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Mensch und Technologie

2015-06-06 08:50
von Marco Pracht
Band-6

Rolle und Bedeutung von Mensch und Technologie

im Lichte der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Autor: Brigadegeneral Schreiner, Direktor Lehre und Ausbildung Führungsakademie der Bw
Autor: Brigadegeneral Schreiner, Direktor Lehre und Ausbildung Führungsakademie der Bw
BG Schreiner

Vieles spricht dafür, dass wir derzeit Zeugen der Entstehung einer neuen Zivilisation auf unserem Planeten sind.1. Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund eines raschen und immer dynamischer werdenden Wandels, den wir vielfach – und eher oberflächlich – im Kontext der Globalisierung wahrnehmen; zugleich aber gehen damit auch die eher klassischen Problemstellungen einher, die jede für sich, doch besonders im Zusammenwirken mit neuen Herausforderungen einigen Sprengstoff in sich bergen.

In der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts werden wir vor gewaltigen Herausforderungen stehen: Die demographische Entwicklung in den europäischen Staaten, in den benachbarten Regionen sowie im globalen Maßstab mit jeweils unterschiedlichen und sehr gegensätzlichen Ausprägungen, Wanderungsbewegungen und Migrationsdruck, Rohstoff- und Energieknappheit, Finanzkrisen, Verteilung des Wohlstands, die Entwicklung der Staatenwelt, Verlust der Gewaltmonopole der Staaten, zerfallende Staaten und die mögliche Entstehung einer neuen Weltordnung sowie der Klimawandel und globale Umweltprobleme, etc., beeinflussen Sicherheit und Wohlstand der industrialisierten Welt. Sie betreffen uns damit unmittelbar. Humanitäre Katastrophen, Hunger und Unterentwicklung sind nicht mehr nur isolierte Probleme der so genannten Dritten Welt.2 Parallel dazu stehen wir vor neuen Sicherheitsbedrohungen, die von weltweit agierenden Terror-Netzwerken, der Weiterverbreitung von Massenvernichtungsmitteln sowie Bürgerkriegen und Gewalt in unterschiedlichen Krisenregionen ausgehen. Zeitgleich befinden wir uns in einem Übergang von einer Industriegesellschaft in eine Wissensgesellschaft3. Technologie wird in dieser Phase ein signifikanter Treiber für die Zukunft sein.

Im Kern stellt diese Entwicklung deshalb eine Revolution4 dar, " weil der Produktionsfaktor Wissen praktisch unerschöpflich ist, während Boden, Arbeit, Rohstoffe und vielleicht sogar Kapital als begrenzte Ressourcen gelten müssen."5 In kaum noch nachvollziehbarer Geschwindigkeit und in exponentiellem Maße werden Wissen und Information produziert. Die mit der Industriegesellschaft einhergehende Enzyklopädisierung und Explosion des Wissens findet an der Schwelle zur Wissensgesellschaft ihren Ausdruck in der Virtualisierung und Digitalisierung. 6 Die virtuelle Dimension der Infosphäre7 lässt Raum und Zeit an Bedeutung verlieren. Das für die Bewältigung des Daseins erforderliche Wissen und die entsprechenden Informationen stehen grundsätzlich jederzeit und überall zur Verfügung.

Herausforderungen
Herausforderungen

Die Wertschöpfung beruht zunehmend auf der Produktion, Bereitstellung, Sammlung, Auswertung und dem Austausch von Wissen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit entstehen regional und global neue Informations- und Wissensinfrastrukturen mit weitreichenden Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und auch auf das Militär. Information und Wissen entwickeln sich zu eigenständigen Machtfaktoren und strategischen Elementen. Im Kontext der sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entscheiden die effiziente Sammlung und Bereitstellung von Information und Wissen über Erfolg oder Misserfolg künftiger Gesellschaften. Information und Wissen werden Ware und Waffe zugleich sein.

Die einzelnen Elemente dieser komplexen Gesamtentwicklung verlaufen gleichermaßen asynchron und asymmetrisch. Das Erkennen und Analysieren dieser Prozesse erfordert unsere gesamte intellektuelle Kraft; die Fähigkeiten zu holistischem und interdisziplinärem Denken sind mehr denn je gefragt. Um erfolgreich bestehen zu können, sind wir auf moderne Informationstechnologie und die intelligente Nutzung der Cybersphäre angewiesen. Daten und Informationen können jederzeit an nahezu jedem Ort unserer Erde in diesen virtuellen Raum eingestellt, dort verarbeitet und zielgruppenorientiert bereitgestellt werden. Der sogenannte "Cyberwar", der Kampf um Informationshoheit und der Einsatz gezielter Manipulation von Informationen zur Beeinflussung von Systemen und Poltik, ist bereits eine real existierende Bedrohung im virtuellen, jedoch real existierenden Bereich. Noch ist unklar, welche Institutionen in unserem Lande welche Aufgaben zur Verteidigung im Cyberwarfare übernehmen. Unklar ist auch, mit welchen Strategien, Operationsformen und Taktiken, mit welchen Technologien und Techniken dieser Bedrohung begegnet werden kann. Wir müssen jedoch nüchtern erkennen, dass die Cyberbedrohung bereits tatsächlich existiert und wir gezwungen sein werden, unsere Bilder und Vorstellungswelten von Krieg und Konflikt neu zu denken, neue Strategien zu formen, neue Techniken und Technologien zu erforschen und durch die Weiterentwicklung des internationalen Rechts den Gefahr ungehemmter Machtentfaltung zu begegnen. Wir gestalten diesen rasanten Wandel mit und sind zugleich aber auch Getriebene; Chancen und Risiken liegen hierbei eng beieinander. Wer aussteigt oder aufgibt, wird es aller Voraussicht nach sehr schwer haben, auf diesen Zug jemals wieder aufzuspringen.

Die auf uns zurollende und täglich zunehmende Wissensfülle aber ist es, die zugleich aber letztlich alles Wissen relativiert. Wenn der Philosoph Niklas Luhmann schreibt, dass Wissen aus "veränderungsbereiten", als wahr geltenden, kognitiven Schemata besteht, die den Umweltbezug sozialer und psychischer Systeme steuern8, dann erfordert dies Erfahrungsoffenheit und permanente Enttäuschungsbereitschaft. Wenn Experiment und Innovation treibende Elemente der Informations- und Wissensgesellschaft sind, dann müssen wir den Stress bei den Menschen zur Kenntnis nehmen, die letztlich nur eine Existenz anstreben, in der die Konstanten größer sind, als die Unsicherheiten9. Solches können die Menschen aber nur dann ertragen, wenn sie auf geistigemotionale Fundamente zurückgreifen.

Das bedeutet wiederum, dass Sinngebung und Vertrauen bedeutsamer werden als jemals zuvor. Die intellektuelle menschliche Leistungsfähigkeit wird sich nur unter Zuhilfenahme "intelligenter" Werkzeuge signifikant steigern lassen. Auch dies ist nicht ohne Risiken, denn es ist nicht auszuschließen, dass auch das System Mensch – Maschine außer Kontrolle gerät.10

Gerade an der Schwelle zur Entwicklung fundamental neuer Technologien und Handlungsmuster sind die handelnden Akteure, Ingenieure, Techniker, aber auch die Planer und Organisatoren und vor allem die Verantwortungseliten in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft auf gesellschaftliche Orientierungen angewiesen, weil sie sonst der Faszination des technisch Machbaren erliegen. Wir brauchen daher eine "institutionalisierte Dauerreflexion", wie Helmut Schelsky es formulierte, die technische Entwicklungen kritisch-konstruktiv beobachtet und an ihrer Gestaltung mitwirkt. Auch die Gesellschaft der Zukunft, in der menschliche Akteure und technische Agenten nebeneinander existieren, braucht Aufklärung, damit sie eine gesunde Balance von Mensch und Technik findet. Die Traditionen des Humanismus und unser Menschenbild dürfen daher auf keinen Fall über Bord geworfen werden.

Die Hoffnung, dass man das Computerzeitalter möglichst schnell überwinden und zurück zur computerlosen Zeit gelangen kann, ist eher neoromantischen Gefühlswallungen zuzuordnen und führt im Zeitalter des Wissens und der Information sicherlich in die Irre. Es wird vielmehr ganzheitliches und interdisziplinäres Wissen, erheblicher und breiter Sachverstand benötigt. Politik und Wissenschaft müssen ihre Strukturen in diesem Sinne auf Effizienz und Zukunftsfähigkeit überprüfen. Wir benötigen Weitblick, Zukunfts- und Strategieorientierung und beträchtliche finanzielle Mittel, um diesen Herausforderungen sachgerecht zu begegnen und unsere Handlungsfähigkeit auch in Zukunft sicherzustellen. Relevanter als die Frage, "welchen Einfluss … der Computer auf unsere Gesellschaft" hat, ist – darin ist Joseph Weizenbaum zuzustimmen – die Frage, "welchen Einfluss … die Gesellschaft auf den Computer, seine Entwicklung und seine Bedeutung" hat.11 Bei allem sachlichen und nüchternen Problem- und Risikobewusstsein benötigen wir zur Lösung der Herausforderungen allerdings auch ein hohes Maß an Optimismus und Zuversicht. Die Beschäftigung gerade auch mit geschichtlichen Fragestellungen erhält unter dem Blickwinkel der Zukunft daher ebenfalls eine besondere Bedeutung.

Rolle von Technologie und Technik in der Anfangszeit der Bundeswehr

Während der Aufstellungsphase der Bundeswehr in den 1950er und frühen 1960er Jahren, war die Situation noch relativ eindeutig: Das Wettrüsten um die Vorherrschaft und der Machtkampf zwischen zwei antagonistischen Blöcken im Kalten Krieg führten zu einer raschen Aus- und Aufrüstung durch die amerikanischen Verbündeten. Innerhalb Deutschlands herrschte Aufbruchstimmung, das Wirtschaftswunder war in vollem Gange: Industrie, Infrastruktur sowie Forschung und Technik konnten sich mit amerikanischer Unterstützung rasant entwickeln und schon bald wieder an das internationale Niveau aufschließen.

Doch wie stand es zu jener Zeit um die Rolle von Technik und Technologie in der Bevölkerung? Auch, wenn man sich durchaus für die Eroberung des Weltalls und die friedliche Nutzung der Atomenergie begeisterte ging mit dieser Entwicklung bereits damals auch eine skeptische Haltung gegenüber neuen technischen Errungenschaften und einem möglichen Kontrollverlust einher. Der Philosoph und Soziologe Arnold Gehlen stellte bereits 1957 fest, dass " … unsere Gesellschaft die innere Auseinandersetzung mit den tiefgreifenden Veränderungen in ihr selbst, wie sie im Zuge der Industrialisierung vor sich gingen, noch nicht beendet hat. In unserer Öffentlichkeit sind angstvolle Vorstellungen vom Ameisenstaat der Zukunft, von Vermassung und drahtloser Lenkung der Gehirne, vom Verlust der Person und vom Verfall der Kultur weit verbreitet, und dabei verweist man die Technik gern in die Rolle des Angeklagten."12

Wo stehen wir heute?

Im Jahr 2009 bezeichnete das amerikanische Magazin "Newsweek" Deutschland als das "technikfeindlichste und fortschrittspessimisitischste" Land in der westlichen Zivilisation. Skepsis gegenüber Atomkraft, Gentechnik, Stammzellenforschung, Chemieangst und Mobilfunkfurcht seien nirgends so ausgeprägt wie in Deutschland. Auf der anderen Seite sind wir geradezu technikeuphorisch, wenn es um Konsumund Alltagstechnik oder Technik am Arbeitsplatz geht. Erstaunlicherweise spielen Lebensalter, Bildung oder Herkunft dabei eine eher untergeordnete Rolle.13 Die diesbezüglichen Befunde scheinen eindeutig zu sein. Industriezweige wie die Atom- oder Rüstungsindustrie können sich nur durch internationale Geschäftspartner halten und werden gleichzeitig in Deutschland zum Politikum. In der Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima steht der Ausstieg aus der Kernenergie seit 2011 ganz weit oben auf der Agenda der Bundesregierung.

Nicht zuletzt aufgrund humanistischethischer Traditionen wird sich die Stammzellenforschung aus Deutschland in andere Staaten verlagern. Doch wie steht es um Technologie in der Bundeswehr? Der Bericht der Strukturkommission der Bundeswehr vom Oktober 2010 bewegt sich auf einem hohen Abstraktionsniveau: "Technologische Innovation und die Digitalisierung der Welt revolutionieren die Kampftechnik. Neue Optionen der Aufklärung, der Digitalisierung und Virtualisierung verändern das Gefechtsfeld." Weil die Technik sich rasant ändert und eine zunehmende Ressourcenknappheit nach strenger Haushaltsdisziplin verlangt, wird die Bundeswehr gemeinsam mit der Rüstungsindustrie nach neuen Formen und Wegen der Zusammenarbeit suchen müssen, um im internationalen Vergleich Schritt halten zu können.

Die entscheidende Frage wird daher sein, wie wir in der Bundeswehr künftig mit der rasanten technologischen Entwicklung umgehen, um auch zukünftig unsere Fähigkeitsprofile national aber auch im Staaten- und Bündnisverbund mit unseren Partner bei der Auftragserfüllung in zunehmend komplexen Einsatzszenarien bestmöglich zur Geltung bringen zu können.

Verhältnis Mensch - Technik

Der amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt hat es auf den Punkt gebracht, wenn er schreibt: "Es hängt vom Menschen ab, ob er die Technologie beherrscht oder sie ihn…!" Technologischer Fortschritt geht Hand in Hand mit zunehmender Komplexität. Dieser Fortschritt wirkt sich allerdings nur dann aus, wenn es gelingt, die Komplexität in den Griff zu bekommen. Dies führt zwangsläufig zu der Frage nach der Rolle und Bedeutung des Menschen bei dieser Entwicklung.

Im Zeitalter des Internets, der Roboter und der Maschinen besteht die Gefahr, dass der Mensch mehr und mehr als Fehlerquelle identifiziert und als Entscheider aus technischen Systemen und Prozessen verdrängt wird. Der Soziologe Johannes Weyer hat dazu in einem Essay in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bereits am 01. September 2005 ausgeführt: "Das überzogene Streben nach Optimierung, nach Perfektion, nach totaler Sicherheit beschert Systemarchitekturen, die mit modernsten elektronischen Mitteln einem Kontroll- Paradigma folgen, das tendenziell den menschlichen Entscheider überflüssig macht und damit dessen Fähigkeiten zum Management aushöhlt." Paradoxerweise werden so neue Unsicherheiten geschaffen. Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft kann nach meinem Dafürhalten jedoch nicht darin bestehen, ständig neues Wissen zugenerieren und die Gesellschaft damit zu konfrontieren. Vielmehr sollte ihre Aufgabe darin bestehen, Lernfähigkeit von Individuen und Organisationen zu erhalten, also Technik und Technologien zu entwickeln, die nutzer- und fehlerfreundlich sind. Eine besondere Problematik ist dabei, dass "die zunehmende Nutzung von Information und Wissen ... die verstärkte Einbeziehung virtueller Aspekte in unserer traditionellen Kultur (ermöglicht). Dabei entsteht ein zusätzlicher virtueller Interaktionsraum mit geschäftlichen und sozialen Anwendungen, der natürlich auch Konfliktraum werden kann."14 Die entscheidende Herausforderung wird es also sein, als Mensch die Kontrolle über Entscheidungen zu behalten und in kritische Prozesse eingreifen zu können.

Konsequenzen für unsere künftige Personalgewinnung

Weil davon auszugehen ist, dass mit dieser Entwicklung auch ein neuer Typus des "Wissenssoldaten" entstehen wird, also "Intellektuelle mit und ohne Uniform, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, dass mit Hilfe von Wissen Kriege gewonnen oder verhindert werden können",15 müssen wir uns in den Streitkräften intensiv mit den Anforderungen der Wissensgesellschaft auseinandersetzen. Wir werden also Vordenker benötigen, die einzelne Komponenten wissensbasierter Strukturen herausarbeiten und miteinander vernetzen können. Dazu benötigen wir gleichermaßen sowohl hervorragend ausgebildete Spezialisten als auch Generalisten mit Weitblick und interdisziplinär denkende Akteure, die komplizierte Wechselbeziehungen analysieren und auf dieser Basis Wissensmodelle und -strategien entwerfen. Künftig wird es folglich noch wichtiger sein, dass ‚der richtige Mann/die richtige Frau' mit der geforderten Ausbildung zum gewünschten Zeitpunkt am vorgesehenen Platz zum Einsatz kommt. Dabei spielt vor allem eine talentbasierte Personalauswahl eine entscheidende Rolle. Politisches, gesellschaftliches, wirtschaftliches und militärisches Denken und Handeln für das 21. Jahrhundert muss diesem Anspruch gerecht werden. In der Konsequenz bedeutet das, wie US-General David. H. Petraeus treffend feststellte: "The most powerful tool any soldier carries is not his weapon but his mind".16

Gestern, heute und besonders morgen benötig(t)en wir ein hohes Maß an Professionalität. Die militärische Professionalität in einem zunehmend internationalen und komplexen Einsatzumfeld umfasst dabei neben dem handwerklichen Können insbesondere ein erhöhtes Maß an Bildung und Ausbildung, um diesen Herausforderungen sachgerecht begegnen zu können. Beide Elemente befinden sich in einem gewaltigen Veränderungsprozess.

In zunehmendem Maße sind eine zielorientierte und lebenslange Ausbildung und Bildung integraler Bestandteil der militärischen Professionalität. Hinzu kommen eine dramatische Verkürzung der Halbwertszeit von Wissen, die heute schon gelebte Bundeswehr- und Teilstreitkräftegemeinsamkeit sowie das ganze Spektrum des ressortübergreifenden Handelns im Sinne der vernetzen Sicherheit: Diese Ausgangssituation in Verbindung mit den dynamischen Entwicklungen im Bildungswesen und den komplexen Ausbildungserfordernissen in der Bundeswehr sind Anlass genug, um über die Einrichtung einer zweiten Bildungskommission nachzudenken. Diese Kommission könnte zum Beispiel diskutieren, ob nicht die Einrichtung einer ressort-übergreifenden Akademie für Nationale Sicherheit ein geeignetes Instrument wäre, um dem Ansatz des Comprehensive Approach und den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Partner und Akteure der Sicherheitspolitik gerecht zu werden.

Die demografische Entwicklung in Deutschland macht es uns auf der Suche nach den richtigen Köpfen auch nicht einfacher. Im Gegenteil: Schon jetzt macht sich ein Paradigmenwechsel auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Der Kampf um Arbeitsplätze wird zum Kampf um Arbeitskräfte. Das bedeutet, dass den Maßnahmen der Personalgewinnung und der Attraktivität des Soldatenberufs als kritische Faktoren begriffen und diesem eine signifikant erhöhte Aufmerksamkeit als bisher beigemessen werden muss. Sowohl bundeswehrgemeinsam aber auch im Wettstreit mit der Wirtschaft im Wettbewerb um diese Köpfe müssen wir nach neuen Wegen und Instrumenten suchen, um aus Konkurrenten Kooperationspartner in Ausbildung und Führungskräfteentwicklung zu machen; und dies im gemeinsamen Verständnis für den Erhalt unseres Wohlstands im globalisierten Markt, als dessen unabdingbare Voraussetzung jedoch auch die Sicherstellung von Frieden und Sicherheit für unsere Bürger.

Ausblick

Trotz aller anstehenden Veränderungen können und müssen wir dennoch zuversichtlich in die Zukunft blicken; gerade im Militär sind wir es gewohnt, in Worst-Case-Szenarien zu denken und auf alles Denkbare vorbereitet zu sein. In Zukunft wird es jedoch noch mehr von Bedeutung sein, auch in den Kategorien der "unknown unknowns" denken zu können. Diese Fähigkeit müssen wir vor allen Dingen unserem angehenden Führungsnachwuchs von Beginn der Ausbildung an vermitteln und diese jungen Menschen zu kritisch hinterfragenden aber auch ganzheitlich, kreativ und innovativ Denken- und Handelnden Soldaten heranreifen zu lassen. Nur so können wir flexibel und angemessen die vor uns liegenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfolgreich bewältigen.

Ein amerikanisches Sprichwort lautet:

Zukunft ist die Zeit, in der du bereust, dass du das, was du heute tun kannst, nicht getan hast

Streitkräfte der Zukunft
Streitkräfte der Zukunft

Maximen sollten unser tägliches Denken und Handeln lenken und leiten.

  1. Vgl Toffler, Alvin und Heidi Überleben im 21. Jahrhundert. Stuttgart 1994, S. 339. 
  2. Vgl. dazu Steingart, Gabor: Weltkrieg um Wohlstand. Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden. 3. Aufl. München 2006. 
  3. Vielfach mit geringer Trennschärfe, manchmal auch konkurrierend als Bildungs-, Informations-, Kommunikations- oder Mediengesellschaft bezeichnet. 
  4. Vgl. dazu Singer, P. W.: Wired for War. The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century. New York 2010. 
  5. Toffler, Überleben.(wie Anm. 1), S. 88. 
  6. Die ersten modernen, durch Vielzahl von Spezialisten verfassten Enzyklopädien wurden im späten 18. Jahrhundert veröffentlicht. Die nachhaltige Wirkung der Wissensgesellschafte ist auch daran zu erkennen, dass der Brockhaus-Verlag im Anfang 2008 verkündete, dass es voraussichtlich keine weitere gedruckte Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie geben werde. Künftig wird dieses Werk voraussichtlich nur noch in ständig aktualisierter Form im Internet verfügbar sein. 
  7. Vgl. dazu Becker, Konrad u. a.: Die Politik der Infosphäre. World-Information.Org., Bonn 2002. 
  8. Vgl. dazu Luhmann, Niklas: Die Soziologie des Wissens. Probleme ihrer theoretischen Konstruktion. In: Gesellschaftsstruktur und Semantik, Bd. 4, Frankfurt a. M. 1995, S. 189 ff. 
  9. Vgl. dazu Gertrud Höhler: Die Sinn- Macher. Wer siegen will muss führen, München 2004, S. 33 ff 
  10. Vgl. Kurzweil, Ray: The Age of Spiritual Machines. When Computers exceed Human Intelligence, London 2000. S. 279. In seiner "Time-Line" prophezeit der Autor für 2019 die Aufnahme von Beziehungen zwischen "automated personalities" und Menschen. 
  11. Weizenbaum, Joseph: Inseln der Vernunft im Cyberstrom. Auswege aus der programmierten Gesellschaft, Freiburg im Breisgau/Bonn 2006. S. 8. 
  12. Gehlen, Arnold Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme in der industriellen Gesellschaft, Rheinbek 1957 
  13. Prof. Dr. Ortwin Renn, www.heise.de Technology Review "Sind wir technikfeindlich?" (30.04.2010). 
  14. Thiele, Ralph: Gerhard von Scharnhorst. Zur Identität der Bundeswehr in der Transformation. Bonn 2006. S. 158 15
  15. Toffler, Überleben (wie Anm. 1), S. 199. 
  16. Petraeus, David H.: To Ph. D. or Not to Ph. D. In: American Interest Vol II, No 6, July/August 2007, S.16. 
  17. Rumsfeld, Donald: Pressekonferenz DoD News Briefing 002

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