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Jurist und Major der Reserve

08.06.2015 16:51
von Marco Pracht
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Band-5

die vielfätigen und ungewöhnlichen Kontakte zum Militär

von Ludwig Körner
Ludwig Körner
Ludwig Körner

In der Bundeshauptstadt Berlin hat sich in den letzten Jahren eine kleine Kampfeinheit von Mitgliedern des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe zusammengefunden, die sich in loser Folge und stetig trifft. Hier wurde von unserem Einheitsführer die Bitte an mich herangetragen, meine Tätigkeit als Rechtsanwalt bei verschiedenen Verbänden für die Rubrik "Reserve" des Schwarzen Baretts darzustellen und so die oft abstrakte Beziehung Militär/Zivilist ein wenig mit Leben zu füllen. Dieser Bitte komme ich gerne nach und möchte ein wenig Licht ins Dunkel der Frage bringen, was diese "Freizeit- Offiziere", also Reservisten, denn so im richtigen Leben tun. Gleichzeitig soll der Beitrag zeigen, wie vielfältig und ungewöhnlich die Kontakte zum Militär sein können – zumal in Berlin. Seitens der Aktiven konnte ich immer ein großes Interesse daran feststellen, was im Zivilen passiert. Das mag nicht allein an meiner Tätigkeit im Verbands- und Lobbybereich liegen, der meist für Unbeteiligte kaum greifbar ist. Hier verstehen wir Verbandsmenschen uns als Botschafter zwischen Truppe, nämlich unserer Mitglieder, und den Adressaten unserer Arbeit, nämlich Politik und Verwaltung auf Länder- Bundes- und EU-Ebene.

Aber zunächst zur Ausgangslage: Die Bundeswehr und das Soldatentum haben mich schon als kleiner Junge in ihren Bann gezogen. Zinnfigurengießen war Pflicht genauso wie amerikanische Truppenteile bei ihren freilaufenden Übungen in unseren Wäldern in Mittelfranken mit Äpfeln, Coca-Cola und Schokolade zu versorgen. Dies natürlich im Tausch gegen Peanut Butter, corned-beef-Dosen oder im besten Fall Uniformteile.

Das soldatische Interesse wurde geprägt durch meinen Vater, der noch Weltkriegsteilnehmer war sowie dem Wissen um einen Urgroßvater mütterlicherseits als Kommandeur der sächsischen Gardereiter. Zwei Patenonkel versorgten mich darüber hinaus mit militärischer Lektüre aus dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt oder diskutierten als Jurist im Zentrum innerer Führung aktuelle Themen der inneren Führung mit mir. Kurz: Der Entschluß, mich für zwei Jahre Dienstzeit nach dem Abitur zu entscheiden war für mich folgerichtig aber in meiner Klasse einsam und kaum nachzuvollziehen – noch dazu, weil es von Franken nach Lüneburg gehen sollte. Nach Lüneburg deshalb, weil dessen hervorragender Ruf mich lockte und ich auch Panzermann werden wollte – so wie ein gefallener Onkel und Ritterkreuzträger. Dort trat ich in eine völlig neue und unbekannte Welt ein. Der Jargon der Ausbilder war gewöhnungsbedürftig, aber die Entscheidung für ein renommiertes Bataillon und einen bewährten Standort war von Anfang an richtig. Viele Kameradschaften haben sich bewährt und ich pflege sie noch heute.

Die Ausbildung war hart und fair und forderte uns Schulabsolventen in allen Bereichen. Von 1987-1989 haben wir die "alte Armee" noch miterlebt – ohne Dienstzeiterlaß, Wiedervereinigung und ständige Umgliederungen, Reformen und Auflösungen. Wir schoben noch Bereitschaft und Wache, feierten natürlich unseren Fähnrichsball und befanden uns in einem kreativen Kräftemessen bei Bier und Husarenstückchen mit den Freunden der Aufklärungstruppe in der Nachbarschaft. Wir fuhren mit unseren Panzern noch über abgeerntete Rübenäcker südlich Hannover und lieferten uns Rennen und Schlachten mit M1 und Bradleys…. Unvergessen - aber leider vorbei.

Nach der aktiven Zeit habe ich zur Truppe über verschiedene Wehrübungen Kontakt gehalten. Den Aderlaß der Panzertruppe mitzuerleben war schmerzlich aber letztlich unvermeidlich. Im historischen Kontext müssen wir melden: "Auftrag ausgeführt!" Dies führte auch dazu, dass ich im letzten Jahr umpaspelieren musste und nun als Chef 1./Wachbataillon in Berlin eingeplant bin – leider gibt es ja hier kein Panzerbataillon.

Aber was tut nun ein Lobbyist bzw. Verbandsjurist, der ich bei zwei Verbänden hier in Berlin bin. Diese Verbände sind die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände und die Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände. Wir verstehen uns als die Schnittstelle zwischen den Mitgliederinteressen und der Legislative, also in erster Linie dem Deutschen Bundestag. Im Gefecht des Lobbyismus sind wir Aufklärungstruppen, Schwerpunktwaffe, Versorger, Sanitäter und Logistiker in einem. Wir müssen ein Gefühl für die politische Lage entwickeln und beurteilen, was wann und wie bei wem oder auch mit wem durchgesetzt werden kann. Und dies ganz klar orientiert an unserem Auftrag, der Vertretung bzw. Durchsetzung der Interessen unserer Mitglieder.

Was sind nun diese Interessen? Das sind z.B. Fachfragen der Bewirtschaftung landund forstwirtschaftlicher Betriebe oder auch Fragen der steuerlichen Rahmenbedingungen. Ganz aktuell versuchen wir die Reform der Erbschaftsteuer für unsere Betriebe verträglich mitzugestalten – also mit anderen Worten zu beeinflussen. Sie sehen, Sprache ist bei unserer Arbeit ein ganz wichtiges Mittel. Wir bedienen uns dabei natürlich auch des "Polit-Sprechs". Der oftmals geäußerten Kritik an den Lobbyisten begegnen wir recht gelassen. Denn unsere parlamentarische Demokratie ist so angelegt, dass jeder Abgeordnete auch über jedes Thema im Deutschen Bundestag mit abstimmen soll. Nur wie soll z.B. ein Lehrer, der in Bildungsdingen versiert und kompetent ist, genauso fundiert über Bewertungsfragen, das landwirtschaftliche Steuerrecht oder die Baumartenwahl im Zeichen des Klimawandels entscheiden, wenn er im zuständigen Ausschuß des Bundestages sitzt? Um hier zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, gibt es unsere Verbände. Unser Rat und unsere Einschätzung sind gesucht und gefragt.

Wir nehmen an Gesetzesanhörungen teil, schreiben Stellungnahmen und informieren die Abgeordneten im direkten Gespräch. Diese sind oft Gäste unserer Veranstaltungen und hören so kompakt die Anforderungen und Bedürfnisse der Basis, also der Wähler. Klingt recht trocken. Deshalb steigern wir den Kampfwert und die Schlagkraft unserer Arbeit mit geschickter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Bundeskanzlerin erhält von uns in guter Tradition alljährlich einen Weihnachtsbaum vor die Tür des Kanzleramtes gestellt – natürlich nicht ohne auf die wirtschaftliche Bedeutung der Forstwirtschat für den ländlichen Raum hinzuweisen. Oder wir demonstrieren für unseren klimafreundlichen Rohstoff Holz indem wir bei internationalen Konferenzen in Bonn mit Rückepferden und Holzhäusern (Holzhaus statt Treibhaus!) durch die Straße ziehen. Da ist auch noch der Key-Boarder der Rolling Stones, Chuck Leavell, den wir als Botschafter für nachhaltige Forstwirtschaft gewinnen konnten, da er selbst in Amerika einen mehrfach ausgezeichneten Forstbetrieb führt. Oft suchen wir auch Allianzen zu anderen Verbänden, um eine gemeinsame Schnittstelle besser zu vertreten – sozusagen als Kampf der verbundenen Waffen, den ich noch gelernt habe.

Das politische Parkett mit seinen unendlich vielen Veranstaltungen, Empfängen, Kongressen und vielem mehr ist natürlich eine riesige Kontaktbörse, die zu einem großen Netzwerk führt. Besonders freue ich mich immer, wenn bei offiziellen Veranstaltungen auch Kameraden in Uniform, also als Vertreter der Streitkräfte erscheinen. Ein Kontakt ist so schnell geknüpft. Dabei wäre es wünschenswert, wenn die Uniform in Berlin noch häufiger zu sehen wäre. Da macht es mir besonders viel Freude, meine neuen Kameraden aus dem Wachbataillon anläßlich von Staatsbesuchen in der Tagesschau oder auch im Straßenbild zu sehen. Überhaupt ist das Wachbataillon eine Einheit, der ich höchsten Respekt entgegen bringe. Protokolleinsätze sind nicht so einfach wie sie aussehen und in der Masse, wie sie hier stattfinden, eine wirkliche Herausforderungen an Mensch und Logistik.

Gerade kürzlich konnte ich mich wieder persönlich von der Qualität der Arbeit dort überzeugen. Der Ehrenvorsitzende unseres Verbandes, Philip Freiherr von Boeselager, war gestorben. Als einer der letzten lebenden Verschwörer des missglückten Attentates auf Adolf Hitler und Oberstleutnant d. Res. wurde für ihn ein militärisches Abschiedszeremoniell ausgerichtet. Ehrenkompanie, Musikkorps, Sargträger mit Ordenskissen – sehr eindrucksvoll und für das Bild der Armee in der Öffentlichkeit besonders wichtig. Ich denke viel über diese Frage, den Auftritt der Bundeswehr und ihre Akzeptanz in der Öffentlichkeit nach. Dankenswerter Weise habe ich auch regelmäßig Gelegenheit mich darüber mit einem Kameraden und Mitglied unseres Freundeskreises auszutauschen. Brigadegeneral a. D. Klaus v. Heimendahl ist nämlich ehrenamtlich für unsere Verbände tätig. Er betreut eine Initiative zum privaten Denkmaleigentum. Es geht hier darum, die Leistung privater Eigentümer für das historische Erbe an Baudenkmälern zu vertreten, darauf aufmerksam zu machen und die Rahmenbedingungen hierfür mitzugestalten.

Diese Zusammenarbeit erstreckt sich zudem auf die Deutsche Stiftung Eigentum, deren Vorstand der General ist und ich die Ehre habe Geschäftsführer zu sein. Ein gewisser militärischer Ton ist dabei natürlich Programm und erleichtert die Zusammenarbeit ungemein – gewohnte Befehlsschemen und Umsetzungsformen bewähren sich. Die Stiftung selbst will den notwendigen Schutz des Eigentums wieder mehr in das Bewußtsein der Bevölkerung bringen. Unsere soziale Marktwirtschaft kann nämlich nur funktionieren, wenn genügend Ansporn für jedermann vorhanden ist sich anzustrengen, Leistung zu bringen und damit auch einen Gewinn, also auch Eigentum, zu schaffen. Davon ist dann auch jeder gerne bereit etwas abzugeben. Falls dieser Ansporn durch erdrückende staatliche Auflagen erstickt wird, entfällt auch die Motivation zur Leistung. Dessen müssen wir uns immer bewusst sein. Dies zu vermitteln ist Aufgabe der Stiftung.

Ich habe keinen Tag an meiner Entscheidung Offizier zu werden gezweifelt. Auch wenn es in den frühen 90er Jahren nicht opportun schien, diesen Weg gewählt zu haben. Skeptiker und Zweifler wurden eines besseren belehrt. Die Bundeswehr ist eine wichtige Säule im Gefüge von Staat und Gesellschaft. Wir erfüllen große Aufgaben bei Auslandseinsätzen. Unsere Verbündeten und Partner vertrauen und schätzen uns. Schön wäre es, wenn der Bundeswehr diese Anerkennung auch im Lande selbst mehr entgegengebracht würde. Dazu ist sicherlich auch ein selbstbewusstes Auftreten von uns Soldaten, Aktiver oder Reservist, in der Öffentlichkeit erforderlich. Dieses Selbstbewusstsein wünsche ich uns.

Rechtsanwalt Hans Ludwig Körner

  • 1968 geboren, 4 Kinder
  • 1987 Abitur in Windsbach, Mittelfranken
  • 1987 Eintritt als RoA/SaZ 2 in 3./PzBtl 84, Lüneburg
  • 1990 Leutnant d. Res.
  • 1992 Oberleutnant d. Res.
  • 1995 stv. Kompaniechef 5./PzBtl. 83 n.a. Lüneburg/Munster
  • 1997 Hauptmann d. Res.
  • 2007 Chef 1./ Wachbataillon beim Bundesminister der Verteidigung
  • 2008 Major d. Reserve

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Generalleutnant Jacobson
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Carsten Jacobson

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Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

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Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

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Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender