Hotline: Mo + Mi 08:00 - 13:00 Uhr +49 (0) 5192 / 98 62 81 freundeskreis@panzertruppe.com
Detailansicht

Symposium 2007 in Munster

2015-04-23 09:33
von Redaktion
2007

Sachstand und Ausblick

von Johann Fritsch

Aktuelle militärische Themen und die Entwicklung der Bundeswehr standen im Mittelpunkt des diesjährigen Symposiums im niedersächsischen Munster. Die Veranstaltung der Freundeskreise der Panzergrenadiertruppe e.V. und der Offiziere der Panzertruppe e.V. diente der Information und dem Erfahrungsaustausch mit aktiven Offizieren.

Brigadegeneral Klaus Feldmann
Brigadegeneral Klaus Feldmann, General der Panzertruppe und Kommandeur der Panzertruppenschule, begüßte als Gastgeber die Teilnehmer des Symposiums

Brigadegeneral Klaus Feldmann, General der Panzertruppen und Kommandeur der Panzertruppenschule, konnte als Gastgeber unter den 110 Teilnehmern aktive und pensionierte Generale der Bundeswehr sowie Offiziere befreundeter Streitkräfte begrüßen. Brigadegeneral Feldmann und mehrere seiner Stabsoffiziere referierten über die neue Heeresaufklärungstruppe und deren Aufgaben, das geplante Ausbildungszentrum Munster und die technischen Entwicklungen in der Panzer- und Panzergrenadiertruppe. Der Schulkommandeur wies im Rahmen seiner Ausführungen auf die umfangreicher gewordene Unterstützung für andere Streitkräfte hin. So werden in diesem Jahr in Munster wieder Soldaten aus Brasilien, Chile, Kanada, Singapur und zahlreichen weiteren Staaten am Kampfpanzer Leopard ausund weitergebildet.

Ausbildungszentrum Heeresaufklärungstruppe

Oberstleutnant Hähnlein informierte über dieses neu zu schaffende Zentrum, das zum 01.10.07 aufgestellt wird und den Ausbildungsbetrieb mit 65 verschiedenen Lehrgangstypen ab 01.04.08 aufnehmen wird. Es wird eine eigene Gruppe Weiterentwicklung haben, jedoch ohne die Zuständigkeit für KZO ( Kleinflugzeug für Zielortung), die bei der Artillerie bleibt.

Panzereinsatz in urbanem Umfeld

Modell Schützenpanzer Puma
Während des Symposiums fand das Modell des zukünftigen Schützenpanzers der Panzergrenadiertruppe „Puma“ ein besonderes Interesse.

Oberstleutnant Beitzel von der Gruppe Weiterentwicklung stellt das endlich gebilligte Konzept der Panzertruppe vor zum Einsatz des Kampfpanzer Leopard 2 im gesamten Aufgabenspektrum vor. Dabei bezeichnete er deren Einsatz in urbanem Gelände als "unverzichtbar". Zu diesem Ergebnis hat auch die Auswertung der Erfahrungen befreundeter Streitkräfte im Irak wesentlich beigetragen. Die bisherigen Einsatzgrundlagen und Anforderungen an die schweren Waffensysteme werden überprüft und den möglichen Einsatzszenarien angepasst.

Zur erforderlichen Anpassung des Leopard 2 zählen unter anderem:

  • neue Munitionsarten (HE, PELE)
  • ein verbesserter Schutz gegen Minen
  • Räumschild am Bug
  • ein neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem (IFIS)
  • eine Energie- und Lüftungsanlage für den Innenraum

Darüber hinaus wird intensiv an der abstandswirksamen Abwehr von feindlichen Geschossen gearbeitet. Mögliche Erweiterungen der Fähigkeiten des Kampfpanzers liegen unter anderem auch in modularen Umrüstungsmöglichkeiten, bis hin zu zwei unterschiedlichen Türmen. Eine denkbare Vorgehensweise ist, dass 50 umgebaute A4- Türme für die UrbOps-Einsatzoption vorgehalten werden.

Der Puma kommt

Vorstellung Puma
Puma: Während der Feierlichkeiten zum 50.Geburtstag der Bundeswehr wurde der „Gesamtsystemdemonstrator“ des Schützenpanzers „Puma“ offiziell vorgestellt

Großes Interesse fand bei den fachkundigen Zuhörern die Darstellung von OTL Scherer über den künftigen Schützenpanzer der Bundeswehr "Puma". Während der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Heeres im Mai im vergangenen Jahr wurde ein "Gesamtsystemdemonstrator" erstmals offiziell vorgestellt. Fünf vorgefertigte Serienfahrzeuge sollen voraussichtlich im November dieses Jahres an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Für die Beschaffung von 405 Puma besteht vertraglich eine Option. Technische Probleme in der Projektierungsphase haben zu einem zeitlichen Verzug von ca. 9 Monaten geführt. Der Serienanlauf soll nach jetziger Planung ab 12/09 erfolgen.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde, sieht im Puma ein Symbol für den Transformationsprozess des deutschen Heeres. In einem Beitrag für den "Förderkreis Deutsches Heer e.V." bezeichnet er ihn als "ein völlig neuartiges und zukunftsweisendes Waffensystem, das hohen Schutz, Durchsetzungsfähigkeit, Mobilität sowie Führungsfähigkeit in idealer Weise verbindet."

Der Schützenpanzer Puma ist in Schutzstufe A (31,45 Tonnen) im zukünftigen Militär- Airbus luftverladbar. Die wesentlich höhere Stufe C soll bei 41 Tonnen liegen. Zur Besatzung gehören drei Soldaten, dazu kommt ein Trupp mit sechs Schützen für den abgesessenen Kampf. Der Turm mit seiner 30-Millimeter-Maschinenkanone ist unbemannt, zur weiteren Bewaffnung gehören ein Maschinengewehr 5,56 Millimeter und eine 76-Millimeter-Sprengkörper- und Nebelwurfanlage.

Mit dem Puma wird dem Heer nach Einschätzung des Inspekteurs "das derzeit weltweit leistungsfähigste und modernste Waffensystem seiner Art zur Verfügung stehen."

Neue Offizierausbildung im Heer

Diagramm Ausbildungsgang der neuen Offiziersausbildung
Ausbildungsgang der neuen Offiziersausbildung

Oberstleutnant Claus Heinrich, Kommandeur des Offizieranwärterbataillons (OABtl) Munster, berichtete von der Erfahrungen mit der neuen Offizierausbildung des Heeres.

Der 76. Offizieranwärterjahrgang (OAJ) hat als erster im Juli vergangenen Jahres mit der neugestalteteten Ausbildung begonnen. Seitdem findet nahezu die gesamte Ausbildung des Führernachwuchses zentral an Schulen und Ausbildungseinrichtungen statt.

Oberstleutnant Claus Heinrich, Kommandeur Offizieranwärterbataillon
Oberstleutnant Claus Heinrich

Bis Mitte letzten Jahres durchliefen die Offizieranwärter des Heeres ihre militärische Grundausbildung nach alter Art in Verbänden der jeweiligen Truppengattung. Seit der Umstellung auf das neue System durchlaufen sie in einem der drei Offizieranwärterbataillone an den Truppenschulen in Hammelburg (Bayern), Idar-Oberstein (Rheinland- Pfalz) und Munster (Niedersachsen) den ersten Ausbildungsabschnitt. Diese sind für den Führernachwuchs in den ersten sechs Dienstmonaten Ausbildungseinrichtung und als Stammtruppenteil für 15 Monate militärische Heimat zugleich sein.

Das Offizieranwärter-Bataillon in Munster gliedert sich, wie die beiden anderen, in zwei Ausbildungskompanien und einen kleinen Stab. Eigene logistische Komponenten und ein Teil der üblichen Stabsabteilungen sind nicht vorhanden. Stattdessen ist das Bataillon in die bestehende Struktur der Schule eingebettet, hierdurch sollen bereits vorhandene Ressourcen effizient genutzt werden.

Die Angehörigen des 76.OAJ
Die Angehörigen des 76.OAJ

Die Offiziere und Unteroffiziere in den beiden Kompanien sind erfahrene Ausbilder, sie kommen aus dem gesamten Heer. Jeder der vier Züge in den Einheiten steht unter Führung eines Offiziers, die Funktionen der Gruppenführer und Ausbilder werden von qualifizierten Haupt- und Oberfeldwebeln wahrgenommen. Ein Drittel des Führernachwuchses des Heeres läuft in Munster durch ihre Hände.

Der halbjährige Offizieranwärterlehrgang (OAL) beinhaltet nicht nur die Themen der allgemeinen Grundausbildung. Er dient zugleich der Basisausbildung zum militärischen Führer. Mit rund einem Drittel der insgesamt 1100 Ausbildungsstunden liegt der Schwerpunkt dabei eindeutig auf der Vermittlung des "soldatischen Handwerkszeugs", also der Gefechtsausbildung.

Weitere Themengebiete sind Innere Führung und Recht, Anteile der einsatzvorbereitenden Ausbildung und die Grundlagen für den Offizier als Vorgesetzten. Hierzu zählen die Befähigung zum Führer, Ausbilder und Erzieher durch die Vermittlung der notwendigen fachlichen und methodischen Kenntnisse zur zeitgemäßen Menschenführung. Im Rahmen des zu 80 Prozent praktischen Dienstes wird auch auf die Förderung der körperlichen und geistigen Belastbarkeit großer Wert gelegt werden. Ziel ist hierbei der rasche Aufbau einer robusten Belastbarkeit der Soldaten und deren Durchhaltefähigkeit.

Als gemeinsame Kopfbedeckung tragen Stammpersonal und Offizieranwärter ein marineblaues Barett. Das Abzeichen des Einzelnen, Litzen und Kragenspiegel entsprechen denen der eigenen Truppengattung. Dieser sind die Offizieranwärter zwar schon zugeordnet, eine endgültige Zuordnung zur jeweiligen Truppengattung erfolgt aber erst nach dem Studium.

Innerhalb von sechs Monaten werden also nicht nur Zivilisten zu Soldaten gemacht, die Frauen und Männer nehmen auch erste Führungsaufgaben auf Gruppen- und Truppebene wahr. So lernen sie das Schießen mit Gewehr, Pistole und Panzerabwehrhandwaffen, müssen darüber hinaus auch selbst Lehrproben zu diesen Themen vorbereiten und durchführen.

Beim Schulschießen werden sie als Aufsicht beim Schützen eingesetzt und übernehmen früh Verantwortung. Nach der Wachausbildung sind sie auch als Stellvertretender Wachhabender einsetzbar, neben der grundlegenden Ausbildung spielt immer der Erwerb von Führungsfähigkeiten eine große Rolle.

Oberstleutnant Heinrich zieht nach dem ersten Durchlauf im OA-Btl Munster eine positive Bilanz. Er lobte insbesondere die hohe Motivation der jungen Soldatinnen und Soldaten.

Nach seiner Ansicht hat sich besonders die Mischung von Ungedienten und Soldaten mit Vordienstzeiten bewährt: "Die Hauptgefreiten haben ihre neuen Kameraden in vorbildlicher Weise unterstützt und ihnen geholfen." Von seinen 387 Offizieranwärtern im Juli 2006 haben 321 das Ausbildungsziel erreicht. Nur 26 von 128 Ungedienten mit Widerspruchsrecht machten davon Gebrauch. Insgesamt bewertet der Bataillonskommandeur den 76. OAJ als "sehr leistungswillig und -fähig. Eine endgültige Bewertung der neuen Offizierausbildung im Heer ist erst im Jahr 2012 möglich. Dann kommen die ersten Offiziere als studierte Oberleutnants in ihre Truppengattung. Nachgesteuert wird jedoch in der Ausbildung von Anfang an.

"Es ist gut losgegangen" stellt Oberstleutnant Heinrich abschließend fest. Dies gilt nach seinen Aussagen auch für die Offizieranwärterinnen. Der Unterschied zu den Männern: "Die Frauen haben sich deutlich besser überlegt, was sie im Offizierberuf erwartet". Interessant ist, dass ab dem Durchgang 2007 fünf französische Kadetten die komplette deutsche Offizierausbildung durchlaufen werden, analog absolvieren fünf Deutsche zeitgleich die Ausbildung in Frankreich.

Führungsinformationssystem Heer

Oberst Wolfgang Schneider vom Stab des Feldversuches berichtete über die anstehende Einführung des neuen "Führungsinformationssystems Heer" ab Herbst diesen Jahres. Zur Durchführung von Versuchen und für die Entwicklungsunterstützungsarbeit verfügt der 38 Soldaten starke Stab über eine umfangreiche Fahrzeug-, Fernmelde- und IT-Ausstattung.

Die Ziele der Feldversuche sind u.a. die Beschleunigung der Entwicklungsschritte, die bessere Berücksichtigung der Nutzerforderungen und letztlich die Schaffung eines übergreifenden, integralen und mobilen Führungsinformationssystems. Dazu gehört die Anbindung der Führungs- und Waffeneinsatzsysteme mit den (waffen-)system und truppengattungsspezifischen Anteilen. In diesem Zusammenhang ist u.a. die Anbindung von Sensoren zu sehen und damit die Verkettung von "Aufklärung" – "Führung" und "Wirkung".

Mit der stufenweisen Einführung des neuen Systems wird der Einstieg in die Grundbefähigung zur vernetzten Operationsführung für die Eingreifkräfte, z.B. Teile der 1.Panzerdivision, Teilen der luftbeweglichen Brigaden und für spezielle Fähigkeiten in den Stabs(?)kräften hergestellt. Als erster Großverband wird ab Herbst 2007 die Deutschfranzösische Brigade ausgestattet.

Kern des Vortrags war eine geraffte Darstellung der Funktionalitäten, die den "reichlich geforderten" Zuhörern einen tieferen Einblick in die Leistungsfähigkeit dieses doch sehr komplexen Systems ermöglichte. Dabei wurden auch die Leistungsgrenzen der jetzigen Fernmeldeverbindung erwähnt, die limitierende Auswirkung auf die transferierbaren Datenmengen hat.

Kommando Operative Führung Eingreifkräfte

Generalleutnant Jan Oerding stellte als Befehlshaber den Zuhörern sein ab 07.10.2005 aufgestellte Kommando Operative Eingreifkräfte vor. Zunächst schilderte er die zu Beginn des neuen Jahrtausends erkannte Notwendigkeit zur Schaffung eines schnell verlegbaren Kommandos zur Führung von streitkräftegemeinsamen und multinationalen Einsätzen auf der operativen Führungsebene.

Das daraufhin aufgestelllte Kommando ist dem Inspekteur der Streitkräftebasdis (SKB) unmittelbar unterstellt. Im Einsatz kann es dem Operations Headquarters (OHQ) in Potsdam oder auch einem anderen internationalen OHQ der Europäischen Union (EU) zugeordnet werden. Zu den 252 Soldaten des Kommandos kommen 30 multinationale Dienstposten, von denen 15 mit Offizieren aus verschiedenen europäischen Staaten besetzt sind. Hinzu kommt ein Unterstützungsbataillon.

Generalleutnant Oerding nannte an erster Stelle den Einsatz des Kommandos als operatives Führungskommando (FHQ) in EUgeführten Operatione (als erstes vom 01.01.- 30.06.2006 für die EU-Battle Group). Das mögliche Aufgabenspektrum umfasst jedoch auch die "Petersberger Aufgaben" von der humanitären Hilfeleistung bis zu intensiven Gefechtshandlungen. Zusätzlich soll soweit möglich auch die Aufgabe des deutschen Keontingentführers im Einsatzland AUSBILDUNG DAS SCHWARZE BARETT NR.37 5 wahrgenommen werden. Neben EU-Einsätzen sind auch Missionen unter NATO-Führung oder innerhalb "Ad Hoc Koalitionen" denkbar, allerdings gibt es dafür noch keine entsprechenden Festlegungen.

Das Kommando Operative Führung Eingreifkräfte hat nach den Worten seines Befehlshabers eine Fähigkeitslücke der deutschen Streitkräfte geschlossen, es ist heute "ein Kernelement der Transformation". Die Konzeption hat sich nach seiner Einschätzung durch die ersten Erfahrungen bestätigt, der General sieht sein Kommando "auf einem guten Weg, den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen." Eher kontrovers aufgenommen wurde der Hinweis, dass dem Kommando für den Einsatz ein "taktisches" HQ zuzuordnen sei. Vorbehalte von befreundeten Staaten dagegen sind nachvollziehbar, sind doch die Battle Group-Stärken mit 1500 bis 2000 Soldaten so groß nicht. Auch ist zu fragen, ob denn das Kommando eine eigene "Gruppe Weiterentwicklung" für den Bereich NetOpFü benötigt; hier besteht ggf eine unnötige Redundanz.

Überzeugungsarbeit

Im Zentrum der Ausführungen von Brigadegeneral Robert Bergmann des Stabsabteilungsleiters FüS I aus dem Bundesministerium der Verteidigung stand "Der Mensch im Transformationsprozess". Dabei konnte er unter anderem über die Entwicklung des Bewerberaufkommens Erfreuliches berichten. Jedoch sieht er eine zunehmende Konkurrenz mit dem sich günstig entwickelnden Arbeitsmarkt. So werden z.B. die Studiengänge an den BW-Universitäten auf die international gebräuchlichen BA und MA-Studiengänge umgestellt werden.

Die Situation für die Nachbesetzung von Sanitätsoffizieren hat sich in wenigen Jahren von sechs auf neun Bewerber pro Stelle verbessert, bei den Offizieren des Truppendienstes von vier auf sechs. Auf einen Dienstposten bei den Unteroffizieren und Mannschaften kommen seit mehreren Jahren jeweils drei Bewerber.

Gemeinsame Arbeit erfordert nach Ansicht von Brigadegeneral Bergmann die neue Rolle der Reservisten. Für die Streitkräfte stehen jetzt 95.000 Dienstposten strukturgebunden oder zur "Spiegelung" aktiver Stellen zur Verfügung. Quer durch alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche wird heute ein "militärischer Teilzeitprofi" gefordert. Es soll über feste Standbeine im militärischen Bereich und im zivilen Berufsleben zugleich verfügen.

"Transformation ist Überzeugungsarbeit und Chefsache" stellte der General am Ende seiner umfangreichen Ausführungen zum Personalsektor fest. Als wesentlich Herausforderungen für die Zukunft sieht er das Verhältnis zwischen Auftrag und verfügbaren Haushaltsmitteln, die Wettbewerbsfähigkeit der Bundeswehr im Kampf um qualifiziertes Personal sowie die Infrastruktur.

Er erläuterte das neue Beurteilungssystem, dass nunmehr regelungstechnisch inflationäre Tendenzen unterbindet. Erfolgreich auf den parlamentarischen Weg gebracht ist nach dem (erlassenen) Einsatzversorgungsgesetz nunmehr auch das Einsatzweiterverwendungsgesetz, in dem das Verbleiben von durch Unfall oder Einsatz körperversehrter Soldaten und Beamten geregelt wird. Auf dem Vorschriftensektor zu erwähnen ist, dass die ZDv 10/1 "Innere Führung" mit größerer Orientierung zu "Ethik und Moral" in der Neuerstellung ist und auch die ZDv 12/1 "Politische Bildung" überarbeitet wird mit inhaltlich stärkerer Einsatzorientierung.

Bis spätestens 2008 sollen die Teilkonzeptionen "Vereinbarkeit von Familie und Dienst" bzw. "Betreuung" erlassen werden. Auch ist die Diskussion über ein Ehrenmal der Bundeswehr (seit 1990 sind 65 Soldaten im Einsatz zu Tode gekommen) in einem fortgeschrittenen Stadium. Das Ehrenzeichen der Bundeswehr soll eine weitere Stufe für eine herausragende Einzeltat bekommen sowie eine Sonderstufe für Tapferkeit.

Schutz und Wirkung

Generalmajor Wolf-Joachim Clauß
Generalmajor W. J. Clauß

Generalmajor Wolf-Joachim Clauß, Amtschef Heeresamt, ging intensiv auf das Thema "Schutz und Wirkung" ein. Der Amtschef des Heeresamtes bezeichnete die modernen Möglichkeiten mit den Worten: "Schutz ist mehr als dickes Blech." Er verwies dabei auf die personelle Ausstattung "Infanterist der Zukunft" sowie auf die damit verbundenen Führungs-, Aufklärungs- und Kommunikationsmittel.

Roboter KLT
Roboter KLT: Ferngesteuerte Fahrzeuge und Fluggeräte, hier das Versuchsmodell eines aus bis zu 1000 Kilometer über Satelliten steuerbaren KLT (Kommunikations- und Lenkungsträger), werden noch an Bedeutung gewinnen

Des Weiteren wies er auf den bereits heute erreichten hohen Stand an geschützten Fahrzeugen, insbesondere im Einsatzgebiet Afghanistan (74 Prozent), hin. Damit ist die Ausrüstung aber nicht abgeschlossen. Generalmajor Clauß: "Die Grundlagen für eine weitere Verbesserung der Ausstattung sind gelegt". Ab 2008 sollen nach und nach bis 2015 ca. 1400 Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeuge (GFF) beschafft werden. Beim Feldlager- und Konvoischutz werden z.Z. intensive Studien durchgeführt um den Schutz gegen die neue Bedrohung IED zu optimieren. Auch der Bereich Robotik ist auszubauen.

