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Symposium 2011 in Munster

2015-04-27 22:37
von Marco Pracht
2011

Der Einsatz ist der Schwerpunkt – auch beim Symposium der Panzertruppen in Munster

Die Freundeskreise der Panzergrenadiertruppe und der Panzertruppe hatten zum Symposium 2011 vom 1. bis 2. September im Ausbildungszentrum in Munster eingeladen. Dieser Einladung waren neben 165 Teilnehmern im Plenum weitere 60 Angehörige und Lehrgangsteilnehmer des Ausbildungszentrums Munster gefolgt, die die Veranstaltung im Foyer per Videoübertragung verfolgten. Die Schirmherren der Veranstaltung, Generalmajor Wolf-Joachim Clauß und Generalleutnant a.D. Wolfgang Korte freuten sich über das große Interesse an dem Thema: „ISAF – eine fortwährende Herausforderung für Ausbildung und Einsatz des Deutschen Heeres.“

Am Nachmittag begrüßte der Amtschef Heeresamt, Generalmajor Wolf-Joachim Clauß, neben den aktiven auch hochrangige ehemalige Soldaten und zivile Gäste, wie den ehemaligen stellvertretenden Inspekteur des Heeres, Generalleutnant a.D. Jürgen Ruwe. "Dieses Symposium sollte kein Stochern im Nebel sein", so Generalmajor Clauß, und deshalb habe er sich entschieden, nach dem Ministerwechsel im Frühjahr des Jahres, der naturgemäß eine Verschiebung von Entscheidungen auf der Zeitachse bedeute, das Symposium insgesamt zu verschieben und auch inhaltlich zu überarbeiten.

"Die Strukturplanungen und deren Implementierung mögen dem Einen oder Anderen als der Schwerpunkt des Heeres erscheinen, aber der wirkliche Schwerpunkt ist und bleibt der Einsatz unserer Soldaten – und hier insbesondere der in Afghanistan", stellte er klar. Dennoch wolle er gleich zu Beginn einige grundsätzliche Anmerkungen zur Neuausrichtung des Heeres machen. Seit dem 10. Juni arbeiten elf Projektteams einem Lenkungsausschuss zu. Am 1. August haben diese ihre Arbeitsergebnisse vorgelegt und die daraus abzuleitenden Entscheidungen werden vermutlich Ende Oktober, einschließlich eines Stationierungskonzepts, bekannt gegeben. Danach wird die Feinausplanung der Struktur vorgenommen, die sich auch an den Einsatzerfordernissen ausrichten wird, so der Amtschef.

Das Heer wird zukünftig auch über drei Divisionen mit acht Brigaden und den deutschen Anteilen der Deutsch-Französischen Brigade bestehen. Außerhalb des BMVg wird es zukünftig ein Kommando Heer mit unterstellten Divisionen und Fachkommandos geben. Letztere werden aus dem Heeresamt gebildet. Vorrang in der Ausplanung von "unten nach oben" hat die Schaffung starker Basisstrukturen mit ausbildungs- und einsatzfähigen kohärenten Verbänden. Die Brigade, als Kernelement, soll nahezu das gesamte Fähigkeitsspektrum abdecken; Aufgaben wie Operational Mentor and Liaison Team (OMLT) und Partnering werden in der neuen Struktur aufbauorganisatorisch abgebildet. Letztlich steht die kommende Struktur des Heeres und der Bundeswehr insgesamt unter dem Leitmotiv "Vom Einsatz her denken" und das spiegelt sich auch im Schwerpunkt dieses Symposiums und den hochkarätigen Vorträgen wieder, erklärte Generalmajor Clauß.

Zu den Entwicklungen im Ausbildungszentrum Munster, vor-getragen durch Brigadegeneral Klaus Feldmann, konnte der Hausherr gleich vier durch den Amtschef Heeresamt vorgenom- Amtschef Heeresamt, Generalmajor Clauß: "Es gibt noch keine Entscheidung" menen Beförderungen in seinen Verantwortungsbereich dazu rechnen. Kein Stillstand, sondern Fortschritt – auch in der Karriere für die frisch beförderten Hauptleute Jens Joneleit und Kim Mrazek. Hauptmann Alexander Mertke konnte zum Major und Major Marc Kunz zum Oberstleutnant befördert werden.

Mit dem Thema "Was gibt's neues in Munster" zog Feldmann eine Bilanz der Jahre 2010 und 2011. Er wies auf erste Erfolge mit den neuen Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWD) hin; die neue "Geschäftsgrundlage" stelle nicht nur andere Herausforderungen, sondern auch neue Chancen dar. Der General der Panzertruppen wies insbesondere auf die Fertigstellung der neu entwickelten, gemeinsamen HDV 220/100 "Führung der Panzertruppen" für Panzer- und Panzergrenadiertruppe, sowie auf die Weiterentwicklungen im Bereich einsatzwichtigen Geräts hin. "Die notwendige Klimaanlage für den Marder 1A5 ist in Arbeit" erklärte er und ergänzte: "Der Puma kommt" und kündigte damit die Übergabe der ersten beiden Serien des SPz PUMA im Dezember 2011 an. Den Herausforderungen "Urbanes Gefechtsfeld" werde man mit einer Weiterentwicklung des eigenen Übungsgeländes BARBARADORF Rechnung tragen. Die Fortschreibung und Ergänzung der Trainingsinhalte und eine weitere Anpassung an künftige Einsätze sind die Prioritäten für die Zukunft, schloss Feldmann seinen Vortrag.

Wir wollen den Spitzenstand im internationalen Vergleich am GÜZ halten

Oberst Michael Matz, Leiter des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) Heer stellte seine Ausbildungseinrichtung als das abschließende Element vor den jeweiligen Einsätzen vor. Er wies auf die mittlerweile reibungslose und schnelle Umsetzung von erkannten Defiziten aus dem Einsatz in Ausbildungsinhalte bereits im folgenden Durchgang hin. In 2011 führen an 240 Tagen deutsche und internationale Truppen insgesamt 18 Übungsdurchgänge, auf Verbandsebene überwiegend als Einsatzvorbereitung am Gefechtsübungszentrum durch. Dabei wird so realitätsnah wie möglich ausgebildet. Dazu gehören dann auch gemeinsame Luftoperationen mit den amerikanischen Verbündeten am GÜZ unter realen Bedingungen, sowie gemeinsame Übungen mit afghanischen Offizieren und Sprachmittlern. Im internationalen Vergleich belegt unsere Einrichtung einen Spitzenplatz, den wir nur halten können, wenn weiterhin die finanziellen Mittel bereit gestellt werden", stellte er fest. Als zukünftige Ziele formulierte er die Weiterentwicklung des mobilen Auswertesystems MASIE, die Einführung der 2. Generation AGDUS und die Einbindung weiterer Waffensysteme in das Übungssystem. Außerdem soll das GÜZ in der Zukunft über eine umfassende urbane Infrastruktur verfügen.

Mit den Worten: "Es ist nicht alles schlecht in Afghanistan" leitete Generalmajor Clauß den Vortrag von Brigadegeneral Dieter Warnecke ein. In knapp sechzig Minuten führte der Stellvertretende Leiter Einsatzführungsstab im BMVg seine Zuhörer vom Start der ISAF Mission zur Lage 2011 und deren strategischen Entwicklungslinien.

Von der Übernahme der Verantwortung der Deutschen im Norden für die Regionalen Wiederaufbauteams (PRTs) im Oktober 2003 bis heute habe sich viel verändert. Seit im August 2009 durch ISAF und auf nationaler Ebene eine umfassende Lagebeurteilung durchgeführt worden sei, habe man im Sinne eines "Ganzheitlichen Ansatz" alle drei ISAF-Operationslinien, die Lines of Operation "Security", "Reconstruction and Developement" und "Governance" betrachtet. Formaler Ausgangspunkt und Startsignal für diesen Strategiewechsel war die Londoner Konferenz im Januar 2010. Mit der Aussage des afghanischen Präsidenten Karsai, bis 2014 die volle Sicherheitsverantwortung übernehmen zu wollen, war auch der zeitliche Rahmen der Umsetzung vorgegeben. Dieser Strategiewechsel wurde von der Bundesregierung mit der Neuausrichtung des deutschen ISAF - Engagements mit einer Mandatsobergrenze von 5.000 Soldaten und der Aufstellung von zwei Ausbildungs- und Schutzbataillonen, die im Partnering mit afghanischen Verbänden operieren, umgesetzt.

Wahrnehmung häufig unseren Erfolg, dass ISAF gemeinsam mit den inzwischen rund 300.000 afghanischen Sicherheitskräften die Opposing Military Forces (OMF) weitgehend in die Defensive gedrängt hat", so Warnecke. In seinem Vortrag wies er auch darauf hin, dass der Scheitelpunkt des internationalen Engagements in Afghanistan mit Sicherheit 2011 erreicht worden sei. In Ankündigung der am 5. Dezember in Bonn stattfindenden Konferenz unter Vorsitz Afghanistans wies er auf das Ziel hin, dort das langfristige gemeinsame Engagement zu konkretisieren. Mit der zukunftsgerichteten Partnerschaft (Enduring Partnership) hat die NATO bereits deutlich gemacht, dass ihr internationales Engagement 2014 nicht beendet sein wird.

Die Afghan National Army (ANA) kämpft im eigenen Land

In einem sehr engagierten Vortrag konnte Oberst i.G. Jürgen-Joachim von Sandrart seine Erfahrungen als Senior Mentor OMLT 209. ANA Corps im ersten Halbjahr 2011 weitergeben. Der erst im Juli 2011 aus dem Einsatz zurückgekehrte G3 der 1. PzDiv verstand es, offen und klar die Erfolge und Herausforderungen im Einsatzland herauszustellen, wobei er gleich zu Beginn die Notwendigkeit einer fundierten und robusten Einsatzvorbereitenden Ausbildung hervorhob: "Jeder Soldat ist zugleich Infanterist, Mentor und Partner". Aus seinen Eindrücken als Berater des Kommandeurs des 209. ANA Corps, Brigadegeneral Zalmai Wesa, bewertete er die inzwischen erreichten Fähigkeiten zu Operationsplanung und -führung des Korps als beachtlich und mit Blick auf die angestrebte Unabhängigkeit von ISAF in den kommenden Jahren als ermutigend. Auch wenn die ANA innerhalb der Afghan National Security Forces (ANSF) als größter Vertrauensträger in der Bevölkerung anerkannt sind, ist es aufgrund der intensiven Anstrengungen der USA und auch der Deutschen Polizei gelungen, die qualitative und die Vertrauenslücke zwischen der ANA und der Afghan National Police (ANP) weiter zu schließen.

Während die Infanteriebataillone des Korps nahezu volle Einsatzbereitschaft erlangt haben, wird v.l.) Generalmajor Clauß dankt Brigadegeneral Warnecke für seinen Vortrag die ANA insbesondere bei Hochwert- und Spezialfähigkeiten, wie Joint Fire, Artillerie, Kampfund Transporthubschrauber, Erkennen und Räumen von Minen und Sprengladungen, Versorgung – Instandsetzung und Infrastruktur auf die Unterstützung - das Partnering - von ISAF in den nächsten Jahren angewiesen sein. "Das größte Potential für Misserfolg liegt bei der Übernahme der Logistischen Verantwortung", kommentierte er den weiteren Aufbau des 209. ANA Corps. Dennoch sei man im internationalen Umfeld unter Beteiligung von 18 Nationen im Norden auf dem richtigen Weg. Die intensive Diskussion im Anschluss zeigte das große Interesse aller Teilnehmer an diesem Vortrag. Der Amtschef des Heeresamtes schloss die Diskussion mit dem Hinweis, dass bereits eine Bestandsaufnahme der Ausbildung für den Einsatz stattgefunden habe, um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Einsatzausbildung umzusetzen. Unter dem Stichwort "Überleben im Einsatz" müsse jeder Unteroffizier und Offizier befähigt werden, seine Einheit oder Teileinheit infanteristisch zu führen, sagte Generalmajor Clauß.

Die Truppe war insgesamt sehr gut vorbereitet auf den Einsatz

In einem sehr detaillierten Vortrag stellte Oberstleutnant Heico Hübner seinen Einsatz als Kommandeur des Ausbildungs- und Schutzbataillons in Mazar-e-Sharif vor. Der Kommandeur des PzGrenBtl 212 zeigte dabei zunächst den Weg seines Verbandes in der Vorbereitung auf, wobei er die Übung IRON TAURUS im April 2010 als wesentlichen Meilenstein betrachtete. Aus seinem Einsatz von Februar bis August 2011 stellte er die wesentlichen Aufgaben und Herausforderungen in seinem Einsatzgebiet im Raum Baghlan heraus. Hier analysierte er eine insgesamt gute Ausrüstung. Als größte Herausforderung beschrieb er den eigenverantwortlichen Feldlagerbetrieb des OP North und dessen kontinuierlichen Ausbau.

Den Angriff mit Improvised Explosive Devices (IED) am 2. Juni, bei dem ein Soldat gefallen ist und zehn verwundet wurden, beschrieb er als schweren Tag für den Zug und die Kompanie. Durch schnelles und entschlossenes Handeln habe man die Lage in den Griff bekommen und mit massivem Einsatz eigener Kräfte einen komplexen Angriff abgewehrt. Intensives psychologisches Debriefing habe die Soldaten wieder stabilisiert und die Truppe sei noch enger zusammengerückt. Insgesamt war der Auftrag fordernd aber durchführbar, die Motivation sei hoch und die Stimmung gut gewesen, so Hübner.

Generalmajor Clauß bedankte sich für diese Präsentation und brachte seinen Respekt, über die Art und Weise wie der Auftrag durchgeführt wurde zum Ausdruck. Ziel des Symposiums sei es gewesen, ein aktuelles und umfassendes Lagebild im Norden Afghanistans zu vermitteln, und dies sei mit den vorzüglichen Vorträgen auch erreicht worden. Der 1. Vorsitzende des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe, Generalleutnant a.D. Wolfgang Korte, schloss sich den Worten des Amtschefs an und wies auf den nächsten Termin für das Symposium am 8. und 9. März 2012 hin, bei dem neben dem Anteil Einsatz der Schwerpunkt auf die neue Struktur der Bundeswehr gelegt werde.

Text: Wilfried Luchtenberg

Fotos: Katrin Selsemeier

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Generalleutnant Jacobson
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Carsten Jacobson

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Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

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Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender