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Erfahrungen mit KPz

29.10.2016 08:13
von Marco Pracht
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Band-7

„100 JAHRE PANZER IM EINSATZ“ Erfahrungen mit Kampfpanzern

Autor: Felix Beckmann

Ich möchte Ihnen meine seit 73 Jahren gesammelten Eindrücke und Erfahrungen mit Kampfpanzern (KPz) vermitteln. Meine erste unmittelbare Berührung mit Panzern hatte ich im April 1939 bei einer Parade des VI. Armeekorps in Münster. In unmittelbarer Nähe rollten Panzer (Pz) I, II und der Pz IV vorbei. Die Besatzungen in schwarzer Uniform mit schwarzem Barett. Bis dahin hatte ich noch keinen Soldaten in einer schwarzen Uniform gesehen, da auch die Angehörigen der Panzertruppe zum Ausgang die feldgraue Uniform trugen. Später erfuhr ich, dass die schwarze Bekleidung nicht als Uniform, sondern als Panzersonderbekleidung bezeichnet wurde.

1943 nach meiner Einstellung in die Panzertruppe wurde ich in der Panzerfahrschule in Eisenach auf Pz I, II und III geschult. Der Pz III mit einer Bordkanone (KwK) 5 cm lang hatte ein Schachtellaufwerk und ein Vorwählgetriebe Variorex mit zehn Gängen. Auf der Straße erreichte dieser Pz eine Geschwindigkeit bis zu 70 km/h. Die Gefechtsschießen in Putlos und in Bergen-Hohne erlebte ich im Pz II mit der 2 cm KwK, im Pz III mit der 5 cm KwK lang und dem Pz IV mit der 7,5 cm KwK lang. Als OB/FhjUffz war ich 1944 im Einsatz im Osten als Panzerkommandant eingesetzt. Dabei waren meine Einsatz- KPz, das Sturmgeschütz III mit der 7,5 cm KwK L/48, der Pz IV mit der 7,5 cm KwK lang und der Panther mit der 7,5 cm KwK L/70.

Mit dem Sturmgeschütz (StuGesch) konnte der T 34 mit Erfolg bekämpft werden. Gegen den JS I konnte eine sichere Wirkung erst ab einer Kampfentfernung von 1000-800 m oder mit der Panzergranate 41 (Wolframkern) erzielt werden. Durch seine niedrige Bauart war das StuGesch, besonders in Auffangstellungen (heute Riegel) gut in Deckung zu bringen. Nachteilig war der geringe seitliche Schwenkbereich der KwK. Seitlich auftauchende Ziele mussten daher durch das Schwenken des StuGesch erfasst werden. Dabei kam es wiederholt zum Bruch des Vorgeleges. Das StuGesch war damit bewegungsunfähig.

Im Pz IV konnte ich die Vorteile eines Turmpanzers und einer 5-Mann Besatzung erleben. Musste im StuGesch der Ladeschütze auch die Aufgaben eines Funkers und MG-Schützen übernehmen, so war im P IV der Funker neben seiner Hauptaufgabe zugleich der Bug- MG-Schütze. Da StuGesch und Pz IV beide mit der KwK 7,5 cm L/48 ausgestattet waren, waren die Fähigkeiten im Feuerkampf gleich. Der Pz IV war beweglicher aber schwächer gepanzert. Unter Bezugnahme auf eine Rasierklinge wurde der Pz IV in der Truppe als „Rotbart extra hauchdünn“ bezeichnet. Seitliche Schürzen und Turmschürzen sollten dem Pz IV einen zusätzlichen Schutz geben. Gegen einen Treffer des Josef Stalin I mit der 12,7 cm KwK waren sie wirkungslos.

Für einen jungen PzKdt war das Umsteigen auf den Pz V Panther ein enormer Fortschritt. Mit der 7,5 cm L/70 konnten gepanzerte Ziele auf größerer Kampfentfernung bekämpft werden. Durch die gestreckte Flugbahn und die hohe V0 der Panzergranaten konnten Ziele mit einer Höhe um 3 m mit dem Standvisier auf 1500 m mit Erfolg bekämpft werden. Eine Umgewöhnung war das Fehlen der seitlichen Turmluken. Der Richtschütze musste nun durch die Kdt-Kuppel ein- und aussteigen (Anmerkung vielleicht besser: auf- und absitzen). Da gab es Probleme, wenn der Richtschütze oder der Kommandant verwundet wurden. Der Panther hatte auch den Nachteil, dass bei längeren Märschen oder Betriebsstunden, die Auspufftöpfe glühten und so gute Ziele für die gegnerischen Jagdbomber abgaben.

Nach der Frontbewährung erhielt mein Jahrgang, als Teil der Ausbildung zum Oberfähnrich, in der Panzertruppenschule Wünsdorf eine Einweisung in den Pz Tiger und Königstiger. Damit verbunden war eine technische Unterweisung. Mir ist heute noch die Wirkungsweise des Solex-Doppelfallstromvergasers und die Zündfolge der Maybachmotoren im Gedächtnis. Nach der Beförderung zum Leutnant erhielt ich die Versetzung zu meiner alten Panzerabteilung. Diese war bei Eberswalde neu aufgestellt worden. Teilweise hatte die Abt. Jagdpanzer V (Jagdpanther) erhalten. Dieser Jagdpanzer mit der Pak 43 8,8 cm L/71 war gut bewaffnet, schnell und gut gepanzert. Er war wohl der beste Jagdpanzer im zweiten Weltkrieg. Anfang März stand die Abt. hart westlich der Oder bei Kietz im Einsatz.

Im März 1945 wurden die Oberfähnrichschulen der Panzertruppe aufgelöst. Die Lehrgangsteilnehmer in die Truppe versetzt. Ab Ende März 1945 wurde ich mit weiteren Kameraden aus einem Einsatz an der Reichsstraße 1 vor Seelow herausgelöst und zu einer neugebildeten Panzerbrigade in den Westen versetzt. In der Panzerbrigade, die das Vorgehen der US-Verbände aus dem Raum Schweinfurt verzögern sollte, hatte ich als Kompanieführer eine Kompanie zu führen, die mit Pz IV und dem Jagdpanzer Hetzer gebildet worden war. Der Hetzer auf dem Fahrgestell des Pz 38 T (Skoda) mit der Pak 7,5 cm L/48 konnte sich auch gegen den Pz Sherman behaupten. Durch die gegnerische Luftüberlegenheit kam es nur zu wenigen Duellsituationen.

Die deutschen Kampfpanzer haben sich auf allen Kriegsschauplätzen bewähren können. Ab den Baureihen Panther, Tiger und Königstiger waren sie ihren Gegnern im Feuerkampf, in Duellsituationen überlegen. Aber der beste KPz ist nur so gut wie seine Besatzung, die ihn führt und bedient. Hier könnten zahlreiche Beispiele angeführt werden, in den nur wenige KPz oder Einzelpanzer sich gegen zahlenmäßig überlegene Gegner mit Erfolg durchsetzen konnten.

Die Vorschrift HDv/470 (PzKomp) forderte in der Nr. 5 „Das hochwertige, technisch schwierig zu bedienende Gerät erfordert eine eingehende und gründliche Ausbildung jedes einzelnen Mannes für seine ihm obliegenden besonderen Aufgaben. Besonderer Wert ist auf Härte, Mut, Draufgängertum und Erziehung zur Kampfgemeinschaft zu legen.“ Der Kampfpanzer war während der ganzen Zeit des zweiten Weltkrieges die entscheidende Waffe auf dem Gefechtsfeld. Der Zweite Weltkrieg war in der Tat, der Panzerkrieg.

Die Alliierten entwickelten nach dem zweiten Weltkrieg aus ihren Erfahrungen mit den deutschen KPz schwere KPz. So zum Beispiel die USA den KPz M 103 mit einem Gefechtsgewicht von 55 t und einer 120 mm KwK. Grossbritannien baute den Conqueror mit 65 t Gefechtsgewicht und einer 120 mm KwK. In der Sowjetunion war aus der Baureihe der JS I-III der T 10 entwickelt worden. Dieser KPz mit einem Gefechtsgewicht von 50 t war mit einer KwK 122 mm versehen. Von diesen KPz wurden nur geringe Stückzahlen hergestellt. Die schweren KPz wurden bald durch mittlere KPz ersetzt. Die Überlegungen im Amt Blank zur Ausstattung der Panzertruppe der Bundeswehr sahen eine Ausrüstung mit dem KPz AMX 13 oder mit dem Centurion vor. Der AMX 13 war als Jagdpanzer entwickelt worden. Mit einer 75 mm KwK L 61,5 und einem Gefechtsgewicht von 15 t gehörte er zu den leichten KPz. Der AMX 13 konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h erreichen. Er war in den Panzerverbänden in Frankreich, der Schweiz, in Österreich und in Israel im Einsatz.

Der KPz Centurion aus den Kreuzerbaureihen entwickelt war ein gut gepanzertes Fahrzeug mit einer KwK von 76,2 mm und einem Gewicht von 50 t. Die Höchstgeschwindigkeit auf Straßen lag bei 35 km/h. Der Centurion gehörte zur Standardausstattung der Panzerverbände in Grossbritannien, in Schweden, in Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz. Nach Abwägen aller Vor-und Nachteile erhielt der KPz Centurion den Zuschlag. Die Verhandlungen ergaben jedoch, dass weder der AMX 13 noch der Centurion in absehbarer Zeit und in ausreichender Stückzahl verfügbar war. Die USA boten daraufhin ihren KPz M 47, der sofort und in ausreichender Stückzahl geliefert werden konnte, als Erstausstattung für die Panzerbataillone (PzBtl) der Bundeswehr an.

Der M 47 mit einer KwK 90 mm und einem Gefechtsgewicht von 44 t war in großer Stückzahl gebaut worden. Seit 1952 war der M 47 in den PzBtl der USA, in Frankreich, in Italien, in Belgien, in Spanien, in Griechenland, in Österreich und der Türkei im Einsatz. Für die ehemaligen Panzersoldaten der Wehrmacht war der KPz M 47, gemessen an der Bedrohung, ein veraltetes Gerät. Anfangs wurde dieser KPz immer wieder mit dem Panther, dem Tiger oder Königstiger verglichen. Die Vergleiche fielen für den M 47 nicht sehr günstig aus. Vor allem die Schießverfahren erschienen sehr umständlich und kompliziert. Der Umlernprozeß vom „Hauptstachel mit je 3 Nebenstacheln“ zu den „Fliegenden Gänsen“ musste erst in Gang gebracht werden. Die Vorbehalte wurden aber erstaunlich rasch abgebaut, und der M47 war bald „angenommen“. In einem Umdruck der Panzertruppenschule war zu lesen: „Die Hauptwaffe der Panzertruppe ist der US Panzer M 47. Er wurde aus dem mittleren KPz M 26 entwickelt. Seine Bewährungsprobe legte der Panzer M 47 im Korea-Feldzug ab. Er zeichnet sich durch die Treffgenauigkeit seiner Kanone, durch guten Panzerschutz und durch seine einfache Bedienung beim Fahren aus.“

Als Zugführer, später Kompaniechef im PzBt13/174 konnte ich im November 1956 auf dem Schießplatz Putlos, damals noch unter britischer Verwaltung, diese Einschätzung bestätigen. Auch im Januar 1957 waren die Ergebnisse meines Pz-Zuges beim Gefechtsschießen in Bergen-Hohne sehr erfreulich. Als Teilnehmer an den ersten Übungen 1957 „Nordwind-Südwind“ und 1958 an der Lehr- und Versuchsübung 58 im freien Gelände war festzustellen, dass der Betriebsstoffverbrauch des M 47 sehr hoch war. Der angegebene Verbrauch von 700 l auf 100 km wurde stets weit überschritten. Im Durchschnitt lag der tatsächliche Verbrauch bei 1000 l d.h. 1 cbm auf 100 km. Der G 4 des I.Korps vermutete schon, dass hier Betriebsstoff in größeren Mengen gestohlen würde. Bis März 1957 hatten die USA 1.100 KPz M 47 geliefert. Bis weit in die 1960er Jahre hat der M 47 gute Dienste in der Truppe geleistet.

Gegen Ende des Jahres 1957 wurde das Nachfolgemodell des M 47, der M 48, ausgeliefert und von der Truppe (PzBtl 5) übernommen. Die Baureihen M 48 A 2 und M 48 A 2 C waren dem technischen Fortschritt angepasst. Der M 48 hatte eine gute Formgebung, die KwK 90 mm L/48 war beibehalten worden. Die KwK hatte nun einen querliegenden Mündungsfeuerdämpfer. Die Kommandantenkuppel war als Fla-MG Turm ausgebildet. Der Führungsstab des Heeres forderte bereits im November 1956 einen neuen KPz. Die Forderung wurde damit begründet, dass abzusehen sei, wann der M 47 die Verschleißgrenze erreicht haben würde und sich die Betriebskosten unverhältnismäßig erhöhen würden. Im Truppenamt in der Abteilung Panzertruppe wurde inzwischen durch einen Initiativantrag die Entwicklung eines Standardpanzers eingeleitet. Der erste Schritt zur Entwicklung, Herstellung und Einführung des späteren KPz Leopard.

Der 9. September 1965 war ein entscheidender Tag für die Kampfwertsteigerung der Panzertruppe. An diesem Tag wurde der erste KPz Leopard aus der Serienfertigung an die 4./ PzLBtI 93 übergeben. 1.500 KPz Leopard wurden bis Ende des Jahres 1967 der Truppe übergeben. Beweglichkeit und Feuerkraft entsprachen nunmehr der gewachsenen Bedrohung. Mit der 105 mm KwK konnten jetzt alle sowjetischen Panzer der T -Baureihe T 64 , später T 72 mit Erfolg bekämpft werden. In der Wertigkeit Feuerkraft, Beweglichkeit und Schutz war der Leopard gut ausgeprägt. Der 830-PS-Vielstoffmotor ermöglichte einen großen Fahrbereich bei hoher Geschwindigkeit.

Als Bataillonskommandeur habe ich im Jahre 1969 mit dem Btl, in Gliederung der Struktur 3 (54 KPz), an zwei Großübungen im freien Gelände teilgenommen. In der Heeresübung „Großer Rösselsprung“ im September 1969, war die Überlegenheit des KPz Leopard gegen den KPz M 47 und M 48 augenscheinlich. Besonders in der Beweglichkeit konnten die KPz M 47 und M 48 nicht mithalten. Es war eine unglückliche Entscheidung, das Versuchs- Panzerregiment, aus 2 PzBtl, die mit dem KPz M 48 ausgerüstet waren, zu bilden. In der Gefechtsübung des I.Britischen Korps „Marsh Mallow“ im Oktober1969 konnte der KPz Leopard unter den Augen der Oberbefehlshaber der Britischen Rheinarmee und der NORTHAG seine Überlegenheit in der Beweglichkeit gegenüber dem KPz Chieftain demonstrieren. Die Hauptschwäche dieses 55 t schweren KPz war sein 750-PS-Motor, sodass er den schnellen Bewegungen des KPz Leopard nicht folgen konnte.

Durch die verschiedenen Kampfwertsteigerungen bis zum Leopard 1 A 5 blieb der KPz der Bedrohung angepaßt. Die in den 1960er Jahren begonnene deutsch-amerikanische Gemeinschafts- entwicklung eines „Panzers für die Zukunft“, später als KPz 70 bezeichnet, wurde im Januar 1970 einvernehmlich eingestellt. Als eine der ersten Entscheidungen bestimmte der neue Bundesverteidigungsminister Schmidt, die Experimentalentwicklung national als Leopard 2-Entwicklung fortzuführen. Gleichzeitig wurde die Entwicklung von 17 Prototypen festgelegt. Daneben waren über die Experimentalentwicklung zwei Erprobungsträger „Keiler“ entwickelt worden. Parallel dazu wurde in der „Eber Studie“ die Übernahme von Komponenten aus dem KPz 70 untersucht. Damit wurde der Weg beschritten, der 1979/1980 zu Einführung des KPz Leopard 2 mit der KwK 120 mm in die Truppe führte. Damit erhielt die Truppe einen KPz von hoher Leistungsstärke und großer Feuerkraft. Ich brauche hier nicht weiter auf diesen KPz einzugehen. Sie kennen ihn und haben ihn ja heute im Panzermuseum gesehen. Der KPz Leopard 2 war, ist und bleibt in seinen verschiedenen Ausführungen das Rückgrat der Panzertruppe.

Soweit ein wesentlicher Zeitabschnitt aus 100 Jahre Kampfpanzer im Einsatz. Im Gefecht der verbundenen Waffen wird nur der Kampfpanzer die Entscheidung herbeiführen. Er ist und bleibt vorerst die Schwerpunktwaffe. Mit anderen Worten, dort wo die Entscheidung fällt, kämpfen Panzer!

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