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Fähigkeitsentwicklungen

15.10.2016 18:52
von Marco Pracht
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Band-7
Autor und Fotos: Armin Dirks

Fähigkeitsentwicklungen bei Hauptkampfsystemen der Zukunft

Wappen

Gleich der erste Vortrag führte das Symposium in die Zukunft. Es war ein Hauch von Science Fiction, den Oberstleutnant Armin Dirks vom Amt für Heeresentwicklung verbreitete. Bizarre Ungetüme wurden vom Beamer an die Wand geworfen, die nur noch entfernt an Panzer erinnerten. „Warum sind die denn alle so hässlich“, flüsterte ein General zu seinem Nebenmann.

„Im Jahr 1979 fuhren im Territorialheer noch M 48 neben den „Leopard 1“ in den Panzerdivisionen des Feldheeres, begann Dirks. Die Panzergrenadiere hatten mit dem Schützenpanzer (SPz) „Marder“ damals den modernsten SPz der Welt. „Leopard“ und „Marder“ waren über Jahrzehnte im Dienst und bildeten das Rückgrat der gepanzerten Truppen der Bundeswehr.“

„Diese langen Dienstzeiten“, sagte Dirks, „werden sich in der Zukunft noch verlängern.“ Man müsse deshalb heute schon fragen, „wie schaffen wir das Systemverständnis für die neue Technologien?“ Zurzeit bestimmt bei den Kampfpanzern noch der Leopard 2 A7 das Bild. Bei den Grenadieren ist noch der „Marder“ im Dienst, der SPz „Puma“ aber wird ihr Gefechtsfahrzeug der näheren Zukunft. Dirks: „Er hat schon jetzt ein Alleinstellungsmerkmal, und das ist der taktische Einsatz unter der Luke.“ Sogar die Amerikaner interessierten sich gegenwärtig für den „Puma.“

Die Zukunft erfordere auch für gepanzerte Truppen die Fähigkeit zum Kampf in unterschiedlichen Regionen, im Unterschied zu früher auch im bebauten Gelände. „1950 lebten etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung auf dem Lande, 2050 werden dagegen 70 Prozent der Menschen in Städten wohnen“, machte Dirks deutlich. Die „eierlegende Wollmilchsau“ als Reaktion auf diese verschiedenen Szenarien aber sei falsch, die wolle keiner. Dirks: „Es werden schon unterschiedliche Plattformen zum Einsatz kommen.“ Scharfschützen, Mini-UAV und Cyber-War werden künftig das bekannte Bedrohungsspektrum ergänzen. Der Kampfpanzer „Leopard 2 A7“ sei schon heute hervorragend aufgestellt, was die Munition angehe. Die HE-Munition kann mit verschiedenen Zünder-Modifikationen für vielfältige Bekämpfungsoptionen genutzt werden.

An der Ablösung für den „Leopard 2“ aber wird schon gearbeitet. MGCS (Main Ground Combat System) heißt der Arbeitsbegriff für das Projekt, an dem Deutschland und Frankreich seit 2013 gemeinsam arbeiten.

Der Name Leopard 3 sei zu vermeiden. „Die französische Beschaffungsbehörde DGA und das Deutsche Heer verständigten sich auf gemeinsame Einsatz- Szenarien“, sagte Dirks. „Die Frage ist, was soll er können.“ Grundlage ist eine Bedrohungsanalyse im Vorgriff auf 2035.

Oberstleutnant Dipl.-Ing. Armin Dirks
Oberstleutnant Dipl.-Ing. Armin Dirks, M.Sc. Abteilung Kampf ,Gruppe Panzertruppen Dezernat MatWEntwg PzTrn

Bei der Entwicklung berücksichtigt man auch Erfahrungen anderer Staaten. „Ein Blick nach Israel zeigt Parallelen im methodischen Vorgehen. Dort hat man schon über Panzer mit zwei Mann Besatzung nachgedacht“, berichtet Dirks. Mit hoher Automatisierung, Hybrid-Antrieb, Gesamtgewicht 35 Tonnen. „Während wir noch überlegen, ob wir mit drei Mann Besatzung auskommen, sind die Israelis noch einen Schritt weitergegangen.“ Jede Idee zur Verbesserung der Fähigkeiten aber muss erlaubt sein. „Als bei uns die Weiterentwicklung auf Afghanistan- Erfahrungen reduziert wurde, haben andere Länder wie Russland weiter modernisiert und aufgestockt“, warnte er. Und auch China war tätig: „Alles Plattformen, die uns, wo auch immer, eines Tages begegnen können.“

Fähigkeiten, die künftige Panzer haben müssen:

  • einen autarken Fahrer,
  • Beschleunigungswerte wie beim Leopard 2 A 4,
  • gesteigerte Wirksamkeit der gesamten Bewaffnung,
  • bedrohungsgerechter Schutz, • gute Durchhaltefähigkeit der Besatzung
  • und eine einfachere Bedienung im Vergleich zu heute

Ein Laser gehört dazu: „Denkbar ist zum Beispiel die Abwehr von Mini- UAV“, sagte Dirks. „Der Laser kommt, die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann.“

Was folgte war ein echtes Kontrastprogramm: Zukunft und Vergangenheit lagen in diesem Fall nur eine kurze Wegstrecke auseinander und dem Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Panzertruppen stand nun die Vergangenheit gegenüber, die bei vielen die Erinnerung wach werden ließ. Der Besuch im Deutschen Panzermuseum bildete den programmatischen Schlusspunkt des ersten Tages, bevor man sich zum Herrenabend im Casino einfand. OTL a.D. Lohmann und seine Crew ließen es sich nicht nehmen, persönlich durch die Ausstellung zu führen, die, wie so macher feststellte, wirklich einen Besuch lohnt.

Der Dienstalltag in einer Panzerkompanie der Gegenwart

Kompaniechef, Hptm Gaston Rojas, 4./PzLBtl 93
Kompaniechef, Hptm Gaston Rojas, 4./PzLBtl 93

Am nächsten Tag führte der nächste Vortrag zurück in die militärische Gegenwart. Wie geht es heute wirklich zu im Alltag einer Panzerkompanie? „Das Panzerbataillon 93 steht vor seinem 60. Geburtstag, Hauptmann Rojas Gott sei Dank noch nicht“, leitete Generalleutnant Jacobsen zum nächsten Thema über.

Der Chef der 4./PzLehrBtl 93, Hauptmann Gaston Rojas, muss mit den heutigen Rahmenbedingungen leben. Er führt eine Kompanie, die bevorzugt ausgestattet wird, dafür lasten entsprechend hohe Erwartungen auf ihm und seinen Soldaten. „Ich war erst mal zufrieden, meine Personallage war zu 100 Prozent gedeckt und ich hatte drei Panzerzüge in der Kompanie“, sagte Rojas.

Dagegen wirken sich Auslands-Einsätze auf die Panzertruppe im Vergleich zu anderen Truppengattungen schwerer aus. „Natürlich wäre der Einsatz mit Kampfpanzern aus Sicht des Panzermannes wünschenswert, aber in der Regel wird er truppengattungsfremd eingesetzt“, erklärt der Hauptmann. „Einzelabstellungen sind die Regel, beispielsweise als Flugbucher oder als Ausbilder in Erbil im Irak.“

Bei den Verpflichtungen sind die „Freiwillig Wehrdienst Leistenden“ (FWDL) drastisch zurückgegangen. „Für uns sind nur FWDL von 12 Monaten aufwärts interessant, sieben Monate sind nutzlos, das ist nicht mehr als ein Schnupperkurs“, sagte Rojas. Bei den Soldaten auf Zeit (SaZ) sei der SaZ 4 ideal.

Bei den Verpflichtungen sind die „Freiwillig Wehrdienst Leistenden“ (FWDL) drastisch zurückgegangen. „Für uns sind nur FWDL von 12 Monaten aufwärts interessant, sieben Monate sind nutzlos, das ist nicht mehr als ein Schnupperkurs“, sagte Rojas. Bei den Soldaten auf Zeit (SaZ) sei der SaZ 4 ideal.

