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Kriegstüchtigkeit

2015-05-16 08:56
von Marco Pracht
Band-5

Bildet die Bundeswehr zur Kriegstüchtigkeit aus ?

von Christian Trull

Das Selbstverständnis des Heeres

Generalmajor Christian Trull
Generalmajor Christian Trull

Jede Armee ist, wie Jacob Burckhardt es ausdrückte "Teil eines Bewusstseins der enormen allgemeinen Gebundenheit im Strom der Notwendigkeit".Das heißt, die deutsche Armee ist nicht anders als ihre Vorgänger der getreue Ausdruck dessen, was die jeweilige Gesellschaft unter einer Armee verstehen wollte oder konnte und bereit war an und in einer Armee zu akzeptieren.Nie wieder Krieg – auf diesem Fels ist die Republik gebaut. Die Entschlossenheit zur Friedfertigkeit war die stärkste Kraft bundesrepublikanischer Politik. Sie trieb alle an, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen: die einen setzten mit der Wiederbewaffnung und Einbindung in das westliche Bündnis auf die zivilisierende Kraft der Abschreckung, die anderen bauten aus Überzeugung, religiösen Motiven, einer Angstkultur und Abrüstungsbestrebungen, auf "Frieden schaffen ohne Waffen".

Beide Bilder verschränkten sich und haben der Armee in dieser "allgemeinen Gebundenheit" die Prägung gegeben. "Armee für den Frieden", "Entschieden für Frieden" sind nur die Schlagworte auf dem Weg dieser Entwicklung. An dieser "allgemeinen Gebundenheit" kann die Armee nichts ändern. Im Grunde ist bis heute die Auffassung weit verbreitet, ohne Bedrohung durch Feinde leben zu können, wenn man selbst nur friedfertig ist. Dass es Menschen gibt, die uns dennoch zu Feinden erklären, die unseren Lebensstil verachten, deren Ziel es ist uns nachhaltig zu schaden oder mindestens zu einem anderen Leben zu zwingen, müssen wir erst wieder erlernen. Als der Bundesminister der Verteidigung jüngst bei einer Militärhistorikertagung in Potsdam die Befähigung zum Kampf als Grundlage der Identität des Soldaten betonte und Schlussfolgerungen für die Tradition der Bundeswehr zog, zeigte sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Kommentar besorgt: den "Kämpfer" hätten bisher nur pensionierte Generale herbeigeredet.

In einem kürzlich erschienen Artikel in der Welt am Sonntag stellte der ehemalige Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Bundeswehr folgerichtig fest, die Masse der Soldaten fühle sich nicht als Kämpfer. Das ist in aller Kürze der allgemeine Kontext, in dem die Frage nach der "Kriegstüchtigkeit" an uns heute herantritt. Alles, was mit Befähigung zum Kampf, Kampfeinsatz und Kampftruppen zu tun hat, trifft auf eine sensible öffentliche Meinung, die die möglichen Konsequenzen der Einsätze bis heute nahezu verdrängt hat.Unsere Ausbildung hat geleistet, was ihr unter den jeweiligen Umständen möglich war, große Teile des Führerkorps, zumindest im Heer, waren sich der Verantwortung für das Gefecht auszubilden, immer bewusst.

Grenadiere abgesessen
Grenadiere abgesessen

In der Zeit der Abschreckung kam es darauf an, militärische Fähigkeiten vorzuzeigen, in friedensstabilisierenden Einsätzen trat das Element des Helfers, Beschützers und Diplomaten in den Vorder- grund.Wenn nicht alles täuscht, gehen zukünftige Entwicklungen in eine andere Richtung: der Kampf kann jederzeit zur Realität werden. Dann werden die Ereignisse selbst uns zu einer Änderung der bisherigen Auffassungen zwingen. Die Armee aber tut gut daran, sich geistig und handwerklich auf zukünftige Lagen einzustellen.Schon die Fürsorge und Verantwortung dem Soldaten gegenüber erfordert die Vorwegnahme des Möglichen. Dazu müssen wir wissen wo wir heute stehen. "Das Leistungsvermögen einer Truppe ergibt sich aus der personellen und materiellen Stärke, der Art und dem Zustand ihrer Grundausstattung, dem Stand der Einsatzunterstützung sowie ihrer Ausbildung und ihrer körperlichen und seelischen Verfassung. Die Fähigkeit mit Waffen und anderen Mitteln präzise auf einen Gegner bzw. auf Konfliktparteien nach Raum und Zeit wirken zu können, zeigt ihre Wirkungsmöglichkeit. Darüber hinaus sind die Persönlichkeit des militärischen Führers und der Geist, der in seiner Truppe herrscht, maßgebend. Die daraus folgende Eignung für den Auftrag ergibt den Einsatzwert der Kräfte." Soweit die im Entwurf vorliegende HDv 100/100 in der Nr. 1055.

Das Wort Kriegstüchtigkeit kommt hier nicht vor. Wir verstehen heute darunter die Befähigung zum Kampf, die ganz wesentlich durch den Einsatzwert bestimmt wird. Ausbildung ist ein Kriterium unter anderen, um die Befähigung einer Truppe zum Kampf herzustellen.Im Folgenden ist nicht mehr von den sicherheitspolitischen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, nicht von Strukturen oder Ausrüstungsmängeln, nicht von knappen Finanzmitteln die Rede. Ihr Einfluss auf Ausbildung und Führung steht außer Frage.

Eingreiftruppe
Eingreiftruppe

Es geht um die Frage, ob das Heer unter den gegenwärtigen und vorhersehbaren Bedingungen so ausbildet, dass die Einsätze zur Friedensstabilisierung und Konflikteindämmung bis zum Kampf auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlicher Intensität geführt werden können. Ich stütze mich dabei auf meine Erfahrungen im Truppengeneralstabsdienst und als Führer vor der Front vom Kompaniechef bis zum Divisionskommandeur.Grund- lage meiner Betrachtungen ist ein nahezu lückenloses Diensttagebuch, das ich seit meiner Zeit als Kompaniechef bis zum heutigen Tage geführt habe.

Grundsätze

Ob eine Truppe zum Kampf befähigt ist, entscheidet allein die Bewährung im Gefecht. Alle Aussagen im Frieden sind letztlich Mutmaßungen und Annäherungen, deren Beweis erst in der tatsächlichen Situation vorliegt.Es gibt allerdings Indikatoren, die schon im Frieden Rückschlüsse zulassen.- Martin van Creveld hat in seiner Studie "Kampfkraft" - einem Vergleich der militärischen Leistung und Organisation der Wehrmacht mit der US-Armee - entscheidende Aussagen gemacht. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, beschreibt er als Grundlage der Kampfkraft einer Armee die Qualität und Quantität ihrer Ausrüstung, die geistigen und organisatorischen Grundlagen, die ihren Ausdruck in Disziplin, Zusammenhalt, Kampfmoral, Initiative, Mut, Härte und im Willen zum Kampf findet.Kampfkraft in diesem Sinne, ist die Summe der geistigen und materiellen Qualitäten, die eine Armee zum Kämpfen bringen.