Wirkung im Einsatz heißt für den General "mehr als kämpfen können." Die Soldaten der Bundeswehr müssen heute die ihnen anvertrauten Menschen schützen, in Notlagen helfen und zwischen Konfliktparteien vermitteln. "Heeressoldaten sind sowohl im hochintensiven Gefecht wie auch in Stabilisierungsoperationen immer mittendrin..."

Zuhörer im Plenum
Zuhörer: Unter den Teilnehmern waren zahlreiche aktive und pensionierte Generale der Bundeswehr, Angehörige der Freundeskreise sowie Offiziere aus dem In- und Ausland

Die Distanz zwischen dem Soldaten und seinem Gegenüber ist oft sehr gering, sie befinden sich praktisch auf Tuchfühlung. Dadurch kommt der Sicherheit des Soldaten, aber auch dessen Wirkungsmöglichkeiten erhebliche Bedeutung zu. "Schutz und Wirkung sind keine Gegensätze" stellte der Amtschef dazu fest. Dem trägt die neue Teilkonzeption "Wirkung gegen Ziele am Boden" Rechnung, die seit 13.10.2006 im Entwurf vorliegt. U.a. sollen 1000 GMLRS beschafft werden sowie zwei Fla-Systeme Skyshield ab 2009 und die Kampfdrohne "WaBEP" mit drei Systemen ab 2012.

Podium
Podium: Generalleutnant a.D. Karsten Oltmanns mit Generalleutnant Jan Oerding und Generalmajor a.D. Jürgen Brand stellten sich den Fragen der Teilnehmer (v.l.n.r.)

Die Soldaten werden in den Einsätzen nur dann ihren Auftrag optimal erfüllen können, wenn zum Schutz und zur Wirkung kontinuierlich und konsequent alle verfügbaren Mittel und Technologien genutzt werden. Dies entspricht nach Einschätzung von Generalmajor Clauß der Verantwortung gegenüber den Soldaten in aktuellen und zukünftigen Einsätzen.

Für die Auftragserfüllung im Einsatz fordert er "die lagegerechte Wirkung bei bestmöglichen Schutz sicherzustellen." Dem Amtschef ist allerdings klar, dass dies nicht zum Nulltarif zu haben ist: "Schutz und Wirkung haben ihren Preis."

Dank an Gastgeber

Das Symposium endete mit einem Ausblick auf die Entwicklungen in der Bundeswehr und die geplanten Veränderungen im deutschen Heer sowie einer Aussprache. Die Vorsitzenden der Freundeskreise der Panzergrenadiertruppe und der Offiziere der Panzertruppe dankten abschließend Bri- Podium: Generalleutnant a.D. Karsten Oltmanns mit Generalleutnant Jan Oerding und Generalmajor a.D. Jürgen Brand stellten sich den Fragen der Teilnehmer (v.l.n.r.) Zuhörer: Unter den Teilnehmern waren zahlreiche aktive und pensionierte Generale der Bundeswehr, Angehörige der Freundeskreise sowie Offiziere aus dem In- und Ausland gadegeneral Feldmann und der gastgebenden Panzertruppenschule für die gut vorbereitete und organisierte Veranstaltung in Munster.

Generalleutnant a.D. Oltmanns wies in seinem Schlusswort darauf hin, dass in der heutigen Zeit, die den Streitkräften gestellten Ziele nicht nur mit militärischen Mitteln allein zu erreichen sind. Dies griff Generalmajor a.D. Brand auf, und ging auf den Aspekt "Vermeiden kollateraler Wirkung" ein, und dass "Stabilisierung" nicht nur Sache des Bundeswehr allein sein sollte. Als Termin für das nächstjährige Symposium wurde der 16. und 17. März 2008 bekanntgegeben.

Text und Fotos:
Oberstabsfeldwebel a.D. Johann Fritsch

Zurück

© Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe e.V. | Webdesign von webdesign24.biz
Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender