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Erfahrungen des ersten Leiters ANA

2015-04-16 18:23
von Marco Pracht
Band-4

Embedded Training Teams (ETT) Afghan National Army (ANA) T 62

von Rolf Meier

AusUstGrp am 24.01.2004
AusUstGrp am 24.01.2004

In der Truppe eingebettete Journalisten sorgten während des Irak-Krieges immer wieder für Schlagzeilen. Weniger medienwirksam, aber genauso ungewöhnlich sind der Auftrag und die Arbeit des derzeit in Afghanistan eingesetzten deutschen "Embedded Training Teams ANA T-62", dass mit einer Personalstärke von 20 Offizieren/Unteroffizieren m.P., zwei rumänischen Unterstützungsteams für die russische Waffentechnik sowie mit 15 Sprachmittler seit November 2003 rund 300 Soldaten des ersten und bislang einzigen Panzerbataillon der Afghanischen Streitkräfte ausbildet und erzieht.

Zur Vorgeschichte

Blick-auf-Pol-E-Charki
Blick-auf-Pol-E-Charki

Amerika hatte sich 2002 nach den Bonner Petersberg-II-Vereinbarungen bereit erklärt, beim Aufbau der 70000 Mann starken AFG Streitkräfte mitzuwirken und dabei nicht nur für die Kosten aufzukommen, sondern auch für die Ausbildung dieser Soldaten Sorge zu tragen. Bereits Mitte 2003 hatten die Amerikaner aus Kapazitätsgründen Deutschland gebeten, die inAFG eingesetzten US-Kräfte zu entlasten und das erste und einzige PzBtl der neuen ANA mit seinen 44 Kampfpanzern T62 als Hauptwaffe operabel zu machen. Dem wurde, nachdem zusätzlich ein Fact-Finding-Team/FFT (Oberstleutnant Ammann/PzBtl 24, Oberstleutnant Meyer und Hauptmann Ohrt, beide PzTrS) im September/Oktober 2003 Einzelheiten vor Ort erkundet hatte, von deutscher Seite zugestimmt.

Auf der Grundlage des Fact-Finding-Team-Erfahrungsberichtes war es Absicht des BMVg, die weitere Ausbildungsunterstützung für das afghanische Panzerbataillon T-62 durchzuführen. Abzulösen waren Kräfte der US Task Force Blackhorse/Fort Irwin, die Mitte November 2003 in die USA rückverlegt und durch Kräfte der National Guard ersetzt worden sind. Ausbildungsunterstützungsgruppe/Embedded Training Team ANA T-62 hat nach nur kurzer "Vorwarnung" sodann ab 08. November 2003 mit einem Vorkommando sowie ab 17. November 2003 mit Teilen der personellen Hauptkräften die Übernahme der Ausbildungsverantwortung für das AFG Panzerbataillon gemeinsam mit dem Vorgänger-USETT durchgeführt und am 29. November 2003 die alleinige Verantwortung für die begleitende Ausbildungsunterstützung und -beratung übernommen.

Auftrag: Ausbildungsunterstützungsgruppe ANA T-62 (ETT ANA T 62)

  1. leistet einen deutlich sichtbaren und nachhaltigen deutschen Beitrag zum Aufbau der afghanischen Streitkräfte
  2. befähigt das AFG Panzerbataillon
  • Allgemeine Aufgaben im Einsatz bis Mitte 2004 erfüllen zu können
  • Panzerzüge als Manöverelement einsetzen zu können
  • Panzerkompanien in den Gefechtsarten Angriff/Verteidigung einzusetzen
  • ab Jahresende 2004 die Ausbildung aus eigener Kraft fortsetzen zu können

Die ersten vier Wochen in Afghanistan

OTL Meyer und sein S1-Offz
OTL Meyer und sein S1-Offz

Erkenntnisse über GE/AFG- Personal:

Die Verlegung des Vorkommandos in das Einsatzland erfolgte termingerecht mit der vom FFT geforderten Personalstärke. Die Übernahme der GE-Verantwortlichkeit vom US-ETT Blackhorse konnte verzugslos beginnen und planmäßig am 23.11.2003 abgeschlossen werden. Der weitere Personalaufwuchs der Ausbildungsunterstützungsgruppe erwies sich entgegen der Absicht des Einsatzführungskommandos, die Hauptkräfte mit Masse Mitte November ins Einsatzland verlegen zu lassen, als nicht realisierbar. Das Ausbilderteam war erst nach insgesamt 11Verlegungsflügen (Zeitraum 07.11.03-29.01.04) vollzählig in Afghanistan eingetroffen. Mit Ausbildungsbeginn am 29.11.2003 waren deshalb nur 11 Offiziere/ Unteroffiziere m.P. verfügbar, die sowohl die Ausbildung der Offiziere des Stabes als auch die Basisausbildung in den Kompanien sowie die Ausbildung der Führer und Ausbilder (AdA) durchzuführen hatten. Als eine besondere, unerwartete Herausforderung für das Vorkommando und die Folgekräfte erwies sich die Auswahl und Einstellung von 15 Sprachmittlern (Deutsch-Dari), über die das ETT nunmehr verfügt; das Verfahren ist sehr zeitaufwendig und bindet zudem Ausbilderkapazität durch die Auflage, die Bewerber im Einstellungsverfahren permanent zu begleiten. Das AFG PzBtl verfügte bei Übernahme - entgegen bisheriger US-Aussagen - nur über 74% der Soll-Stärke (385 Soldaten). Die durchschnittliche Tagesdienststärke lag etwa bei 230 Soldaten, erkennbar jedoch aber mit einer ansteigenden Tendenz. Unerlaubtes Fernbleiben vom Dienst/Eigenmächtige Abwesenheiten von durchschnittlich 60 Soldaten pro Tag waren die Regel und erzeugten im Bataillon keine besonderen Aktivitäten, auf zurückkehrende Soldaten erzieherisch einzuwirken. Das von deutscher Seite strikt durchgeführte morgendliche Antreten des gesamten Bataillons mit genauer Überprüfung der Anwesenheit aller Soldaten sowie Entzug des Tagessoldes bei Abwesenheit hat sich innerhalb kürzester Zeit auf die Tagesdienststärken positiv ausgewirkt.

Formalausbildung
Formalausbildung

Die Disziplin innerhalb des Offizier- und Unteroffizierkorps war, offensichtlich bedingt durch Kultur, Religion und Mentalität, aus deutscher Sicht für einen reibungslosen Dienstablauf völlig ungenügend. Fehlendes Verantwortungsbewusstsein für Personal und Material, Sorglosigkeit, mangelnde Motivation im Ausbildungsdienst, Unpünktlichkeiten und Unzuverlässigkeit waren die ersten wesentlichen Herausforderungen an das ETT. Es galt zunächst, mit einem tiefgreifenden Erziehungsprozess die eigentliche Ausbildungsunterstützung zu begleiten. Das Bildungsniveau und die Ausbildungs-voraussetzungen bei den Führern und den ihnen unterstellten Soldaten waren sehr unterschiedlich und damit eine weitere Herausforderung der eigenen zielgerichteten Ausbildung. Kriegserfahrene Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere waren die Regel; Ausbildungsdienste hielten sie für sich schlichtweg für nicht erforderlich. Das unnachgiebige Beharren auf Standards von deutscher Seite bezüglich des täglichen Antretens des gesamten Bataillons sowie der täglichen Chef/Stabsbesprechung trugen erste Früchte und wurden als wichtige Organisationsmaßnahme zum Ausbildungsbeginn sowie als Planungsgrundlage für die nächsten zwei Ausbildungstage mittlerweile voll akzeptiert. Erziehung und Ausbildung machten von Tag zu Tag deutliche Fortschritte - ein Führungsanspruch der Offiziere aller Führungsebenen war jedoch nicht erkennbar. Das von deutscher Seite angewandte Verfahren "Embedded Training" hatte dennoch seine erste Bewährungsprobe bestanden.

Materiallage

Ausbildung auf dem großen Zielfeld
Ausbildung auf dem großen Zielfeld

Mit dem vorhandenen, zumindest fahrbereiten Großgerät konnte nach der Basisausbildung die Besatzungs- und Zugausbildung des AFG Panzerbataillon gewährleistet werden. Technische Mängel an den Kampfpanzern, insbesondere fehlender Frostschutz, Wasser, Öl, Kampfbeladung Betriebsstoff etc, wurden durch ein GE/ROM-Technik-Team während der Basisausbildung identifiziert und abgestellt. Die Ersatzteilversorgung für die KPz waren vertraglich zwischen US/ROM vereinbart worden und es werden damit noch vorhandene Engpässe in nächster Zeit beseitigt. Die Fm-Ausstattung mit fest installierten Funkgeräten lag nur bei 50% des Ausstattungssolls und war damit unbefriedigend. Es fehlten etwa 150 Sprechsätze Funk, die auch in absehbarer Zeit nicht verfügbar gemacht werden sollten. Das Fehl an koaxialen MG konnte um 50% gemindert werden. Mitte Dezember wurden dem Bataillon 22 Blenden-MG zur Nutzung übergeben. Die Versorgung mit Panzermunition war zu Beginn der Ausbildung kritisch. Es standen für die Ausbildung nur 80 Patronen 115 mm zur Verfügung; eine Anschlussversorgung wurde aber für Anfang Januar in Aussicht gestellt, so dass alle geplanten Schießvorhaben auch durchgeführt werden können. Ausbildungsmunition für Schießen mit der AK 47 stand in ausreichendem Umfang bei Kabul Military Training Center (KMTC) zum Abruf durch das Bataillon bereit. Engpässe waren hier zu keiner Zeit zu erwarten. Von 14 LKW verfügte das Bataillon lediglich über 2; auf Bitten des ETT ANA wurden dem Btl von der deutschen Beratergruppe 3 LKW 5 to (MB 1017) per Handschlag zur Verfügung gestellt; sie wurden ab Mitte Dezember in der Ausbildung genutzt. Persönliche Bekleidung und Ausrüstung der Soldaten waren nur in begrenztem Umfang vorrätig; zusätzliche Winterbekleidung und Thermo-Unterlagen wurden vom ETT angefordert und noch vor Weihnachten an die Soldaten ausgegeben. Das von deutscher Seite eingebrachte Ausbildungsmaterial (DF, Kompass, Beamer, Signalpistolen, DF mit Laserentfernungsmesser, Funkgeräte SEM 52, Tageslichtprojektoren u.v.a.) ist für die weitere Ausbildung für das Btl unverzichtbar, weil eine solche Ausstattung von anderer Seite in absehbarer Zeit nicht vorgesehen ist.

Ausbildungsverfahren- und Methoden

Die vom ETT ANA geplante und durchgeführte Basisausbildung in den ersten vier Wochen hatte sich im Rahmen der Lagefeststellung voll bewährt. Die methodische Schrittfolge nach dem KOFTRA-Prinzip hatte sowohl die Führer/Ausbilder gefordert als auch die Truppenausbildung wesentlich voran gebracht. Die Basisausbildung hatte dem ETT deutlich die noch vorhandenen Ausbildungsdefizite aufgezeigt, den AFG KpChefs und ZgFhr aber auch die Möglichkeit eröffnet, sich in der Ausbildung ihrer Kompanien und Züge zu schulen. Absicht ETT ANA war es, Ausbildungen mit den Führern methodisch/didaktisch zu planen und vorzubereiten; die Durchführungsverantwortung aber den AFG Ausbildern vollverantwortlich zu übertragen. Die Ergebnisse dieses Vorgehens waren sehr überzeugend.

Fortgang der Ausbildungsunterstützung bis Ende März

Die im Zeitraum vom 29.11. bis 25.12.2003 durchgeführte Basisausbildung erfolgte seitens der AusbUstgGrp als erste Lagefeststellung, um den Leistungsstand der afghanischen Soldaten, insbesondere auch des Führerpersonals, zu ermitteln. Gleichzeitig wurden alle Soldaten des Bataillons in Allgemeinen Ausbildungsgebieten aus- und weitergebildet, um zunächst einen einheitlichen Ausbildungsstand im Bataillon zu erreichen. Damit einhergehend erfolgte die Einbindung des afghanischen Führerpersonals in Planung, Vorbereitung und Durchführung der jeweiligen Ausbildungsabschnitte.

Schwerpunkte der Basisausbildung waren:

  • Formaldienst
  • Waffen- und Geräteausbildung Handwaffen (AK 47)
  • Schießen mit Handwaffen
  • Gefechtsdienst aller Truppen (Alarmposten, Streife, Bau von Stellungen Feuerkampf)
  • Sanitätsausbildung / Selbst- und Kameradenhilfe
  • Fernmeldedienst aller Truppen (Geräteausbildung, Fernmeldebetriebssprache)
  • Pionierdienst aller Truppen / Mine Awareness
  • Checkpointausbildung
Chefunterricht
Chefunterricht

Durch permanentes Anleiten, Einwirken und Nachsteuern seitens der AusbUstgGrp ANA konnte in diesem Zeitraum ein bemerkenswerter Zugewinn an Wissen festgestellt und der Ausbildungsstand der einzelnen Soldaten wesentlich verbessert werden. Zugleich wurden die AFG KpChefs und ZgFhr in der Rolle des Ausbilders unter Anleitung ihrer Berater gefordert. Gleichwohl sind aufgrund der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Soldaten sowie unter dem Gesichtspunkt der gründlichen Vertiefung ständige Wiederholungen der o.g. Ausbildungsthemen erforderlich. Die All-gemeinen Ausbildungsgebiete werden daher in allen Ausbildungsabschnitten bis Ende 2004 immer wieder in die Ausbildungsplanung der AusbUstgGrp ANA einbezogen. Aufbauend auf der Basisausbildung erfolgte im Zeitraum vom 26.12.03 bis 06.02.04 die Besatzungsausbildung.

Schwerpunkte der Besatzungsausbildung waren:

  • Waffen- und Geräteausbildung an den Waffensystemen T-62, BRDM und Mörser 82 mm
  • vorbereitende Schießausbildung KPz T-62, AufklPz BRDM und Mörser
  • Schießen mit dem BlendenMG/FlaMG
  • Mörserschießen
  • Schießen mit der BMK 14,5 mm (BRDM) Schießen mit der BK 115mm (T-62)
Schießen des Panzerzuges auf SB 2A
Schießen des Panzerzuges auf SB 2A

Die Besatzungsausbildung war - wie die Basisausbildung - durch eine intensive vorbereitende Schießausbildung (Waffen- und Geräteausbildung am Kampfpanzer, kleines und großes Zielfeld und Entfernungsermittlungsausbildung/MKS-Formel) geprägt und führte schließlich bei allen Kompanien zu außergewöhnlichen guten bis sehr guten Schießergebnissen. Dies gilt sowohl für das Schießen mit den Bordwaffen T-62 als auch für das Schießen mit BRDM und Mörsern. Aufgrund des bereits vorgetragenen Fehlens an Panzermunition 115 mm konnte bis Ende Februar 2004 mit der 3./- bisher kein Bordkanonenschießen durchgeführt werden. Die guten Schießergebnisse bei allen Kompanien, in Verbindung mit einer durchdachten und präzisen Organisation der Schießen, konnten das afghanische Führerpersonal von der Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit der vorab durchgeführten Vorbereitenden Schießausbildung voll überzeugen. Dennoch ist auch in diesem Bereich ein weiteres Anleiten und Einwirken in der Ausbildung zwingend erforderlich, um hier die geforderte und notwendige Nachhaltigkeit zu erzielen. Als dritter Ausbildungsabschnitt schloss sich mit Beginn 07.02.04 die taktische Ausbildung bzw. die Ausbildung im Themenbereich "Gefechtsdienst der Panzertruppe" an. Diese Ausbildung wird über das gesamte Jahr 2004 Schwerpunkt im Ausbildungsgeschehen des Btl sein.

Schwerpunkte der Ausbildung hierbei waren und sind:

  • Marsch und Beziehen von Räumen
  • Sicherung/ Feldposten
  • Checkpointausbildung
Sandkastenausbildung
Sandkastenausbildung

Analog zu den bereits aufgeführten Ausbildungsabschnitten wurden die Planungen, Vorbereitungen und Durchführungen der o.g. Schwerpunktthemen durch die Ausbilder der AusbUstg-Grp ANA gemeinsam mit ihren AFG Offz/Uffz vorgenommen. Die Ausbildung erfolgte im methodischen Dreiklang: Sandkastenausbildung – Geländebegehung – Praktischer Dienst mit Großgerät. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Kampfpanzer nur eingeschränkt für diese Ausbildung zur Verfügung stehen – im Durchschnitt sieben pro Kompanie – konnten dennoch auch bei diesen Ausbildungsvorhaben bereits gute Leistungen erzielt werden. Die KpChefs und ZgFhr haben ihre Verantwortlichkeit für die taktische Ausbildung ihrer Einheit/Teileinheit verstanden und gestalten mit ihren deutschen Beratern mittlerweile "vorzeigbare" Ausbildungsabschnitte.

Die Checkpointausbildung mit theoretischen Hinweisen am Sandkasten sowie der praktischen Ausbildung auf dem Übungsplatz Pol-e-Charkhi wurde gleichermaßen von Führern und Soldaten mit großem Interesse angenommen. Die Begründung ist naheliegend: Werden bei den späteren Checkpoint-Operationen an den Ausfallstraßen von Kabul Waffen, Drogen oder sonstiges Schmuggelgut gefunden, so bekommt das Bataillon preis-anteilig eine Belohnung. Dieses war und ist ein großer Anreiz, sich in der Ausbildung umfangreiche Kenntnisse anzueignen.

Vorbereiten Fla-MG
Vorbereiten Fla-MG

Das Bataillon hat bislang mit allen 5 Kompanien je eine CP-Operation durchgeführt. Planung und Organisation lagen jeweils in AFG Verantwortung und mussten von deutscher Seite nur geringfügig nachgesteuert werden. AusbUstGrp hat Operationen vor Ort lediglich beobachtet. Die Ausbildung des z. T. lese- und schreibunkundigen Fach- und Funktionspersonals des Bataillonsstabes wird mit wachsendem Erfolg in den Stabsabteilungen S1, S3, S4 und S6 sowie auch in der Stabs- und Versorgungskompanie durchgeführt. In den Stabsabteilungen S1 und S4 wurden mit der Einführung grundlegender Verfahrensabläufe der Personalbearbeitung sowie der Materialbewirtschaftung begonnen. Damit eine zweckmäßige Stabsarbeit innerhalb des Bataillons und langfristig auch mit der Brigade durchgeführt werden kann, ist eine weitere intensive Ausbildung und Beratung deutlich über den 30.06.2004 hinaus zwingend erforderlich. In der S3-Abteilung sind zwar die Verfahrensabläufe der Stabsarbeit schon bekannt, aber auch hier bedarf es insbesondere im Bereich der Ausbildungsplanung und der Dienstaufsicht gegen über den Kompanien der weiteren helfenden Unterstützung.

Bezüglich des Ausbildungsstandes kann nach einer persönlichen 16-wöchiger Ausbildungsunterstützung festgehalten werden:

  • Die Ausbildungsunterstützung/Ausbildung durch das deutsche Personal wird von afghanischer Seite aufgeschlossen und sehr aufmerksam angenommen. Erhebliche Zugewinne an theoretischen und praktischen Kenntnissen sind zu verzeichnen
  • Durch die bereits erzielten Ausbildungsergebnisse überzeugt, finden die durch die AusbUstgGrp angewandten Ausbildungsmethoden und -verfahren großen Zuspruch
  • Aufgrund der geringen Aufnahmefähigkeit der Masse der Soldaten können die Inhalte der durchzuführenden Ausbildungsthemen nur sehr langsam "abgearbeitet" werden
  • Das Erfordernis vorausschauender Planung, intensiver Vorbereitung und konsequenter Durchführung der Ausbildung wird durch das afghanische Führerpersonal zwar erkannt, jedoch bei weitem noch nicht mit dem erforderlichen Nachdruck betrieben

Zusammenfassung

Schießen der Panzergruppe
Schießen der Panzergruppe

AusbUstgGrp ANA bekräftigt nach den bisherigen sechzehn Ausbildungswochen erneut, dass die Beratung in der Ausbildung, aber insbesondere auch in der Erziehung, ernsthaft angenommen, akzeptiert und voll honoriert wird. Bei aller zu wahrenden Distanz zwischen der AusbUstgGrp ANA und den Angehörigen des PzBtl entwickelt sich auf beiden Seiten ein Vorbereiten Fla-MG starkes "Wir-Gefühl", ein gesundes Überlegenheitsgefühl gegenüber den anderen Bataillonen und erste, deutliche Anzeichen von Leistungsdenken beim AFG Partner. Das Bataillon ist strukturell und leistungsmäßig noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus; an jedem neuen Ausbildungstag werden neue Lücken und Ausbildungsdefizite sichtbar. Sie werden aber mittlerweile von den AFGOffizieren gesehen, und sie bemühen sich, diese in geeigneter Form abzustellen. Die Disziplin hat sich spürbar verbessert; der Dienstplan ist nicht mehr nur Anhalt, sondern wird mit allen persönlichen Anstrengungen als Befehl betrachtet. Das Ausbildungsunterstützungsteam ANA ist trotz vieler Rückschläge (Düneneffekt: 2 Schritte vor, 1 Schritt zurück) immer noch hoch motiviert und wird den bis nunmehr Jahresende 2004 gestellten Auftrag erfüllen können. Ein drei- bis viermonatiger Einsatz in diesem besonderen Ausbildungsszenario zehrt wegen der uns fremden Lerngruppe und der sprachlichen Rahmenbedingungen (Übersetzungsfehler, Konsekutivübersetzungen) sehr an den physischen und psychischen Kräften. Die Stehzeit sollte daher nur in begründeten Ausnahmefällen auf sechs Monate festgelegt werden. Der besondere Auftrag der AusbUstGrp ANA ist fordernd, aber auch sehr erfüllend. Die Fortschritte im Panzerbataillon sind deutlich erkennbar. Ich nenne nur einige Schlagworte: Ausbildungsverantwortung durch BtlKdr, die Chefs und Zugführer werden vermehrt angenommen, verbesserte Disziplin im gesamten Bataillon, Pünktlichkeit, Einhaltung der Dienstpläne und der Anzugsordnung, verlässliche Tagesdienststärken durch die AFG Kompanien, saubere, neu gestaltete Außenkompaniebereiche, funktionierender Innendienst, Ordnung im Technischen Bereich, Zulauf des gesamten Materials (LKW, Fm-Ausstattung...) nach STAN bis Mitte März 2004 etc. Es entsteht derzeit ein neues, selbstbewusstes AFG PzBtl; deutsche Maßstäbe dürfen dabei allerdings nicht zu Grunde gelegt werden. Der bisherige Erfolg rechtfertigt den weiteren deutschen Einsatz und es wäre fatal, dieses AFG Btl zu früh in die Selbstständigkeit zu entlassen.

Oberst Korg (Kdr PzBrig 18), OTL Meyer, GenLt Trull (Kdr 14.PzGrenDiv) und der afghan. Btl-Kdr (von links)
Oberst Korg (Kdr PzBrig 18), OTL Meyer, GenLt Trull (Kdr 14.PzGrenDiv) und der afghan. Btl-Kdr (von links)

Ich durfte vom 13.11.03 bis 18.03.04 die Aufgabe als Leiter der AusbUstgGrp ANA wahrnehmen und habe diese an Oberstleutnant Rönneke weitergegeben.

 

Oberstleutnant Rolf-Johann Meyer

Geboren: 21.Januar 1947 in PREETZ
Eintritt Panzertruppe: 04.04.1966,
(Ausbildung zum ROA/OA 25.OAJ im PzBtl 183)
Besuch ausländischer Schulen:
Armed Forces Staff College,
NORFOLK/VA (06-11/1993)
Fremdsprachen:
Englisch (SLP 4432),
Französisch (G/SE)
Werdegang :
1970 ZgFhr M48 (184) Neumünster
1972 S2Offz PzBtl (183)Boostedt
1974 KpChef PzBtl LEOP 1 (33)Luttmersen
1979 KpChef UffzAusbKp (4/PzBtl 110) Celle
1980 S4Offz PzBtl (34/334) Celle
1984 KpChef St/VersKp PzBtl (24) Braunschweig
1986 S3StOffz u. Stv BtlKdr (184) Boostedt
1988 Taktiklehrer OffzSch d. Heeres Hannover
1989 BtlKdr PzBtl LEOP 1 (513) Flensburg
1992 InspChef PzTrS (II.) Munster
1994 Leiter HVStab USA 3 Fort Knox, Kent.
1998 Leiter RegÜbZentrum NORD (PzTrS) Munster
2001 Kommandeur Lehrgruppe B an der PzTrS
2005 21.01. Versetzung in den Ruhestand

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Generalleutnant Jacobson
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General a.D. Wolfgang Brüschke
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Stellvertretender Vorsitzender

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