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Symposium 2008

2015-05-16 10:21
von Redaktion
Band-5
Symposium 2008 des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe und des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe im Plenum der Kaserne Panzertruppenschule
Symposium 2008 des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe und des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe im Plenum der Kaserne Panzertruppenschule

BLICKRICHTUNG ZUKUNFT

von Wolfgang Brüschke

Am 06. und 07. März 2008 fand in Munster das 8. gemeinsame Symposium des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe und des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe statt. Es stand unter dem Generalthema "Entwicklungslinien der Panzertruppen im Rahmen neuer Fähigkeitsverbünde im internationalen Vergleich"

Knapp 200 Gäste waren der Einladung der beiden Freundeskreise nach Munster gefolgt und haben damit ihr Interesse an dieser Veranstaltung eindrucksvoll unterstrichen. Sie konnten sich umfassend über aktuelle Sachstände und Entwicklungen im deutschen Heer sowie bei unseren alliierten Freunden in den USA und in den Niederlanden informieren. Natürlich gab es auch reichlich Gelegenheit, kameradschaftliche Gespräche über Generationen hinweg zu führen.

Indienststellung des Ausbildungszentrums Munster und Aufstellung der Heeresaufklärungstruppe Einen Auftakt besonderer Art bildete zu Beginn des Symposiums die Teilnahme der Gäste am Appell anlässlich der Indienststellung des Ausbildungszentrums Munster und der neuen Heeresaufklärungstruppe durch den Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde.

Im Rahmen dieses Appells mit angetretenen Soldaten und zivilen Mitarbeitern des Ausbildungszentrums sowie Abordnungen der neuen Aufklärungsbataillone und selbstständigen Aufklärungseinheiten der jüngsten Truppengattung des Heeres unterstrich Generalleutnant Budde die mit dem Zentrum und der neuen Heeresaufklärungstruppe verbundene Zielsetzung. Im Ausbildungszentrum Munster sind nunmehr die Ausbildungszentren der Panzertruppen, der Heeresflugabwehrtruppe und der Heeresaufklärungstruppe zusammengefasst. In der neuen Heeresaufklärungstruppe stehen Kräfte und Mittel der bodengebundenen Aufklärung, der Drohnenaufklärung und des Feldnachrichtenwesens unter einheitlicher Führung. Damit ist das Prinzip "Aufklärung aus einer Hand" stringent umgesetzt.

Das Herr folgt so seinem Grundsatz "vom Einsatz her zu denken" und setzt konkrete Einsatzerfahrungen auch bei der Ausplanung seiner Strukturen um. Dem feierlichen Appell wohnten rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Streitkräften bei. Sie erlebten trotz nasskalten Wetters eine eindrucksvolle Geburtsstunde der neuen Ausbildungsstätte und der neuen Truppengattung des Heeres.

Ausbildungszentrum Munster

Nach der Begrüßung und Einführung durch den Vorsitzenden des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe, Generalmajor a. D. Dieter Brand, berichtete zunächst Brigadegeneral Klaus Feldmann als Gastgeber des Symposiums über die aktuelle Lage der früheren Panzertrup- Symposium 2008 des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe und des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe Brigadegeneral Feldmann Generalmajor a.D. Brand penschule. Dabei erläuterte er nochmals ausführlich Aufgaben und Strukturen des neuen Ausbildungszentrums mit seinen drei Truppengattungssäulen und dem Zentralbereich sowie den konkreten Stand der Umsetzung neuer Vorgaben (Bild 3).

Generalmajor a.D. Brand
Generalmajor a.D. Brand
Brigadegeneral Feldmann
Brigadegeneral Feldmann

Besonders erfreulich aus seiner Sicht ist trotz der damit verbundenen Belastungen für den Dienstbetrieb die rege Bautätigkeit, die absehbar deutlich bessere Rahmenbedingungen für Unterbringung und Ausbildung der zahlreichen Lehrgangsteilnehmer schaffen wird. Auch das Offizieranwärterbataillon ist auf gutem Kurs. Im Bereich Weiterentwicklung kommt es besonders darauf an, die absehbare Einführung des neuen Schützenpanzers Puma zu begleiten und den Kampfpanzer Leopard auf neue Herausforderungen auszurichten. Das Stichwort lautet hier "Operationen in urbanem Umfeld", auf die der Leopard weiterentwickelt werden soll. Auch Überlegungen zum Ausbau urbaner Strukturen auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord folgen diesem Ansatz. Allen Zuhörern wurde durch den Vortrag Brigadegeneral Feldmanns das erhebliche Ausmaß der Veränderungen im Mutterhaus der Panzertruppen deutlich.

Gliederung Ausbildungszentrum Munster, Grundidee
Gliederung Ausbildungszentrum Munster, Grundidee

Luftbeweglichkeit des Heeres

Struktur DLO
Struktur DLO

Der Stellvertretende Kommandeur der Division Luftbewegliche Operationen (DLO), Brigadegeneral Reinhard Wolski, informierte in seinem Vortrag über die 2002 aufgestellte Division, über Auslandseinsätze und über den Aufbau neuer Fähigkeiten.

Der DLO sind nachstehende drei Hauptaufgaben zugeordnet:

  • Träger der Luftbeweglichkeit des Heeres
  • Kampfunterstützung für Stabilisierungskräfte und
  • Gestellung eines Framework Headquarters für Stabilisierungsoperationen.

Das Einsatzspektrum reicht dabei von humanitären Hilfseinsätzen über Stabilisierungsoperationen bis zu Friedenserzwingenden Einsätzen hoher Intensität. In ihrer Zielstruktur verfügt die Division, die noch auf rund 14.500 Soldaten aufwachsen wird, über folgende Truppenteile:

  • Divisionstruppen
  • die Luftbewegliche Brigade 1
  • 2 Mittlere Transporthubschrauberregimenter
  • 1 Leichtes Transporthubschrauberregiment und
  • das Heerestruppenkommando (HTrKdo).

Mit ihrem stärksten Arbeitspferd, dem Transporthubschrauber CH 53, ist der Großverband seit 2002 in Afghanistan eingesetzt. Die Hubschrauber sind dort oft die einzige Brücke und schnelle Verbindungsmöglichkeit in dem zumeist extrem bergigen und unwegsamen Gelände.

Dem Einsatzgeschwader Masar-e-Sharif obliegen dabei folgende Aufgaben:

  • Sicherstellen der Luftbeweglichkeit (Aufklärung, Verbindung, Transport) der Kräfte des Regional Command (RC) North
  • Standby Com RC North
  • Bereithalten von MEDEVAC- und CASEVAC - Hubschraubern
CH 53 über Afghanistan
CH 53 über Afghanistan

Während in Afghanistan CH – 53 GS zum Einsatz kommen, unterstützt das deutsche Hubschrauberkontingent im Kosovo mit dem leichten Transporthubschrauber Bell UH - 1 D. Aus dem Kräftepotenzial des HTrKdo ist die DLO durchgängig mit ABC-Abwehrkräften bei ISAF und KFOR im Einsatz. Das Luftraumüberwachungsradar (LÜR) der Heeresflugabwehrtruppe unterstützt den Flugbetrieb in Masar-e- Sharif. Die Division hält darüber hinaus ständig leichte und mittlere Transporthubschrauber (LTH, MTH) im Rahmen der nationalen Risikovorsorge in Bereitschaft.

Für militärische Evakuierungsoperationen sind dies ständig 5 LTH und 5 MTH in einer abgestuften Einsatz- und Verlegebereitschaft. Vorauskräfte müssen binnen 72 Stunden nach Alarmierung verlegefähig sein, Hauptkräfte binnen 96 Stunden. Für Großschadensereignisse werden außerdem 2 Großraumrettungshubschrauber in Rheine und Laupheim mit sehr kurzer Reaktionszeit bereitgehalten.

Arbeitspferd CH 53 Transporthubschrauber in Afghanistan
Arbeitspferd CH 53

Die Luftbeweglichkeit des Heeres wird absehbar um die neue Fähigkeit "Luftgestützter Einsatz" erweitert. Derzeit steht die Division in der Phase, die dafür geschaffenen neuen Konzepte in die Wirklichkeit umzusetzen, zu erproben und weiterzuentwickeln. Beim Luftgestützten Einsatz sollen Heeresfliegerkräfte und luftbewegliche Infanteriekräfte einschließlich der notwendigen Einsatzunterstützung unter einheitlicher Führung mit gemeinsamer taktischer Zielsetzung operieren. Die Vorteile der jeweiligen Kräfte werden so synergetisch miteinander verbunden.

Der Infanterie obliegt es dabei, Gelände zu nehmen und zu halten, in urbanem Gelände zu kämpfen, Präsenz in Stabilisierungsoperationen zu zeigen und als schnell verfügbare Infanteriereserve zu fungieren. Die Hubschrauberkräfte operieren vom Gelände unabhängig, mit großem Geschwindigkeitsüberhang, mit überlegener Feuerkraft und ihren Aufklärungssensoren. Das Zusammenwirken dieser Elemente setzt allerdings intensive gemeinsame Ausbildung voraus. Luftgestützte Operationen sind damit ein Mittel in der Hand des Truppenführers, mit dem er das operative Tempo wesentlich erhöhen kann und mit dem er Überraschung erzielt, ohne Kräfte dauerhaft am Boden binden zu müssen.

Luftgestützte Operationen werden als Teil einer Gesamtoperation der nächsthöheren Führungsebene, also eines multinationalen Land Component Command oder der Division Eingreifkräfte durchgeführt, wie beispielsweise:

  • Operationen in der Tiefe als selbstständige Operationen mit regelmäßiger Unterstützung durch Luft- und ggf. auch Seestreitkräfte mit der organischen luftbeweglichen Infanterie
  • Überwachung und Aufklärung sowie Durchführung von Aufträgen im Rahmen Combat Recovery im engen Verbund der Infanterie mit den Hubschraubern
  • Trennung von Konfliktparteien, das Bilden einer luftbeweglichen Crowd Riot Control (CRC) - Reserve oder auch das überraschende Einrichten von Kontrollpunkte

Unterstützende luftgestützte Operationen sind auf den Schutz eigener oder verbündeter Truppen oder Einrichtungen ausgerichtet. Im Three – Block – Operations - Szenario werden Konvois und Einrichtungen geschützt, aber vor allem stehen Kampfhubschrauber und luftbewegliche Infanterie immer dann schnell zur Verfügung, wenn Kampftruppen oder auch UNO - Friedenstruppen ihre Handlungsfreiheit wiedererlangen sollen oder allgemein unterstützt werden müssen.

Kampfhubschrauber TIGER
Kampfhubschrauber TIGER

Der Stab der Luftbeweglichen Brigade 1 ist darauf ausgerichtet, luftmechanisierte und luftgestützte Operationen im gesamten Intensitäts- und Aufgabenspektrum der Streitkräfte und in multinationalen Umfeld zu führen. Durch den Zulauf des mehrrollenfähigen und nahezu allwetterfähigen Kampfhubschraubers TIGER in den zwei Kampfhubschrauberregimentern ab 2008 wird der Einstieg in die Luftmechanisierung vollzogen. Mit dem leichten Transporthubschrauberregiment, zukünftig ausgestattet mit dem leichten Transporthubschrauber Heer NH90 und dem Jägerregiment – mit seinen 3 leichten und 2 schweren Jägerkompanien, seiner Pionierkompanie sowie seiner leichten Flugabwehrbatterie – werden die Luftgestützten Einsätze sichergestellt

Mit der Luftbeweglichen Brigade 1 wurden erstmals im deutschen Heer Heeresflieger und Infanterie in einem Großverband strukturell zusammengeführt. Dieser neue Großverband muss nun zusammenwachsen. Der Verbund der luftbeweglichen Kräfte bekommt in der Ausbildung eine besondere Bedeutung. Eine ebenengerechte, gemeinsame Führer- und Truppenausbildung ist deshalb ein wesentlicher Schlüssel zum Herstellen der Einsatzbereitschaft dieser neuartigen Brigade.

Der Großverband ist nach Herstellen der vollen Einsatzbereitschaft gefordert, mindestens zwei gemischte Luftkampfverbände zu bilden und diese in mindestens zwei zeitgleichen Operationen zum Einsatz bringen zu können. Mit diesen gemischten Luftkampfverbänden ist die Brigade zur Planung, Führung und Durchführung luftgestützter und luftmechanisierter Einsätze besonders befähigt. Die Bildung dieser Luftkampfverbände erfolgt immer nach dem Dreiklang: Zusammenstellen der Hubschrauberkomponente aus Kampf- und Transporthubschraubern mit der dazugehörigen logistischen Unterstützung.

  • Zusammenstellen des Infanterieanteils mit leichten und schweren Jägerkräften, Kampfunterstützungsanteilen und einer weiteren Versorgungskomponente
  • Sicherstellen einer umfassenden und weitreichenden Aufklärung aus organischen und beigestellten Kräften
Leichter Transporthubschrauber NH 90
NH 90

Die Brigade ist jedoch bei allen Operationen auf die Unterstützung mit mittleren Transporthubschraubern angewiesen, die ihr organisch nicht unterstehen. Diese werden daher aus den Divisionsregimentern der DLO unterstellt.

Eine Initial Operating Capability (IOC) der Luftbeweglichen Brigade 1 soll bis Ende 2009 erreicht werden. Die Brigade wird dann bereits in der Lage sein, mit einem Gefechtsverband ausgewählte Einsatzoptionen weltweit durchzuführen. Diese IOCBefähigung bildet also bereits einen wesentlichen Meilenstein auf dem Weg zur vollen Einsatzbereitschaft der Brigade.

Zusätzlich zum luftgestützten Einsatz entwickelt die DLO zurzeit Möglichkeiten für eine verbesserte Unterstützung von Spezialkräften. An die Besatzungen der Hubschrauber, die Spezialkräfte unterstützen, werden besonders hohe Anforderungen gestellt. Dazu zählen u. a. die Befähigung zum Tiefflug in der Hinderniskulisse bei Nacht und die Beherrschung spezieller Absetz- und Aufnahmeverfahren.

Besondere Ausstattungen der Hubschrauber werden deren Fähigkeiten kontinuierlich verbessern. Hier geht es insbesondere um Verbesserungen der Führungsfähigkeit, der Fähigkeit zum Einsatz bei Nacht, der Überlebensfähigkeit sowie des Einsatzes unter besonderen klimatischen Bedingungen.

Gesellschaftsabend im Kasino Kornett

Am Abend des ersten Tages versammelten sich die Teilnehmer wie in jedem Jahr im Kasino Kornett. Nach dem offiziellen Teil wurden kameradschaftliche Gespräche in wechselnden Runden teilweise bis spät in die Nacht geführt. Dabei sollen wie in den Vorjahren nicht nur Gegenwart und Zukunft der Panzertruppen im Vordergrund gestanden, sondern die Geschichten von früher erheblichen Raum eingenommen haben.

Aktuelle Entwicklungen bei den US - Panzertruppen

Der zweite Tag des Symposiums stand ganz unter dem Zeichen unserer alliierten Freunde. Zunächst berichtete der neue Kommandeur der US – Panzertruppenschule in Fort Knox, Brigadier General Donald M. Campbell, Jr über aktuelle Entwicklungen bei den US – Panzertruppen. General Campbell wurde einleitend sehr hoch angerechnet, dass er die noch von seinem Vorgänger gemachte Zusage, im Rahmen des Symposiums vorzutragen, ohne Zögern einlöste und ihn so seine erste Auslandsdienstreise nach Amtsübernahme sogleich nach Munster geführt hatte

Modell GEFAS
Modell GEFAS

In seinem Vortrag wies General Campbell vor allem darauf hin, wie sich die US – Panzertruppen nach konsequenter Auswertung von Einsatzerfahrungen weiterentwickeln und auf neue Herausforderungen einstellen. Die US – Army bildet augenblicklich für etwas aus, was die Amerikaner "Full Spectrum Operation" nennen, eine Mischung aus offensiven, defensiven und Stabilisierungsoperationen. Diese Operationen können alle gleichzeitig nebeneinander im selben Einsatzraum und sogar in der gleichen Stadt nebeneinander ablaufen. Die Panzertruppe ist früher einmal dafür geschaffen worden, den Stillstand des Grabenkrieges zu überwinden und überlegene Mobilität und Feuerkraft bereitzustellen. Sie findet sich nach amerikanischem Verständnis nun in der Rolle eines der wichtigsten Spieler bei Operationen des gesamten Aufgabenspektrums wieder.

Der Schutz, den die Panzer bieten, und auch die Sensoren der Aufklärungskräfte, haben neue Rollen in weltweiten Stabilisierungsoperationen gefunden. Dem soll auch mit einer neuen Schießvorschrift Rechnung getragen werden, die sich vor allem auf das Schießen verbundener Waffen konzentriert. Diese Vorschrift wird dem Kompaniechef die Möglichkeit einräumen, sein eigenes Szenario auf der Basis seines gegenwärtigen oder bevorstehenden Einsatzes abzubilden.

Modell PUMA
Modell PUMA

Auf der Grundlage der neuen zentralen Führungsvorschrift FM 3 – 0 "Operations" werden derzeit neue Folgevorschriften erarbeitet. Diese Vorschriften werden den Faktor Mensch sowie auch zukünftige operative und taktischen Konzepte und Fähigkeiten gleichzeitig mit der Schaffung und Indienststellung der Future Force in ihre Entwicklung einbeziehen. Gegenwärtig werden für diese Future Force bereits viele Konzepte und Vorschriften geschrieben, auch wenn sie noch gar nicht existiert.

Die US – Army erprobt mit einer Truppenversuchsbrigade, die mit Gerät ausgestattet wird, welches ihr ähnliche Fähigkeiten verleiht wie die Future Force sie einmal haben soll, diesen neuen Ansatz. Dabei wird versucht, mit der Überprüfung von Konzepten wie dem der verbesserten Lagekenntnis durch modernere Netzwerke, dem der Zusammenarbeit von bemannten und unbemannten Sensoren auf Gruppen- und Zugebene und dem Gebrauch neuer Funkgerätegenerationen einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Bereits 2003 wurde entschieden, modulare Brigaden (Modular Brigade Combat Teams) aufzustellen und sich von den großen Divisionen zu verabschieden. Dies ermöglicht, flexible und eigenständige Verbände einzusetzen, die keine Unterstützung der übergeordneten Führungsebene benötigen. In der Vergangenheit war es so, dass beim Einsatz einer Brigade z. B. in Bosnien oder Haiti ohne dass die gesamte Division an diesem Einsatz teilnahm, sie einen Teil der Unterstützungseinheiten der Division benötigte. Dies ließ die übrigen Brigaden der Division ohne ausreichende Unterstützung für den Fall zurück, dass auch sie irgendwo eingesetzt werden sollten. Mit den Modularen Brigaden wurden nicht nur für den Einsatz gegliederte Brigaden geschaffen, sondern zugleich auch Bataillonskampfverbände (Combined Arms Bataillons) aufgestellt, die über je zwei Panzer- und Panzergrenadierkompanien verfügen.

Die gemischten Bataillone haben in der Stabskompanie einen Aufklärungszug, einen Mörserzug und eine Scharfschützengruppe. Eine Versorgungskompanie ist nicht organisch unterstellt, sondern wird für den Einsatz aus dem Versorgungsbataillon der Brigade zugewiesen. Zwischenzeitlich wurde festgestellt, dass dem Bataillon weitere Kräfte zugeordnet werden sollten wie z. B. Pioniere oder auch mehr Aufklärungskräfte für den abgesessenen Einsatz. Dies umzusetzen wird aber noch etwas Zeit benötigen. Außerdem wurden zwar die Brigadestäbe vergrößert, nicht jedoch die Bataillonstäbe. Diese haben jedoch zusätzliche Aufgaben und vor allem mehr Lageinformationen erhalten und müssen wie ggf. auch die Kompanien hierzu ebenfalls verstärkt werden. Zusätzlich haben diese Brigaden Aufklärungsbataillone erhalten, die es auf dieser Ebene vorher nicht gegeben hat.

Die Kampftruppenverbände der US Army werden künftig vier Brigadetypen aufweisen:

  • Mechanisierte Brigaden (Heavy Brigade Combat Teams)
  • Infanteriebrigaden (Infantry Brigade Combat Teams)
  • Stryker Brigaden (Stryker Brigade Combat Teams)
  • Future Brigade Combat Teams (FBCT)

Die FBCT werden mit dem Future Combat System (FCS), dem wichtigsten Modernisierungs- und Beschaffungsprogramm der Army ausgerüstet sein. In dem Maße, in dem die FBCT aufgestellt werden, soll die Anzahl der mechanisierten Brigaden reduziert werden. Dennoch wird die US Army auch im Jahr 2050 noch eine Mischung aller vier Brigadetypen aufweisen. Jede dieser Brigadetypen ist auf bestimmte Einsatzbedingungen optimiert. Die gegenwärtigen schweren Verbände werden auch in Zukunft die Kräfte der ersten Wahl für den Kampf gegen moderne mechanisierte Formationen sein. Das FCS wird die Kampfweise der US Army auf lange Sicht völlig verändern. Das Programm setzt sich aus 14 Systemen zu einem Gesamtsystem zusammen, verbunden durch ein Netzwerk unter Einschluss des Soldaten.

Das System beruht auf einem ganzheitlichen Überlebenskonzept, welches sowohl verbesserte Sensoren umfasst, um den Feind zuerst aufzuklären, als auch aktive Schutztechnologien und weitreichende Präzisionswaffen, um den Feind auch auf große Distanz angreifen und vernichten zu können. Die bemannten Fahrzeuge werden alle auf der Basis eines gemeinsamen Chassis gebaut, was den Bedarf an logistischer Unterstützung erheblich reduziert. Sie sollen zugleich leicht und damit luftverlegefähig sein. Mit der Aufstellung des ersten von insgesamt 15 geplanten FBCT wird allerdings nicht vor 2017 gerechnet.

In der Ausbildung wird die US Panzertruppe noch mehr als bisher auf Simulatoren setzen, um Zeit, Geld und Trainingsressourcen einzusparen. Zum Beispiel wird neue Munition, die sich für 120 mm Hauptwaffen sowohl für die gegenwärtigen als auch zukünftigen Systeme in der Entwicklung befindet, Schießbahnen benötigen, deren Ziele hinter dem Horizont liegen. Es wird jedoch schwierig werden, solche Schießbahnen zu bauen, die es erlauben, ein Geschoss 10 – 12 Km weit zu verschießen. Diese Art der Ausbildung wird also eventuell als Simulation stattfinden müssen.

Auch in der US Army ist damit zu rechnen, dass die gegenwärtigen Hauptwaffensysteme wie der Kampfpanzer Abrams noch mindestens bis 2050 in Nutzung bleiben müssen. Allerdings geht dies nicht ohne regelmäßige Kampfwertsteigerungen. Die Gefechtsfahrzeuge müssen auch weiterhin einen so hohen Schutzfaktor aufweisen, dass sie einem ersten Treffer widerstehen und weiter kämpfen können. Aber auch der Schutz und die persönliche Ausrüstung der Soldaten sollen weiter verbessert werden. Hierzu zählen vor allem Verbesserungen des persönlichen Schutzes als auch der Kommunikationsmittel mit integrierter Helmtechnologie.

Abschließend verdeutlichte General Campbell die Pläne, das Armor Center aus Ft. Knox nach Ft. Benning zu verlegen und mit dem dortigen Infantry Center zu vereinigen. An der Umsetzung dieser Pläne wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Keinesfalls wird damit verbunden sein, die Panzertruppe oder die Infanterie abzuschaffen. In der neuen Ausbildungseinrichtung wird wie bisher Einzelausbildung in der jeweiligen Truppengattung erfolgen. Daneben werden aber vor allem in weiterführenden Lehrgängen für Offiziere und Unteroffiziere vermehrt gemeinsame Ausbildungsabschnitte angeboten

Einsatzerfahrungen der NL Task Force URUZGAN (TFU)

Im Anschluss daran kam der Kommandeur des niederländischen Ausbildungsund Gefechtsübungszentrums in Amersfoort, Kolonel Bas van Hoof zu Wort. Kolonel van Hoof ist Panzeroffizier, in seiner Vorverwendung war er Stellvertre- SYMPOSIUM 1 0 DAS SCHWARZE BARETT NR.39 tender Kommandeur der Brigade 41 in Seedorf. Ihn begleitete mit dem Kapitein Erik Gort ein junger Offizier, der nach einer kurzen Einführung des Kolonel sehr eindrucksvoll über seine Einatzerfahrungen in Afghanistan berichtete. Kapitein Gort ist derzeit in der Gruppe Weiterentwicklung des Ausbildungs- und Gefechtsübungszentrums tätig. Von November 2006 bis April 2007 war er vier Monate als Stellvertretender Kompaniechef einer Luftlandekompanie in der TFU eingesetzt.

Die TFU verlegte mit ersten Teilen im Februar 2006 nach Afghanistan und übernahm schließlich am 01. August 2008 die Verantwortung für die Provinz URUZGAN. Sie hatte eine Anfangsstärke von 1.200 Soldaten und bestand dabei im Kern aus einem Gefechtsverband, gebildet durch die Masse eines Panzergrenadier- oder Luftlandebataillons. Neben vielfältiger Unterstützung standen auch drei Panzerhaubitzen 2000 und Luftunterstützung sowohl durch Strahlenflugzeuge als auch den Kampfhubschrauber AH 64 APACHE, der in den niederländischen Streitkräften der Luftwaffe zugeordnet ist, zur Verfügung.

Die Lage in der südlichen Provinz URUZGAN hatte sich seit 2006 deutlich verschlechtert mit einer steigenden Zahl gewalttätiger Vorfälle. Der Einfluss der Taliban und die Zunahme ihrer Aktivitäten gab Anlass zu besonderer Sorge. Die Hauptbedrohung bestand und besteht aus IED, Selbstmordanschlägen, Hinterhalten und Angriffen gegen Hubschrauber. Dabei wurde schnell die Erfahrung gemacht, dass die Taliban ausweichen, wenn auf Seiten der Niederländer entschlossen und nachhaltig vorgegangen wird. Aus niederländischer Sicht kann von einem besonderen Einsatz gesprochen werden, der in der Gesellschaft kritisch verfolgt wird. Ziel des niederländischen Ansatzes ist es daher, die eigene Vorgehensweise offen mit der Bevölkerung zu kommunizieren, um deren grundsätzlich positive Einstellung zu erhalten und auszubauen.

Im Vortrag des Kapitein Gort kamen neben dem gefahrvollen Einsatzalltag der niederländischen Kräfte vor allem die spezifischen Einsatzerfahrungen (Lessons Learnt) auf unterster Führungsebene gut zum Ausdruck.

Bezogen auf den Feind OMF (Opposing Militant Force) haben auch die Niederländer die Erfahrung machen müssen, dass die OMF offensichtlich über ein ausgezeichnetes Beobachternetzwerk verfügt, damit systematisch aufklärt und stets verfolgt und weiß, was bei den eigenen Kräften geschieht. Umso wichtiger ist es, bei eigenen Operationen selbst unberechenbar zu bleiben durch Nutzung unterschiedlicher Wege, durch variable Marschfolge, Geschwindigkeit, Zeiten und Marschabstände. Die Kräfte der OMF gehen in der Bevölkerung auf, nutzen zuweilen Frauenkleider als Tarnung und verwenden Kinder in der Rolle als Melder, Einkäufer oder Munitionsträger.

Immer wieder wurde festgestellt, dass die verfügbaren Karten sich stark von der Wirklichkeit des Geländes im Einsatzraum unterschieden und so erhebliche Orientierungsprobleme verursachten. Beim internen Zusammenwirken hat sich vor allem in bebautem Gelände und in der Zusammenarbeit mit eigenen Unterstützungskräften dagegen die Nutzung eines Urban Grid Systems (UGS) sehr bewährt.

Einsatzgrundsätze haben auch die Niederländer erfahren, dass die Bedeutung der Zugebene von herausragender Bedeutung ist. Der Zugführer ist die Spinne im Netz mit der Kompanie als Rückhalt und Unterstützungsebene. In der Durchführung von Einsatzaufträgen hat sich auf dieser Ebene folgendes besonders bewährt:

  • Der Einsatz des Mörsers 81 mm, jedoch nur in Verbindung mit der erforderlichen Feuerleitfähigkeit
  • Die Granatmaschinenwaffe
  • Der Einsatz von Scharfschützenpaaren, die Treffer bis auf 1700 m erzielt hätten
  • Ein umfassendes Debriefing und eine sorgfältige "after action Meldung" nach eigenen Operationen

Die niederländischen Soldaten erwiesen sich allgemein als sehr gut ausgebildet, gleichwohl muss die Ausbildung in der Heimat künftig unbedingt an dem modernen Gerät durchgeführt werden, welches bisher nur im Einsatz genutzt wird. Dies war beispielsweise bei Jammern und bestimmten Munitionssorten nicht der Fall. Die Sprachausbildung des Führungspersonals in der englischen Sprache muss intensiviert werden. Von besonderem Wert sind auch PC – Kenntnisse und die Beherrschung moderner Führungs- und Kommunikationssysteme. Der Psyche des Soldaten muss noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, um vor allem den erforderlichen Wechsel zwischen aggressivem Vorgehen und dem "smile and wave" besser bewerkstelligen zu können. Auch müssen die Ausbildungseinrichtungen in den Niederlanden noch besser auf die Bedingungen in Afghanistan ausgerichtet werden, beispielsweise bei der Bebauung oder bei Geländebesonderheiten wie Felsgrotten.

Verschiedene deutsche Zuhörer erkannten in dem Vortrag zahlreiche Parallelen zu den eigenen Einsatzerfahrungen. Für seinen eindrucksvollen, klaren und mit großer Bescheidenheit vorgetragenen Beitrag erhielt Kapitein Gort die ungeteilte Aufmerksamkeit und Anerkennung des Auditoriums.

Dank und Ausblick

Zum Abschluss des Symposiums dankte Generalmajor a. D. Brand allen Vortragenden, den für die Organisation verantwortlichen Angehörigen des Ausbildungszentrums Munster sowie den Gästen und übergab symbolisch den Stab mit der Verantwortung für die Ausrichtung der Folgeveranstaltung an den Vorsitzenden des Freundeskreises der Panzergrenadiere, Herrn Generalmajor Wolf-Joachim Clauß. Der Amtschef des Heeresamtes nahm den Stab auf und gab einen kurzen Ausblick für 2009. Danach soll das Symposium 2009 am 05. und 06. März an gewohnter Stelle stattfinden. Inhaltlich sollen dabei vor allem Vertreter der deutschen Heeresverbindungsorganisation bei unseren wichtigsten Verbündeten über ihre Eindrücke und Erkenntnisse berichten.

Alle Beteiligten schienen sich einig, einer sehr informativen und insbesondere die Kameradschaft zwischen den Generationen fördernden Veranstaltung beigewohnt zu haben. Als besonders erfreulich wurde es zum einen empfunden, dass aktive Kommandeure mit jüngeren Offizieren und Offizieranwärtern auch weite Wege nicht gescheut haben, um beim Symposium dabei zu sein. Zum anderen waren wie schon im letzten Jahr wiederum zahlreiche Reserveoffiziere und der Traditionsverband des Panzerbataillons 83 mit einer kleinen Abordnung unter den Gästen.

Nach Abschluss des Symposiums trennten sich Panzerleute und Panzergrenadiere, um in den danach anberaumten Mitgliederversammlungen über die weitere Zukunft der Freundeskreise zu beraten und zu entscheiden.

 

DAS SCHWARZE BARETT NR.39

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Generalleutnant Jacobson
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Carsten Jacobson

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General a.D. Wolfgang Brüschke
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Oberst a.D. Schneider
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