • Eine Besonderheit ist die KSTAM (Korean Smart Top-Attack Munition)

Sie wird von Fa. Diehl auf Basis der SMArt-155-Munition entwickelt. Das Geschoss wird aus der Kanone verschossen, faltet Stabilisierungsflügel aus und fliegt auf einer ballistische Flugbahn ins Zielgebiet. Im Zielgebiet wird ein Fallschirm geöffnet, die Munition schwebt zu Boden und sucht das Zielgebiet mit Millimeterwellenradar, Infrarot- und ESM-Sensoren ab. Ist ein Ziel gefunden, wird ein EFP (Explosively formed penetrator) von oben auf das Ziel abgefeuert. Damit kann der K2 Black Panther entdeckte Ziele bekämpfen, die außerhalb seiner normalen Sicht- und Reichweite liegen. Die Munition ist vom Fire & Forget-Typ, allerdings ist ein Datenlink zum Panzer vorhanden. Die minimale Entfernung zum Ziel beträgt zwei Kilometer, die Maximalentfernung acht Kilometer. Die Zieldaten können mittels Datenübertragung von anderen Einheiten zum Panzer gesendet werden.

Der K2 Black Panther wird von einem in Lizenz produzierten MTU MB-883-Ka500- Motor angetrieben, der eine Leistung von 1500 PS erzeugt. Zudem ist eine zusätzliche Gasturbine mit 400 PS eingebaut. Sie ist für die Stromversorgung der Elektronik sowie der Radar- und Belüftungsanlagen bei abgeschaltetem Haupttriebwerk zuständig. Der K2 ist mit einer hydropneumatischen Federung ausgestattet. Jede Laufrolle kann individuell gesteuert werden, was dem Panzer erlaubt, sich in fast jede Richtung zu neigen. Diese Fähigkeit gibt dem Panzer hervorragende Eigenschaften bei der Fahrt im Gelände.

KPzTyp10/MBT-X(Japan)

KPZ Typ 10
KPZ Typ 10

Der Typ 10 ist der Entwurf eines Kampfpanzers für die japanischen Bodenselbstvertei- digungsstreitkräfte. Der früher als TK-X oder als MBT-X bezeichnete Panzer soll die ca. 300 veralteten Typ 74-Panzer (LEOPARD 1-Level) ersetzen. Seine Entwicklung begann Ende der 1990er-Jahre. Am 13. Februar 2008 wurde vom japanischen Technical Research and Development Institute (TRDI) der Prototyp der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Serien-Produktionsstart des KPz war im Jahr 2010 (13 Stück). Der Schwerpunkt der Konstruktion liegt auf verbesserten Fähigkeiten im Bereich C4I, Mobilität und gutem Rundumschutz. Der Panzer weist von vorne starke Ähnlichkeit mit dem deutschen LEOPARD 2 A5 auf, das Seitenprofil ähnelt eher dem französischen LECLERC. Der Typ 10 ist vor allem auf eine asymmetrische Kriegführung ausgelegt. Aus diesem Grunde wurde ein guter Rundumschutz statt einer starken Frontpanzerung realisiert.

Der Panzer besitzt eine moderne Verbundpanzerung aus Keramik und Kohlefaser und wiegt daher in dieser Grundkonfiguration nur 40 Tonnen. Im Gefecht wird die Panzerung durch eine Schottpanzerung ergänzt, was dem Fahrzeug sein charakteristisches Aussehen verleiht. Das Gewicht steigt dadurch auf 44 Tonnen. Der Panzer verfügt über Laserwarner, Infrarotsensoren (möglicherweise Raketenwarner) und Radarwarner in MEMS-Technologie, die an die Nebelmittelwurfanlage gekoppelt sind und 360° abdecken. Der Typ 10 wird von einem wassergekühlten V8-Dieselmotor mit Turbolader (möglicher-weise mit variabler Turbinengeometrie) und 880 kW Leistung angetrieben. Das Fahrzeug besitzt eine hydropneumatische Federung. Damit ist es möglich, jede Laufrolle individuell anzusteuern, was dem Panzer erlaubt, sich in fast jede Richtung zu neigen. Diese Fähigkeit soll die Fahrt in schwierigen Gelände und das Anvisieren in schwierigen Ziellagesituationen gerade im Häuserkampf verbessern.

Der Typ 10 ist mit der Rheinmetall L/44 120-mm-Glattrohrkanone mit Autolader im Turmheck ausgerüstet. Aufwuchspotenzial für die L/55-Kanone ist vorhanden. Der Autolader fasst 14 Schuss, weitere Munition wird in der Wanne gelagert. Als Koaxialwaffe ist ein 7,62 x 51 mm Maschinengewehr eingebaut, auf dem Turmdach befindet sich noch ein ferngesteuertes Browning M2. Neben den 341 ab 1990 in Dienst gestellten KPz Typ 90 (vergleichbar LEOPARD 2) verfügt Japan mit dem KPz Typ 10 zukünftig über einen der modernsten KPz der Welt.

KPz LEOPARD 2 PSO / 2 A7+

KPz LEOPARD 2 PSO(UrbOps)
KPz LEOPARD 2 PSO(UrbOps)

Eine der modernsten Varianten des LEOPARD 2 stellt der LEOPARD 2 PSO (Peace Support Operations) dar. Er wurde von KMW als eigenes Angebot für Einsätze in urbanem Gelände, sogenannte UrbOps- -Einsätze (Urban Operations) entwickelt. Er dient im Rahmen der Show of Force speziell friedenssichernden und -erhaltenden Maßnahmen. Die komplette Ausstattung ist dabei modular und kann je nach Bedarf angepasst werden. Es gibt somit keine festgelegte Konfiguration. Als Basis dient der LEOPARD 2 A6M. Der PSO ist also mit dem Minenschutz ausgestattet und einer zusätzlichen passiven Rundumpanzerung versehen. Als Bewaffnung verfügt er über die Glattrohrkanone L/55 und über eine ferngesteuerte Waffenstation mit ungekühltem Wärmebildgerät auf dem hinteren Turmdach. Gegen Hindernisse und Barrikaden wurde der Kampfpanzer mit einem Räumschild ausgestattet. Um in allen Klimazonen, bei jeder Witterung und auch bei Nacht voll einsatzfähig zu sein, sind eine Klimaanlage ("Kampfraumkühlanlage"), eine stärkere Stromversorgung und ein 360-Grad-Kamerasystem zur Rundumsicht integriert – mit Wärmebildgerät und Tagsicht für Einsätze in der Nacht oder bei widrigen Wetterverhältnissen.

KPz LEOPARD 2 A7+ (Duell)
KPz LEOPARD 2 A7+ (Duell)

Da der Panzer im Orts- und Häuserkampf eng mit der Infanterie zusammenarbeitet und diese bei ihren Aufgaben unterstützen soll, befindet sich eine von außen zugängliche Kommunikationsplattform am Panzer, um der Infanterie sowohl die Kommunikation mit der Panzerbesatzung als auch die Kommunikation der Soldaten untereinander zu ermöglichen. Zur Rüstungsmesse Eurosatory 2010 präsentierte KMW ihre endgültige Modifikation anhand eines Präsentationsfahrzeug unter der Bezeichnung Leopard 2A7+. Die Wannenfront ist mit der vom Strv 122 bekannten Zusatzpanzerung ausgestattet, die Wannenunterseite verfügt über den Minenschutz vom LEOPARD 2A6M. Die Ausstattung des 2A7+ wird um ein Nachtfahrsystem ergänzt, kombiniert aus Restlichtverstärker und Wärmebildgerät (VIRTUS von Carl Zeiss Optronics) für den Fahrer, sowie ein neues aus dem Schützenpanzer Puma abgeleitetes Kommandantenperiskop PERI RTWL. Saudi-Arabien beabsichtigt die Beschaffung von 200 neuen KPz LEOPARD 2 A7+. Saudi-Arabien beabsichtigt die Beschaffung von 200 neuen KPz LEOPARD 2A7+

