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Gepanzerte Kampftruppen

2015-05-15 08:19
von Redaktion
Band-4

Gepanzerte Kampftruppen, Panzeraufklärer und Panzertruppenschule Sachstand und Perspektiven

Vortrag General der Panzertruppen und Kommandeur Panzertruppenschule am 12.11.2004 in Munster

Mit der Bekanntgabe der Entscheidung vom 02. November 2004 durch den Bundesminister der Verteidigung ist der Ausgangspunkt für die Neuausrichtung des Heeres im Rahmen des streitkräftegemeinsamen Transformationsprozesses gesetzt worden. Die Verteidigungspolitischen Richtlinien vom Mai 2003, die Weisung des Ministers zur Weiterentwicklung der Bundeswehr vom Oktober 2003 und die Konzeption der Bundeswehr mit den beiden Kernforderungen:

  1. Einsätze im Rahmen der internationalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sind für deutsche Streitkräfte auf absehbare Zeit die wahrscheinlicheren Aufgaben
  2. Auftrag, Aufgaben und die Ausrüstung und die verfügbaren finanziellen Mittel müssen unter dem Axiom der Wehrpflicht in Einklang gebracht werden

sind bekannt. Ebenso ist die Einteilung der Streitkräfte in Kräftekategorien, die Grobstruktur für das "Neue Heer" und auch die allgemeinen Stationierungsentscheidungen bekannt. Unter diesen Voraussetzungen erfolgt der Blick auf den Bereich der Gepanzerten Kampftruppen und der Aufklärungstruppe.

Division Eingreifkräfte

Abbildung 1 zeigt die Stationierung der Division der Eingreifkräfte ( EK-Div), beschränkt auf den Anteil der Gepanzerten Kampftruppen und der Aufklärungstruppe. Das Prinzip der Großstandorte/Stationierungsräume und die enge räumliche Dislozierung der Kräfte wird deutlich am Abbildung 1 zeigt die Stationierung der Division der Eingreifkräfte ( EK-Div), beschränkt auf den Anteil der Gepanzerten Kampftruppen und der Aufklärungstruppe. Das Prinzip der Großstandorte/Stationierungsräume und die enge räumliche Dislozierung der Kräfte wird deutlich am Beispiel des Standortes der Panzerlehrbrigade 9 in Munster. Die Brigade verfügt nach Einnahme der neuen Struktur am Standort Munster über das Panzerlehrbataillon 92, Panzergrenadierlehrbataillon 93, Panzerartillerielehrbataillon 325, Panzeraufklärungslehrkompanie 90 und die Panzerpionierlehrkompanie 90.

In räumlicher Nähe ist das Panzerbataillon 33 in Neustadt am Rübenberge stationiert. In der Mittellage befindet sich die Panzertruppenschule als Zentrum der Gepanzerten Kampftruppen und die künftige Aufklärungsschule. Hinzu kommt die Flugabwehrschule. In Verbindung mit den Truppenübungsplätzen Munster- Nord, Munster Süd und Bergen sind dabei optimale Voraussetzungen geschaffen, um von der Gruppenebene bis zur Brigadeebene sowohl in der Ausbildung als auch in der Gefechtsübung mit Gefechtsmunition gemeinsam üben zu können.

Im "erweiterten Stationierungsraum" vervollständigen die hochtechnisierten und optimalen Einrichtungen des Gefechtsübungszentrums in der ALTMARK die Palette der Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten. Das gleiche Prinzip ist verwirklicht mit der Panzerbrigade 21 in Augustdorf in Verbindung mit dem Truppenübungsplatz Sennelager. Die dritte Brigade der Eingreifkräfte wird gestellt durch die D/F-Brigade in Mülheim. Mit den Divisionstruppen, einem Artillerieregiment, Pionierregiment, Heeresflugabwehrregiment, ABC-Abwehrbataillon, Aufklärungsbataillon und einem Führungsunterstützungsregiment unterscheidet sich die 1. Panzerdivision in Hannover von beiden Divisionen der Stabilisierungskräfte. Somit ist die Division der Eingreifkräfte dazu befähigt, das Gefecht der verbundenen Waffen auf Divisionsebene zu führen. Diese Struktur ist damit an der bewährten, "klassischen" Divisionsstruktur nach Manöverelementen mit Divisionstruppen orientiert.

Division Stabilisierungskräfte

Abbildung 2 zeigt die Dislozierung der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig als Division der Stabilisierungskräfte (SK-Division). Die Division hat keine eigenen Divisionstruppen, in Unterscheidung zur Division der Eingreifkräfte, ist mit der truppendienstlichen Führung der Panzergrenadierbrigade 41 Torgelow und der Jägerbrigade 37 Frankenberg beauftragt und stellt Führungsdienstposten zur dauerhaften Besetzung in multinationalen Einsatzhauptquartieren in Stabilisierungsoperationen.

Das Gefecht der verbundenen Waffen muss bei Stabilisierungskräften auf der Ebene eines verstärkten Gefechtsverbandes innerhalb der Brigade beherrscht werden. Dieses erklärt die deutliche Stärkung der Brigadeebene, besonders im Bereich Aufklärung, Pioniere und Logistik. Auch bei der Stationierung der Stabilisierungskräfte ist das Prinzip der Großstandorte eingehalten worden. Dieses wird deutlich anhand der Jägerbrigade 37 in Frankenberg, mit dem Panzergrenadierbataillon 391, Panzerbataillon 393 in Bad Salzungen, dem Panzergrenadierbataillon 371 in Marienberg und dem Aufklärungsbataillon 13 in Gotha.

Als zweite Division der Stabilisierungskräfte verfügt die 10. Panzerdivision in der neuen Struktur über die Panzerbrigade 12 in Amberg und die Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall. Die Stationierung der Bataillone sind in der Abbildung 3 aufgezeigt.

Festzuhalten und herauszustellen ist, dass sowohl die Eingreifkräfte als auch die Stabilisierungskräfte mit identischen Waffensystemen ausgestattet werden, gleich gut ausgebildet sein sollen und die gleiche hohe Verfügbarkeit für Einsätze besitzen. Dieses ist zwangläufig notwendig, da beide Kräftekategorien sich gegenseitig unterstützen und verstärken können sollen. Die Frage nach einer abgestuften "2- Klassen-Armee" beantwortet sich damit von selbst. Beide Kräftekategorien müssen im "Three-Block- War" bestehen und sind zur Befähigung zum Gefecht auszubilden. Sowohl Eingreifkräfte als auch die Stabilisierungskräfte verfügen über die Fähigkeit zum Gefecht in allen Gefechtsarten über Stabilisierungsoperationen bis hin zu humanitärer Hilfe. Einziger Unterschied zwischen Eingreif- und Stabilisierungskräften ist das bereits beschriebene Einsatzszenario. Die Eingreifkräfte können das Gefecht der verbundenen Waffen auf Divisionsebene führen, Stabilisierungskräfte auf der Ebene des verstärkten Gefechtsverbandes ( Task-Force-Prinzip ) innerhalb der Brigade.

Panzerkompanie und Panzergrenadierkompanie

Wie die Abbildung 4 zeigt, bleibt die STAN-Ausstattung der Panzerkompanie und Panzergrenadierkompanie gegenüber dem "Heer der Zukunft" im wesentlichen unverändert. Der Bergetrupp wird nur in der Kompanie der Eingreifkräfte auf Ebene der Kompanie eingesetzt, die Feldküche wird wieder in die Stabs- und Versorgungskompanie eingegliedert. Unabhängig vom Schützenpanzer Puma wird die zunehmende Bedeutung des Faktors Schutz insbesondere in der Ausstattung des Kompaniefeldwebeltrupps und des Gefechtsschadeninstandsetzungstrupps mit dem gepanzerten Fahrzeug Dingo deutlich. Damit kehren wir zu bewährten Gliederungen zurück und verbessern dabei die Ausstattung.

Die Aufklärungstruppe

Abbildung 5 zeigt die zukünftige Stationierung der Aufklärungstruppe im Heer. Die 1. Panzerdivision in Hannover verfügt innerhalb der Divisionstruppen über ein Aufklärungsbataillon ( Panzeraufklärungslehrbataillon 3 ), und in der Panzerlehrbrigade 9 und Panzerbrigade 21 über jeweils eine Panzeraufklärungskompanie am Brigadestandort. In der Division Spezielle Operationen befinden sich jeweils zwei Luftlandeaufklärungskompanien. Die Luftlandeaufklärungskompanie 310 verlegt nach Seedorf und ist für Stabilisierungsoperationen vorgesehen. Die Luftlandeaufklärungskompanie 260 in Zweibrücken dagegen ist für die Eingreifkräfte vorgesehen. Jede Brigade der Stabilisierungskräfte ( SK-Brig ) verfügt über ein Aufklärungsbataillon mit den Standorten Eutin ( Brigade 41 ), Gotha ( Brigade 37), Freyung ( Brigade 12 ) und dem neuaufzustellenden Aufklärungsbataillon 230 in Füssen ( Brigade 23 ). Damit erfahren die SKBrigaden eine qualitativ höchstmögliche Stärkung ihrer organischen Befähigung zur Aufklärung.

Aufklärungsbataillon der Eingreifkräfte

Die Abbildung 6 zeigt das zukünftige Aufklärungsbataillon der Eingreifkräfte. Das Bataillon verfügt über drei Spähkompanien und insgesamt über 38 Fennek. Wesentliche Änderung ist die Ausplanung einer Drohneneinheit mit dem System KZO. Durch die Erfahrungen aus verschiedensten Einsätzen und als Auswertung der Stabsstudie MOUT unter Federführung der Panzertruppenschule sind in jeder Spähkompanie Gruppen für die abgesessene Aufklärung unter dem Arbeitsbegriff "Scout" eingeplant worden.

Beide selbständigen Aufklärungskompanien der Brigaden der Eingreifkräfte unterscheiden sich in der Grundgliederung nicht wesentlich von denen des Heer der Zukunft. Die Kompanie verfügt über drei Spähzüge mit jeweils vier Fennek und zur abgesessenen Aufklärung zwei Scout-Gruppen. Neu in der Aufklärungskompanie ist die Unterstellung eines Zuges mit dem Drohnensystem LUNA und eines Feldnachrichtenzuges.

Abbildung 8 zeigt die Gliederung der Aufklärungsbataillone der Stabilisierungskräfte. Im Unterschied zum "alten" Panzeraufklärungsbataillon verfügt das Bataillon nur über zwei Spähkompanien, die jedoch jeweils acht Spähtrupps haben werden. Die Spähtrupps sind anteilig mit dem Aufklärungsfahrzeug Fennek und Luchs ausgestattet. Auch hier sind jeweils zwei Scout-Gruppen für die abgesessene Aufklärung eingeplant. Im Gegensatz zu den Eingreifkräften ist weiterhin eine Drohneneinheit mit den Aufklärungssystemen KZO und Luna vorgesehen. Insgesamt ist das System Spähaufklärung mit dem zentralen Baustein des Fennek auf der Welt einzigartig. Mit dem ALADIN ( Abbildende Luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich ), BSA ( Bodensensoraustattung ), BÜR ( Boden-Überwachungsradar ), MoSeS ( Mobile Sensorsystem ), KZO, LUNA und den Scout-Gruppen erfährt der Faktor Schutz durch frühzeitige Informationsüberlegenheit eine völlig neue Dimension. Schutz der Aufklärungstruppe wird nicht mehr durch starke Panzerung, sondern durch frühzeitige Informationsgewinnung gewährleistet.