Ausbildung hat den Zweck alle Parameter des Einsatzwertes oder der Kampfkraft, wie van Creveld es nennt, im Frieden zu erzeugen.Maßstab jeglicher Ausbildung ist daher der Einsatz und das Gefecht.Die Güte einer Armee im Frieden hängt damit von dem Willen und den tatsächlichen Gegebenheiten in der Truppe ab, den Maßstab der Ausbildung konsequent und unnachgiebig zu verfolgen und den Rahmenbedingungen sie zu erzeugen.Dazu bedarf es einer Truppenführung, die sich dieser Ziele und Maßstäbe bewusst ist, Kräfte, Zeit und Raum in Einklang bringt und das Gebotene auch durchsetzt.Es bedarf eines Führerkorps, das erzogen ist auf Kleinigkeiten zu achten, systematisch Grundlagen zu legen, auf nichts wartet, sondern nach vorne drängt und Verantwortung übernimmt. Immer muss um Maßstäbe und Standards in der Ausbildung gerungen werden. Nie darf in dem Bemühen nachgelassen werden Generation auf Generation in das "Bild zu setzen".Dazu bedarf es der vollständigen Konzentration auf alles, was die Befähigung zum Kampf fördert. Stufe um Stufe muss sich der Führer und Ausbilder das notwendige Handwerk aneignen, um überhaupt ein Urteil über die Leistungsfähigkeit der Truppe abgeben zu können.Anspruchsvolle Ausbildung ist, ähnlich wie Führung eine Kunst, die auf Können, Kreativität und der Persönlichkeit beruht. Maßstäbe ergeben sich aus der geistigen Erfassung der Art, des Wesens und der Erscheinungsform bewaffneter Auseinandersetzungen, der eigenen Erfahrung und den daraus abzuleitenden Forderungen an die Truppe und sich selbst. Dazu ist eine auf Kenntnis beruhende Führung notwendig, die sich auf Dienstaufsicht abstützt, die regelmäßig und unvermutet einsetzt.

Nichts erschließt sich zufällig, ein Vorgesetzter, der sich immer anmeldet, erhält die falschen, weil unrealistischen Bilder.Es geht nicht um die Erfassung des Augenblickes, sondern sich abzeichnende Tendenzen und Grundlinien. Soweit die Forderungen. Bevor ich die Realität aus meiner Sicht gegenüber stelle, noch einige Vorbemerkungen:

  • Wer die Lage nicht sieht, wie sie ist, kann keine Weichen stellen. Ich erkenne Tendenzen bisweilen einer sachlichen Lagefeststellung auszuweichen, weil die Tatsachen nicht mit den Vorstellungen übereinstimmen
  • Die Realität der Einsätze und die Anforderungen des Gefechtes sind der kategorische Imperativ für Ausbildung, Führung und Erziehung. Wer diese Forderung im Friedensdienst missachtet, bezahlt dafür wenn das Gefecht eintritt
  • Kräfte, Zeit und Raum müssen in Einklang gebracht werden. Wer der Truppe unrealistische Ziele setzt, überfordert sie
  • Der weit verbreiteten Tendenz Kleinigkeiten und Genauigkeit im Dienst zu vernachlässigen, muss Einhalt geboten werden
  • Ich habe in meiner langen Erfahrung vor der Front wenige Unwillige, aber einige Unkundige getroffen. Das Führerkorps will Leistung und folgt, wenn klare, erreichbare Ziel gesetzt werden und der Vorgesetzte seine Kompetenz vorweist

Lagefeststellung

Um die gegenwärtige Lage in der Truppenausbildung zu erfassen, bedarf es der Unterscheidung zwischen Ursachen und Symptomen, zwischen Einzelmerkmalen und dem Gesamtbild.Im Folgenden geht es um die großen Linien des Gesamtbildes.Das Heer befindet sich mitten in einer Transformation der Gesamtstreitkräfte, die viele für den größten Umbau seit ihrem Bestehen halten. Dieser Umbau ist gekennzeichnet durch Auflösungen, Umzüge, Unterstellungswechsel und Schaffen neuer Organisationsbereiche. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Einsätze erhöht. Zu den klassischen Einsätzen, wie ISAF, KFOR und EUFOR, sind die Abstellungen für ORF, NRF, EU-Battle Group, Ausbildungsunterstützungen, UN-Beobachtermissionen und der Einsatz in KONGO getreten. Die Divisionen und Brigaden stehen damit vor der Herausforderung die Transformation zu gewährleisten, die Einsätze zu alimentieren und eine Ausbildung zu betreiben, die auf den Einsatz vorbereitet und die unverzichtbaren Grundlagen für die Befähigung zum Kampf legt. Die Verkürzung des Einsatzrhythmus auf vier Monate für die Truppe und das Beibehalten der Einsatzdauer von internationalen Stäben für sechs Monate und mehr hat zu einer drastischen Verkürzung der Zeit zwischen den Einsätzen und einer zeitlich nicht mehr kongruenten Führung zwischen Führern und ihrer Truppe geführt.

Untersuchungen im Bereich Heersführungskommando gehen zur Zeit von einer Nettozeit von etwa neun Monaten zwischen den Einsätzen aus, in die Grund- und Spezialgrundausbildung schon eingeschlossen sind. Die Verringerung der Veranschlagungsstärke der Wehrpflichtigen um etwa 30.000 Soldaten vor 1 ½ Jahren und damit die Vorwegnahme des PSM 2010, hat im Heer zu hohlen Strukturen geführt, die nicht ohne Auswirkungen auf die Ausbildung blieben. Junge Offiziere, die nach dem Studium in die Truppe wechselten, standen mitunter vor folgender Lage: Die Zugführerzeit von etwa neun Monaten setzte sich zusammen aus drei Monaten Leerquartal in einer nicht befüllten Kompanie, drei Monaten Allgemeiner Grundaus-bildung und drei Monaten einsatzvorbereitender Ausbildung.Die Folgen sind klar: diese Zugführergeneration hat zu etwa einem Drittel, wenn nicht mehr, keinen Tag in der Ausbildung der Befähigung zum Kampf zugebracht.In der 14. PzGren- Div hatte am Ende meiner Zeit als Divisionskommandeur, Februar 2005, rund ein Drittel der Kompaniechefs der Kampf- und Kampfunterstützungstruppe keine Bilder vom Gefecht!Die Abstellungen im Heer für Lehrübungen und andere Vorhaben verkürzen die Zeit zwischen den Einsätzen weiter

Folgerichtig stellen die Ausbilder in den zentralen Ausbildungseinrichtungen einen Rückgang der grund-legenden Fähigkeiten und Fertigkeiten für das Gefecht fest.Unberücksichtigt, weil zu umfangreich in der Darstellung, bleiben die Auswirkungen des kompletten Umbaus der Offizier- und Unteroffizierausbildung und die Neuordnung der Verfahren in der Materialerhaltung und Material- bewirtschaftung auf die Truppenausbil dung. Es versteht sich von selbst, was die Absteuerung von etwa 30.000 gepanzerten und ungepanzerten Kfz in die neu geschaffene Heeresinstandsetzungslogistik im Zustand einer erfolgten Materialprüfung für die Einheiten und Verbände bedeutet.- Festzuhalten bleibt aber auch, dass die Vorbereitungen für den Einsatz gründlich, intensiv und umfassend erfolgen. Das, was bisher bei ISAF, KFOR und EUFOR von der Truppe verlangt wurde, hat sie geleistet. Die deutsche Ausbildung hält auf diesem Feld jedem Vergleich stand.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass bei dieser Lage Aufträge und Mittel nicht im Einklang stehen. Das Heeresführungskommando hat daher im engen Verbund mit den Divisionen und Brigaden einen umfassenden Ansatz für die Ausbildung, Führung und Erziehung im Übergang und in der neuen Struktur vor- gesehen.

Was ist zu tun?

Zunächst müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Lage festzustellen. Dazu müssen im Bereich Heeresführungskommando Instrumente geschaffen werden, die einem Ausbildungs-Controlling gleichkommen. Dies ist um so wichtiger, weil nur so Konsequenzen einer Überlastung aufgezeigt werden können und eine Prognosefähigkeit zukünftiger Belastungen aufwächst.