KPz LEOPARD 2 A4 REVOLUTION

KPz LEOPARD 2 A4 REVOLUTION
KPz LEOPARD 2 A4 REVOLUTION

Die Fa. Rheinmetall Defence präsentierte im September 2010 das Demonstratorfahrzeug KPz LEOPARD REVOLUTION. Als Basis für dieses modular ausgelegte Upgrade- Programm dient ein KPz LEOPARD 2 A4. Laut Aussage des Unternehmens leitet sich hieraus auch der zukünftige Kundenkreis, die derzeit noch steigende Zahl der LEOPARD 2 A4-Nutzerstaaten (u.a. Finnland, Singapur, Polen etc.) ab. Auch die Firma Rheinmetall hat mit dem KPz Revolution auf das veränderte Einsatzspektrum reagiert. In dieser Konfiguration soll der LEOPARD 2 A4, mit einer Lebensdauer von mindestens 20 weiteren Jahren, auch in asymmetrischen Szenaren bestehen können. Die ersten, praktischen Werkserprobungen, "fahren, funken und schießen" sind beginnend für Mitte 2011 vorgesehen.

Das vorgestellte Konzept des KPz Revolution umfasst folgende Ansätze:

  • Digitales Turmsystem mit vollvernetzten Teilsystem und Komponenten (dadurch Platzersparnis!), Einsatz von querschnittlich nutzbaren Baugruppen (LANCETurm)
  • Zusatzpanzerung / Rundumschutz gegen alle aktuellen Bedrohungen wie RPG 7, Minen, IEDs, Bomblets, großkalibrige KE-Munition sowie EO-, IR- und lasergelenkte Waffen, der Firma IBD (Ingenieurbüro Deisenroth)
  • Neuartiges Kdt-PERI (SEOSS), Elevation bis 700, mit WBG der 3.Generation (SAPHIR) und augensicherem LASEREntfernungsmesser, zusätzlich eine Scanning- und Tracking-Funktion
  • Situational Awareness System (SAS), permanente 360° Rundumüberwachung Tag/Nacht mit automatischer Zielerkennung und -verfolgung (Turmkameras)
  • TCCS/ VCS Führungssystem (Anm.: Das System entspricht nicht dem in die Bw einzuführenden FüWES/ IFIS). – Autonome Waffenstation (Rheinmetall) mit Kal .50 MG
  • Selbstschutzsystem ROSY (Rapid Obscuring System) mit 40mm Nebel bei 3600 Wirkung
  • Kommandanten-Bremse mit Eingriff in Getriebebremse ohne Motorstopp
  • Klimatisierungskonzept mit Wärmeisolierung MschRaum, speziellem Belüftungssystem, Klimatisierung Fahrerraum, Thermoschutz MunBunker
  • Stromerzeugungsaggregat (17 kW)
  • Einhalten der MLC 70

Neu-Beschaffungen

KPz T-90
KPz T-90

Bei den Neubeschaffungen relativ moderner Kampfpanzer, deren Entwicklungszeit allerdings schon etwas zurückliegt, ist in den letzten Jahren insbesondere der russische KPz T-90S zu nennen. Venezuela: Kauf von 150 T-90 (Auslieferung 2007-2013) Turkmenistan: Kauf von 19 T-90S.(2009) Lybien: Bestellung von 180 T-90S (2010) Mit dem Waffenembargo gegen Lybien Bestellung widerrufen.

Anfang des Jahres 2011 wurde die Genehmigung des Bundessicherheitsrates zu einem Export von 200 LEOPARD 2A7+ nach Saudi- Arabien Gegenstand einer öffentlichen Debatte, unter anderem im Deutschen Bundestag. Gegner des Rüstungsexportes verwiesen auf die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien, dessen undemokratische Regierungsform und Gegnerschaft zu Israel sowie die Beteiligung von saudischen Streitkräften bei der Niederschlagung der Proteste in Bahrain 2011. Die Bundesregierung verwies auf die Geheimhaltung der Beschlüsse des Sicherheitsrates, das Nichtbestgehen von Einwänden gegen den Export seitens der israelischen Regierung sowie auf die Rolle Saudi- -Arabiens in der Terrorismusbekämpfung.

Der „Gebrauchtwagenmarkt“

Bei den noch relativ konkurrenzfähigen Kampfpanzern, die zum Verkauf stehen, ist der KPz LEOPARD 2 der begehrteste Kandidat auf dem internationalen Markt. Die Liste der LEOPARD-Benutzerstaaten (LEOBEN) wird immer länger. Insbesondere Deutschland verkauft seine LEOPARD 2 A4-Flotte, die aufgrund Strukturveränderungen und Reduzierungsmaßnahmen nicht mehr benötigt wird. Im April 2011 verkündete die niederländische Regierung den Beschluss, aufgrund von Sparmaßnahmen auf alle LEOPARD 2 zu verzichten. Somit ist zu erwarten, dass auch die NL KPz LEOPARD 2 demnächst auf dem internationalen Markt veräußert werden. Singapur: Kauf von weiteren 6 KPz LEOPARD 2 von Detschland, (ges. dann 102)

KPz LEOPARD 2 A4 SGP
KPz LEOPARD 2 A4 SGP

Katar: Absichtserklärung zum Kauf von 36 KPz Leopard 2 A4 von Deutschland. Die Bundesregierung stimmte dieser Anfrage zu. IRAK:140 Kpz M1A1 AIM von USA. Da im Golfkrieg 1991 und im Irakkrieg ein Großteil der Pz-Verbände vernichtet wurde und die noch vorhandenen KPz veraltet sind (T-55 u. T-62) stellte der Irak 2008 einen Antrag auf Versorgung mit neuem Material, um die Panzerbekämpfungsfähigkeit zu erhöhen.

KPz T-80U
KPz T-80U

Zypern: Kauf von 41 KPz T-80U von Russland. Zypern hatte bereits Mitte der 90er Jahre 41 T-80U für seine Nationalgarde beschafft.

Die älteren KPz der 1. und 2. Nachkriegsgeneration werden hier nicht betrachtet. In diesem Segment werden aber auch noch Verkäufe, teilweise sogar Schenkungen an sogenannte Drittländer getätigt.

Kampfwertsteigerungen

KPz M1A1
KPz M1A1

Singapur verfügt seit Mitte 2007 über den KPz LEOPARD 2. s.Bild links. Die gebrauchten 2A4 stammen aus Bundeswehrbeständen und ersetzten den AMX-13. Die unter der Kennung LEOPARD 2A4 SGP laufenden Panzer wurden zur Erhöhung des Schutzkonzeptes nachträglich mit dem KPz REVOLUTION-Schutzpaket (s.o.) von IBD Deisenroth Engineering ausgestattet und erhielten zusätzlich eine elektrische Richtanlage sowie eine APU und eine Klimaanlage. Sie wurden am Nationalfeiertag Singapurs 2010 der Öffentlichkeit präsentiert.

KPz LEOPARD 2 A4M CAN
KPz LEOPARD 2 A4M CAN

Am 7.Oktober 2010 übergab KMW den ersten von 20 modernisierten LEOPARD 2 A4M CAN. Er kennzeichnet die Panzervariante Kanadas für das asymmetrische Gefecht. Die Fahrzeuge verfügen über die L/44-Bordkanone, hydraulische Kettenspanner, einen Staukasten für Handwaffen auf dem Turmdach, einen digitalen-elektrischen Turmantrieb und über eine Käfigpanzerung an Turm- sowie Wanneheck. Die Zusatzpanzerungen an den Turmseiten, der Turmfront, den Wannenseiten und auf der Wannenoberseite haben das Schutzniveau des 2A7+. Die Turmvorsatzmodule sind erneut keilförmig ausgebildet. Der Minenschutz wurde wie beim A6M realisiert. Panzerungselemente hinter den Laufrollen verstärken zusätzlich den Schutz gegen Minen. Ein System für elektronische Gegenmaßnahmen (Electronic Counter Measure System – ECM), mit der sich Funk- und Mobilfunkfrequenzen stören lassen schützt gegen ferngezündete Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (Radio controlled improvised explosive device – RCIED).

Das Kommandantenbediengerät, Ladeschützenbediengerät sowie die Zentrallogik/ Hauptverteilung der Feuerleitanlage wurden durch neue Systeme ersetzt. Der Kraftfahrer erhielt mit einer Wärmebildkamera an Front und Heck die Möglichkeit, auch bei schlechten Witterungsverhältnissen das Fahrzeug zu steuern. Das Barracuda-Tarnnetz mit Hitze-Transfer- System, wie es auch Dänemark nutzt, findet ebenfalls Anwendung. Des Weiteren gehören Kühlwesten, eine Klimaanlage und kanadische Funkgeräte zur Ausstattung. Eine Pioniergeräteschnittstelle an der Front für Minenroller, Minenpflug oder Räumschild erweitert das Einsatzspektrum und erlaubt die Weiternutzung eingeführter Systeme. Das Gefechtsgewicht erreicht 61,8 Tonnen.

KPz Tank-Ex (Indien)

KPZ Tank-Ex
KPZ Tank-Ex

Tank-Ex ist der Arbeitsbegriff eines von der indischen Defence Research und Development Organisation ( DRDO ) entwickelten Kampfpanzers. Das Projekt startete im Jahr 2002 mit dem Ziel der Modernisierung der alternden T-72M1- -Flotte der indischen Armee. Der Tank-Ex ist im Wesentlichen eine Hybridlösung aus einem modifizierten T-72M1-Fahrgestell mit einem modifizierten Turm des indischen KPz ARJUN. Das Konzept folgt damit dem Vorbild der Großmodullösungen Russlands ("Standard- Panzerturm") und Frankreichs ("Panzerturm T-21"), die ältere KPz-Typen mit komplett neuen Türmen im Gefechtswert auf einen hochmodernen Stand bringen sollen (s. "Internationale Panzerlage" Teil 2 v. 21.08.2008). Laut Quellen in der DRDO wurden mindestens 2 Prototypen gebaut, an denen ständig Verbesserungen vorgenommen wurden. Das Projekt macht jedoch keinen ausgewogenen Eindruck und erscheint daher wenig erfolgversprechend.

Der indische Armee-Generaldirektor der mechanisierten Kräfte (DGMF) Gen Dalip Bhardwaj sagte am 5. Juli 2008, die Armee habe den Tank-Ex abgelehnt. Dies war Teil einer Mitteilung, dass es auch keine weiteren Bestellungen für den KPz ARJUN geben wird. Für die Nichtrealisierung des Projektes spricht auch der Umstand, dass Indien im Jahr 2006 von Russland 330 KPz T-90 gekauft und die Lizenz zum Bau von weiteren 1000 T-90 erworben hat.

KPz Type 99

Seit 2007 wurde die neueste Version des KPz der Type 99A2 intensiv getestet und evaluiert und bekam Ende 2009 die Zertifikation für die Massenproduktion bzw. Indienststellung. Der Type 99A2 verfügt nicht nur über eine verbesserte Turmpanzerung, sondern auch leichte Umkonstruktionen an der Wanne, die Frontlichter sind rechteckig geformt und befinden sich weiter vorn. Das Sichtgerät des Kommandanten sieht dem eines Leclerc oder M1 Abrams sehr ähnlich. Der Type 99 vereinigt Elemente des westlichen Panzerturm-Designs und des russischen Wannen-Designs. Die Wanne erinnert stark an den sowjetischen T-72, wobei die Wanne des Type 99 um einen Meter länger ist. Sah der Turm des AMType 98 wie eine "Miniversion" des amerikanischen M1 Abrams aus, so erinnert der Turm des Type 99 eher an den des deutschen Leopard 2A5. Der Type 99 A2 wiegt etwa 54 t und wurde deshalb mit einem neuen 1.500 PS starken Triebwerk ausgestattet.

Zusammenfassung

Völlig neuartige Konzepte und Technologien sind bei den o.a. Neuentwicklungen von Kampfpanzern auf dem internationalen Markt noch nicht erkennbar. Die Realisierung innovativer neuer Gefechtssysteme wie z.B. Future Combat System (FCS), Future Rapid Effect System (FRES) oder auch des "Neuen Gefechtssystems" (NGS) als Nachfolger des klassischen Kampfpanzers ist langfristig noch nicht absehbar.

KPz Type 99
KPz Type 99

Mit Spannung erwartet werden darf der neue russische KPz T-95, über den bisher nur sehr vage, teilweise widersprüchliche Informationen vorliegen. Nach wie vor sind starke Aktivitäten bei Neu- und Weiterentwicklungen von KPz hauptsächlich im asiatischen Raum zu verzeichnen.

Signifikant sind mögliche Verbesserungen durch konsequente Verwendung neuer Technologien, wie z.B. beim KPz Typ 10 (Japan). So konnte bei der Entwicklung dieses MBT durch den Einsatz einer Panzerung aus Verbundwerkstoffen das Gefechtsgewicht auf ca. 40 t beschränkt werden, während vergleichbare KPz mit herkömmlicher Panzerung alle ein um ca. 20 t höheres Gewicht aufweisen!

Der KPz LEOPARD 2 ist "der Renner" auf dem internationalen Gebrauchtwagenmarkt". Firmenseitig bietet KMW moderne Weiterentwicklungen mit dem KPz LEOPARD 2 A7+ für das Duellgefecht bzw. dem KPz LEOPARD 2 PSO für Urbane Operationen an. Die Firma Rheinmetall hat mit dem KPz LEOPARD 2A4 REVOLUTION ebenfalls eine konkurrenzfähige Weiterentwicklung für den LEOPARD 2 A4 konzipiert.

Weltweit verbreitet, Panzer der 1. und. 2. Nachkriegsgeneration eingeschlossen, sind immer noch über 100.000 KPz im Einsatz. Dieser Umstand, sowie auch die Tatsache, dass ständig noch neue KPz entwickelt und beschafft werden, sollte Diejenigen eines Besseren belehren, die behaupten, KPz seien ein unzeitgemäßes Relikt des kalten Krieges und somit für Streitkräfte überflüssig geworden. Unstrittig hat sich das wahrscheinlichste Einsatzszenar für KPz verändert: Der KPz wird zukünftig mehr die Rolle eines präzisen, weitreichenden Unterstützers für abgesessene Kräfte, hauptsächlich in urbanem Gelände spielen. Das massive Duellgefecht gegen Panzertruppen in Operationen verbundener Kräfte, "die große Panzerschlacht" wird sicherlich eher die Ausnahme darstellen. Wer aber den KPz generell für verzichtbar hält, könnte in einem zukünftigen Einsatz dafür eventuell einen hohen Preis zahlen müssen.

Der Autor

OStFw a.D. Jürgen Paschedag, war 34 Jahre Panzersoldat in der Bw, zuletzt als Rüstungsfeldwebel im Heeresamt. Er hat an den Projekten LEOPARD 2 KWS I + II, LEOPARD 2 Minenschutz, NGP bis zum SPz PUMA und LEOPARD 2 urbOps mitgewirkt.

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