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Nachruf GenMaj a.D. Beckmann

2018-11-20 17:11
von Marco Pracht
Band-7

Kameraden und Kameradinnen, liebe Freunde der deutschen Panzertruppe, am 5. Februar verstarb Generalmajor a.D. Heinrich Felix Beckmann im Alter von 92 Jahren. Mit ihm haben wir nicht nur einen guten Kameraden und Freund der Panzertruppe verloren, sondern auch den Gründer und langjährigen Vorsitzenden unseres Freundeskreises. Bei der Trauerfeier in Münster am 16. Februar hat unser ehemaliger Vorsitzender, Generalmajor a.D. Brand, den Nachruf gesprochen. Gerne füge ich seine Worte bei, sie beschreiben umfassend das Leben und Wirken von General Beckmann. Wie ich aus der Danksagung der Familie entnehmen konnte, haben seine Worte gerade auch bei den Angehörigen große Anerkennung gefunden. Wie kein anderer repräsentierte General Beckmann den Gedanken der Brücke zwischen den Generationen in unserem Freundeskreis. Sein Leben war geprägt vom Dienen und von der Pflichterfüllung, er war und bleibt ein Vorbild für uns alle.

Für unsere Truppengattung hat er über den größten Teil seines langen Lebens herausragendes geleistet. Seine Wertvorstellungen, sein Organisationstalent und sein Verantwortungsbewusstsein waren beispielgebend für die nachfolgenden Generationen von Panzersoldaten. An der Entwicklung der Truppengattung hat er bis in die letzten Tagen regen Anteil genommen, nicht immer ohne sorgenvollen Blick und mahnendes Wort.

Als Gründungsvater und Ehrenvorsitzender unseres Freundeskreises hat er sich um uns alle, um unsere Truppengattung und um das Heer verdient gemacht. Mit scharfem Blick für das Wesentliche, klarer Sprache und panzertypischem Vorwärtsdrang hat er die Geschicke des Freundeskreises bis in die letzten Tage maßgeblich begleitet und gelenkt. Wir haben mit ihm eine gewichtige Stimme verloren.

Unsere Gedanken sind bei seinen lieben Angehörigen. Die Danksagung im Namen der Familie für die Anteilnahme und den Kranz des Freundeskreises gebe ich auf diesem Wege gerne an Sie alle weiter. Lassen Sie uns gemeinsam General Beckmann ein ehrendes Andenken bewahren. Ich verneige mich vor ihm im stillen Gebet.

Carsten Jacobson Generalleutnant

Nachruf für Generalmajor a. D. Heinrich Felix Beckmann

Rede bei der Trauerfeier am 16. Februar in Münster-Handorf, gehalten von Generalmajor a.D. Dieter Brand, Vorsitzender des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe von 2002 bis 2010.

Anrede

Wir nehmen heute Abschied von Generalmajor Heinrich Felix Beckmann, dem Gründer und langjährigen Vorsitzenden des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe, und mir als einem seiner Nachfolger in diesem Amte fällt die Ehre zu, die Worte zum Abschied zu finden und seinen Dienst für unser Land und sein Wirken für das Deutsche Heer und die Panzertruppe zu würdigen.

Der Verlust von General Beckmann wiegt besonders schwer

Er gehörte zu der Generation, die noch im Zweiten Weltkrieg als junge Offiziere gekämpft hatten und die dann 1956 mit Aufstellung der Bundeswehr sich entschieden, wieder den Beruf des Soldaten zu ergreifen. Von ihnen sind nur noch ganz wenige unter uns, und alle in hohem Alter – um so schmerzlicher ist jeder einzelne Verlust. Wesentlich war, daß diese Offiziere von den Erlebnissen und Erfahrungen im Einsatz geprägt waren und mit dieser Prägung an ihre Aufgaben in Erziehung und Ausbildung der jungen Soldaten der Bundeswehr herangingen. General Beckmann war weit entfernt von jeglicher Sympathie für das damalige Nationalsozialistische Regime. Er war vielmehr von dem Wert einer festgefügten soldatischen Gemeinschaft überzeugt – und in dieser Überzeugung wollte er am Aufbau der neuen deutschen Streitkräfte mitwirken.

Viele dieser ehemaligen Wehrmachtsoffiziere hatten nach dem Kriege zunächst eine zivilberufliche Ausbildung durchlaufen und hatten häufig schon eine erfolgreiche Laufbahn in der Wirtschaft begonnen, so wie es auch bei General Beckmann der Fall war. Er fühlte sich aber dem Beruf des Offiziers so verbunden, dass er sich wieder für den Dienst in der Armee entschied.

Wir jungen Soldaten – und ich gehöre zu der Generation, die 1960 als Offizierbewerber in die Bundeswehr eintraten – lernten von diesen kriegserfahrenen Offizieren, welche unveräußerlichen Werte die Qualität einer Armee bestimmen. Sie wussten, dass – wie es schon in der Himmeroder Denkschrift steht, gewissermaßen dem Gründungsdokument der Bundeswehr – dass „ ebenso wichtig wie die Ausbildung des Soldaten seine Charakterbildung und Erziehung ist“. Ausbildung – das hieß Beherrschen der Waffensysteme, aber ebenso das Beherrschen von Führung auf den verschiedenen Ebenen, also umfassende Professionalität.

Charakterbildung und Erziehung hieß: Pflichtbewußtsein – Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – das Einstehen füreinander, Kameradschaft – aber auch Führungswille, besonders als junge Führer in der Truppe – aber ebenso unermüdliche Fürsorge für die Untergebenen, die persönliche Zuwendung – das Kümmern um die Truppe – und vor allem die Bereitschaft zum tapferen Kämpfen, wie es der Eid verlangte. Dieses haben wir übernommen, so gut es in unserem Vermögen stand, so wurden wir geprägt – und das hat uns untrennbar mit dieser Gründergeneration verbunden. Freilich hatte nicht jeder der Offiziere der Kriegsgeneration die Befähigung, in dem dargestellten Sinne zu wirken. Aber General Beckmann hatte sie, er hat die soldatischen Tugenden in besonderem Maße gelebt und sein Wirken in der Armee daran ausgerichtet. Er war in allen seinen Verwendungen eine selbstbewußte, eigenständige Persönlichkeit, die ihr Wirken an dem traditionellen Verständnis der Freiheit in der Gebundenheit des Dienstes – oder der Freiheit im Gehorsam – ausrichtete. Gehorsam gegenüber einem Staat, der das Recht und die Freiheit seiner Bürger garantierte und der für die Einigkeit der Nation stand. Davon war General Beckmann zutiefst überzeugt. Hinzu kam seine persönliche Bescheidenheit, das völlig unprätentiöse Auftreten, seine Glaubwürdigkeit und seine hohe Verläßlichkeit. Ja, man konnte sich auf ihn verlassen.

General Beckmann trat nach kurzer Dienstzeit im Reichsarbeitsdienst im Juli 1943 als Offizierbewerber in die Panzertruppe der Wehrmacht ein. Nach der Ausbildung in verschiedenen Einrichtungen wurde er in die neu aufgestellte Panzerabteilung 8 versetzt. Ab Mitte 1944 im Rahmen der 20. Panzergrenadierdivision an der Ostfront eingesetzt, erlebte er als Fahnenjunker und Panzerkommandant die großen operativen Niederlagen dieses Kriegsjahres und die folgenden Rückzugsgefechte. Prägend für ihn war aus dieser Zeit die Erfahrung der erfolgreichen Bewährung der kleinen Kampfgemeinschaften im Gefecht. Er blieb an der Ostfront im Einsatz bis zu den Kämpfen um die Seelower Höhen. Das Ende des Krieges erlebte er, zum Leutnant befördert, als Kompanieführer im Raum Schweinfurt.

Für seine Tapferkeit vor dem Feind wurde er mit dem Panzerkampfabzeichen und beiden Stufen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft begann er dann – wie erwähnt – die zivilberufliche Ausbildung.

Gleich bei Aufstellung der ersten Verbände trat General Beckmann im Oktober 1956 mit dem Dienstgrad Oberleutnant in die Bundeswehr bei dem Panzerbataillon 3 in Hamburg ein und wurde zunächst als Zugführer eingesetzt. Es folgte bald die Verwendung als Kompaniechef in diesem Bataillon, danach die Verwendung im Stab der PzGren Brig 17 als S3 Offizier. Hier war er 1962 bei der Sturmflut in Hamburg maßgeblich an der Organisation der Hilfsmaßnahmen beteiligt. Er wurde für die Generalstabsausbildung ausgewählt, und nach dem entsprechenden Lehrgang an der Führungsakademie folgten Verwendungen im Truppengeneralstabsdienst, u.a. als G3 der Panzerbrigade 21 in Augustdorf. Am 1. 10.1968 wurde er Kommandeur des Panzerbataillon 194 hier in Münster-Handorf, sicher eine seiner Wunschverwendungen. Er führte das Bataillon zwei Jahre von 1968 bis 70.

Danach folgten Verwendungen im Generalstabsdienst als Gruppenleiter im Heeresamt in Köln, als Chef des Stabes der 3. Panzerdivision, als Referatsleiter im Ministerium. Dort wurde er 1977 mit Beförderung zum Brigadegeneral Stabsabteilungsleiter für Organistion im Führungsstab des Heeres. Im Jahr 1980 wechselte er dann mit Beförderung zum Generalmajor in seine letzte Verwendung als Stellvertretender Amtschef und Chef des Stabes des Heeresamtes in Köln. Ende März 1986 beendete General Beckmann den aktiven Dienst. Für seine Verdienste wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet.

General Beckmann fühlte sich immer seiner Truppengattung, der Panzertruppe, eng verbunden, sowohl was Fragen der konzeptionellen und organisatorischen Entwicklung angeht als auch dem, was man als Geist der Truppe bezeichnet hat.

In einer Rede zum 25-jährigen Bestehen des Freundeskreises führte General Beckmann aus, daß „gerade die kriegsgediente Generation Korpsgeist und Waffenstolz“ mit in diese unsere Truppengattung, die Panzertruppe, gebracht hat. Allerdings sah er diese Werte durch die vielen Strukturveränderungen, die die Verbände über sich ergehen lassen mußten, stark gefährdet. Er beobachtete besonders in seinen letzten Verwendungen, daß insbesondere die Offiziere aufgrund der häufigen Versetzungen kaum die Möglichkeit hatten, ein enges Verhältnis zu einem Bataillon als „soldatische Heimat“ zu entwickeln. Ebenso verloren die inzwischen ausgeschiedenen oder kurz vor dem Dienstende stehenden kriegsgedienten Offiziere den Kontakt zur Truppe, weil sie keine soldatische Heimat gefunden hatten.

Das alles war Motivation für General Beckmann, einen Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe ins Leben zu rufen. Dieser Freundeskreis sollte eine Brückenfunktion wahrnehmen zwischen den Generationen und zwischen den Ehemaligen und Aktiven. Dadurch sollte der Zusammenhalt in der Truppengattung gefördert und die Pflege der Kameradschaft ermöglicht werden. General Beckmann stieß mit diesen Gedanken bei der höheren Heeresführung keineswegs auf große Gegenliebe – heute würde man vermutlich von „political correctness“ reden, wonach ja jegliche gedankliche Verbindung zur Wehrmacht geradezu verdächtig ist. Aber General Beckmann ließ sich nicht beirren, zumal er in unserer Truppengattung auf große Zustimmung traf. Also rief er 1986 zur Gründung des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe auf.

Die Gründung erfolgte dann 1987, und General Beckmann übernahm das Amt des Vorsitzenden. Er ist also der Gründungsvater unseres Freundeskreises, und hat diesen Freundeskreis in den folgenden Jahren zu einer festen Institution aufgebaut. Deshalb haben wir ihn , als er den Vorsitz nach sieben Jahren 1994 an den inzwischen verstorbenen Generalleutnant Harald Schulz abgab, mit dem Amt des Ehrenvorsitzenden gewürdigt.

General Beckmann hat immer enge Verbindung zur Führung des Freundeskreises gehalten, bis die häusliche Pflege seiner Ehefrau eine längere Abwesenheit von zu Hause ausschloß und auch die gesundheitliche Verfassung die aufwendigen Reisen aus dem Münsterland in das ferne Munster in der Lüneburger Heide nicht mehr zuließen. Es war ihm bis dahin eine selbstverständliche Pflicht, an allen Vorstandssitzungen teilzunehmen und uns Nachfolger im Amte mit sachkundigem Rat zur Seite zu stehen. Er nahm regelmäßig an den Treffen der gepanzerten Kampftruppen in Munster teil ( - wohin Sie, verehrte Frau Beckmann, ihn ebenso regelmäßig begleitet haben.) Das Treffen mit ehemaligen Kameraden aus der Wehrmacht, dann später mit den Kameraden, mit denen er den Weg in der Bundeswehr gemacht hat und dann mit den Jüngeren, die unter ihm herangewachsen waren, diese Treffen haben ihm viel bedeutet.

General Beckmann war eine Autorität auf dem Gebiet der Konzeptions- und Organisationsgeschichte des Heeres und insbesondere der Panzertruppe. Er hat dazu viele Arbeiten veröffentlicht, und sein Beitrag über die strukturelle Entwicklung der Panzertruppe in unserem Jubiläumsband zum 50jährigen Bestehen der Panzertruppe der Bundeswehr ist ein unverzichtbares Dokument für jeden, der sich mit unserer Truppengattung beschäftigt.

Wir verlieren mit General Beckmann einen hochgeschätzten und engagierten Offizier unserer Truppengattung – und einen guten Kameraden. General Beckmann hat sich um die Bundesrepublik Deutschland, um das deutsche Heer, die Panzertruppe und um den Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe verdient gemacht. Wir sind ihm zu tiefem Dank verpflichtet.

Der Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe e.V. wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

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Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender