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Symposium 2006 in Munster

2015-04-22 20:30
von Marco Pracht
2006

von Generalmajor a.D. Dieter Brand

Am 23. und 24. März führten der Freundeskreis der Panzergrenadiere und der Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe ihr viertes gemeinsames Synposium durch. Wie immer konnten sich die Freundeskreise auf die Gastfreundschaft der Panzertruppenschule abstützen, die das Auditorium im Seydlitzhaus zur Verfügung gestellt hatte. Das Symposium war mit einer großen Zahl von Gästen besonders auch der jüngeren Generationen sehr gut besucht. Nach dem zwischen den Freundeskreisen abgesprochenen Rotationsverfahren war es dieses Jahr die Aufgabe der "Panzer", das Symposium zu organisieren.

Dieses mußte sich jedoch auf die inhaltlich-programmatische Gestaltung und die Absprache mit den Referenten beschränken. Für den organisatorischen Teil war der Freundeskreis nicht handlungsfähig, da ihm durch Umorganisation der Panzertruppenschule sowie Kommandierungen in den Einsatz das Personal der Geschäftsstelle gewissermaßen abhanden gekommen war. Die Panzergrenadiere sprangen für den organisatorischen Teil ein – wie selbstverständlich und im Bewußtsein bewährter wechselseitiger Unterstützung in anderen Zusammenhängen.

Der Vorstand des Freundeskreises hatte – in Abstimmung mit dem Vorstand des Freundeskreises der Panzergrenadiere – das Thema "Aktuelle Fragen zur Führung des Heeres" gewählt. Nachdem die Symposien 2004 und 2005 sich vornehmlich den Visionen für die Zukunft zugewandt hatten mit den Schwerpunkten "Network Centric Warfare – vernetzte Operationsführung" und "Transformation", sollte das diesjährige Symposium die Fragen beantworten "Wo steht das Heer und wo stehen unsere Truppengattungen Panzer und Panzergrenadiere heute ? Wie ist der gegenwärtige Stand und damit die Ausgangslage für den Weg in die Zukunft ? Was sind die aktuellen Probleme ?"

Der Gedanke, vielleicht das ganze Symposium im 50zigsten Jahr des Bestehens der Truppengattungen der Panzer und Panzergrenadiere diesem Jubiläum zu widmem, war zunächst erwogen, dann aber zurückgestellt worden wegen der Vielzahl anderer Veranstaltungen zu diesem Anlaß. Aber natürlich mußte und sollte ein Symposium beider Freundeskreise diesem Jubiläum einen gebührenden Rang einräumen.

Daher wurde das Thema

"50 Jahre Panzer und Panzergrenadiere – ein kurzer Rückblick"

im ersten Block vorangestellt. Daneben nutzte der Vorsitzende des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe in seiner Begrüßung die Gelegenheit, kurz das Buch "50 Jahre Panzertruppe der Bundeswehr" vorzustellen, das pünktlich zum Geburtstag am 3. April erschienen ist.

Der Blick auf 50 Jahre des Bestehens unserer Truppengattungen sollte nach den Vorstellungen der Organisatoren bewußt aus verschiedenen Perspektiven erfolgen, sowohl aus der der Gründergeneration als auch der eines heutigen Führers, für den ein großer Teil der 50 Jahre ja schon Geschichte ist. Generalmajor a.D. Heinrich-Felix Beckmann begann mit dem "Rückblick auf 50 Jahre Panzertruppen aus der Perspektive der Gründergeneration". Im Kriege Leutnant und Kompanieführer, trat er 1956 als Oberleutnant in die Bundeswehr ein und beendete seine Laufbahn am 31. März 1986 als Generalmajor. In wesentlichen Stationen seiner Laufbahn war er mit dem Aufbau und der Organsation des Heeres sowie der Führung gepanzerter Verbände betraut, so daß Generalmajor a.D. Beckmann einen umfassenden Überblick zu seinem Thema geben konnte.

Oberstleutnant Rohrschneider mit Oberstleutnant a.D. Kollewe
Oberstleutnant Rohrschneider mit Oberstleutnant a.D. Kollewe

Ihm folgte Oberstleutnant Kai Rohrschneider, Kommandeur des Panzerbataillons 393, mit Gedanken zu "50 Jahre Panzertruppe aus der Sicht heutiger Führer". Oberstleutnant Rohrschneider war 1983 in die Panzertruppe eingetreten, ohne, wie er bekannte, eine Vorstellung davon zu haben, was die Panzertruppe eigentlich darstellt und der Dienst in ihr bedeutet. Mit sehr hintersinnigen Gedankenführungen fesselte er ein gespanntes Publikum und ließ es teilhaben an seinem Weg bis zum Bataillonskommandeur und schilderte seine Erlebnissen und Erfahrungen, die seine heutige Identität als Panzeroffizier begründeten. Beide Beiträge sind nachstehend in dieser Ausgabe veröffentlicht.

Zum Höhepunkt der gesamten Veranstaltung schlechthin entwickelte sich der Vortrag des Befehlshabers des Heeresführungskommandos, Generalleutnant Otto, zum Thema "Aktuelle Fragen zur Führung des Heeres". Nach einem knappen Jahr in dieser Verwendung zog er in einer beeindruckenden Offenheit Bilanz und erläuterte seine Aussagen mit einer Vielzahl von Beispielen für die tägliche Lage der Verbände des Heeres. Sein Bericht läßt sich zu zwei großen Komplexen zusammenfassen: Erstens - Das Heer im Einsatz: Hochmotiviert, gut ausgebildet, gut ausgerüstet, gut geführt. Es braucht keinen Vergleich mit anderen Nationen zu scheuen, es erfreut sich höchsten Ansehens bei der Bevölkerung in den Einsatzgebieten Die Heeresführung kann sich durch die Ergebnisse im Einsatz in allen Maßnahmen, die für die Vorbereitung der Truppe für den Einsatz getroffen werden, bestätigt sehen. Die Truppe ist gut und erfüllt ihren Auftrag in hervorragender Weise !

In der ersten Reihe
In der ersten Reihe

Zweitens – Das Heer zu Hause in den Garnisonen: Durch zunehmende Zentralisierung der Aufgabenfelder, die früher in die Führungsverantwortung der Kommandeure fielen, geht mehr und mehr Gestaltungsmöglichkeit verloren. "Führung" zeigt sich immer weniger als die Herausforderung, verfügbare Mittel mit dem gegebenen Auftrag in Einklang zu bringen, sondern entwickelt sich zunehmend zur Administration in weitgehender Abhängigkeit von anderen Organisationsbereichen. Diese Entwicklungen haben natürlich Auswirkungen auf das Führungserlebnis und Führungsverständnis: Auftragstaktik, das hohe Gut deutscher Führungstradition, scheint in ernster Gefahr.

Stets gute Beteiligung an den Symposien der Freundeskreise
Stets gute Beteiligung

Der Verfasser schiebt hier ein, daß diese Erscheinung allerdings nicht neu ist im Heer. Schon die "de Maiziere-Kommission" der frühen 70er Jahre zeichnete diese Gefahren auf, und das Thema hat das Heer in seinem Dienst in den Garnisonen seither begleitet. Doch diese Anmerkung sollte nicht dazu verleiten zu sagen, daß man dieses Lied schon kenne und damit zur Tagesordnung übergehen könne. Denn irgendwann könnte eine Linie überschritten sein, jenseits derer bewährte Führungstradition verlorengegangen sein wird. Zumindest muß in diesem Zusammenhang erwähnt werden, daß es ein Irrglaube ist anzunehmen, man könne das Verhalten nachwachsender Führer durch Umlegen eines Hebels im Gehirn in einer Minute zur anderen von Administration in den Garnisonen auf Auftragstaktik im Einsatz umstellen. Auftragstaktik setzt ständige Erziehung in einem entsprechenden Umfeld voraus.

Symposium 2006
Symposium 2006

Der zweite Aspekt, den der Befehlshaber herausstellte, war die Tatsache, daß die Durchführung der Einsätze mehr und mehr von den immer geringer werdenden Kräften der Divisionen zu leisten ist, während andere Organisationsbereiche in geringerem Umfang in Anspruch genommen werden. Dadurch würde der Leistungsdruck auf die wenigen Verbände des Heeres immer größer. Die Beobachtungen des Befehlshabers wurden durch die Kommentierung eines jungen Führers bestätigt: "Wir kommen nicht mehr dazu, Zeit, Mittel und Auftrag in Einklang zu bringen. Wir tun das Möglichste, den nächsten Auftrag vorzubereiten, und hoffen, das es gut geht."

Das Bild, das der Befehlshaber zeichnete, wird übrigens bestätigt durch ähnliche, mehrfach öffentlich vorgetragene Aussagen des Generalinspekteurs. Dieser spricht von zwei nebeneinander laufenden Antriebsbändern. Das eine Band stellt die Truppe im Einsatz und in der Einsatzvorbereitung dar. Dieses läuft mit hoher Umdrehungsgeschwindigkeit, um die geforderte Leistung zu bringen. Daneben läuft das andere Band – die Masse der Bundeswehr zu Hause in den Stäben und Untertützungsbereichen. Dieses Band läuft gemächlich vor sich hin und rumpelt so wie immer.

Die große Herausforderung an die Führung sei, beide Bänder in eine korrespondierende Geschwindigkeit zu bringen, doch da sei man noch weit von einem Erfolg entfernt. Bei solchem Bild wird deutlich, daß das Wort von der Bundeswehr als der "Armee im Einsatz" nicht mit der ganzen Realität übereinstimmt. Die Einsätze werden von nur wenigen Truppenteilen getragen, die immer wieder "dran" sind, während die Masse von zu Hause administriert und unterstützt.

Das Offizierkorps des Panzerbataillon 203
Das Offizierkorps des Panzerbataillon 203
Das Offizierkorps des Panzerbataillon 203
Das Offizierkorps des Panzerbataillon 203

Nach dem Vortrag des Befehlshabers und der Aussprache zog der Verfasser dieser Zeilen, der in seiner aktiven Laufbahn viele Lagefeststellungen höherer Führer gehört hat, für sich Bilanz: Die Lagefestellung war eindeutig, da war nichts "geschönt", aber auch nichts dramatisiert; die Bewertung fußte auf bewährten Maßstäben; die Ziele für Erziehung und Ausbildung und Führung der Truppe waren klar und richtig - aber die Dinge scheinen sich mit zunehmender Geschwindigkeit in eine andere Richtung zu entwickeln. Die Frage drängt sich also auf, welche Antworten auf diese Entwicklungen zu geben sind.

Pausengespräche
Pausengespräche

Nach einem harmonischen Herrenabend, der wieder Gelegenheit zum Gespräch mit manchem Kameraden, den man lange nicht gesehen hatte, bot, gab am nächsten Tag der Kommandeur des PzGrenLBtl 92, Oberstleutnant Heisner, einen Bericht zum Thema "Aufbau und Ausbildung der Eingreifkräfte", dargestellt am Beispiel seines Bataillons. Dieses soll zum 1. Oktober 2007 einen klar definierten Status der Einsatzfähigkeit erreicht haben, die "Initial Operational Capability". Diese IOC bedeutet die Befähigung zum Kampf. Der Auftrag und die Planung des Kommandeurs und die besonderen Herausforderungen wurden entsprechend dargestellt.

Pausengespräche
Pausengespräche

Dem Verfasser dieser Zeilen wurde der große Unterschied zu früheren Zeiten deutlich, die einem heutigen Bataillonskommandeur, geschweige denn einem Kompaniechef, nicht mehr vertraut sein können. Früher war das "Herstellen der vollen Einsatzbereitschaft" eine Maßnahme im Rahmen des Alarmsystems und erfaßte das ganze Heer. Auf dieses ausgefeilte System konnte sich ein Bataillonskommandeur abstützen., ausgehend von dem hohen Ausbildungsstand seiner Truppe und der hohen materiellen Einsatzbereitschaft. Darüber hinaus wirkte das System der Mobilmachung, um die vorbereiteten Maßnahmen des Bataillons zur Herstellung der vollen personellen und materiellen Einsatzbereitschaft in die Tat umzusetzen.

Mit Auslösung erster Maßnahmen des Alarmsystems gab es für alle Truppenteile nur noch ein Ziel: volle Einsatzbereitschaft ! Und das ganze System war darauf abgestellt, die Bataillone zu unterstützen ! Heute scheint es so zu sein, daß der Bataillonskommandeur nicht nur allein mit diesem Augftrag dasteht, sondern daß seine Handlungsfreiheit in der Phase der Vorbereitung der Einsatzbereitschaft durch ununterbrochene Eingriffe in die Personalsubstanz des Bataillons zur Abdeckung anderer laufender, und damit konkurierender "Einsätze" behindert wird. Für die Kommandeure bleibt zu hoffen, daß ihnen auf diesem Felde bald entsprechende maßgeschneiderte Unterstützung zur Herstellung der "IOC" der Eingreifverbände geboten wird.

Oberstlt.a.D. Detleffsen und Oberstlt.a.D. Everling sind stets dabei
Immer dabei

In dem folgenden Vortrag gab der Leiter Abteilung I "Heeresentwicklung" im Heeresamt, Brigadegeneral Brüschke, einen Übernblick über den "Stand der vernetzten Operationsführung". Er begann nicht nur mit der ernüchternden Feststellung, daß sich die Ausstattung des normalen Hauptgefechtsstandes einer Brigade nicht wesentlich von dem Aussehen in den 80er Jahren unterscheidet, sondern artikulierte auch mit einigen Schlaglichtern auf die zurückliegende Zeit seine Zweifel, ob die bisherige Entwicklung überall durch die richtigen Fragen mit Blick auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Führung angetrieben worden sei oder nicht vielleicht mehr durch die Faszination an der Technik. Der oft von technischer Seite gehörten Darstellung, nach der die modernen Kommunikationsmittel die Verbindung jedes Soldaten auf dem Gefechtsfeld mit jedem unterstützenden Waffensystem ermögliche, trat er mit der nüchternen Frage entgegen, ob ein solches Netzwerk im Gesamtverständnis von Führung über die verschiedenen Ebenen überhaupt anzustreben sei.

Zur Geschichte der Symposien der Freundeskreise Panzer/ Panzergrenadiere an der Panzertruppenschule

1. Symposium Pz 16.-17.6.2000 Nr.23 Vorwort Schulz Thema:
Bedeutung und Entwicklung der Panzertruppe für das Deutsche Heer
zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
2. Symposium Pz 23.-24.3.2001 Nr.25 Vorwort Schulz Thema:
Neue Struktur „Heer der Zukunft“
3. Symposium Pz 08.-09.3.2002 Nr.27 Vorwort Brand Thema:
Lage und Zukunft der gepanzerten Kampftruppen ( BrigGen. Trull)
4. Symposium Pz 06.- 07.3.2003 Nr.29 Vorwort Brand Thema:
Im Schatten des Irak Krieges
5. Symposium Pz/PzGren 13.-14 5.2004 Nr.31 Vorwort Brand Thema:
Network Centric Warfare, Vernetzte Operationsführung
6. Symposium Pz/PzGren 21.-22.4.2005 Nr.33 Vorwort Brand Thema:
Bundeswehr u. Sicherheit-Veränderte Aufgaben, veränderte Strukturen
7. Symposium Pz/PzGren 23.-24.3.2006 Nr.35 Vorwort Brand Thema:
50 Jahre Panzer und Panzergrenadiere - ein kurzer Rückblick
Herrenabend
Herrenabend

Nach der nun schon guten Tradition bei den Symposien beschloß der Kommmandeur der Panzertruppenschule die Abfolge der Vorträge mit einer kurzen Darstellung der "Panzertruppenschule im Wandel". Diese wird zwar ihren Namen behalten, soll aber in Zukunft das Dach für drei verschieden Einrichtungen des Heeres bilden. Einmal für die Schule für die gepanzerten Kampftruppen Panzer und Panzergrenadiere mit den originären Aufgaben der Führerausbildung. Zum zweiten für eines der drei zukünftigen Offizieranwärter- Bataillone des Heeres. Und drittens für die neu zu bildende Schule der Heeresaufklärungskräfte. Beide Einrichtungen werden in gesonderten Beiträgen vorgestellt. Bei dem Vortrag des zukünftigen Kommandeurs der Schule der Heeresaufklärungskräfte, der die goldgelben Kragenspiegel der Panzeraufklärer trug, wurde deutlich, welche herausragenden Fähigkeiten, die sich jeder Truppenführer immer gewünscht hat, in dieser neuen Heeresaufklärungstruppe zusammengefaßt werden, - aber es fiel kein Wort dazu, daß sich nun eine der traditionsreichsten Truppengattungen des Heeres aus dem Verbund der gepanzerten Kampftruppen abmeldet: Die Panzeraufklärungstruppe.

Zum Schluß übergab der Vorsitzende des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe an den Vorsitzenden des Freundeskreises der Panzergrenadiere, Generalleutnant a.D. Oltmanns, der das diesjährige Symposium mit der Bekanntgabe des nächsten Termins beendete:

Symposium 2007: 22. / 23. März 2007 an der Panzertruppenschule in Munster

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Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender