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Die Tradition der Bundeswehr

2019-01-26 10:13
von Redaktion
Band-7

„Weder Dogma noch Rezept – Die Tradition der Bundeswehr“

Am 28. März 2018 hat die Bundesministerin der Verteidigung den neuen Traditionserlass der Bundeswehr gezeichnet. Seit einem halben Jahr ist er nun in Kraft – Anlass, ein erstes Fazit zu ziehen.

Tradition – ein „heißes Eisen“

Die noch unter Verteidigungsminister Hans Apel im Jahr 1982 erlassenen Traditionsrichtlinien blieben mehr als 35 Jahre in Kraft, obwohl bereits dessen Nachfolger, Manfred Wörner, öffentlich ankündigt hatte, sie überarbeiten zu wollen. Dennoch ließen Minister Wörner und alle seine Nachfolger die Richtlinien unangetastet, ungeachtet der zwischenzeitlich eingetretenen gravierenden historischen und politischen Veränderungen,

  • etwa die deutsche Wiedervereinigung,
  • das Ende des Kalten Krieges,
  • die Wandlung der Bundeswehr zur Armee der Einheit und im Auslandeinsatz,
  • die verstärkte internationale Vernetzung in den Bündnissen und Organisationen,
  • das Aussetzen der Wehrpflicht oder
  • die allgemeine Öffnung der Streitkräfte für Frauen.

Ironischerweise geschah dies, gerade weil das Thema hohe politische und mediale Aufmerksamkeit barg. Die historische Verortung der Tradition der Bundeswehr und damit der Erlass selbst waren ein „heißes Eisen“, an dem man sich die Finger zu verbrennen drohte. Es gebe „kaum ein schwierigeres Terrain als die deutsche Militärgeschichte“ bilanzierte der renommierte Politikwissenschaftler Herfried Münkler und konstatierte folgerichtig „die auffällige Unsicherheit bei der Traditionspflege“.

Die Bundesministerin der Verteidigung, Frau  Dr. Ursuala v.d. Leyen, bei der Unterezeichnung des Traditionserlasses im März 2018 in Hannover
Die Bundesministerin der Verteidigung, Frau Dr. Ursuala v.d. Leyen, bei der Unterezeichnung des Traditionserlasses im März 2018 in Hannover

Der Entschluss des Bundesministeriums der Verteidigung, den seinerzeit für eine Wehrpflichtarmee im Kalten Krieg geschriebenen Erlass im Sommer 2017 schließlich doch zu überarbeiten, entsprang dann auch nicht einer nüchternen Analyse oder dem Anerkennen der Notwendigkeit, dem seit 1982 eingetretenen Paradigmenwechsel in den sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen zu müssen. Anlass gaben vielmehr öffentlichkeitswirksame Verstöße gegen die Richtlinien zur Traditionspflege sowie etliche Beispiele für einen bisweilen gedankenlosen Umgang in der Bundeswehr mit historischen Militärdevotionalien, insbesondere aus der Wehrmacht.

Der Anlass der Überarbeitung weckte dann auch mancherorts Sorge vor einem bilderstürmerischen Vorgehen sowie die Befürchtung, das Kind solle mit dem Bade ausgeschüttet werden. Politische Aussagen der Ministerin wurden als Absicht interpretiert, die deutsche Militärtradition vor 1956 gänzlich kappen zu wollen. Mancher sah die Bundeswehr bereits auf dem Weg, eine geschichts- und wurzellose Armee zu werden.

Nicht wenige Beobachter haben dabei mit Recht darauf verwiesen, dass die Bundeswehr bereits seit ihrem Aufbau 1955 um den richtigen Umgang mit Tradition und Geschichte ringt. In der jungen Bundesrepublik Deutschland wollten alle Parteien im Deutschen Bundestag sicherstellen, dass aus den neuen Streitkräften weder eine zweite Reichswehr noch eine neue Wehrmacht erwuchs. Deren Tradition konnte demnach nicht nahtlos von den neuen Streitkräften übernommen werden.

Schon der Traditionserlass von 1982 hatte deshalb die Bundeswehr von der Wehrmacht abgegrenzt („teils schuldhaft verstrickt, teils schuldlos missbraucht“). In den 1990er Jahren setzte sich dann weitgehend die Ansicht durch, die Tradition der Bundeswehr beruhe im Wesentlichen auf drei „Traditionslinien“ oder „Traditionssäulen“:

  • den preußischen Heeresreformen nach 1807-1813,
  • dem militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und
  • der bundeswehreigenen Geschichte.

Diese Verengung auf drei „Traditionssäulen“ war jedoch ein Missverständnis und eine krasse Verkürzung, die aus dem Erlass von 1982 in dieser Form nicht abzuleiten war. Aus Unsicherheit oder aus Angst, Fehler zu begehen, beschränkten sich die verantwortlichen Vorgesetzten jedoch zunehmend auf diese als „amtlich geprüften“ und unproblematisch erscheinenden drei „Säulen“ als quasi verbindlichen Traditionskanon der Bundeswehr. Die Verengung des “Drei- Säulen-Modells“ zu beseitigen und wieder die gesamte deutsche Militärgeschichte für die Auswahl von Tradition zu öffnen, war daher ein vorrangiges Ziel bei der Überarbeitung des Erlasses.

Tradition und Werte

Zu erhalten war dagegen das im Erlass von 1982 entwickelte und seither gültige Traditionsverständnis der Bundeswehr, also die absichtsvolle Verknüpfung von Tradition mit Werten. Grundlage sowie Maßstab für das Traditionsverständnis und für die Traditionspflege in der Bundeswehr sollten auch künftig die zentralen und universellen Werte des Grundgesetzes wie Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit sowie die der Bundeswehr übertragenen Aufgaben und Pflichten bleiben.

Der Primat der Politik und ihre verfassungsrechtliche Rolle als „Parlamentsarmee“ binden die Bundeswehr auch in ihrem Traditionsverständnis an die freiheitliche und demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Diese Grundlage ist bestimmend für das Geschichtsbild der Bundeswehr und dafür, was für sie sinnstiftend und traditionswürdig sein kann.

Ziel und damit Auftrag des für die Überarbeitung fachlich zuständigen Referats FüSK III 3 im Bundesministerium der Verteidigung war daher nicht eine radikale Neuformulierung der Traditionsrichtlinien, sondern eine Aktualisierung und Modernisierung sowie, wo nötig, eine behutsame Erweiterung und Schärfung des Erlasses. Berücksichtigt werden mussten zudem auch die nach 1982 entstandenen Regelungen und Vorschriften, die in das Themenfeld Tradition hineinwirken und im alten Erlass keine Erwähnung finden konnten, etwa die Vorgaben zur Benennung von Liegenschaften oder zum Museumswesen.

Die Verengung des “Drei-Säulen- Modells“ zu beseitigen und wieder die gesamte deutsche Militärgeschichte für die Auswahl von Tradition zu öffnen, war daher ein vorrangiges Ziel bei der Überarbeitung des Erlasses.

Gerade diese Regelungsvielfalt und ihr unterschiedlicher Bearbeitungsstand hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Unsicherheiten in der Anwendung des Traditionserlasses geführt. Vorrangige Aufgabe war es dabei, die Handlungssicherheit im Umgang mit Tradition auf allen Führungsebenen wiederherzustellen und klare Richtlinien für die Traditionspflege zu erlassen. Der Text des neuen Traditionserlasses musste verständlich sowie präzise sein und durfte keinen Raum für Interpretation und Missverständnisse lassen.

Der neue Traditionserlass

Ein halbes Jahr nach seiner Inkraftsetzung lässt sich ein Fazit ziehen, das in dreifacher Hinsicht bemerkenswert ist:

  • Die Überarbeitung wurde zügig sowie konsequent vorangetrieben und innerhalb von neun Monaten abgeschlossen. Zum Vergleich: Der erste Traditionserlass war 1965 nach einem überaus intensiven, mehr als fünfjährigen Diskussionsprozess entstanden. Dem zweiten Erlass von 1982 gingen Anlässe und Debatten voraus, die in die 1970er Jahre zurückreichten. Wenige Beobachter hatten mit einem derart schnellen Ergebnis gerechnet.
  • Die Überarbeitung des Traditionserlasses erfolgte in einem transparenten und inklusiven, quasi öffentlichen Bearbeitungsprozess, der sich bewusst an dem des Weißbuches 2016 orientierte. In vier Workshops wurden Vertreter aller relevanten Gruppen innerhalb der Bundeswehr sowie wichtige externe Ansprechpartner aktiv an der Erarbeitung der neuen Traditionsrichtlinien beteiligt. Rund 800 Teilnehmer konnten sich so unmittelbar in die Überarbeitung einbringen. Sehr viel mehr Angehörige der Bundeswehr wurden über Informationsveranstaltungen erreicht. Das Bundesministerium machte sogar einen ersten Erlassentwurf öffentlich und lud zur Diskussion und Beteiligung ein. So diskutierte die Bundeswehr, von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt aber weitgehend unbegleitet, ein halbes Jahr sehr intensiv über ihre Tradition.
  • Entgegen den Erwartungen, rief die Überarbeitung des Erlasses kaum kontroverse gesellschaftliche Debatten und auch keinen öffentlichen Streit im politisch- parlamentarischen Raum hervor. Das war bei den Vorgängerlassen noch deutlich anders gewesen. Insbesondere gelang es, das Thema aus dem Wahlkampf vor der Bundestagswahl 2017 herauszuhalten, was im Frühsommer des Jahres keineswegs sicher schien.

Tradition, so stellt der neue Erlass klar, spricht neben Kopf und Verstand auch Herz und Gemüt an. Nicht verwundern kann es daher, dass es zahlreiche Versuche gegeben hat, Einfluss auf die Textgestaltung des neuen Erlasses zu nehmen – aus der Politik, von aktiven und ehemaligen Soldaten, Reservisten, Historikern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Charakteristisch für die Arbeit an den neuen Traditionsrichtlinien war es dabei, dass die eingereichten unterschiedlichen Positionen nicht einfach nur schwierig vereinbar waren, sondern sich teilweise gegenseitig ausschlossen und damit einen Kompromiss unmöglich machten.

Aus der Wertebindung der Tradition der Bundeswehr ergibt sich zwingend ein handlungsleitender Unterschied zwischen beispielgebendem und traditionsstiftendem Verhalten. Soldatisch professionelles Können, also unser militärisches Handwerk, aber auch Beispiele großer persönlicher Tapferkeit sind damit für sich allein noch nicht traditionsstiftend. Stets muss ein Bezug zu den Werten des Grundgesetzes hergestellt werden können, also insbesondere die Achtung der Menschenwürde, die Wahrung von Rechtsstaatlichkeit und Völkerrecht, der Ausschluss jeder Gewalt- und Willkürherrschaft sowie die Verpflichtung auf Freiheit und Frieden. Der Erlass betont, dass die Ursprünge dieses Wertekodex weit in die Geschichte reichen. So ist es möglich „aus allen Epochen der deutschen (Militär-)Geschichte vorbildliche soldatisch-ethische Haltungen und Handlungen sowie militärische Formen, Symbole und Überlieferungen in das Traditionsgut der Bundeswehr“ zu übernehmen.

Für die Bundeswehr können damit auch Personen, Ereignisse oder Verfahren aus der Zeit vor 1945 traditionsstiftend sein.

Im Ergebnis ist also festzuhalten, dass der neue Traditionserlass die Verengung des “Drei-Säulen-Modells“ tatsächlich beendet und die gesamte deutsche Militärgeschichte für die Auswahl von Tradition öffnet: „In diesem Verständnis lassen sich aus allen Epochen der deutschen (Militär-)Geschichte vorbildliche soldatisch-ethische Haltungen und Handlungen sowie militärische Formen, Symbole und Überlieferungen in das Traditionsgut der Bundeswehr übernehmen“.

Zentraler Bezugspunkt der Tradition der Bundeswehr ist künftig jedoch ihre eigene Geschichte. Ihre Betonung entspricht einer gegenwartsbezogenen Definition von Tradition. Über 60 Jahre nach ihrem Aufbau wird die Bundeswehr damit selbst zum Mittelpunkt ihrer Tradition. Zu dieser Tradition zählen die Bewährung der Bundeswehr im Kalten Krieg und ihr Beitrag für die Bewahrung von Freiheit, Frieden und Demokratie sowie für die friedliche Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands. Damit wird das politisch-ethische Selbstverständnis der Bundeswehr auch zur wichtigsten Grundlage ihrer Traditionspflege: die Innere Führung mit ihrem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform und das „treue Dienen in Freiheit, das soldatische Handeln an das Gewissen bindet und dem Gehorsam Grenzen setzt“.

Die Betonung der eigenen Geschichte markiert gleichzeitig eine Abgrenzung von der Vergangenheit, die indirekt darauf verweist, wie stark hierzulande der Diskurs über die Tradition der Bundeswehr immer noch im Schatten der deutschen Militärgeschichte steht, vor allem der Wehrmacht im Nationalsozialismus und der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA).

Der neue Erlass definiert Tradition als eine bewusste und wertebezogene Auswahl aus der Geschichte. Daraus ergeben sich klare sowie nicht verhandelbare Ausschlüsse: „Die Bundeswehr pflegt keine Tradition von Personen, Truppenverbänden und militärischen Institutionen der deutschen (Militär-)Geschichte, die nach heutigem Verständnis verbrecherisch, rassistisch oder menschenverachtend gehandelt haben“. Der daraus zwingend abzuleitende harte Trennschnitt zu den Institutionen Wehrmacht und NVA war damit unumgänglich. Es dient zudem der Handlungssicherheit in der Truppe, wenn sich die Bundeswehr mit klareren Formulierungen als im Vorgängererlass von früheren deutschen Streitkräften abgrenzt:

  • von der Reichswehr, die trotz Eid auf die Verfassung der Weimarer Republik „zu großen Teilen einem antirepublikanischen Geist verhaftet“ blieb,
  • von der Wehrmacht, die als „Instrument der rassenideologischen Kriegsführung“ eingeordnet wird, und
  • von der NVA, die als „Hauptwaffenträger einer sozialistischen Diktatur“ für die Bundeswehr ebenfalls nicht traditionsstiftend ist.

Der Umgang mit Wehrmacht und NVA ist dann auch von Beobachtern schon während des Erarbeitungsprozesses des Erlasses als der eigentliche Lackmustest betrachtet worden.

Der Erlass musste die schwierige Aufgabe lösen, eindeutige Aussage zu deren Traditionsunwürdigkeit zu formulieren und gleichzeitig eine unhistorische Gleichsetzung beider Armeen sowie eine pauschale Verurteilung ihrer Angehörigen zu vermeiden.

In vielen Fällen wird die Auseinandersetzung mit der Geschichte dazu führen, dass eindrucksvolle Beispiele militärischen Könnens aus der Geschichte eben nicht sinnstiftend und damit traditionswürdig für die heutige Bundeswehr sein können. Dies gilt insbesondere für Soldaten der Wehrmacht. Der neue Traditionserlass ist dabei präziser als sein Vorgänger. Personen können demnach dann Tradition für die Bundeswehr stiften, wenn sie nicht persönlich schuldig geworden sind und eine Leistung vorliegt, die vorbildlich oder sinnstiftend in die Gegenwart wirkt. Das kann eine herausragende Einzeltat oder das Eintreten für Recht und Freiheit sein. Damit können auch einzelne Angehörige der Wehrmacht und der NVA traditionswürdig sein. Ein solch differenziertes Vorgehen ermöglicht unter anderem, die Leistungen der Aufbaugenerationen der Bundeswehr angemessen zu würdigen. So können wir auch unseren sogenannten „Gründervätern“, die in ihrer großen Mehrheit ehemalige Wehrmachtsangehörige waren, einen ehrenvollen Platz im Traditionsgut der Bundeswehr sichern.

Im Ergebnis liegt mit dem neuen Traditionserlass ein knappes und generisches Dokument vor, dass sich auch in dieser formalen Hinsicht an seinem Vorgänger orientiert. Der ein oder andere hätte sich stattdessen eine ausführlichere Beschreibung konkreter Traditionsinhalte und eine stärker praxisorientierte Anweisung gewünscht – gerne auch eine Liste mit Traditionsnamen. Dieser Wunsch ist zumindest verschiedentlich an das Referat herangetragen worden. Der Erlass ist aber weder „Traditionskatalog“ noch fragwürdiges Helden-Sammelalbum, aus dem bei Bedarf das oder der Passende herausgesucht werden kann.

Vielmehr geben die neuen Richtlinien umfassende Handlungsanweisung zum Umgang mit Tradition sowie Geschichte und setzen einen klar definierten Rahmen, in dem sich die Angehörigen der Bundeswehr ihre Tradition selbst auswählen sollen.

Zu beachten ist zudem zweierlei: Der Erlass ist unverändert Anlage der ZDv „Innere Führung“ und sollte folglich immer im Verbund mit dieser Vorschrift gelesen werden. Dem von Prof. Dr. Michael Wolffsohn auf dem Workshop am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften im Oktober 2017 vorgebrachten Vorschlag, der Erlass sei durch einen soldatischen Ethikkodex zu ergänzen, war daher nicht zu folgen. Ergänzt wird der Erlass zudem zum Zweiten durch Handreichungen der Organisationsbereiche: „Vorgaben und Inhalte der spezifischen Traditionspflege in den militärischen und zivilen Organisationsbereichen erlassen deren Inspekteure“. In den Organisationsbereichen wird derzeit intensiv, aber mit unterschiedlichem Tempo an der Erstellung solcher Handreichungen gearbeitet. Auch sie dienen neben der Ausbildung spezifischer Traditionsinhalte von Heer, Luftwaffe, Marine usw. der Erhöhung der Handlungssicherheit in der Truppe.

Bild vom jüngst eröffneten Raum der Information beim Ehrenmal der Bundeswehr
Bild vom jüngst eröffneten Raum der Information beim Ehrenmal der Bundeswehr

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass der neue Erlass, in größerem Maße als sein Vorgänger und weit mehr als von vielen Beobachtern erwartet, Freiräume eröffnet, um aus allen Epochen der deutschen Militärgeschichte Sinnstiftendes und Bewahrenswertes in das Traditionsgut der Bundeswehr übernehmen zu können. Gleichzeitig erhöht er die Handlungssicherheit in der Traditionspflege. Dazu setzt er klare Vorgaben und schließt bislang bestehende Regelungslücken. Und er setzt dort Grenzen, wo unser wertegebundenes Traditionsverständnis die Übernahme in unser Traditionsgut unmöglich macht.

Tradition selbst kann und soll nicht „von oben“ angeordnet oder befohlen werden. Sie muss vielmehr von den Angehörigen der Bundeswehr entwickelt, gestiftet und gelebt werden. Nur so kann Tradition ihre identitätsstiftende Wirkung entfalten. Tradition darf dabei weder Dogma noch Rezept sein. Sie gleicht eher einem Kompass und dient, wie der Erlass ausführt, der „Selbstvergewisserung“. Nicht vergessen darf daher, dass Tradition auch zu Dünkel, geistiger Starre und Überheblichkeit führen kann. Die Tradition der Bundeswehr soll hingegen die Vergangenheit mit der Gegenwart verbinden und in die Zukunft weisen. So prägt sie auch das gemeinsame Selbstverständnis – denn erstmals gilt sie für alle Angehörigen der Bundeswehr, also für Soldaten, Beamte und Arbeitnehmer gleichermaßen.

Lebenslauf Oberst i.G. Dr. Sven Lange

Bildung :

  • 1994 Magister Artium (Geschichte und Sozialwissenschaften), Universität der Bundeswehr Hamburg
  • 2001 Promotion, Universität der Bundeswehr Hamburg
  • 2004 Master of Arts (National Security Affairs), Naval Postgraduate School, Monterey/USA
  • 2016 Master of Arts (Strategic Studies), U.S. Army War College, Carlisle/USA

Laufbahn:

  • 1987 Offizieranwärter im Panzerbataillon 123, Kümmersbruck
  • 1994-2000 Kompaniechef 5./Panzerlehrbataillon 93, Munster
  • 2000-2002 43. Generalstabslehrgang des Heeres, Hamburg
  • 2002-2003 G3 Op Deutsch-französische Brigade, Müllheim
  • 2004-2006 Dezernent beim Deutschen Militärischen Vertreter bei der NATO und EU, Brüssel
  • 2006-2008 Adjutant (Heer) des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Berlin
  • 2008-2011 Special Assistant Supreme Allied Commander Transformation (SACT), Norfolk/USA
  • 2011-2013 Referent BMVg Planungsstab und Pol II 2, Berlin
  • 2013-2015 Abteilungsleiter Bildung, ZMSBw, Potsdam
  • 2015-2016 Resident Student U.S. Army War College
  • 2016-2017 Führungsakademie der Bundeswehr Leitdozent Außen- und Sicherheitspolitik, Hamburg
  • seit April 2017 Referatsleiter BMVg FüSK III 3

Veröffentlichungen:

  • Hans Delbrück und der Strategiestreit. Kriegführung und Kriegsgeschichte in der Kontroverse 1879-1914, Freiburg 1995.
  • Der Fahneneid. Die Geschichte der Schwurverpflichtung im deutschen Militär, Bremen 2003.
  • Revolt Against the West. A Comparison of the Current War on Terror with the Boxer Rebellion in 1900-1901, Berlin 2006.
  • Tradition für die Bundeswehr: Neue Aspekte einer alten Debatte, hrsg. mit Eberhard Birk und Winfried Heinemann, Berlin 2012.

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