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Gedenkfeier Kursk-Besedino

2020-02-29 08:03
von Redaktion
Band-7

Gedenkfeier 10 Jahre Soldatenfriedhof Kursk-Besedino

Generalmajor a.D. Dieter Brand, Beauftragter des Freundeskreises für die Zusammenarbeit mit dem Volksbund.

Man hatte den Beginn der Gedenkfeier am 26. Juli anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Soldatenfriedhofes Kursk – Besedino auf morgens 08:30 Uhr festgelegt, um der normalerweise herrschenden mittäglichen Hitze auszuweichen – was für unsere 26 Personen starke Gruppe „Militärhistorische Exkursion Zitadelle 2019“ bedeutete: Wecken um 05:00, Abfahrt von der Operationsbasis / Hotel in Belgorod 06:00 Uhr. Aber der Wettergott spielte dieses Mal nicht mit. Es wurde ein regnerischer Tag, und die üblichen Ansprachen mussten entweder unter dem Schutz eines Regenschirms gehalten werden oder man wurde nass bis auf die Haut.

Die Gedenkfeier begann nach Planungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Absprache mit den russischen Stellen – wie allgemein üblich – am sowjetischen Ehrenmal im Zentrum von Besedino – hier noch nur unter drohend dunklen Wolken. Dort hatten sich viele Bürger des Ortes versammelt, alle auffallend gut und zu besonderem Anlass gekleidet, dabei viele junge Schüler und Mitglieder der militärischen Jugendorganisation, die u.a. das Spalier zum Ehrenmal bildeten. Das starke Engagement überraschte etwas, weil es außer dem Gedenken an die Einweihung des deutschen Soldatenfriedhofes für den 26. Juli keinen speziell russischen Anlass gab. Doch auch schon bei unserem letzten Besuch in 2017 waren die Bürger von Besedino bei dem gemeinsamen Besuch am Ehrenmal zahlreich erschienen. Gegen die beeindruckende Repräsentanz der russischen Seite fiel nur die Anwesenheit unserer deutschen Reisegruppe „Exkursion Zitadelle“ ins Gewicht, die nun als Vertretung des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe firmierte. Der eigentliche Organisator der Veranstaltung, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, war zwar mit dem Osteuropa-Beauftragten und ehemaligen Präsidenten des Volksbundes, Herrn Führer, hochrangig vertreten, aber ansonsten nur mit wenigen Mitgliedern der Außenstelle Moskau.

Die vom Volksbund organisierte Reisegruppe, die aus Anlass der Gedenkfeier angereist war, erschien bei der Feier am sowjetischen Ehrenmal nicht. Mit drei Soldaten als Vertreter der Deutschen Botschaft – neben der Gesandten der Heeresattaché und zwei Portepeés (Marine- Kampfschwimmer und Luftwaffe) – waren wenigstens auch deutsche Uniformen sichtbar. Unsere Reisegruppe wurde schon von dem Bürgermeister Besedino und anderen Vertretern der Gebietsverwaltung Kursk erwartet. Man kannte sich von den vorherigen Besuchen in 2011, 2013 und 2017, und so zahlten sich unsere Bemühungen um den Kontakt zur Bevölkerung von Besedino – der Verfasser verweist auf die jeweiligen Berichte im Schwarzen Barett –, nun spürbar aus. Die Motivation für unsere Verbindung zu den Repräsentanten der russischen Seite und für die Übernahme der Patenschaft über den deutschen Soldatenfriedhof, nämlich im Sinne des Volksbundes an der Versöhnung über den Gräbern beizutragen und den Bürgern von Besedino unsere Dankbarkeit zu vermitteln, dass sie ein Stück russischer Erde zur Verfügung gestellt haben, um unseren Gefallenen eine würdige letzte Ruhestätte zu ermöglichen, wurde durch die Herzlichkeit der Begrüßung belohnt.

Blumenkranz

Die Feier am Ehrenmal war von der lebendigen Erinnerung der Bevölkerung an die Leiden im Kriege wie auch von der heutigen Identifikation mit ihren Streitkräften bestimmt. Gedämpfte Musik erklang im Hintergrund, als die offiziellen Repräsentanten bei namentlicher Nennung (u.a. der Verfasser) zum Ablegen der Kränze zum Ehrenmal schritten, wobei russische Soldaten die Kränze trugen. Dann folgte das traditionelle Ablegen von roten Nelken durch die Bürger. Das Abspielen der russischen Nationalhymne beendete die insgesamt würdevolle Zeremonie, wobei die Musiker einer örtlichen Kapelle ihrem Nationalbewusstsein sichtbar und hörbar Ausdruck verliehen.

Danach folgte die Gedenkfeier auf dem deutschen Soldatenfriedhof. Hier hatte sich die vierzig Personen starke Reisegruppe des Volksbundes eingefunden, die aus Anlass der Gedenkfeier aus Deutschland angereist war, überwiegend Angehörige der auf dem Soldatenfriedhof bestatteten deutschen Soldaten. Sie konnten Gott sei Dank bei dem strömenden Regen, der inzwischen eingesetzt hatte, Schutz unter einem Zeltdach finden. Auch die Kameraden unserer Reisegruppe, die sich zunächst am Rand der aufgeworfenen Grube mit den Särgen der sterblichen Überreste der gefallenen deutschen Soldaten postiert hatten, zogen es nun vor, sich nicht weiter dem Regen auszusetzen.

Im Mittelpunkt der Gedenkfeier stand die Einbettung von 236 noch unbekannten gefallenen deutschen Soldaten, deren Gebeine in den Wochen vorher vom Volksbund-Umbettungsdienst aus verschiedenen Grablagen im Raum Kursk geborgen worden waren und die nun auf dem Soldatenfriedhof Kursk-Besedino ihre letzte Ruhe finden sollten. Der katholische Militärdekan Bernd Schaller aus Berlin sowie ein Priester der katholischen Gemeinde Kursk erteilten den Segen. Das Abspielen des Chorals „Ich bete an die Macht der Liebe“ gab der Zeremonie einen würdevollen Charakter. Es folgte ein gemeinsames Gebet. Unter Verlesen der Namen einiger weniger bekannter Gefallenen erfolgte deren Einbettung in der langen Grube, in der die Särge der übrigen unbekannten Gefallenen bereits aufgereiht waren. Auch der Verfasser als Vertreter des Freundeskreises konnte einem jungen russischen Mann, unten in der Grube stehend, die sterblichen Überreste eines gefallenen deutschen Soldaten zur Einbettung überreichen. Ein kurzer Kontakt von Auge zu Auge: Hast Du das fest in der Hand ? Ja- ich habe, Du kannst loslassen. Verständigung ohne Worte. Nach der Kranzniederlegung – darunter der Kranz des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe – erklang das Lied vom Guten Kameraden. Nicht erst jetzt standen manchem Teilnehmer die Tränen in den Augen. Mit dem gemeinsamen Singen der deutschen Nationalhymne fand die Zeremonie ihr Ende.

Anschließend war in einem anderen Zelt vor dem Friedhof ein Imbiß vorbereitet. Beim gemeinsamen Essen fand man noch Gelegenheit zum Gespräch, dann musste sich die Volksbund-Reisegruppe auf den Rückweg nach Deutschland machen. Angesichts des kräftigen Dauerregens verzichtete auch unsere Exkursions-Gruppe auf den sonst üblichen Besuch des Klosters Korennaja- Pustin in Swoboda und der anschließenden Stadtführung in Kursk. Wir waren durchweicht genug und nahmen deshalb mit unserem Bus Kurs auf unsere Operationsbasis Belgorod.

Wie ausführlich im Schwarzen Barett Nr. 59 beschrieben, war ursprünglich eine größere Gedenkfeier aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Soldatenfriedhofes geplant Dieser sollte ein Arbeitseinsatz von Mitgliedern des Freundeskreises vorausgehen. Seit Sommer 2017 waren dazu mehrere Gespräche mit dem zuständigen Vertreter in der Zentrale des Volksbundes in Kassel geführt worden, und man stand in ständigem Kontakt. Lange Zeit wurde einvernehmlich die Absicht verfolgt, die Arbeitsgruppe aus Soldaten unterschiedlichster Ränge in Stärke bis zwanzig Mann zusammenzustellen. Diese Kameraden sollten dann an der Gestaltung der Gedenkfeier mitwirken und dabei deutlich in Erscheinung treten, z. B. als Kranzträger oder Ehrenposten. Dabei waren sich beide Seiten darüber klar, dass diese langfristigen Überlegungen den Charakter des Auslotens von Optionen (Neudeutsch „Brainstorming“) hatten, und sie mussten seitens des Gesprächspartners des Volksbundes verständlicherweise unter den Vorbehalt der späteren Verfügbarkeit entsprechender Finanzmittel gestellt werden.

Im November 2018 kam dann überraschend die Nachricht, dass die Arbeitsgruppe des Freundeskreises nur zehn Mann umfassen könne, da nur eine kleine Gedenkfeier ins Auge gefasst sei. Wesentlicher war aber die Auflage, dass der Einsatz unserer Soldaten in Zivil stattfinden müsse. Man betrachte (Zitat aus dem telefonischen Kontakt nach Notiz des Verfassers) „den Einsatz von Mitgliedern des Freundeskreises nicht als den Einsatz von Soldaten“. Diese jedes unserer Mitglieder in höchsten Zorn versetzende Aussage kann nur – und auch nur mit viel gutem Willen – auf dem Hintergrund der anderen Aktivitäten des Volksbundes in der Russischen Föderation eingeordnet werden, nämlich der jährlich im Wechsel in Deutschland und der Russischen Föderation stattfindenden gemeinsamen Gräbersuche und Einbettung gefallener deutscher und russischer Soldaten, durchgeführt von einem russischen Spezial-Bataillon für Gräbersuche und (in aller Regel) von Soldaten des SanRgt 1 bzw. dem Wachbataillon. In 2019 ist solch eine Aktion im Leningrader Raum vorgesehen.

Die Auflage „Zivil“ wurde vom Vorstand des Freundeskreises einvernehmlich als diskriminierend und unzumutbar beurteilt, der Vorsitzende intervenierte mit deutlichen Schreiben bei dem Präsidenten des Volksbundes, General a.D. Schneiderhan. In der Folgezeit herrschte in der Verbindung zur Zentrale in Kassel praktisch Funkstille, für die weitere Vorbereitung des Einsatzes wurden zur Zusammenarbeit nachgeordnete Organe angewiesen, konkret der Beauftragte des Volksbundes für Berlin und Brandenburg für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, mit dem sich, da als ehemaliger Panzeraufklärer auch Angehöriger der gepanzerten Kampftruppen, schnell ein vertrauensbestimmtes Verständnis entwickelte. Auch ansonsten konnte über andere Verbindungen wie z. B. der zum Militärattaché-Stab in Erfahrung gebracht werden, dass sich General a.D. Schneiderhan sowie auch der amtierende Generalinspekteur bei dem Verteidigungsministerium der Russischen Föderation nachdrücklich dafür einsetzten, dass der Einsatz überhaupt und selbstverständlich in Uniform Fleckentarn stattfinden könne.

Besedino

Parallel dazu lief das Zusammenstellen der Arbeitsgruppe in Stärke von zehn Mann sowie andere organisatorische Vorbereitungen, u. a. in Zusammenarbeit mit der Dienststelle des General Standortaufgaben Berlin.

Der Verfasser – in seiner Eigenschaft als Beauftragter des Freundeskreises für die Zusammenarbeit mit dem Volksbund – hatte sich entschieden, die Aufgabe des Kommandoführers einem der russischen Sprache mächtigen Major d.Res. aus dem Stab des Joint Forces Command zu übertragen. Fünf studierende Offiziere bzw. Oberfähnriche der Bundeswehr- Universität Hamburg und weitere vier von der Bundeswehr-Universität München wurden aus dem Kreis der Mitglieder ausgewählt, die sich für den Einsatz gemeldet hatten. Die Vorbereitungen mit dieser Arbeitsgruppe liefen reibungslos. Die Männer saßen schon mehr oder weniger auf gepackten Rucksäcken.

Der Entscheidungsprozess, der nun angeblich in der Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Oblast Kursk lag, wurde mit wachsender Ungeduld verfolgt. Mehrere Nachfragen an das Büro der Volksbundes in Moskau nach der Entwicklung der Dinge ergaben nur, dass auf russischer Seite angeblich noch nichts abschließend entschieden sei.

Auch auf anderen Kanälen waren zuverlässige Informationen nicht zu erhalten. Dann kam am 04. Juni die Nachricht, dass der Gouverneur des Oblast Kursk angeblich einer Anwesenheit deutscher Soldaten in seinem Gebiet für einen Arbeitseinsatz nicht zugestimmt habe und damit eine entscheidende Grundlage für den Einsatz fehle. In dem entsprechenden Schreiben des Gouverneurs, das der Verfasser wenig später erhielt, ging dieser jedoch überhaupt nicht auf den geplanten Arbeitseinsatz unserer Soldaten auf dem Soldatenfriedhof Kursk-Besedino ein, sondern sprach sich anerkennend für den vom Volksbund in Zusammenarbeit mit dem russischen Spezial-Bataillon beabsichtigten Einsatz im Leningrader Gebiet aus. Ansonsten stimmte er der Teilnahme von deutschen Soldaten an der Gedenkfeier am 26. Juli zu. Man könnte bei der Analyse des Schreibens den Eindruck haben, als wäre die Absicht, einen Arbeitseinsatz im Raum Kursk durchzuführen, überhaupt nicht oder vielleicht sehr missverständlich an den Gouverneur in Kursk herangetragen worden.

Die Genehmigung, deutsche Soldaten für den Tag der Gedenkfeier, also für einen einzigen Tag zu akzeptieren, klang zwar entgegenkommend, war gleichwohl für die praktische Durchführung nicht hilfreich.

Der verantwortliche Bearbeiter des Volksbundes stornierte nach Bekanntwerden der russischen Position am 04. Juni unverzüglich die bereits erfolgten Buchungen für die Flüge unseres Arbeitskommandos nach Rußland, vor allem wegen der unmittelbar erforderlichen Bezahlung der gebuchten Flüge. Das bedeutete gleichzeitig das definitive Ende des Vorhabens, jede spätere denkbare Änderung der Lage hätte wegen der dann nicht mehr möglichen Buchung von Flügen auch nicht mehr zum Erfolg geführt.

Damit scheiterte die Absicht des Freundeskreises, der über den Soldatenfriedhof Kursk-Besedino übernommenen Patenschaft, die uns weiland vom Volksbund angetragen wurde, neben den Besuchen in den vergangenen Jahren nun durch einen Arbeitseinsatz unserer jungen Mitglieder sichtbaren Ausdruck zu verleihen und damit unsere jüngeren Kameraden in die Aufgabe der Versöhnung über den Gräbern einzubinden. Dem Verfasser als Beauftragten des Freundeskreises blieb nur noch die Aufgabe, allen unseren jungen Kameraden, die sich für den Einsatz gemeldet hatten, für ihr Engagement zu danken. Hiermit mit Nachdruck wiederholt.

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