Abbildung 9 zeigt die zukünftige Struktur der "Truppenschule MUNSTER" ( Arbeitsbegriff ). Diese neu zu konzipierende TrS Munster ist ohne Referenzmodell und in der Schullandschaft der Bundeswehr eine Neuheit. In den drei Truppengattungsbereichen, Panzer/ Panzer - grenadiere, Aufklärung und Heeresflugabwehr, ist der Kommandeur der jeweiligen Truppengattungsschule auch gleichzeitig General seiner Truppengattung. Über die Führungsstruktur der TrS Munster ist zu jetzigem Zeitpunkt noch keine verbindliche Entscheidung getroffen.

Unter dem Dach der TrS Munster wird unverändert der Führernachwuchs der Truppengattungen Panzer und Panzergrenadiere, jedoch nur in einer Lehrgruppe, ausgebildet. Dem General der Panzertruppen und Kommandeur der Panzertruppenschule ist weiterhin die Gruppe Weiterentwicklung und das Simulationszentrum unterstellt. Neu aufzustellen ist der Bereich der Truppengattung Aufklärung, der aus den Bereichen Panzeraufklärer, unbemannte luftgestützte Aufklärung der Feldnachrichtentruppe hervorgeht. Dem Kommandeur der Aufklärungsschule und General der Aufklärung ( Arbeitsbegriff ) untersteht ebenfalls die Gruppe Lehre/Ausbildung und eine eigene Gruppe Weiterentwicklung.

Aus Rendsburg verlegt der Bereich der Truppengattung Flugabwehr, der mit seinen Kernelementen Gruppe Lehre/Ausbildung und Gruppe Weiterentwicklung Teil der TrS Munster ist. Zur Schießausbildung verfügt die Flugabwehrtruppe weiterhin über das Flugabwehrausbildungszentrum in Todendorf und den Truppenübungsplatz Putlos. Mit der Umstellung der Ausbildung zum Offizier zum 01.Juli 2006 ist die TrS Munster eine von drei Ausbildungseinrichtungen des Heeres, neben den TrS Hammelburg und Idar-Oberstein, die federführend verantwortlich für die Ausbildung zum Offizier bis zu Beginn seines Studiums sein wird. Dazu wird eine neue OA-Lehrgruppe mit Stab und zwei Ausbildungskompanien ausgeplant. Weiterhin muss auch der Bereich der Unterstützungsgruppe umstrukturiert und erweitert werden, weil insbesondere durch die Truppengattungen Aufklärung und Heeresflugabwehr neue Fahrzeugarten und Waffensysteme hinzukommen. Unter Führung der TrS Munster wird künftig auch das Regionale Übungszentrum NORD im Schwerpunkt weiter Panzer- und Panzergrenadierkompanien sowie auf Bataillonsebene der SIRA-Stützpunkt in den jeweiligen Gefechtsarten ausbilden.

Zusammenfassung

Zusammenfassend gilt es festzuhalten, dass trotz Reduzierung die Gepanzerten Kampftruppen und die Truppengattung Aufklärung im Verbund mit der Truppenschule Munster positiv in die Zukunft schauen können. Die Änderungen in der Organisation und besonders die Reduzierungen sind tiefgreifend und in einem Maße einschneidend, welches mit bisherigen Strukturänderungen nicht vergleichbar ist. Gleichwohl ist dabei festzuhalten, dass unsere Truppengattungen im Großen wie im Kleinen – vom Leopard 2A6 über Puma und Fennek bis zu Aladin und Minenschutz – zweckmäßig zur künftigen Auftragserfüllung aufgestellt sind.

( Wortmanuskript: Brigadegeneral Klaus Feldmann und Hauptmann André Hastenrath )

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Generalleutnant Jacobson
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Carsten Jacobson

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General a.D. Wolfgang Brüschke
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Wolfgang Brüschke

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Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

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