Was fehlt, sind weniger die Mannschaften, sondern die Führer. „Vor allem die Unteroffiziere mit Portepee.“ Von vier Feldwebeldienstgraden wechselten zwei nach Erbil, einer nach Afghanistan und einer in die Stabsabteilung. Die Folge ist der Wegfall von Kompetenz.

Die Materiallage, von der Presse oft als traurig beschrieben, war für ihn nicht so problematisch: „Ich hatte meine 14 Panzer“. Allerdings ist auch da der persönliche Einsatz gefordert. So müssen die Anforderungen nach Ersatzteilen mit langem Vorlauf gestellt werden, was wenig praxisnah ist.

Dem Kompaniechef macht eher die Bürokratie graue Haare. Jede Stunde am Schreibtisch fehlt ihm bei der Ausbildung der Truppe. „Viele Vorschriften verlangen den Einheitsführer, da kann ich nicht delegieren“, erklärt Rojas. Auch der E-Mail-Verkehr habe die Arbeit nicht schneller gemacht: „Nach meinem Gefühl wird vieles nur weitergereicht. Bei Papier hat man sich kurz gefasst. Anscheinend glauben manche, das braucht man bei E-Mails nicht.“

Auch die EU-Arbeitszeitverordnung macht die Ausbildung der Truppe nicht leichter. „Die starre 41-Stundenwoche engt uns ein, sie bewirkt eine Einschränkung in der Flexibilität.“ Diese braucht er zum Beispiel bei einem Übungsplatzaufenthalt. „Letztlich bedeutet das den Abstieg zu einem Beruf wie jeder andere“, warnte Hauptmann Rojas.

Gut sind die Unterkünfte für die Soldaten. Aber: „Es muss gar nicht immer das Einzelzimmer sein, das ist durchaus nicht gewünscht. Eine Viermannstube ist ganz okay. Aber eine Teeküche muss da sein, das ist wichtig. Unterkünfte für jeden wären wirklich attraktiv, die Soldaten ziehen nicht an den Standort“, sagt der Hauptmann. „Ihr Lebensmittelpunkt bleibt die Familie zuhause.“ Die Kompanie belastet die Entfernung zu geeigneten Übungsplätzen. „Wir fahren nach Wendisch-Evern oder auf den Übungsplatz Oberlausitz, nur dort ist gute Ausbildung möglich.“ Nachteil ist die dafür nötige längere Verlegezeit. „Die Planungen der Übungsplatzaufenthalte stehen lange, aber Zuweisungen erfolgen nur wenige Wochen vor der Durchführung.“

Die Ausbildungsvorhaben waren anspruchsvoll, aber realitätsnah und effektiv. Zuerst auf Zug-, dann auf Kompanieebene im Schießübungszentrum. Auf Kompanieebene Gefechtsdienst ohne scharfen Schuss, dafür aber mit Angriff und Verzögerung, immer im Wechsel. Geschossen wurde gemeinsam mit Panzertruppen aus Singapur. „Ein Zug wurde in die Kompanie integriert“, erklärt Rojas. „Das war eine wichtige Erfahrung. Es fehlte die Präzision, militärische Sprache ist in den Sprachlehrgängen nicht vorgesehen. Schnelle Reaktion und Befehlsgebung sind nicht gegeben, wenn die Soldaten nicht in ihrer Muttersprache sprechen.“

Das Schießen auf Verbandsebene fand im Zuge der Brigadegefechtsübung in Grafenwöhr statt. Von dort ging es gleich per Bahntransport nach Lehnin und weiter im Straßenmarsch ins Gefechtsübungszentrum (GÜZ). Im GÜZ habe man gemerkt, dass man wichtige Erfahrungen nur mit Volltruppe machen kann. „Es ist schon ein anderes Gefühl, wenn da eine Kompanie von hinten schiebt“, erzählte Rojas. „Wir haben auch gemeinsam mit Niederländern geübt, die haben eine ganz andere Führungskultur, sehr spannend und kriegsnah.“ Sein Fazit: „Es war unglaublich fordernd, 16 Wochen auf Übungsplätzen, das hat uns als Einheit zusammengeschweißt! Und es war verdammt schön! Die schönste Zeit in meinem militärischen Leben bisher – was kann man mehr haben als eine Panzerkompanie mit vollen drei Zügen!“

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