Schütze bei der Beobachtung
Schütze bei der Beobachtung

Es geht darum, bei zusätzlichen Einsätzen bisherige Verpflichtungen zu streichen oder Einbußen in dem hinzunehmen, was wir mit der Befähigung zum Kampf meinen.Viele verstehen nicht, wie bei einer IST-Stärke des Heeres von derzeit 82.000 Soldaten und einer Beteiligung des Heeres weltweit von etwa 4.100 Soldaten, die Grenze der Belastbarkeit erreicht sein soll. Es wird vergessen, dass mit der Festlegung der Kräfte der NRF, ORF und EU Battle Group, mit den Bereitstellungen von EVAKOP und OPIK, die Gesamtzahl der vertraglich vorzuhaltenden Soldaten auf über 10.000 Soldaten steigt. Bei einer Gesamtzahl von ungefähr 24.000 im Heer einsetzbaren Soldaten ist derzeit fast die Hälfte im Einsatz.- Hinzu kommt, dass bei dem derzeit viermonatigen Einsatzrhythmus pro Jahr etwa 15.000 entweder im Einsatz oder in der Einsatzvorbereitung festgelegt sind.Wenn zwischen den Einsätzen mindestens zwölf Monate liegen sollen, sind keine weiteren Kräfte vorhanden. Es sei denn, man erhöht das operative Tempo mit Auswirkungen auf Ausbildung, Führung und Nach-wuchswerbung.- Wer das will, muss den Mut haben Fähigkeiten abzumelden.Der dazu notwendige, klärende Prozess ist eingeleitet, die nüchterne und sachliche Lagefeststellung ist eine conditio sine qua non.

Aufgabenspektrum
Aufgabenspektrum

Als Zweites muss die Stellenbesetzung im Einsatz geändert werden.Bislang geschieht dies durch die Auflistung von Tätigkeiten und Dienstgraden in umfangreichen Listen. Es ist schon jetzt absehbar, dass das Feldheer, vor allem bei sogenannten Mangel- ATN, nicht mehr zufriedenstellend nachbesetzen kann. Hinzu kommt, dass Kommandeure zum Teil in Stabsfunktionen im Einsatz von der Truppe zu Hause getrennt werden. Für die Dienstaufsicht, Führung, Ausbildung und Erziehung ist das untragbar.Her muss ein völlig neuer Ansatz, der sich auf Fähigkeiten ganzer Einheiten und Verbände abstützt. Es geht letztlich darum, Einsatz- STAN und Friedens-STAN in Übereinstimmung zu bringen.Es geht nicht nur um die adäquate Besetzung eines Dienstpostens bis zum vierstelligen Sprachleistungsprofil, sondern die Verantwortung der Kommandeure ihren Auftrag insgesamt sicherzustellen. Heeresführungskommando hat dafür eine Studie mit den anderen Führungskommandos erstellt, die dem Fü S vorliegt und als Grundlage für den hier skizzierten Neuansatz dienen soll.

Weiterhin bedarf es einer neuen Einsatzsystematik, die dem Feldheer den Weg über 2008 hinaus weist. Die Hauptaufgabe besteht darin, ausreichend Zeit für die Ausbildung, Führung und Erziehung zu schaffen und eine Grundlagenausbildung zu ermöglichen, die beides sicher stellt: den Einsatz und den Kampf. Das gesamte Feldheer muss sich an den Einsätzen und Abstellungen beteiligen, wenn Einsätze den Vorrang haben; die Stabilisierungsdivisionen werden diese Aufträge allein nicht leisten können.- Die neue Einsatzsystematik weist in diese Richtung. Unter Heranziehen aller Divisionen kann eine Zeit von etwa 15 Monaten zwischen den Einsätzen für die Ausbildung gewonnen werden. Weiterhin müssen Vorstellungen entwickelt werden, wie das Heer mit der noch gültigen Einsatzsystematik im Übergang bis 2009, zusätzlichen Einsätzen und einer immer noch zu knappen Zeit zwischen den Einsätzen umgehen soll.Hier ist, weil keine zusätzliche Zeit in größerem Umfang geschaffen werden kann, eine zeitlich begrenzte Frontverkürzung notwendig. Das Heeresführungskommando hat im Schulterschluss mit den Divisionen einen "Sockel" nicht aufgebbarer Grundfertigkeiten definiert, die zunächst einschließlich der Beherrschung der unterschiedlichen Waffensysteme bis zur Zugebene führen.Zur restlosen Klarheit sei dazu angemerkt: bei einer derzeitigen Nettoausbildungszeit von neun Monaten, bleiben nach Abzug AGA und SGA etwa sechs Monate übrig. Wir wollen in dieser Zeit einen systematischen Ansatz in der Ausbildung ausgewählter Themen bis zur Beherrschung.

Das gilt sowohl für das Systemverständnis in den Truppen-gattungen als auch für die infanteristischen Grundlagen. Es kostet Kraft, Zeit und bedarf der sorgfältigen und unmittelbaren Führung auf allen Ebenen. Letztlich trägt der Truppenführer die Verantwortung, es kann nur gemacht werden, was unter den Rahmenbedingungen möglich ist. Aufgabe des Heeresführungskommandos ist es, die Verantwortung für das Feldheer nach außen zu verdeutlichen. Sollte es in der Zeit des Überganges zu einem Kampfeinsatz kommen, bedarf es des zeitlichen Vorlaufes, um die Truppen darauf einzustellen. Zusammenfassend stelle ich fest: die Anzahl der Einsätze wird in der Tendenz nicht geringer werden. Die Bundeswehr wurde unter dem Stichwort "neue außenpolitische Verantwortung" und in der Absicht Bedrohungen dort zu begegnen, wo sie auftauchen, zu einer globalen Einsatzarmee.- Während wir schon bald mit den Konsequenzen eines Kampfeinsatzes konfrontiert werden können, ist das Heimatbild der Bundeswehreinsätze in unserer Gesellschaft noch immer das des militärisch flankierten Entwicklungshelfers. Allerdings deuten sich Änderungen im öffentlichen Bewusstsein an.Weil die Politik von der Skepsis der deutschen Gesellschaft weiß, waren die Einsätze immer friedensstiftender Natur. So entstand das Bild einer friedfertigen Armee, die sich gerade durch ihren eher zivilen Charakter legitimierte. Unser Problem liegt dabei nicht in der Ausbildung, wenn genügend Zeit, Mittel und Kräfte zur Verfügung stehen. Unsere Herausforderung liegt in den Indikatoren, die Martin van Creveld als Ausdruck der Kampfkraft bezeichnet hat: Disziplin, Zusammenhalt, Initiative, Mut, Härte und der Wille zum Kampf.Dazu bedarf es einer geistigen Disposition, die den Kämpfer in den Mittelpunkt stellt. Alle Anstrengungen müssen unternommen werden, um den Soldaten und die Führer innerlich auf das Gefecht einzustellen.

Panzerkolonne im Feld
Panzerkolonne im Feld

Die deutsche Armee hat schon vor vielen Herausforderungen gestanden. Wir haben ein Führerkorps, das schnell lernt und bereit ist sich rückhaltlos einzusetzen, wenn die Ziele klar sind.Alle Einsätze und Hilfeleistungen bei großen Naturkatastrophen haben gezeigt, dass die Armee innerlich an ihren Aufgaben wachsen kann und sie erfolgreich bewältigt. Nichts spricht dagegen, dass die deutsche Armee die Herausforderung begreift und annimmt. Dazu müssen im Frieden die Grundlagen gelegt und unnachgiebig durchgesetzt werden. Der Weg dazu ist beschritten.

Generalmajor Christian Trull

Stellvertretender Befehlshaber Heeresführungskommando, Koblenz

Ausgewählte militärische Wegmarken des Verfassers vor seiner derzeitigen Verwendung:

  • Kommandeur 14. Panzergrenadierdivison
  • Kommandeur Panzertruppenschule
  • Kommandeur Panzerbrigade 18
  • Chef des Stabes 14. PzGrenDiv
  • Kommandeur Panzerbataillon 154

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Generalleutnant Jacobson
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