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Lagemeldung aus Hamburg

15.10.2016 09:26
von Marco Pracht
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Band-7
Autor und Fotos: Philipp Thiele
Wappen

Die Umstellung des Ausbildungsgangs im Jahr 2006 für Offiziere des Heeres beeinflusst heute noch massiv die Arbeit der Interessensgemeinschaften (IGs) an den Universitäten. Während alles Infanteristische im Vordergrund steht, haben die truppengattungsspezifischen IGs Nachwuchsprobleme. Oftmals besteht hier eine Identifikationsschwäche bei den studierenden Offizieren und Offizieranwärtern mit der vorgesehenen Truppengattung. Der nachfolgende Artikel befasst sich mit den Herausforderungen, denen wir als Vorstand des FPU zu begegnen haben und den Maßnahmen FPU zur Identitätsstiftung.

Wie alles begann

Zum Ende des Studienjahres 2015 übernahm ich von OLt Kai Skwara den Vorsitz. Er warnte mich vor, dass die Mobilisierung der Kameraden die größte Herausforderung darstellen würde. Überzeugt hier positiv einwirken zu können, erwartete ich mit einem hohen Maß an Idealismus den neuen Studentenjahrgang. Ende August war es so weit – die „Neuen“ wurden eingeschleust. Wir, der Vorstand, bestehend aus Oberfähnrich Ricardo Bölk und Oberfähnrich Ingo Schlumberger, und mir, hatten uns vorgenommen, einen jeden Kameraden schon am ersten Tag anzusprechen und für die Panzerei zu motivieren. In den vielen Kontakten wurde uns immer wieder beteuert, wie groß doch die Identifikation mit der Panzerei wäre und dass man es kaum erwarten könne, endlich fehlende Kenntnisse abzustellen und Erlebnisse zu schaffen.

Frohen Mutes erwarteten wir den ersten Stammtisch, bei dem wir mit den Neuen das weitere Vorgehen besprechen wollten. Wir wollten nicht einfach nur viel, sondern genau das anbieten, wo die Interessensschwerpunkte lagen. Dadurch sollten gleichzeitig auch höhere Teilnehmerzahlen gewährleistet werden. Damit sich der FPU auch im besten Licht präsentieren und um eine umfassende Jahresplanung aufstellen zu können, war ausdrücklich gewünscht, dass an diesem ersten Stammtisch möglichst viele Kameraden aus den höheren Jahrgängen teilnehmen sollten. Die Teilnahmebereitschaft bei diesem Stammtisch war ernüchternd. Einen Grund zur Freude gab es dennoch, da weitaus mehr Kameraden aus dem neuen Jahrgang Interesse zeigten als zuvor, die auch heute noch aktiv an den Projekten des FPU teilnehmen. Nach diesem ersten Schock war die Stoßrichtung klar – es mussten mehr Kräfte, vor allem aus den höheren Jahrgängen, mobilisiert werden. So machten wir uns daran, diese altbekannte Aufgabe noch einmal anzugehen, mit welcher bereits alle meine Vorgänger im Vorsitz zu kämpfen hatten: die Identifikation mit der Truppengattung zu erhöhen.

Die Feuerzangenbowle mit „L93“

Doch wie sollte diese Identifikation herbeigeführt werden, wenn wir, die Planer und Organisatoren, nicht selbst am Großgerät ausgebildet sind und abgesehen vom Offizieranwärterbataillon keine militärische Heimat haben? In diesem Falle griffen wir zu einem beliebten und hier erfolgversprechenden Mittel der Bundeswehrführung: Outsourcing!

Bereits zu Beginn meines Vorsitzes hatte sich OTL Markus, Kommandeur des Panzerlehrbataillon 93, dazu bereiterklärt, uns bei unserem Auftrag, dem Halten der Verbidung zur Truppengattung, so gut es geht zu unterstützen. Genau das hatte uns gefehlt: Know-How aus der Truppe und endlich ein Berührungspunkt, um konkretes Wissen und gelebte Kameradschaft zu erleben. Wir verknüpften diese Option mit der im FPU traditionellen alljährlichen Feuerzangenbowle zum Jahresende, zu der wir eine Delegation von „L93“ gerne einluden.

Noch nie war ein Raum so voll, noch nie war so viel „altrosa“ auf einem Fleck. Das war meine erste Impression, als ich das volle Verandazimmer der OHG in Hamburg betrat. Ich war überwältigt von der scheinbar doch hohen Bereitschaft von Soldaten, sich außerhalb des Dienstes zu Veranstaltungen kameradschaftlicher Art zu treffen und dafür auch den Weg von Munster nach Hamburg auf sich zu nehmen. Aber auch Hamburger Kameraden waren vertreten und so viel sei vorweggenommen: die Kameraden, die dort waren, stellen heute noch den harten Kern des FPU dar. Dazu gehören auch truppengattungs-, ja sogar teilstreitkraftsfremde Kameraden. Hier schien Identifikation plötzlich vorhanden, obgleich es ein Marineuniformträger war.

Von Seiten der Teilnehmer bekamen wir viel positive Rückmeldung für diese Veranstaltung. Der einleitende Vortrag über die Erstverwendung als ZgFhr bei „L93“ nach dem Offizierlehrgang 3 wurde mit großen Interesse aufgenommen. Die anschließenden Gespräche haben Vielen geholfen, Vorbehalte aus dem Weg zu räumen und wertvolle Orientierungshilfe gegeben.

Ein Glücksfall war es, dass sowohl Hptm Mijan als auch Hptm Rojas, beides ehemalige Vorsitzende des FPU, dabei waren. Auch sie bestätigten, dass die neue Herausforderung seit Umstellung der Offizierausbildung die Mobilisierung der studierenden Soldaten wäre und nur attraktive Angebote helfen könnten.

Das Symposium der Panzertruppe

Das Symposium der Panzertruppen wurde von uns als attraktives Angebot eingeschätzt und daher sollte die Teilnahme gewährleistet werden. Die Teilnehmerzahlen waren gut! Zumindest konnten wir von uns behaupten, dass wir mehr Kameraden als die „Grenadiere“ mobilisiert hatten, die schon rein zahlenmäßig einen größeren Pool an Kameraden zur Verfügung haben. Doch sollte dies kein Anlass zu überschwänglichem Jubel sein. „Grenadiere“ und Panzerleute zusammen konnten gerade einmal neun Kameraden aus Hamburg entsenden, welches der Anzahl aller Panzerkameraden aus dem neuen 2015er-Jahrgang entspricht. Trotzdem konnten wir zufrieden sein, da Hamburg im Verbund aus „Grenadieren“ und Panzerleuten schon weitaus weniger entsandt hatten. Allerdings blieb die Frage offen, woran die fehlende Begeisterung lag. Die enge Kooperation, die wir auch heute noch mit den „Grenadieren“ pflegen, zeigte exakt dieselbe Problematik: Angebote sind vorhanden, Unterstützer aus der übergeordneten Führung und von außerhalb ebenso, Teilnehmer gibt es hingegen nur wenige.

Zurück zur Veranstaltung selbst: Die Rückmeldungen zeigten, dass das Symposium ebenso positiv aufgenommen wurde, wie die Feuerzangenbowle zuvor. Beliebtester Programmpunkt war der Kameradschaftsabend, bei welchem sich rege ausgetauscht wurde. Es zeigte sich weiterhin auch die Neugierde der erfahreneren Kameraden am militärischen Nachwuchs. Der kameradschaftliche Austausch wurde durch das Rahmenprogramm mit einem Gang durch das Panzermuseum und den verschiedenen Vorträgen zu Geschichte, Sachstand und Zukunft abgerundet.

Die Simulatorausbildung

Das Herzstück unserer Bemühungen stellte immer die Nutzung der Ausbildungsgeräte Gefechtssimulator Panzertruppe des Simulationszentrums der Panzertruppenschule dar. Hier konnte das Panzerhandwerk in einem Rahmen erlebt werden, welchem mit unserem Kenntnisstand vereinbar war. Entsprechend bedauernswert war es, dass wir es im Wintertrimester aufgrund mangelnder Flexibilität in der Terminvergabe unsererseits nicht nutzen konnten.Umso glücklicher waren wir vom Vorstand, dass wir es für dieses Trimester anbieten konnten, wofür wir Hptm Lafrenz herzlich danken möchten.

Mit insgesamt acht Kameraden, darunter einem Reservisten und unseren beiden truppengattungsfremden Kameraden, konnten wir uns unter der Führung von Hptm Lafrenz auf drei „Panzer“ verteilen. Es zeigte sich schnell, dass die Orientierung und vor allem auch das Umsetzen der Befehle des Zugführers nicht so leicht waren, wie man es sich sonst vorstellt. Auch die Einzeltätigkeiten als Fahrer, Ladeschütze und Richtschütze waren nicht zu unterschätzen. So kann schon mal der Motor abgewürgt, falsch gelasert oder die falsche Munitionssorte getastet werden. Dies sorgte dann zunächst für Verwunderung im Panzer und teils für Erheiterung in der Leitungskabine.

Letztlich durften wir aber auch erfahren, dass Panzerabwehrhubschrauber alles andere als ungefährlich sind, womit ein Tag Panzerei letztlich auch zu Ende ging. Auf der Rückfahrt wurde noch lange über die Erlebnisse gesprochen, ich meinte sogar ein kleines bisschen Leidenschaft dabei herausgehört zu haben. Dies schien genau das positive Erlebnis gewesen zu sein, welches die Kameraden gebraucht haben. Leider kam es erst sehr spät und vorerst von recht Wenigen getragen, wie bei den Veranstaltungen zuvor. Ich hoffe dennoch stark, dass die Kameraden mit diesem Erlebnis auch das Interesse bei Anderen wecken werden. Zu diesem Zwecke haben wir bereits begonnen, einen erneuten Besuch in Munster zu planen. Dieser soll voraussichtlich am Ende des Studienjahres stattfinden.

Fazit

Mein Ansatz als Vorsitzender war, das Gesamtangebot zu reduzieren und auf die Interessen und Wünsche der Mitglieder speziell einzugehen. Unter OLt Skwara hatte sich gezeigt, dass auch ein großes Angebot nicht zwingend mehr Kameraden mobilisierte, sondern eher als eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen wurde. In der Tat hat die Reduktion dazu geführt, dass die jetzigen Veranstaltungen als besondere und wertvoller wahrgenommen werden. Demnach wurde auch der Wunsch nach Teilnahme gestärkt, wenngleich wir noch immer offene Kapazitäten hatten.

Weiterhin hatte sich gezeigt, dass vor allem praktische Erlebnisse, wie die Simulatorausbildung, einen hohen Identifikationszuwachs gewährleisten konnten. Die Vorträge waren hierbei vor allem bei den Kameraden von Interesse, die bereits davon überzeugt sind, die richtige Truppengattung gewählt zu haben. Es wäre daher zielführender gewesen, frühzeitiger an der Schaffung von praktischen und vor allem direkten Erfahrungen für die jungen Kameraden zu arbeiten. Nichtsdestotrotz bleibt die Identifikation vor allem mit der Truppengattung eine echte Herausforderung, der wir als Verein und Interessengemeinschaft allein nur schwerlich begegnen können. Der Hauptgrund liegt meines Erachtens an der von der Universität stark begrenzten Ressource Zeit.

Leopard 2
Leopard 2

Der Hauptauftrag ist das Studium ist und all unsere Veranstaltungen beruhen auf freiwilliger Teilnahme.

Wir sind weiterhin seit der Umstellung der Offizierausbildung nicht mehr in der vorteilhaften Lage, noch Mitglieder mit Truppengattungserfahrung unter uns zu haben. Heute müssen erst Grundlagen und Erfahrungen geschaffen werden, die eine Identifikation mit unserer Truppengattung ermöglichen. Dabei muss es begeistern und Spaß machen, da nur so genügend Teilnehmer bei den Angeboten auf freiwilliger Basis mobilisiert werden können.

Eine Erleichterung wäre es, wenn bereits vor Studienbeginn zumindest eine grundlegende Ausbildung am Leopard 2 durchgeführt werden würde. Dies könnte Identifikation durch fundierte Erfahrungen stiften und dem FPU die Umsetzung seiner Ziele erleichtern. Es zeigt sich momentan, dass vor allem die Bereiche der soldatischen Grundfertigkeiten, wie Schießen, Marschieren oder auch alles Infanteristische stark frequentiert werden. Aus meiner Sicht liegt dies vor allem an dem vergleichsweise umfassenden Know-How des „grünen Handwerks“ aller Kameraden. Die Verbindung durch persönliche Erfahrungen über die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Truppengattung von der Pike auf herzustellen, sollte damit solide Priorität in einer Umgestaltung der voruniversitären Offizierausbildung haben.

Autor

Leutnant Philipp Thiele
Leutnant Philipp Thiele

Leutnant Thiele, 1992 geboren, lebt in Braunschweig. 2011 Eintritt bei 2./ OA-Btl Munster. 2012 zuerst ein Jahr an der Universität der Bundeswehr München, danach ab 2013 an der Helmut-Schmidt-Universität, Studium der Geschichtswissenschaften. Derzeit im Master-Studiengang.

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Generalleutnant Jacobson
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