Hotline: Mo + Mi 08:00 - 13:00 Uhr +49 (0) 5192 / 98 62 81 freundeskreis@panzertruppe.com
Detailansicht

Symposium 2012 in Munster

2015-05-04 20:45
von Redaktion
2012

Der Umbau der Bundeswehr – Das Heer auf dem Weg in die Zukunft

Autoren:

Brigadegeneral Wolfgang Brüschke und Oberst a.D. Bernd-G. Köpcke

Symposium 2012

Generalleutnant a.D. Wolfgang Korte
Generalleutnant a.D. Wolfgang Korte

Am 08. und 09. März 2012 fand in MUNSTER das 12. gemeinsame Symposium des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe und des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe statt. Knapp 200 Gäste waren der Einladung der beiden Freundeskreise nach MUNSTER gefolgt und haben damit ihr Interesse an dieser Veranstaltung eindrucksvoll unterstrichen. Sie konnten sich in diesem Jahr sowohl über die Lage in AFGHANISTAN als auch umfassend über den Stand der Neuausrichtung der Bundeswehr informieren. Der Blick richtete sich dabei zunächst auf die strategische Ebene basierend auf den Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR). Dem folgten eine Betrachtung der Streitkräfte insgesamt und dann vor allem ein Blick auf das HEER2011, so die zwischenzeitlich entschiedene Bezeichnung der neuen Heeresstruktur, und schließlich die Zukunft der Panzertruppen.

Oberst Schwitalla bei seinem Vortrag
Oberst Schwitalla bei seinem Vortrag

Den Abschluss bildeten aktuelle Erfahrungen aus dem Afghanistaneinsatz. Natürlich gab es in den Pausen und am besonders am Abend reichlich Gelegenheit, kameradschaftliche Gespräche über Generationen hinweg zu führen. Nach der Begrüßung und Einführung durch den Vorsitzenden des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe, Generalleutnant a. D. Wolfgang Korte, berichtete zunächst in Vertretung seines an diesem Tage noch abwesenden Kommandeurs Oberst Artur Schwitalla als Gastgeber des Symposiums über die beeindruckende Leistungsbilanz des vergangenen Jahres sowie aktuelle Arbeitsfelder des Ausbildungszentrums MUNSTER. Wie nicht anders zu erwarten war, wurde dies ein sehr umfassender Beitrag, denn auch im Ausbildungszentrum wirft die Bundeswehrreform unübersehbar ihre Schatten voraus. Auf die diversen Sondervorhaben und Ereignisse der vergangenen Monate soll an dieser Stelle nur kurz eingegangen werden.

Als Stichworte mögen genügen:

  • Die Informations- und Lehrübung des Heeres (ILÜ) 2011
  • Der Tag der Panzertruppen 2011 in Verbindung mit der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag. Beide Vorhaben mussten 2011 erstmals ohne die vielfältigen Unterstützungsleistungen der Grundwehrdienstleistenden sichergestellt werden
  • Der Kommandeurwechsel an der Spitze des Ausbildungszentrums am 13. Januar 2012 mit der Übergabe der Führungsverantwortung von BG Feldmann an BG Schütt in Anwesenheit von rund 300 Gästen
  • Die Übergabe des Kommandos über das Offizieranwärterbataillon von OTL Preisner an OTL Schuckmann am 20. Januar 2012

Weiterentwicklung des Ausbildungszentrums MUNSTER

STAN Struktur Ausbildungszentrum Munster
STAN Struktur Ausbildungszentrum Munster

Oberst Schwitalla setzte dann fort mit den absehbaren Auswirkungen der Bundeswehrreform auf das Ausbildungszentrum. Regelmäßige Gäste des Ausbildungszentrums werden sich erinnern, dass die Weiterentwicklung unseres Mutterhauses sehr anschaulich in Form einer Angriffsoperation mit Zwischenzielen und einem Angriffsziel dargestellt wurde. Das Ziel der letzten Umbauoperation war 2010 im Wesentlichen erreicht. Das Verbleiben dort wird absehbar nur von kurzer Dauer sein. Weitere Zwischenziele und ein neues Angriffsziel zeichnen sich bereits deutlich ab,

Hierzu gehören:

Die unmittelbar bevorstehende Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe noch im März 2012. Die Auflösung der Bereiche Weiterentwicklung der Panzertruppen und der Heeresaufklärungstruppe bis Ende März 2013.

Die Aufstellung einer dritten Kompanie im Offizieranwärterbataillon 2013. Die Unterstellung zweier neuer UA / FA – Bataillone 2014 unter Auflösung der Ausbildungsbereiche III und IV Panzertruppen. Die Unterstellung der heutigen Artillerieschule (künftig Ausbildungsbereich StreitkräftegemeinsameTaktische Feuerunterstützung (STF) / Indirektes Feuer) 2014. Damit wird das Ausbildungszentrum MUNSTER künftig über eine enorme Leitungsspanne verfügen und unter Einbeziehung von IDAR – OBERSTEIN auch sehr großräumig disloziert sein. Wie alle zentralen Ausbildungseinrichtungen im HEER2011 wird das Zentrum dem neu aufzustellenden Ausbildungskommando des Heeres in LEIPZIG unterstellt werden.

 

Die Panzertruppen im HEER2011

Und schließlich folgte eine mit besonderem Interesse verfolgte ausführliche Darstellung der absehbaren Neuerungen bei den Panzertruppen.

Während Grobstrukturen und Stationierungsentscheidungen bereits seit dem 26. Oktober 2011 allseits bekannt geworden sind, ist die Ausformung der neuen Binnenstrukturen zwar konzeptionell abgeschlossen, bedarf jedoch noch der weiteren Abstimmung und Billigung. Insofern haben die folgenden Informationen noch Planungscharakter.

Vergleich Panzertruppen
Vergleich Panzertruppen

Angesichts der bevorstehenden erheblichen Umfangsreduzierung des Heeres insgesamt werden die Kampftruppen nur unterproportional verringert, teilweise sogar noch aufwachsen. Von den heute sechs Panzerbataillonen werden nur noch vier als aktive Verbände, jedoch künftig mit jeweils vier Panzerkompanien, bestehen bleiben. Dazu wird das Panzerbataillon 413 aus TORGELOW in ein Jägerbataillon, das Panzerbataillon 33 aus NEUSTADT AM RÜBENBERGE in ein Panzergrenadierbataillon umgegliedert. Für die Panzergrenadiertruppe bedeutet die neue Struktur den Aufwuchs um eben dieses eine neue Bataillon.

Die gestiegene Bedeutung der Panzertruppen im HEER2011 wird noch deutlicher, wenn man eine Bilanz der Kampfkompanien betrachtet. So ergibt sich auch in der Panzertruppe lediglich eine moderate Reduzierung von 18 auf 16 Kampfeinheiten, bei der Panzergrenadiertruppe hingegen ein Aufwuchs von 24 auf 27 Kampfkompanien. Es bleibt zu hoffen, dass es bei diesen Planungen bleibt und wir nicht wie schon in der Vergangenheit im Rahmen weiterer Ausplanungen mangels ausplanbarer Dienstposten die vierte Kampfkompanie in den Verbänden der Panzertruppe wieder aufgeben müssen. Die gesamten Dienstposten für die Panzertruppen werden nur ganz geringfügig von 7.688 auf 7.480 sinken. Panzertruppe und Panzergrenadiertruppe werden künftig jeweils über zwei nichtaktive Verbände verfügen, die heute bisher nur bei den Panzergrenadieren existieren.

Ausrüstungsplanungen

Die Flotte der DeutschenPanzertruppe umfasst heute 350 Kampfpanzer. Im Rahmen der Neustrukturierung des Heeres wird es zu einer Reduzierung auf lediglich noch 225 Kampfpanzer kommen. Dies bedeutet, dass es angesichts der Anzahl von 16 Panzerkompanien mit einem Soll von jeweils 14 Kampfpanzern und dem Bedarf an weiteren Waffensystemen in den Zentralen Ausbildungseinrichtungen keine materielle Vollausstattung der Truppe mehr geben wird. Wie die Aufteilung des verbleibenden Großgerätes erfolgen wird ist derzeit ebenso wenig entschieden wie die Art der Zusammensetzung der Panzerflotte nach Typen.

Der Schützenpanzer Marder wird derzeit in der Version 1 A 5 A 1 sehr erfolgreich in AFGHANISTAN genutzt. Bei diesem Typ wurden einige entscheidende Verbesserungen wie z. B. eine Klimaanlage nachgerüstet. Mit der Einführung des neuen Schützenpanzers PUMA wird der Marder komplett aus der Nutzung gehen. Mit dem PUMA wird die Panzergrenadiertruppe über den dann modernsten Schützenpanzer weltweit verfügen. Von den zunächst ausgeplanten 405 Fahrzeugen werden nach derzeitiger Befehlslage für das HEER2011 nunmehr noch 350 beschafft. Der Zeitplan für die Einführung des PUMA sieht vor, ab 2014 jährlich größere Stückzahlen auszuliefern und die Ausstattung aller Bedarfsträger bis zum Jahr 2019 abzuschließen.

GTK Boxer FüFz
GTK Boxer FüFz

Das Gepanzerte Transportkraftfahrzeug (GTK) Boxer wird durch mehrere Truppengattungen genutzt. In der Variante "Gruppenfahrzeug" ist es das Standardfahrzeug der Jägertruppe. Die Variante "Führungsfahrzeug" wird durch die Kompanieführungen der Jägertruppe sowie durch die Bataillonsgefechtsstände der Panzertruppe, der Panzergrenadiertruppe und der Jägertruppe genutzt. Damit wird der Boxer den M 577 als Gefechtsstandfahrzeug ablösen. Die Serienfertigung des Systems ist angelaufen und auch die Auslieferung an die Truppe hat bereits begonnen.

Die Führungsfähigkeit der Panzertruppen wird mit dem Zulauf von neuem Großgerät, welches auch mit Führungs- und Informationssystemen ausgestattet ist, wie der PUMA ab 2013 und der Leopard 2 A 7 ab 2014 erheblich verbessert.

Stärkung der Binnengliederungen bei den Panzertruppen

Bei den geplanten Binnengliederungen der Verbände und Einheiten der Panzertruppen sind neben der Anzahl der Kampfkompanien in den Verbänden der Panzertruppe zwei Aspekte hervorzuheben. Zum einen wird es in den Bataillonsstäben künftig eine Teileinheit Einsatznachsorge mit einem Hauptmann, einem Portepeeunteroffizier und einem Mannschaftsdienstgrad geben, in der vornehmlich im Einsatz verwundete Kameraden für allgemeine Betreuungsaufgaben verfügbar sein sollen.

Gliederung einer Panzerkompanie
Gliederung einer Panzerkompanie

Leichte Einbußen wird es bei der Beratung des Kommandeurs in Fragen der Materialerhaltung geben, da künftig anstatt eines Technischen Stabsoffiziers nur noch ein Technischer Offizier geplant ist. Jedes Bataillon erhält dagegen einen Stabsoffizier als Stellvertreter, dessen Funktion nicht mit dem des S 3 Stabsoffizier gekoppelt ist Zum anderen ist es festes Ziel des Inspekteurs des Heeres, zudem die Führungsfähigkeit innerhalb der Einsatzeinheiten weiter zu verbessern. Der Chef soll künftig Major sein. Dies muss zwangsläufig personalstrukturelle Auswirkungen haben auf die Offizierdienstposten unterhalb des Kompaniechefs.

Demzufolge wird der Kompanieeinsatzoffizier Hauptmann A 12, der Zugführer des I. Zuges Hauptmann A 11 und der Zugführer des II. Zuges Leutnant / Oberleutnant sein. Der III. Zug wird von einem Portepeeunteroffizier im Rang eines Hauptfeldwebels / Stabsfeldwebels geführt werden. Die Kompaniefeldwebel der Kampfeinheiten sind durchweg mit Oberstabsfeldwebeln ausgeplant.

Führung der Panzertruppen
Führung der Panzertruppen

Diese Ausstattung einer Einheit mit Offizieren mag nach alten Maßstäben als großzügig bewertet werden. Sie ist jedoch den enorm gestiegenen Anforderungen im besonderen Auslandseinsatz geschuldet und von daher mehr als gerechtfertigt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die dargestellten Planungen ihre abschließende Billigung finden. Darüber werden wir in den nächsten Wochen Aufschluss erhalten.

Vorschriften und Ausbildung

Mit Erlass der Vorschrift HDv 220 / 100 "Führung der Panzertruppen" am 15. Juni 2011 ist es erstmals gelungen, beide Truppengattungen der Panzertruppen unter einem Dach zu vereinen. Das Kapitel 16 dieser neuen Vorschrift enthält umfängliche Ausführungen zum Thema "Operationen in urbanem Umfeld". Hier wird die besondere Bedeutung der Ebene des verstärkten Zuges beschrieben, denn insbesondere in urbanem Umfeld muss bereits der Zugführer Operationen verbundener Kräfte führen können. Die Folgevorschriften der HDv 220 / 100 für die Ebenen Kompanie und Zug sind derzeit noch in der Bearbeitung. Und schließlich gab der Vortragende einen aktuellen Überblick über den neuen Offizierlehrgang OL 3 in Folge der letzten Umstellung der Offizierausbildung im Heer.

Der Lehrgang dauert insgesamt 13 Monate. Die Lehrgangsteilnehmer hatten zum Zeitpunkt des Symposiums ihre Ausbildung zum Übungsleiter an der Sportschule der Bundeswehr und die Kraftfahrgrundausbildung absolviert. Dem folgen in den nächsten Wochen die Ausbildungsmodule 1 und 2 sowie der Einzelkämpferlehrgang. Von den insgesamt knapp 1.500 Ausbildungsstunden des gesamten Lehrgangs sind knapp 1.000 der truppengattungsspezifischen Ausbildung gewidmet. Zum 01. Februar 2013 werden die erstmals nach dem neuen Modell ausgebildeten Offiziere auf ihren ersten Dienstposten in der Truppe versetzt. Danach wird sich zeigen, inwieweit die nach den veränderten Grundsätzen ausgebildeten jungen Offiziere den Anforderungen in der Praxis gerecht werden können. Die bisherigen Eindrücke von den Lehrgangsteilnehmern stimmen da jedenfalls durchaus zuversichtlich.

Vorhaben und Termine 2012

Oberst Schwitalla schloss seinen interessanten Vortrag mit dem Hinweis auf weitere Termine im laufenden Jahr:

  • Die unmittelbar bevorstehende Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe im Rahmen eines Appells am 12. März 2012 auf dem Truppenübungsplatz TODENDORF durch den Inspekteur des Heeres und die Übergabe der verbleibenden Kräfte der Truppengattung an den Inspekteur der Luftwaffe
  • Das Gelöbnis des Offizieranwärterbataillons am 20. Juli 2012
  • Die Informations- und Lehrübung (ILÜ) des Heeres vom 22. September bis zum 02. Oktober 2012
  • Den Tag der Panzertruppen am 16. November 2012
  • Die traditionellen Feierlichkeiten zum Volkstrauertag am 17. November 2012

Im Foyer und im unmittelbaren Außenbereich des Plenumgebäudes wurden die Vorträge wie in den Vorjahren durch verschiedene, teilweise recht aufwändige Ausstellungen sehr anschaulich ergänzt. In den Pausen hatten die Gäste so Gelegenheit, sich über neue Entwicklungen gezielter zu informieren. Folgende Stationen wurden dabei angeboten:

  • Der neue Schützenpanzer PUMA
  • Die Ausstattung "Infanterist der Zukunft" (IdZ) in ihrer neuesten Version
  • Personenschützer des Feldjägerbataillons 152 aus dessen 3. Kompanie aus MUNSTER
  • Spezialpioniere des Spezialpionierbataillons 164 aus HUSUM mit Teilfähigkeiten für den Feldlagerbetrieb
  • Modelle einer neuen 120 mm - Munition
  • Schautafeln anlässlich des in diesem Jahr zu begehenden 25 – jährigen Bestehens des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe. Auch in diesem Rahmen gab es hinreichend Gelegenheit zu Fachgesprächen mit den Experten, die alle Präsentationen begleiteten und bereitwillig Auskunft gaben.

Der Umbau der Bundeswehr

Konzeptionelle Grundlagen und Eckpunkte der Streitkräftereform

Brigadegeneral Zimmer
Brigadegeneral Zimmer

Zu diesem Thema trug vor der damalige Stabsabteilungsleiter Fü S VI, Brigadegeneral Benedikt Zimmer. Ziel des Vortrages war es, dem Auditorium den Rahmen und die Ableitung darzustellen, die zu den Festlegungen im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr geführt haben. Dort, wo er endete, knüpfte am Folgetag der Führungsstab des Heeres an und entwickelte die Details für die Teilstreitkraft Heer.

Die Rahmenbedingungen, die zur Neuausrichtung der Bundeswehr geführt haben, sind vielfältig. Ein Blick auf die Sicherheitslage zeigt, dass DEUTSCHLAND unverändert von Freunden umgeben ist. Allerdings bietet die geografische Distanz zu möglichen Unruheherden heute keine Garantie mehr für Sicherheit. Der Terrorist wird in RIAD geboren, in KANDAHAR trainiert, er plant in HAMBURG den Anschlag und fliegt mit Strahlenflugzeugen in Gebäude in NEW YORK. Der Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, dass die Zahl der jungen Menschen sinkt. Dem gilt es bei der Neuausrichtung der Bundeswehr Rechnung zu tragen. Die Aussetzung der verpflichtenden Einberufung zum Grundwehrdienst war ein konsequenter Schritt, abgeleitet aus der Sicherheitslage, und mit weitreichenden Folgen für die Streitkräfte.

Der dritte Blick gilt der strategischen Ausrichtung Deutschlands. Unser Land agiert im Rahmen von Bündnissen und muss sich darauf einstellen, dass sein Beitrag künftig stärker als heute gefragt sein wird, selbst dann, wenn auf den ersten Blick unsere Sicherheitsinteressen nicht unmittelbar betroffen zu sein scheinen. Multinationalität ist ein vielgenutztes Wort in unserer Zeit. Stichworte wie Lastenteilung oder Rahmennation setzen Forderungen, die bei der Neuausrichtung der Bundeswehr ebenfalls beachtet werden müssen.

Und schließlich beeinflussen die verfügbaren finanziellen Ressourcen den weiteren Weg der Bundeswehr. Eurokrise und Staatsverschuldung sind Entwicklungen, die in besonderem Maße auch auf sie einwirken. Nicht immer effiziente Strukturen in Verbindung mit jahrelanger Unterfinanzierung zeigen Auswirkungen auf die Bundeswehr von heute. Verzögerungen, Verschiebungen und Kostensteigerungen bei Rüstungsgroßprojekten haben den nahezu vollständigen Verlust finanzieller Gestaltungsräume bewirkt.

Verteidigungspolitische Richtlinien (VPR)

Die Eckpunkte zur Neuausrichtung und die Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) bilden den Rahmen für die Anforderungen an die neue Bundeswehr. Im Sinne der Effizienz muss eine Konzentration auf das Notwendige erfolgen. Damit eng verbunden ist eine Verschlankung der Führungsstrukturen. Das Verhältnis von Truppe zu Stäben muss deutlich verbessert werden. Verfahren und Prozesse sind zu straffen. Deutschland ist in die multinationale Sicherheitsvorsorge eingebunden und kann nur im multinationalen Zusammenwirken erfolgreich zur gemeinsamen Risikovorsorge beitragen. Die Stärkung dieser Institutionen ist eine zentrale außenpolitische Zielsetzung.

Verteidigungspolitische Richtlinien
Verteidigungspolitische Richtlinien

Das erfordert auch, substanzielle militärische Beiträge zur Verbesserung der Handlungsfähigkeit dieser Institutionen zu leisten. Die künftigen Strukturen müssen zudem demografiefest und nachhaltig finanziert sein. Die VPR greifen diesen Rahmen auf. Die Politik bestimmt mit ihnen die Nationale Zielvorgabe. Daraus ist das Fähigkeitsprofil abzuleiten. Wie wir aus der Geschichte mittlerweile schmerzhaft gelernt haben, reicht aber die allgemeine Beschreibung eines solchen Profils nicht aus. Man muss auch eine Priorisierung festlegen – was wollen wir zuerst haben, welche Fähigkeit kann erst einmal hintangestellt werden?

Priorisierte Fähigkeitsprofil

Dieses wird dann an vorhandenen Ressourcen gespiegelt und in Relation zu den Ressourcen gesetzt, die schon vorhanden oder in der Planung erfasst sind. All dieses gilt es dann am verfügbaren Finanzrahmen zu messen. Genügt dieser nicht, setzt der Regelkreis neu ein. Die VPR geben drei Kernaussagen dazu vor:

  • Das nationale Interesse ist zu wahren, gegen Bedrohungen ebenso wie im Kontext der Völkergemeinschaft durch das Ausfüllen einer adäquaten Rolle Deutschlands
  • Deutschland will internationale Verantwortung übernehmen. Es steht nicht allein in der Welt, kann sich nicht auf eine allein nach innen gerichtete Betrachtungsweise beschränken. Es ist wirtschaftlich eine Großmacht und andere Nationen erwarten auch im internationalen Umfeld eine entsprechende Bereitschaft Deutschlands, sich weltweiten Aufgaben zu stellen
  • Wir wollen Sicherheit gemeinsam gestalten – und gestalten heißt mehr als reine Absichtserklärungen formulieren.

Aus diesen drei Kernaussagen entwickeln sich die Aufgaben der Bundeswehr. Sie tragen weiterhin der Rolle Deutschlands im internationalen Umfeld ebenso Rechnung wie dem Schutz unseres Landes selbst und dem Schutz der deutschen Bürger. Aus den Forderungen der VPR und den zuvor genannten Rahmenbedingungen wurde der Rahmen der Neuausrichtung entwickelt.

Prozessorientierung

Zunächst einmal hieß das, die Verfahren zu straffen, das Stichwort Prozessorientierung kam ins Spiel. Fachverwandte Gebiete sollen so weit möglich in eine Verantwortung gegeben werden. Diese klare Verantwortlichkeit hilft, Entscheidungsgänge zu beschleunigen.

Dies führt insgesamt zu zielgerichtetem Handeln, zielgerichteter, als das bisher in vielen Fällen geschehen ist

Weniger Schnittstellen heißt weniger Abstimmungsbedarf. Weniger Abstimmungsbedarf heißt Klarheit. – Oder, um es in einem Satz zu fassen: Ziel ist, Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung so weit wie möglich in einer Hand zu bündeln. Die neue Prozessorientierung führt zu einer neuen Prozesslandschaft. Die Verantwortung wird in elf Prozessen gebündelt. Mit allen Risiken: Nicht mehr jeder kann seine Vorstellungen eins zu eins einklagen. Manche Entscheidungen werden nicht mehr allen in einem Kompromiss so gerecht, wie das heute noch der Fall sein mag. Aber auch mit allen Chancen: Partikularinteressen werden zurückgedrängt. Zeitabläufe zur Herbeiführung einer Entscheidung werden verkürzt. Der Verantwortliche ist eindeutig identifizierbar.

Die Forderung an die Organisationsbereiche ist damit auch eindeutig: Auftrag und Aufgaben bestimmen die Organisation. Die zehn Organisationsbereiche bilden das Aufgabenfeld in ihren Strukturen ab, für das ihnen im Bereich eines Prozesses die Verantwortung übertragen worden ist. Der Blick auf die Weiterentwicklung mag dies verdeutlichen. Die streitkräftegemeinsame Weiterentwicklung wird künftig im Planungsamt der Bundeswehr geleistet, das noch neu aufzustellen ist. Kein weiterer Organisationsbereich – weder militärisch noch zivil – hat Personal für diesen Anteil der Weiterentwicklung in seinen Strukturen abgebildet. Natürlich wird die Weiterentwicklung spezifischer Themen – in MUNSTER liegt nahe, die Panzertruppe oder die Panzergrenadiertruppe als Beispiel zu nennen – auch weiterhin von dem einzigen, davon betroffenen Organisationsbereich getragen, nämlich dem Heer.

Gliederung und Personalumfänge der Bundeswehr

Unter dem Bundesministerium der Verteidigung gibt es künftig fünf militärische und fünf zivile Organisationsbereiche. Militärische Organisationsbereiche sind die Streitkräfte mit den drei Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine und den militärischen Organisationsbereichen Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr. Auf der zivilen Seite gibt es die Bundeswehrverwaltung mit den Organisationsbereichen Personal, Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung sowie Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen. Die Organisationsbereiche Rechtspflege und Militärseelsorge runden die Aufstellung der zivilen Seite ab.

Prozessorientierung
Prozessorientierung

Als Personalumfänge wurden die hier aufgezeigten Zahlen festgelegt. Sie basieren auf dem Abwägen von Zwängen der demografischen Entwicklung ebenso wie auf dem gegebenen Finanzumfang, der für die Bundeswehr absehbar verfügbar ist. 185.000 Soldatinnen und Soldaten setzen sich zusammen aus 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten, 5.000 Freiwillig Wehrdienstleistenden (FWD) sowie bis zu 7.500 weiteren FWD. Für Reservisten sind bis zu 2.500 Wehrübungsplätze vorgesehen.

Das Priorisierte Fähigkeitsprofil (PPF)

Die Prozesse sind somit festgelegt, der Personalrahmen ist bestimmt. Dem folgt die Entwicklung eines Priorisierten Fähigkeitsprofils (PFP). Die Ambitionen Deutschlands reichen von der sehr wahrscheinlichen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung bis hin zur derzeit eher unwahrscheinlichen Option der Landesverteidigung im Rahmen der Bündnisverteidigung. Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sollen als sogenannte Major Operations in bis zu zwei Einsatzgebieten geleistet werden können. Natürlich heißt das nicht zwei Mal Einsätze in der Größenordnung des ISAF – Engagements mit durchhaltefähigen Kräften. Das kann aber zum Beispiel einmal ISAF und einmal die Übernahme von Führungsaufgaben mit einem Operational Headquarters (OHQ) oder einem Force Headquarters (FHQ) bedeuten.

Ungefähr 10.000 Soldaten sollen durchhaltefähig für Einsätze verfügbar sein. Dieser Umfang gilt natürlich nicht für eine einzige spezifische Fähigkeit. Da die Bundeswehr aber – wenn es ein großes Kontingent geben sollte – immer ein breites Fähigkeitsspektrum aufbieten muss, ist diese Forderung durchaus realistisch. Klar ist aber auch, dass derzeit der Fall einer Landesverteidigung im Rahmen der Bündnisverteidigung eher zu den unwahrscheinlichen Einsätzen gehören wird.

Trotzdem – er steht weiterhin im Lastenheft der Streitkräfte und wird im Folgenden noch verdeutlicht werden. Das Leistungsvermögen der Bundeswehr – also die Fähigkeiten der Streitkräfte und die durch den zivilen Bereich geleisteten Beiträge und Fähigkeiten sollen ein breites Fähigkeitsspektrum abdecken – es wird also kein Verzicht auf eine Fähigkeit Land, See oder Luft und alle dafür notwendigen Unterstützungsleistungen geben.

Das Stichwort dazu lautet: Breite vor Tiefe

Damit ist allerdings zugleich klargestellt, dass in der Spezialisierung Abstriche hingenommen werden müssen, wenn diese Personal, Material und Finanzen so binden würden, dass man auf andere Fähigkeiten verzichten müsste. Das Durchhaltevermögen ist dabei unterschiedlich zu gewichten. Wir werden nicht alle Fähigkeiten durchhaltefähig bereithalten können.

Die Multinationalität zeigt hier durchaus Lösungswege auf. Fähigkeiten von Partnern können die Durchhaltefähigkeit ergänzen, sie werden diese vielleicht eines Tages sogar ersetzen. Bis dahin ist es sicher noch ein weiter Weg, doch er wird angesichts der in allen Partnernationen gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen in Zukunft nicht auszuschließen sein. Schließlich ist ein weiteres bestimmendes Element die Konzentration auf das Notwendige. Die Ambitionen sind politisch vorgegeben, sie auszufüllen obliegt der militärischen Führung – den Finger zu heben, wenn es nicht mehr geht, liegt ebenfalls in deren Verantwortung.

Der Vortragende zeigte dann nochmals an Hand eines Bildes (s. unten) die gesamte Breite des angestrebten Fähigkeitsspektrums auf, ging dabei jedoch bewusst nicht auf Details der Darstellung ein. Das Bild machte allerdings eines klar: Die Bundeswehr benötigt nicht nur Fähigkeiten für die Landesverteidigung im Rahmen der Bündnisverteidigung. Sie braucht auch nicht nur Fähigkeiten für die internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung. Sie braucht zum Beispiel auch die Fähigkeit zur Öl - Überwachung, zur Rüstungskontrolle oder zur Sicherstellung des SAR - Dienstes im Rahmen der Gesamtstaatlichen Aufgaben. Und sie bindet einige Fähigkeiten in mehreren Aufgabenfeldern zugleich – als Stichwort sei hier das Militärische Nachrichtenwesen genannt, das in allen Aufgabenfeldern eingebunden ist.

Nationale Zielvorgabe - Level of Ambition
Nationale Zielvorgabe - Level of Ambition

Bei allen erwähnten Aufgaben wird selbstverständlich auch dem Heimatschutz eine besondere Bedeutung zukommen. Darunter wird verstanden die Hilfeleistung bei Naturkatastrophen und schweren Unglücksfällen, beim Schutz kritischer Infrastruktur und beim Inneren Notstand. Niemals wird es dazu kommen, dass diese Fähigkeiten völlig für andere Aufgaben gebunden sein werden. Die Wahrnehmung der dargestellten Aufgaben ist also nicht gleich wichtig. Die Strukturwirklichkeit wird daher durch die Forderung nach einer differenzierten Durchhaltefähigkeit bestimmt. Der Umfang, in dem eine Fähigkeit vorgehalten werden soll – also in den Strukturen der Bundeswehr abgebildet wird – ist sehr differenziert zu betrachten.

Fähigkeiten, die für eine kurzfristige Eingreifoperation vorzuhalten sind, werden im Umfang klein sein können. Fähigkeiten für eine lang andauernde Stabilisierungsoperation müssen sich dagegen an vielen Richtwerten orientieren: Da ist die grundsätzliche Stehzeit im Einsatz von vier Monaten, die Regenerationszeit und Neuausbildungszeiten und sicher nicht zuletzt die Zeit der Auffrischung einzubeziehen – oder deutlicher gesagt – es muss auch an die Familien der Angehörigen unserer Soldaten im Auslandseinsatz gedacht werden. Fähigkeiten für zeitlich abgestufte Einsätze wiederum stellen wieder andere Anforderungen hinsichtlich des vorgehaltenen Umfangs (z. B. Militärbeobachteraufgaben, Humanitäre Hilfe, "Air - Policing" auf dem BALTIKUM). Und natürlich sind die Daueraufgaben nicht zu vergessen – zum Beispiel der Schutz des Deutschen See- und Luftraums oder der SAR – Dienst. Dies sind Aufträge, die unabhängig von anderen Aufgaben ständig erfüllt werden müssen.

Gleichzeitigkeit von Einsatzoptionen

Differenzierte Durchhaltefähigkeit
Differenzierte Durchhaltefähigkeit

Am Beispiel der Landesverteidigung im Rahmen der Bündnisverteidigung lässt sich verdeutlichen, dass wir in dem jetzt festgelegten Fähigkeitsprofil nicht alles zeitgleich absolvieren können. Natürlich fällt es bei einer Bündnisverpflichtung vergleichbar leicht, Kräfte der schnellen Reaktion wie NRF oder EU - Battlegroup in den Einsatz zu bringen. Je nach Kräfteumfang, der darüber hinaus bereit gestellt werden muss, wird es aber dazu kommen müssen, dass laufende Einsätze eingeschränkt oder schließlich ganz abgebrochen werden müssen. Schon mit dem ersten Eingriff in die Kontingentsystematik ergibt sich Entscheidungsbedarf – insbesondere angesichts der Tatsache, dass für die Aufgabe Landesverteidigung im Rahmen der Bündnisverteidigung ein Zeitansatz von bis zu einem Jahr gerechnet werden muss. Bleibt es dagegen bei Beistellungen von Kräften, die wir nicht in einem laufenden Einsatz vollständig gebunden haben, werden die Aufgaben parallel weiter laufen können. Der Blick auf die Multinationalität zeigt darüber hinaus, dass es sowohl rein deutsche Beiträge als auch – insbesondere mit Blick des Agierens als Rahmennation wie für das RC North in AFGHANISTAN – mit anderen Partnern gemischte Elemente geben wird.

Abschließend kam der Referent zu dem Fazit, dass die Neuausrichtung der Bundeswehr – so wie sie heute geplant ist – ein guter Schritt in die Zukunftsfähigkeit sein wird. Das, was geleistet werden soll, das, was Ziel der Bundesrepublik Deutschland mit ihrer Bundeswehr ist, das wird nach heutiger Einschätzung auch geleistet werden können. Ob sich am Ende der jetzt festgelegte Weg als Idealweg herausstellt werden uns erst die Erfahrungen aus den nächsten Schritten lehren.

Aussprache

In der abschließenden Aussprache zum Vortrag von Brigadegeneral Zimmer kam in diversen Beiträgen vor allem die Sorge zum Ausdruck, dass nach Realisierung der Reform zu geringe Kräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung verfügbar seien.

In der Tat ist es gewöhnungsbedürftig zu hören, dass auf Seiten des Heeres für eine derartige hochintensive Operation lediglich Kräfte in Stärke einer Division verfügbar gemacht werden könnten

Mehr werden beispielsweise allein die neuen Obergrenzen an Großgerät des Heeres mit beispielsweise nur noch 225 Kampfpanzern oder 81 Panzerhaubitzen 2000 nicht hergeben. Ist dies verinnerlicht, weil wir natürlich von einer Operation irgendwo an den Rändern des Bündnisgebietes sprechen und ganz sicher nur gemeinsam mit den Verbündeten zum Einsatz kämen, stellt sich sogleich die Frage nach der Ausgewogenheit der aktuellen Streitkräfteplanungen insgesamt. Hier konnte ein starker Zweifel im Plenum letztlich nicht ausgeräumt werden. Dabei wurde in der Diskussion vor allem die vergleichsweise sehr hohe Zahl von geplanten 144 Eurofightern hinterfragt.

Gesellschaftsabend im Kasino Kornett

Vorrangig strukturbegründend war die Sicherstellung der langfristigen Durchhaltefähigkeit für zukünftige Einsätze mit im Kern 2 stehen Einsatzverbänden.

mit Festvortrag „25 Jahre Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe“

von Generalmajor a.D. Felix Beckmann
Generalleutnant a.D. Korte bei seiner Begrüßung zum Herrenabend
Generalleutnant a.D. Korte bei seiner Begrüßung zum Herrenabend

Am Abend des ersten Tages versammelten sich die Teilnehmer wie in jedem Jahr im Kasino Kornett. Am Schluss der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe bat Generalleutnant a. D. Korte alle Gäste, einen Moment inne zu halten und in Gedanken bei allen deutschen Soldaten in den Auslandseinsätzen zu verweilen. Danach erfolgte ein Festvortrag durch den ersten 1. Vorsitzenden und Mitbegründer des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe, Generalmajor a. D. Felix Beckmann, in dem dieser anlässlich des 25 – jährigen Bestehens des Vereins dessen Entstehungsgeschichte und Weiterentwicklung Revue passieren ließ.

Nach dem offiziellen Teil und einem sehr reichhaltigen Büffet wurden kameradschaftliche Gespräche in wechselnden Runden teilweise bis spät in die Nacht geführt. Dabei sollen wie in den Vorjahren nicht nur die aktuelle und zukünftige Entwicklung in den Einsatzgebieten im Vordergrund gestanden, sondern die "Geschichten von früher" erheblichen Raum eingenommen haben.

GenMaj a.D. Felix Beckmann, Ehrenpräsident des FOP bei seinem Festvortrag
GenMaj a.D. Felix Beckmann, Ehrenpräsident des FOP bei seinem Festvortrag

ln diesem Jahr besteht der Freundeskreis 25 Jahre. Für die große Gemeinschaft unserer Vereinigung Anlass, zu gedenken und zurück zu schauen. In dem zurückliegenden Vierteljahrhundert sind unsere Leutnante aufgewachsen und ausgebildet worden. Obwohl in unserer sich rasch verändernden Umwelt 25 Jahre nur eine kurze Zeitspanne sind, waren diese Jahre angefüllt mit Ereignissen, die sich nachhaltig auf unsere Truppengattung ausgewirkt haben. Einen Tag nach der Gründung des Freundeskreises unterzeichneten Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow den ersten Vertrag über die nukleare Abrüstung. Damit war die atomare Bedrohung abgeschwächt.

Die Bedeutung von gepanzerten Kampftruppen, vor allem dem Kampfpanzer, im Gefecht der verbundenen Waffen, unter nichtatomaren Bedingungen, hatte damit weiter an Gewichtung gewonnen. lm Gefecht der verbundenen Waffen verfügte nur der Kampfpanzer als Element der Initiative über die erforderliche Feuerkraft und Beweglichkeit als Voraussetzung der Durchsetzungs- und Überlebensfähigkeit. Er war das Rückgrat der Panzerabwehrfähigkeit des Heeres.

Heute wissen wir, dass der INF-Vertrag vom 8.12.1987 den Anfang vom Ende des Kalten Krieges markierte. Weitere wesentliche Entwicklungen in dieser Zeitspanne waren;

  • die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes
  • der Bürgerkrieg in Jugoslawien
  • der Terrorangriff vom 11.09.2001 auf die USA, in dessen Folge die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt ist
  • die Aussetzung der Wehrpflicht und die damit verbundene Neuausrichtung der Bundeswehr
  • sowie die sogenannte Euro-Krise

Die durch die politischen Vorgaben im Verlauf der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes erforderlichen Umfangsreduzierungen und die damit verbundenen Strukturabwandlungen, veränderten die Panzertruppe überproportional.

Die Panzertruppe, die Schwerpunktwaffe des Heeres, wurde von 85 Panzerbataillonen stufenweise auf 4 plus 2 Panzerbataillone verringert. Damit ist der Organisationsrahmen der Panzertruppe unter die Anfangsstruktur des Aufbaujahres 1956 zurückgeführt worden. Das gewachsene Gefüge ist damit erheblich verändert. Die Truppengattung die bisher auf einen Einsatz, als Kern des Heeres, im Gefecht der verbundenen Waffen, zur Verteidigung der Bundesrepublik gegen einen Angriff aus dem Osten ausgerichtet war, ist nun seit 20 Jahren rnit und ohne Kampfpanzer im Einsatz, außerhalb des Bundesgebietes. Besonders der Einsatz in Afghanistan ohne den Kampfpanzer, haben das Wesen und die Aufgaben der Panzertruppe beeinflusst. Solche einschneidenden Veränderungen in Auftrag und Struktur der Panzertruppe wären sicherlich ein ausreichender Anlass gewesen, um eine Vereinigung, beziehungsweise einen Freundeskreis zu gründen.

Diese Entwicklung konnten die Gründungsmitglieder nicht vorhersehen, als sie im Dezember 1987 den Entschluss zur Gründung eines Freundeskreises der Panzertruppe umsetzten. Sie wollten einer Idee Inhalt geben, die schon 1979/1980 entstanden war. Die Panzertruppe besaß bereits in der Vergangenheit eine innere Stabilität und Gemeinschaft.

Einen guten, "Korpsgeist" und einen wesenseigenen Waffenstolz.

Gerade die kriegsgediente Generation hat diesen Korpsgeist und Waffenstolz in die Truppengattung mitgebracht und weitergegeben. Sie hatte seit 1956 beim Aufbau der Bundeswehr ihre Erfahrungen in die Panzertruppe eingebracht und die Truppengattung wesentlich geformt. Auf dieser Basis haben die folgenden Generationen der -Andernacher- der -Munsteraner- und der jungen Offiziere aus dem Bundesgrenzschutz aufgebaut. Es war eine moderne, hochbewegliche Truppengattung im Denken und in der Ausstattung entstanden. Der Zusammenhalt in der Panzertruppe gründete sich auf das gemeinsame Erleben in der kleinen Kampfgemeinschaft und auf die erbrachten Leistungen in der Ausbildung und auf den hohen Leistungsstand im internationalen Vergleich.

Bei der Realisierung der Heeresstruktur 4 zeigte sich bereits, dass durch die Auffächerung der Personalführung in Verwendungsgebiete und die erheblichen Strukturveränderungen bei vielen Angehörigen der Panzertruppe, besonders in Kommandobehörden und gemischt besetzten Dienststellen, die Verbindung zu ihrer Truppengattung gelockert oder verloren gegangen war. Nach fast 25 Jahren Dienst in der Bundeswehr waren die Panzermänner mit Vordienstzeiten aus der Wehrmacht, in den Ruhestand versetzt worden. Darunter die Kommandeure, Kompaniechefs und Kornpaniefeldwebel die, die Panzertruppe der Bundeswehr aufgebaut hatten. Diese ehemaligen Soldaten waren ohne Kontakt zu ihrer Truppengattung, die sie geprägt hatten. Kenntnisse über die Weiterentwicklung ihrer Truppengattung waren nicht mehr gegeben. Eingaben und Schriftverkehr aus diesem Personenkreis bestätigten dieses. Der Dienstherr und die Bataillone die durch Umgliederungen, Verlegungen und Umbenennungen voll in Anspruch genommen waren, konnten oder wollten diese Betreuungsaufgabe nicht leisten.

Bei der Leitung des Hauses und bei der Spitze des Heeres war damals keine Gegenliebe zur Gründung einer Vereinigung der Panzertruppe erkennbar. Es wurde der wohlmeinende Rat erteilt, keine Vereinigung zu gründen, das Heer brauche so etwas nicht und eine Truppengattung schon gar nicht. Auf ein mögliches Eigenleben wurde unter Hinweis auf einen schon bestehenden Freundeskreis innerhalb der Truppengattung hingewiesen. Die Idee lebte jedoch weiter. Bei den durch den Inspizienten Panzertruppe, ausgerichteten Panzerabenden im Heeresamt war in den folgenden Jahren festzustellen, dass der Zusammenhalt kaum noch vorhanden war. Kenntnisse über die Panzertruppe fehlten. Vor diesem Hintergrund wurde jetzt die Idee weiter verfolgt, eine Vereinigung der Panzertruppe zu gründen, um den Zusammenhalt der Truppengattung zu festigen und die Interessen der Panzertruppe zu vertreten.

Am 20. Januar 1986 erging ein Aufruf, zugleich ein Vorschlag, eine Vereinigung oder eine Kameradschaft der Panzertruppe zu gründen. Dieser Aufruf traf auf ein reges Interesse. Nach Auswertung von Umfragen, Abwägen der Möglichkeiten, Beteiligung der Kommandobehörden und der Truppe sowie der offenen Diskussion beim Panzerabend 1986 wurde der Entschluss gefasst, eine Vereinigung zu gründen. Diese Absicht wurde durch über 500 überwiegend positive Meinungsäußerungen gestützt. Bei den Vorbereitungen ergab sich, dass die Gruppe der Unteroffiziere wenig Interesse zeigte. Für diese Dienstgradgruppen, die überwiegend in ihren Bataillonen aufgewachsen waren, und dort eine lange Stehzeit hatten, war eine überörtliche Vereinigung nicht bedeutsam.

Der Aufruf vom Januar 1986 wurde beharrlich weiterverfolgt. Inzwischen hatte das Ministerium der Errichtung einer Vereinigung der Panzertruppe zugestimmt. Nach gründlicher Vorarbeit rief eine Gruppe von 7 aktiven Offizieren, 9 Offizieren außer Dienst und 1 Reserveoffizier zu einer Gründungsversammlung am 7. Dezember 1987 auf. An dem erheblichen Zeitraum zwischen Aufruf und Gründung ist abzulesen wie sorgfältig und gewissenhaft der Beginn vorbereitet worden ist. ln dieser Zeit wurde erneut mit den Unteroffizierkorps der Bataillone und den Sprechern der Unteroffiziere in den Ämtern und Dienststellen Verbindung aufgenommen. Ein Interesse an einer überregionalen Vereinigung war auch nach Bedenkzeit nicht erkennbar.

Die Gründungsversammlung beschloss, dass der Freundeskreis verbindlich nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ins Leben treten sollte. Als Name wurde bestimmt, Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe. Die Versammlung wählte für den Freundeskreis die Rechtsform eines eingetragenen Vereines. Damit hatte der Freundeskreis bei der Ausgestaltung und Organisation entsprechend dem Bürgerlichen Gesetzbuch weitgehend freie Hand. Einer Einflussnahme von außen waren dadurch Grenzen gesetzt. Die Rechtsfähigkeit erlangte der Freundeskreis durch die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichts Köln. Der Kölner Stadtanzeiger und die Abendzeitung der Express, berichteten über die Eintragung mit dem Hinweis, dass es jetzt einen Bundeswehrverband nur für Offiziere geben würde. Dieses rief nun den Bundeswehrverband auf den Plan. Ein gewisses Misstrauen bei der Verbandsführung bestand noch einige Zeit gegenüber dem Freundeskreis.

Die durch den Vorstand erarbeitete Satzung legte die Ziele und den Zweck der Vereinigung fest. Entsprechend dieser Zielsetzung erhielt der Freundeskreis vom Finanzamt Köln-Süd die Zuerkennung "Gemeinnützig". Durch regionale Veranstaltungen bei den Brigaden und Bataillonen von Flensburg bis Kirchham von Bad Frankenhausen bis Brück und bei Vortragsveranstaltungen, den Panzerabenden im Heeresamt und Treffen im Köln - Bonner- Raum sowie den Hardtbergtreffen, stellte der Vorstand den Freundeskreis vor. ln den Jahren bis 1994 wurden dreißig dieser Veranstaltungen durchgeführt.

Viele Kameraden konnten dabei wieder erreicht, alte Verbindungen neugeknüpft werden. Unterstützt wurden diese Bemühungen durch die Herausgabe der sogenannten "Rosa Mitteilungsblätter". Das bereits bestehende Nachrichtenblatt für die Soldaten und Reservisten der Panzer- und Panzerjägertruppe ,,Das Schwarze Barett", übernahm schon bald – als Organ zur Verbindung mit den Mitgliedern und zur Wirkung in die Truppengattung hinein –, die Aufgabe der Mitteilungsblätter. Seit dem ist es ein festes Bindeglied geworden. Das ,,Schwarze Barett" ist nicht nur Nachrichtenblatt für die Truppengattung und den Freundeskreis, es hat auch durch seine zeitgeschichtlichen Beiträge einen hohen Stellenwert erlangt. Erfreulicherweise wurde der Freundeskreis rasch angenommen und hatte bereits nach zwei Jahren Bataillonsstärke erreicht. Nach Erscheinen des Buches "Schild und Schwert – die Geschichte der Panzertruppe in der Bundeswehr", konnte erneut ein erheblicher Mitgliederzuwachs vermerkt werden. Nach zehn Jahren war die Zahl der Mitglieder bereits auf über 1.000 angewachsen.

Zwischenzeitlich konnte der Freundeskreis bei der Neueröffnung des Panzermuseums mitwirken und das Komitee Nachbau A 7 V unterstützen. Das Komitee hatte auf freiwilliger Basis, ohne Beteiligung der Bundeswehr, den Nachbau des Kampfwagens A 7 V veranlasst, vorangetrieben und den nachgebauten Kampfwagen dem Panzermuseum übergeben. Aus den Erlösen des vom Vorstand heraus gegebenen Buches 50 Jahre Panzertruppe der Bundeswehr, erhielten der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und soziale Einrichtungen der Bundeswehr namhafte Beträge.

Angeregte Unterhaltung
Angeregte Unterhaltung

Der Freundeskreis hat viel erreicht. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft ist gelungen, die Verbindung zwischen den Generationen der Panzertruppe, zwischen den Reservisten und den jungen Kameraden ist hergestellt und wird gehalten. Hier ist zu erwähnen die erfolgreiche Arbeit der Freundeskreise an den Universitäten in Hamburg und München. Besonders den jungen Panzersoldaten galt die Aufmerksamkeit. Die Stiftung des Ehrenpreises an den Lehrgangsbesten Fahnenjunker ist der äußere Beweis. Die Neuausrichtung unserer Bundeswehr wird neue Anforderungen an den Freundeskreis stellen. Es gilt die Mitglieder zu binden, deren Truppenteile und Standorte aufgelöst werden. Mitglieder die in Dienststellen außerhalb der Truppengattung versetzt werden, müssen auch weiterhin Kenntnis über ihre Truppengattung erhalten. Es gab aber auch Missverständnisse darüber, welche Stellung der Freundeskreis hat und über seine Wirkungsmöglichkeiten. So erklärte ein hochausgezeichnetes Mitglied, welches maßgeblich am Aufbau der Panzertruppe beteiligt war, seinen Austritt mit der Begründung, dass der Freundeskreis die Bezeichnung Kasino Kornett für das Standort-Offizierheim – hier in Munster – nicht aufgehoben hätte. Die Panzertruppe sei nicht aus der Kavallerie entstanden. Daher sei diese Bezeichnung fehl am Platz. Er würde wieder eintreten wenn eine Umbenennung erfolgt wäre.

Die Herkunft und die weitere Entwicklung der Panzertruppe sind klar zu bestimmen, über die Sturm-Panzer- Wagen-Abteilungen des l. Weltkrieges über die Kraftfahrtruppen und Kraftfahrkampftruppen der Reichswehr und den Panzerregimentern der Wehrmacht. Sie ist auch an den Stellenbesetzungen abzulesen.

Angeregte Unterhaltung
Angeregte Unterhaltung

Auch zur Frage der Tradition wurden, besonders von älteren Mitgliedern, Forderungen an den Freundeskreis gestellt, die dieser nicht erfüllen konnte. Zu Aufstellungsbeginn der Bundeswehr, kennzeichnete ein Panzerbataillon der 3. Panzerdivision seine Kampfpanzer mit den Namen der Standorte der Panzerregimenter der Wehrmacht. Zu Beginn der 90er Jahre gab es Bestrebungen von Mitgliedern, Einrichtungen der Panzertruppe entsprechend zu benennen. Im Kapitel 7 des Buches "50 Jahre Panzertruppe" ist zu diesem schwierigen Thema beispielhaft Stellung genommen worden.

Die erste militärgeschichtliche Exkursion führte die Mitglieder 1995 als kriegsgeschichtliches Beispiel, nach Frankreich, in den Raum um Amiens mit dem Thema "Ersteinsatz Sturmpanzerwagen A 7 V". Die serienreifen A 7 V erhielten die Sturmpanzerwagen Abteilungen 1 und 2 im November 1917. Damit kann die Panzertruppe 2012 auf eine Lebenslinie von 95 Jahren zurückblicken.

Angeregte Unterhaltung
Angeregte Unterhaltung

Dem folgten jährlichen Exkursionen mit Themen: aus der Zeit der Feldherren Prinz Eugen und Napoleon, über den Befreiungskrieg 1813 bis zu den Schlachten im I. Weltkrieg, wie zum Beispiel die Flandernschlachten und Verdun. Den Einsätzen der Panzertruppe im II. Weltkrieg, hier unter anderem der Durchbruch bei Sedan durch die Maaslinie, der Vorstoß zur Kanalküste, die Kämpfe in den Ardennen und bei Seelow. Ein Kulturprogramm aus der jeweiligen Region ist stets ein wesentlicher Teil der Exkursionen. Außerdem vervollständigt ein Totengedenken an den Soldatenfriedhöfen diese Veranstaltungen.

Ältere Mitglieder des Freundeskreis
Ältere Mitglieder des Freundeskreis

Vorzüglich organisiert und wissenschaftlich hervorragend begleitet, ergänzen die Exkursionen die Weiterbildung in der Militärgeschichte, sie vertieften zugleich den Zusammenhalt und die Kameradschaft. Die Symposien, die der Freundeskreis seit dem Jahr 2000 mit der Panzertruppenschule begonnen hat und nun gemeinsam mit dem Freundeskreis der Panzergrenadiere durchführt, haben inzwischen einen hohen Stellenwert erreicht. Sie meine Herren, konnten sich in der Vergangenheit und auch heute davon überzeugen.

Der Freundeskreis stützt sich seit seiner Gründung auf die drei Säulen: Militärgeschichtliche Exkursionen, das Organ Schwarzes Barett und die Symposien. Aus der Vereinigung der Panzertruppe ist kein Veteranenverein geworden. Erfreulich, dass ein erheblicher Anteil der Mitglieder den jüngeren Generationen angehört.

"Eine Idee hat sich durchgesetzt!"

Unsere Gemeinschaft hat durch Vorträge, Diskussionen und Begegnungen seinen Mitgliedern Informationen über verteidigungspolitische und militärpolitische Fragen sowie über die Weiterentwicklung der Panzertruppe vermittelt. Mit den Symposien bietet sie ein Forum, um den aktiven Soldaten eine zusätzliche Möglichkeit zur Unterrichtung über Verteidigungsprobleme und aus allen Lebensbereichen zu geben, Sie bildet die Brückenfunktion zwischen den Generationen der Panzertruppe.

Heute kann festgestellt werden, die selbstgestellte Aufgabe und die eingebrachte Arbeit der Gründer hat sich gelohnt. Auf dem gelegten Fundament konnten die Nachfolger aufbauen und ausbauen. Der Aufbau und die weitere Ausgestaltung war und ist eine Gemeinschaftsleistung aller Vorstands- und Beiratsmitglieder. Die gesetzten Ziele sind seit langem erreicht, der Freundeskreis ist anerkannt und in der Truppengattung fest verankert. Es gilt wie das Schwarze Barett in seiner Nr. 18 berichtete ,,Eine Idee hat sich durchgesetzt!" Der Zuspruch den der Freundeskreis erfahren hat sowie die Mitgliederentwicklung, ist ein Zeichen dafür, dass die Idee heute noch trägt und Zukunft hat. Weitere Truppengattungen sind dem Beispiel gefolgt und haben ebenfalls Freundeskreise oder entsprechende Vereinigungen gebildet. Auch hierin können die Gründungsmitglieder sich bestätigt sehen.

Erster Vorstand des Freundeskreis
Erster Vorstand des Freundeskreis

Der Freundeskreis hat zu danken seinen Gründern und seinen Mitgliedern die ihn tragen.Den vielen Mitgliedern die im Vorstand und im Beirat den Freundeskreis mit Leben erfüllt und vorangebracht haben. Alle hier zu nennen würde den Rahmen sprengen. Daher sollen hier stellvertretend genannt werden die Obersten Arnold, Engel, Roggenbau und Schleicher sowie Hauptmann Riemenschneider. Oberst Arnold hat als erster Geschäftsführer die organisatorischen Grundlagen gelegt. Oberst Engel, der damalige Inspizient hat den Panzerabend, traditionell eine Veranstaltung des Inspizienten, für den Freundeskreis geöffnet. Oberst Roggenbau als Herausgeber des Schwarzen Barett war mit seiner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich. Oberst Schleicher organisiert die Exkursionen ausgezeichnet und führt sie vorbildlich durch. Hauptmann Riemenschneider ein Gründungsmitglied, hat die Vorbereitungen zur Gründung nachhaltig unterstützt.

Dank gebührt dem zu früh verstorbenen zweiten Vorsitzenden General Schulz, der die ersten Symposien einrichtete. General Brand hat mit der Herausgabe des Buches "50 Jahre Panzertruppe" einen Meilenstein in der Entwicklung des Freundeskreises gesetzt. Außerdem ist Dank zu sagen an General Korte, der 2010 trotz seiner dienstlichen Belastung im Ausland, den Vorsitz übernommen hat und den Freundeskreis in die Zukunft führt. Besonderer Dank ist der ehem. Panzertruppenschule, dem heutigen Ausbildungszentrum, zu sagen ohne die Hilfe aus diesem Bereich wäre die Durchführung der bisherigen Symposien nicht möglich gewesen. Im Anschluss erfolgte das Gedenken an die verstorbenen Mitglieder des Freundeskreises der Offiziere der Panzertruppe.

Impressionen rund ums Symposium

Neuausrichtung des Heeres

eine Bilanz

Generalmajor Volker Halbauer
Generalmajor Volker Halbauer

Der thematische Bezug am zweiten Tag des Symposiums stand im Zeichen der Neuausrichtung der Bundeswehr, hier speziell des Heeres, sowie des Einsatzes in Afghanistan.

Nachdem am Vortage Brigadegeneral Benedikt Zimmer die strategische Ebene zur Neuausrichtung aus Sicht des Ministeriums beleuchtete, skizzierte nunmehr der Chef des Stabes des Führungsstab des Heeres, Generalmajor Volker Halbauer, die Überlegungen und Planungen zur Struktur des Heeres, erläuterte das den Arbeiten zugrundeliegende Rational und zog mit Blick auf die großen Entscheidungslinien und "Botschaften" eine auf den derzeitigen Planungen beruhende (vorläufige) Bilanz.

GenMaj Halbauer machte zunächst einmal deutlich, dass der Neuausrichtung der Bundeswehr eine Vielzahl von politischen wie militärischen Gründen zugrunde liegt, die in ihren Dimensionen eine Veränderung zwingend erforderten. Ein weiter so wie bisher war ausgeschlossen. Die Neuausrichtung ist notwendig, weil ansonsten unter der Einsatzlast eine personelle, materielle und finanzielle Krise eingetreten wäre.

An erster Stelle ist die veränderte Einsatzwirklichkeit zu nennen. Das Heer bringt Opfer. Allein 16 Gefallene seit dem Frühjahr 2010 (davon 13 aus dem Heer, 4 davon waren Angehörige der Panzergrenadiertruppe). Die Soldaten kämpfen in einem Krieg und stehen in Gefechten an vorderster Front. Begriffe wie "Krieg", "Gefallene", "Gefecht", "Kampf" sind mittlerweile im öffentlichen Bewusstsein angekommen und bewirken Veränderungsdruck. Die Einsätze sind heute anders als früher. Sie sind länger, härter, intensiver Die bisherigen Vorgaben und Strukturen stimmen nicht mehr, sie müssen angepasst werden.

In groben Zügen erläuterte er nochmals kurz die für das Heer maßgeblichen Defizite und zog ein kurzes Fazit hinsichtlich der Notwendigkeit einer Neuausrichtung. Maßgebliche Erkenntnisse sind nach Auffassung des Heeres: die Realität hat die bisherigen Vorgaben und Planungen überholt.

Diese Erkenntnis war der! Treiber der Neuausrichtung.

  • Notwendigkeit der Verbesserung der Attraktivität und Modernität
  • Das Heer muss kleiner werden, um gewonnene Ressourcen woanders einsetzen zu können
  • Das Heer muss rekrutierbar bleiben

Jeder dieser Gründe für sich alleine verlangt schon nach einem Neuansatz. Danach erläuterte GenMaj Halbauer die Leitgedanken und die Gestaltungsprinzipien für die strukturellen Überlegungen zur Struktur des Heeres. Iim Mittelpunkt der Planungsarbeiten zur künftigen Struktur des Heeres stand eine noch stärkere Einsatzorientierung. Dies ist dem Leitgedanken folgend der Zusammenhang zwischen einer ausgewogenen und durchhaltefähigen Einsatzstruktur, Modernität und Attraktivität des Dienstes – ein Dreiklang, der auch den Reformbedarf beschreibt.

Ein besonderes Merkmal des Heeres ist die Kohäsion. Das Wirken im System muss folgerichtig verbindlicher Standard für alle Einsätze, auch bereits in den Grundstrukturen sein. Das Prinzip "Führen mit Auftrag" und die dezentrale Ausbildung in Verantwortung der Truppenführer sind unverändert die wesentlichen Grundlagen für das Bestehen im Einsatz und daher die Stärken des Heeres. Von elementarer Bedeutung für ein robustes Heer ist die Fähigkeit Kräfte in ihrer Breite und je nach Bedarf auch durchhaltefähig bereitstellen zu können. Hinreichend verfügbare Kräfte mit entsprechender Ausrüstung sowie eine angemessene Zeitspanne zwischen den Einsätzen ist zwingend notwendig, damit Regeneration und Ausbildung für das gesamte Aufgabenund Intensitätsspektrum sichergestellt werden können und erworbene Professionalität erhalten werden kann. Attraktivität ist eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des Heeres. Attraktivität eines Berufes, der Entbehrung, Verwundung und auch den Einsatz des eigenen Lebens erfordern kann, resultiert aus einer Vielzahl von Faktoren und berücksichtigt auch Aspekte wie die Vereinbarkeit von Familie, Dienst und Einsatz.

Der Wettbewerb um die "geschicktesten Hände und die klügsten Köpfe" ist eine der zentralen Zukunftsherausforderungen. Zusammengefasst stellte er fest, dass im Vordergrund der Planungsarbeiten die Gestaltungsprinzipien

  • Durchhaltefähigkeit in abgestufter Form
  • Durchsetzungsfähigkeit in allen Intensitäten und
  • Reaktionsfähigkeit auf krisenhafte Entwicklungen standen.

Dies kann nur durch eine in sich ausgewogene Struktur erreicht werden. Die dafür erforderliche Ressource wurde im kleineren Heer durch eine schlankere Führungsstruktur und durch die eindeutige Konzentration auf die Kernfähigkeit des Heeres im streitkräftegemeinsamen Zusammenwirken gewonnen.

Im Ergebnis stellte er zur Neuausrichtung fest:

Wir haben jetzt das richtige Ziel und Konzept! Wir können zufrieden sein!

Einsatzerfahrungen und den Herausforderungen von morgen ist gelungen! Aber: kein "AFG-Heer" Keine goldenen Paläste Wir werden das bekommen, was wir benötigen, um fit für die Zukunft zu werden! Danach wandte sich der Vortragenden dem Aspekt der erreichten Fortschritte zu!

HEER2011 – Strukturgewinne

Verbesserung von unten nach oben, d.h. Vorrang hatten starke und kohärente Verbände für den Einsatz! Zu Lasten der Umfänge v.a. bei Führungsstruktur und Kampfunterstützung. 6 kampfstarke, ablösefähige, durchhaltefähige Brigaden als Kernelement.

Starke kohärente Verbände für den Einsatz, Breite vor Tiefe, Kernfähigkeit stärken – im SP Stärkung der Infanterie ohne mechanisierte Fähigkeiten aufzugeben

  • Abbildung neuer Fähigkeiten – Durchhaltefähigkeit
  • Verbesserung der Kohäsion
  • Modularität
  • Erhaltung der Reaktionsfähigkeit
  • Steigerung der Attraktivität
  • Verbesserung der Führungskompetenz
  • Längere Stehzeiten und Verpflichtungszeiten
  • Fürsorge und Betreuung auf Verbandsebene

Die entschiedene Stationierungsplanung bewertete GM Halbauer für das Heer durchaus als Erfolg und ging besonders auf die Vorteile ein. Er machte noch einmal deutlich, dass es gelungen sei, die Verlegungen auf ein Minimum zu begrenzen.

Dennoch zeigte es Verständnis dafür, dass die Umgliederung immer eine Phase zusätzlicher Belastung sei. Die Vorteile sind aber signifikant deutlich und spiegeln weitestgehend geschlossene Brigaderäume, Verbesserung der Ausbildungs- und Übungsverbünde, sowie die Bereitstellung von Infrastruktur auch für die Einsatzvorbereitende Ausbildung sowie die Unterkunftsproblematik sowohl für Pendler wie auch die "Nicht Unterkunftsberechtigten Soldaten". Die Aufgabe von nur wenigen Standorten kann unter diesen Gesichtspunkten durchaus als Erfolg gewertet werden.

Ein weiterer Aspekt sind die mit der Neuausrichtung der Bundeswehr einhergehenden "Neuen Prozesse und Verfahren" die sich aus der Bündelung der Verantwortlichkeiten in Rüstung / Nutzung ergeben. Insgesamt werden auch hier mehr Vor- als Nachteile gesehen, obwohl wohl erst der Praxistest den Beweis der Verbesserung erbringen wird. Der Planungsprozess hierzu ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Trotz vieler Vorteile, Abstriche und Schwierigkeiten können sich ergeben durch den Wegfall des Rekrutierungspotentials aus den Wehrpflichtigen, genauso wie Überhänge und Fehl bei Besetzung der DP während des Umbaues der SK (bis 2017) zu einer Durststrecke führen! Ebenso schmerzen die Fähigkeitsverluste durch den Transfer z.B. bei HFla, ABCAbw und CH53. Die Fähigkeiten bleiben aber im SK-Rahmen erhalten.

Reserve des Heeres

Die Reserve bleibt auch weiterhin wesentlicher Bestandteil der Struktur des Heeres. Im Vordergrund steht dabei unverändert die personelle Verstärkung in den Truppenstrukturen. Neue nichtaktive Verbände und Einheiten schaffen dort zusätzliche Beorderungsmöglichkeiten. Die Reserve des Heeres wird weiter einen wichtigen Beitrag sowohl für die Einsätze als auch für den Heimatschutz leisten sowie als wichtiges Bindeglied in die Region und die Gesellschaft unseres Landes wirken.

Sachstand der Neuausrichtung

Die Feinausplanung ist gebilligt und veröffentlicht (24.02.2012). Die Realisierungsplanung ist auf dem Weg gebracht und diese soll noch im Frühjahr 2012 abgeschlossen werden. Die Realisierung beginnt im top-down- Ansatz am 1. April 2012 – Einnahme neuer Struktur BMVg und direkte Unterstellung der Insp und BefH EinsFüKdo unter GenInsp – d.h. der Führungsstab des Heeres ist ab 1. April 2012nicht mehr existent.

Zusammenfassend ist festzustellen

Eine abgestufte Durchhaltefähigkeit ist erzielt

  • starke Brigaden
  • Fähigkeitsspektrum KpfTr insgesamt erhöht
  • Verwirklichung von immateriellen Zielen
  • Entlastung Btl/Brig/DivStäbe
  • Steigerung der Attraktivität/Fürsorgemöglichkeiten
  • Personalkörper der BS/SaZ nur um 2 % geschrumpft
  • Freigesetzte Personalressourcen zur Stärkung der Basis eingesetzt
  • Befähigung zum Kampf = Maßstab für den Erfolg der Reform
  • Heer wird finanzierbar und rekrutierbar

Zum Schluss seiner Ausführungen warb GenMaj Halbauer noch einmal um Vertrauen und Verständnis. Die Strukturentscheidungen sind wohlbegründet, nachvollziehbar, transparent und den Realitäten angepasst. Durchaus schmerzlichen Einschnitten bei einzelnen Truppengattungen stehen erhebliche Vorteile für das Heer als Ganzes gegenüber. Ein solitärer Blickwinkel auf die Struktur wird dem Ergebnis nicht gerecht, die Struktur als Ganzes ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen durchaus als Fortschritt zu betrachten. Und was die Umsetzung betrifft, so warb er um Geduld, da nichts morgen oder übermorgen geschieht, also Geduld.

Das Heer auf dem Weg in die Zukunft !

Brigadegeneral Westphal
Brigadegeneral Westphal
Brigadegeneral Westphal

Mit dem nachfolgenden Beitrag schloss BrigGen Westphal, Leiter VMH, (Aufgaben und Organisation des VMH s. am Ende) unmittelbar an die grundsätzlichen Ausführungen des Chef des Stabes FüH, Gen Maj Halbauer, zur künftigen Struktur des Heeres an und machte anhand von Daten und Fakten anschaulich deutlich, auf welcher Grundlage die jeweiligen Entscheidungen von der Heeresführung getroffen wurden. Der Vortrag von Gen Maj Halbauer und der Vortrag von BG Westphal sind aus konzeptioneller Sicht als Einheit zu verstehen und nur als Ganzes erklärend. Um Redundancen zu vermeiden, wird auf die Wiederholung der grundsätzlicher Aspekte und wesentlichen Überlegungen zur Strukturplanung verzichtet, obwohl BG Westphal sie in seinem Vortrag sozusagen als den "konzeptionelle Überbau" jeweils kurz angerissen hat.

Im Folgenden trug BG Westphal zu ausgewählten Aspekten mit einigen Kerngedanken zur Neuausrichtung des Heeres, unter besonderer Hervorhebung der Aspekte für die Panzertruppen, vor. Zunächst ein kurzer Blick auf die Historie der Entwicklung der vorangegangenen Strukturen, die i.d.R. einen Bestand von 5 Jahren hatten und mit unterschiedlichen Bezeichnungen für die jeweilige Struktur verbunden waren. Die neu ausgeplante Struktur heißt nach der Entscheidung des Inspekteur des Heeres HEER2011. 2011 gibt dabei die Jahreszahl der Strukturentscheidung wider. Danach machte BG Westphal noch einmal deutlich, dass jetzt die Phase der Harmonisierung für die gesamte Bw läuft, einschließlich der entsprechenden Priorisierungen, unter Berücksichtigung vfgb. Ressourcen.

Dazu wird ein Meilensteinplan bis Ende März erstellt, der dem BM bis Mitte April und deren Billigung am 31. Mai geplant ist. Die folgende Feinstrukturplanung mit dem Realisierungsplan soll voraussichtlich im späten Frühjahr erfolgen. Der Beginn der Realisierung im top down- Ansatz ist ab dem 1. April 2012 mit Einnahme neuer Struktur BMVg und der direkten Unterstellung der Inspekteure und des BefH EisFüKdo unter den Generalinspekteur der Bw vorgesehen. Aufbauend auf den Vortrag Chef des Stabes FüH wandte sich BG Westphal nunmehr mit umfangreichen ergänzenden Informationen der Frage zu,

Warum diese Struktur?

Bevor jedoch der Fokus auf das Heer gerichtet wurde, erläutert der Vortragende zunächst die Problematik der Schnittstellen, d. h. die Frage, was bleibt im Heer, was geben wir ab und was bekommen wir dazu? Mit der Neuausrichtung des Heeres werden Fähigkeitstransfers MilOrgBer übergreifend durchgeführt. Für das Heer hat dies zur Folge, dass der taktische operative Lufttransport (CH 53) und die Verantwortung zur Flugabwehr zur Luftwaffe wechseln. Der taktische Lufttransport (NH90) zukünftig allein verantwortlich durch das Heer sichergestellt wird, die Fähigkeiten C-IED (Countering Improvised Explosive Devices) und KpfmBes von der Streitkräftebasis (SKB) in die Verantwortung des Heeres übertragen werden. Zukünftig zeichnet die SKB für den Bereich ABCAbwehr und Weitverkehr verantwortlich. Festzuhalten bleibt: Das Heer verliert zwar Fähigkeiten, aber sie bleiben den Streitkräften insgesamt erhalten. Das schafft auch Handlungsspielräume bei der endlichen Ressource Dienstposten.

Beitrag des Heeres zur Nationalen Zielvorgabe (LoA/StabOp)

Die aus den Verteidigungspolitischen Richtlinien abgeleiteten 4 Szenarien (grob skizziert mit Anfangsoperationen, Stabilisierungsoperationen, Landesverteidigung im Bündnis und Landesverteidigung, einschl Katastrophenhilfe) bilden die Vorgabe. Dabei galt es mit Blick auf die Struktur möglichst frühzeitig Gedanken zum eigenem LoA für Stabilisierungsoperationen, die wahrscheinlichsten Fälle, zu entwickelt und dabei im Wesentlichen die Abdeckung des gesamten Aufgaben- und Intensitätsspektrum sicherzustellen.

Vorrangig strukturbegründend war die Sicherstellung der langfristigen Durchhaltefähigkeit für zukünftige Einsätze mit im Kern 2 stehen Einsatzverbänden.

Dazu kommen die Fähigkeiten, entsprechende Einsatzverbände zu führen sowie sich an multinationalen HQ zu beteiligen und Aufgaben der Unterstützung fremder Streitkräfte, wie OMLT, zu gewährleisten. Dazu kommt die Gestellung eines gem. HubschrEinsVbd. Im Ergebnis entstand die neue Struktur HEER2011 mit 6 nahezu gleichen Brigaden im Kern. Die Brigadestäbe erhalten eine neue Abteilung OMLT zur Unterstützung fremder Kräfte (ges. 121 DP), daneben die neue Fähigkeit für Military Engineering (MilEng) künftig bei G3. Zusätzlich eine Joint Fire Support Coordination Groups (JFSCG) und je nach Einsatzerfordernissen eine neu gegliederte G2 Abteilungen (gepl. Stärke neu: 53 DP, zum Vgl. alte G2-Abt: 15 DP).Brigadestab alt: ca. 100 DP (ohne StKp)Neu: 112 DP Stab + 121 OMLT = 233 DP(ohne StKp)

Zur Bataillonsebene

Die Jägerbataillone wurden nach dem Muster JgBtl 292 mit GTK Boxer und System Infanterist der Zukunft (IDZ ES) als Zielausstattung, mit großen aktiven Fernmeldestaffeln ausgeplant, um im Einsatz Leitverbandsfunktion übernehmen zu können. Es ist geplant sie zukünftig mit leichten Mörsern unmittelbar zu unterstützen und eigenständige GraMaWa Gruppen aufzubauen. Die PzGrenBtl, die konzeptionell das Bindglied zu den mechanisierten Truppen bilden, werden mit PUMA ausgestattet, sie sind ebenfalls als Leitverbände vorgesehen und haben damit auch große aktive Fernmeldestaffeln.

Die Divisions-Ebene

1. und 10. PzDiv sind grundsätzlich gleich gegliedert (10. PzDiv mit 2. ArtBtl), Stäbe sind gleich.

Divisionstruppen

gem. ArtBtl mit PzH 2000 und MARS. sPiBtl stellt als na Verband für die Landesverteidigung die Brücken und Übergangsfähigkeiten sicher. UstgBtl Eins bieten Führungsfähigkeit für Sicherungskräfte beim Heimatschutz.

Neuer DivStab

Die Divisionsstäbe (ohne Stab DSK) sind nach dem Vorbild 1. PzDiv ausgeplant und haben künftig zusätzlich 2 Abteilungen Einsatz mit ca 180 DP für die Einzelpersonalgestellung in Multinationale HQ. Der Aufwuchs des DivStab von 226 DP (o. StKp) erfolgt auf rund 600 DP. Neu dabei mit ca. 180 DP die Abt Eins

Die Division Schnelle Kräfte

fasst die HFlg Kr und die FschJg sowie die Spezialkräfte unter einem Dach zusammen um damit sowohl LBewegl Op, Spezielle Operationen und Spezialisierte Operationen, hier vor allem MilEvakOp, planen, ausbilden und bei Bedarf durchführen zu können. LL Brig 1 wird zwei FschJgRgt, eines mit 10 Kp'n in SEEDORF und ein zweites kleineres mit 8 Kp'n im SAARLAND führen und sich im SP auf die Aufgabe MilEvakOp konzentrieren. Die FschJgKp werden zunächst die Erweiterte Grundbefähigung zur Unterstützung des KSK bereitstellen. HFlgRgt werden mit je 36 WaSys NH 90 und 32 WaSys TIGER ausgestattet, der Rest wird am AusbZ Bückeburg bzw. in Le Luc (FR) stationiert. D/F Brigade bleibt im Wesentlichen unverändert.

Die neue Führungsorganisation des Heeres.

Künftig führt der Inspekteur das Heer aus einer KdoBehörde, dem neuen Kommando Heer. Kdo Heer als neuer Stab Insp H und einzige Höhere KdoBehörde im OrgBer ist zukünftig die einzige Ansprechstelle im Heer für das BMVg. Das Kdo wird Planungs-, Führungs-, Lenkungs- und Kontrollaufgaben für den Insp H wahrnehmen. Die Struktur ist so ausgerichtet, dass sie konsequent an die Strukturen der übergeordneten ministeriellen Ebene zur Unterstützung der dortigen Prozesse anknüpft und sieht in der Grundgliederung vier Abteilungen vor. (s. dazu Artikel Seite 41).

Dem nachgeordnet wird das Amt für Heeresentwicklung neu aufgestellt, das die gesamte Kompetenz für Konzeption und Weiterentwicklung im Heer bündelt. Dies umfasst sowohl die bisher an den Schulen abgebildete Expertise, einschließlich aller bisher dezentral wahrgenommenen Aufgaben der Weiterentwicklung (WE). Künftig werden in einem einstufigen WE-System alle Fähigkeits- und Planungskategorien zusammengeführt. Es arbeitet in einer Matrixorganisation gegliedert dem Kdo Heer, aber auch allen anderen Ämtern und KdoBehörden, zu und nimmt neu auf die Abt C-IED (Pilotaufgabe Heer). Im Amt ist zukünftig die konzeptionelle Spitze aller 13 Truppengattungen ("System Heer") angesiedelt.

Amt für Heeresentwicklung
Amt für Heeresentwicklung

Um die Ziele der Strukturreform zu erreichen, musste die künftige Ausbildungslandschaft des Heeres deutlich gestrafft und jede Möglichkeit einer noch effizienteren Aufgabenwahrnehmung genutzt werden. Hierzu wurde u.a. folgender Grundansatz verfolgt: – Durchführung der lehrgangsgebundenen Ausbildung in möglichst wenigen AusbZ sowie Konzentration von gleichen oder ähnlichen Ausbildungsinhalten an einer Stelle unter einheitlicher Verantwortung, – System AusbZ wird ergänzt durch nachgeordnete Ausb-/ÜbZ und AusbStP, die nur dann und dort eingerichtet werden, wo besondere Anforderungen dieses zwingend erfordern (Bsp. Geb/WiKpfS, STF / indir Feuer).

Sehr früh stand fest, dass die zentralen AusbEinr des Heeres an ihren heutigen gut geeigneten StO verbleiben sollen; dieses ist gelungen. Zusatz Munster / WE: Die AusbZentren verlieren ihre Elemente WE. Nach Munster wird z.B. der Ausbildungsstützpunkt STF/ indirektes Feuer in Idar-Oberstein einschließlich der Mörserausbildung verlegt und unterstellt und bringt hier seine Expertise zielgerichtet ein, wo die Vorbereitung der mechanisierten Einsatzverbände mit ausgestaltet wird.

Eine kurze Bilanzierung der Strukturen.

Einsatzrelevante Strukturen wurden deutlich gestärkt, Führungsstrukturen, Ämter, Kommandobehörden und Ausbildungseinrichtungen auf einen Mindestumfang begrenzt.

Dabei wurde der Umfang Kampftruppe und hier die Infanterie deutlich gestärkt

Lasten KU/FüUstg Neue DP werden außerdem in Brigadeund Divisionsstäbe investiert um die Beiträge zu multinationalen Einsatzstäben zu gewährleisten und die Masse der OMLT- Gestellung sicherzustellen. Damit wird das Durchgreifen für Abstellungen auf die Btl-Ebene künftig vermieden. Erläuterungen zu den materiellen Aspekten der Neuausrichtung des Heeres mit den einsatzrelevanten Zusammenhängen von Strukturen, Ausbildung und Ausrüstung.

Im Kern steht dabei das einsatzorientierte Ausrüstungskonzept des Heeres. Es dient mit der Abkehr von der Vollausstattung dazu, die bedarfsgerechte Verfügbarkeit von Material und Gerät für Ausbildung und Einsatz künftig innerhalb des finanziellen Rahmens sicherzustellen. Künftig werden wir uns an Begriffe wie "vorausschauende Bereitstellungsplanung" (Btl 2 Jahre im voraus bis auf die y-Nr) und "dynamisches Verfügbarkeitsmanagement" gewöhnen müssen.

Das Einsatzorientierte Ausrüstungskonzept ist unsere Antwort auf die Schere zwischen strukturellem Bedarf und voraussichtlich verfügbaren Haushaltsmitteln.

Wesentliche Herausforderung der nächsten Jahre wird die im Rahmen der angestrebten nachhaltigen Finanzierung trotzdem zu erwartende Begrenztheit der Haushaltsmittel sein, was eine permanente Konkurrenz zwischen hinreichender Ausstattung und der Forderung nach langfristiger Innovationsfähigkeit bedeutet und eine klare Schwerpunktbildung und Priorisierung erforderlich macht. Ein "sowohl als auch" kann es nicht geben, auch wenn dies mit spürbaren Einschnitten in der Ausstattung einhergeht.

Das bisherige Streben nach durchgängiger Vollausstattung wird durch ein Konzept der bedarfsorientierten Planung und Steuerung ersetzt werden. Das Ausrüstungskonzept sieht für eine bestimmte Phase der Truppenausbildung nur noch die Deckung des materiellen Mindestbedarfes (ca. 1/3 der Vollausstattung + 35 % Sicherheitszuschlag) vor. Für den Einsatz, die Einsatzvorbereitende Ausbildung (EVA), für Einsatzgleiche Verpflichtungen sowie für die Sicherstellung der Ausbildung an den Schulen hingegen ist eine Vollausstattung vorgesehen, deren Verfügbarkeit durch eine Großgerätereserve sichergestellt wird.

Zur Steuerung der Materialflüsse wird ein "Dynamisches Verfügbarkeitsmanagement" vorgesehen, dass zielgerichtete Materialsteuerung für die jeweils geforderte Ausbildungsstufe innerhalb der Truppenausbildung bis hin zur Auffüllung für die EVA sicherstellt. Insgesamt kann so der Materialbedarf des Heeres auf ca. 70-80% der bisherigen Vollausstattungshöhen abgesenkt werden. BG Westphal erläuterte eingehend das neue Ausstattungskonzept in Verbindung mit der Ausbildungssystematik. Nur so könnten finanzielle Handlungsspielräume für den Betrieb, vor allem aber für Investitionen in modernes Gerät, geschaffen werden.

Was man will, muss man auch bezahlen können.

Die Realisierbarkeit dieser Planungen ist in einer Studie nachgewiesen worden. Wesentliches Anliegen der Neuausrichtung gerade im Übergang ist die weitere Verbesserung des Materials für Einsatz und EVA. Dafür sind entsprechende Beschaffungen eingeleitet. Aber auch insbesondere Investitionen in Produktverbesserungen, wie z.B. geschützte Fahrzeuge und deren Peripherie (Waffenstationen, Funkgeräte, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme) einschließlich das erweiterte System IdZ, unterschiedliche MunSorten für Einsatz und EVA sowie verschiedene Systeme zur Verbesserung der Nachtsichtfähigkeit sind damit möglich. Beispiele dazu sind: Ausstattung PzH 2000 mit Klimaanlage, Erhöhung des Schutzfaktors TPz FUCHS 1A8, Anpassung SPz MARDER an Einsatzbedingungen.

Wo stehen wir imHinblick auf: – GTK BOXER – IdZ ES – Luftbeweglichkeit Ein weiterer Ansatz zur Stärkung der Infanterie ist die Einführung des GTK BOXER als das Gepanzerte Transport- KFz der Infanterie. Der BOXER ist bereits mit 25 EA im Einsatz, die Erfahrungsberichte sind positiv, weiterer Zulauf in den nächsten Jahren ist gesichert, mit Blick auf die neue Struktur ist die Situation aber genau umgekehrt als beim PUMA. Vertraglich gesichert sind 272 Stück in unterschiedlichen Varianten, dabei nicht alle für das Heer, der struktureller Bedarf liegt aber deutlich höher (684), sodass zusätzliche Beschaffungen notwendig sind, die allerdings nur realisierbar sind, wenn zusätzliche HH Mittel verfügbar gemacht werden.

IDZ ES: neben PUMA und BOXER ein wesentliches Element zur beabsichtigten Stärkung des Systems Infanterie. Das abgestimmtes Gesamtsystem bestehend aus Bekleidungs- und Trageausstattung mit Schutz, Bewaffnung einschl. Nachtkampffähigkeit und Führungssystem mit Integration in PUMA und BOXER. Der Einstieg in die netzwerkbasierte Operationsführung mit Fü InfoSys Heer ist möglich. Die Beschaffung von 90 Systemen als Einstieg ab 2012 ist vorgesehen, d.h. die Ausstattung von 900 Soldaten. Die Luftbeweglichkeit wird deutlich verbessert mit der Einführung von UH TIGER und NH 90. Beide Systeme werden zukünftig nur noch im Heer betrieben, wobei die Stückzahlen deutlich reduziert werden mussten, beim UH TIGER von 80 auf 40 und beim NH 90 von 122 (Lw und H) auf 80. Selbst wenn eine Vertragsanpassung nicht gelingt, ist der Betrieb größerer Stückzahlen nicht finanzierbar. Beide Systeme sind in der Truppe bereits verfügbar, haben aber technische Probleme. Die Anstrengungen konzentrieren sich darauf beide Hubschrauber 2012 bzw. 2013 (TIGER) in den Einsatz zu bringen!

Attraktivität ist im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr ein vielbenutzter Begriff, der vielfältige Aspekte enthält und mit einer mit hohen Erwartungshaltungen verbunden ist. Attraktivität war von Anbeginn der Strukturüberlegungen des Heeres ein integrales Gestaltungskriterium, wobei der Schwerpunkt dabei ganz bewusst auf der Einheits- und Verbandsebene liegt.

Ein kurzer auszugsweiser Überblick, festgemacht an den folgenden fünf Stichworten.

4/20 – ein Planungsansatz, der nicht nur den Einsatzrhythmus und den Ausbildungsrhythmus bestimmt sondern auch berücksichtigt, dass 4 Monate Kontingentdauer den besonderen physischen und psychischen Belastungen im Einsatz Rechnung tragen und von den Soldaten besser zu bewältigen sind. Er berücksichtigt zudem, dass 20 Monate zwischen den Einsätzen nicht nur der EVA und der sonstigen Truppenausbildung dienen, sondern auch die Einsatznachbereitung (Urlaub, Einsatznachbereitungsseminar u.ä.) beinhalten und der besseren Vereinbarkeit von Familie und Dienst in dieser Zeit zu ihrem Recht verhelfen soll.

70/30 wird die Notwendigkeit reduzieren, Einsatzkontingente mit Soldaten von außerhalb zu ergänzen und macht den Ansatz 4/20 solider und realistischer.

2/25 bedeutet für unsere Soldaten auf Zeit flexiblere und längere Verpflichtungszeiten nämlich von 2 bis 25 Jahren. Eine Antwort auf die demographische Entwicklung, weil wir so einen geringeren Regenerierungsbedarf bei Neueinstellungen bewirken, den Ausbildungsbedarf verringern und damit Dienstposten in der Ausbildungsorganisation und Zeit für die Ausbildung sparen. Auch die Professionalität wird erhöht, weil bspw. unsere Mannschaften dann, wenn sie voll ausgebildet sind und nach dem Einsatz den höchsten Grad ihrer Professionalität erreicht haben, nicht entlassen werden müssen, weil ihre Dienstzeit abgelaufen ist.

11/12/13 bedeuten angepasste Besoldungsgruppen für Offiziere des Truppendienstes in den Verwendungen als ZgFhr I, KpOffz und KpChef. Anlass dafür ist nicht der Wunsch nach einer höheren Besoldung dieser Männer und Frauen, sondern die Erkenntnis, dass der heutige Werdegang unserer Offiziere nach dem Studium dazu führt, dass die angehenden KpChefs zu wenig Erfahrungen sammeln können, bevor sie ihre Verwendung als KpChef antreten. Dafür stehen nur ca 3-4 Jahre, d.h. etwa zwei kurze Verwendungen zur Verfügung und führt auch bei den Verwendungen als ZgFhr und KpOffz zu einer hohen Fluktuation auf den Dienstposten. Als Verwendungsdauer auf dem DP der KpChefs sind heute schon 3 Jahre gefordert, tatsächlich erreichen wir im Durchschnitt jedoch nur etwa 2 bis 2,5 Jahre. Dies wird der hohen Bedeutung und dem Stellenwert, den die Einheitsebene in den Einsätzen und damit im Gesamtsystem des Heeres hat, nicht gerecht. Es soll hier eine größere Kontinuität in den Verwendungen der Offiziere auf der Einheitsebene insgesamt und insbesondere eine größere Dienst- und auch Lebenserfahrung der angehenden KpChefs erreicht werden.

Kennziffer 200 bedeutet, dass in der neuen HStruktur etwa 200 DP auf der Verbandsebene ausgebracht werden, mit denen die BtlKdre und Einheitsführer in der Betreuung und Fürsorge für ihre Soldaten und deren Familien unterstützt werden. Absicht ist eine Verbesserung der Betreuung und Fürsorge auf Verbandsebene, insbesondere für einsatzgeschädigte Soldaten und Unterstützung der verantwortlichen Vorgesetzten (Kdr, KpChef, KpFw). Dabei werden u.a. wahrgenommen Lotsendienste für einsatzgeschädigte Soldaten und deren Familien, Knüpfen /Halten /Wiederherstellen von Kontakten im sozialen und psychosozialen Netzwerk, dauerhafte Verknüpfung der Informations-und Netzwerkstruktur der Familienbetreuungsorganisation, Prüfung und Zusammenarbeit mit StoÄ im Rahmen Vereinbarkeit Familie und Dienst (Netzwerke, Kinderbetreuung, Pflege, Teilzeit, Telearbeit).

Ausbildungs- und Übungsverbünde

Für den Erfolg des "Systems Brigade" ist die zusammenhängende Stationierung in einem möglichst geschlossenen "Brigaderaum" eine wesentliche Voraussetzung. Verbände und Ausbildungseinrichtungen des Heeres werden aus militärisch/ funktionalen und betriebswirtschaftlichen Gründen so stationiert, dass hierdurch regionale Ausbildungs- und Übungsverbünde zur Herstellung von Fähigkeiten / Einsatzbereitschaft ermöglicht und gefördert werden. Dazu einige Anmerkungen zu Struktur und Stationierung des künftigen Heeres:

Planungsparameter
Planungsparameter

Das Ziel, "Expertise zu erhalten" und "Verlegungen auf das unvermeidbare Minimum zu begrenzen" wurden weitgehend erreicht. In Einzelfällen war dieses leider nicht möglich, die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von dem banalen Fakt, dass der DP-Aufwuchs in der künftigen Struktur den Verbleib am alten StO verhindert bis zu der Tatsache, dass wegen entsprechender funktionaler Vorteile, auch in Verbindung mit wirtschaftlichen Aspekten, die Verlegung vorgeschlagen werden musste. Dabei darf auch erwähnt werden, dass einige Liegenschaften nur deswegen gehalten werden konnten, weil unter Berufung auf den erhöhten Infrastrukturbedarf für einsatzvorbereitende Ausbildung und Nicht-Ortsansässige eine wirtschaftliche Auslastung nachweisbar war.

Die Abläufe zur Umstrukturierung des Heeres

Wir sind ein Heer im Einsatz, was maßgeblichen Einfluss auf die Planungen für die Einnahme der neuen Struktur hat. Organisatorische Maßnahmen zur Umstrukturierung eines Truppenteils haben innerhalb von sechs Monaten vor, während oder drei Monate nach einem Einsatz zu unterbleiben, um die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung laufender Einsätze nicht zu beeinträchtigen. Die Realisierung der Struktur erfolgt in einem Top-Down-Ansatz, beginnend im BMVg. Dieses Prinzip gilt auch für das Heer. Die Umstrukturierung beginnt beim Führungsstab des Heeres und setzt sich fort über die Kommandobehörden hin zu den Truppenteilen, Verbänden und Einheiten.

Realisierungsprinzip OrgBer Heer
Realisierungsprinzip OrgBer Heer

Den Abschluss bilden die Ausbildungseinrichtungen, da nur so die Ausbildung des Heeres auch in der schwierigen Phase der Umgliederung der Truppe bruchfrei geleistet werden kann. Startpunkt ist nach unserer Planung der 1. Oktober 2012 mit der Aufstellung des Kommando Heer, unmittelbar im Anschluss, ab Frühjahr 2013, folgen das Amt für Heeresentwicklung und das Ausbildungskommando. Der Kern des Heers soll unter Berücksichtigung der laufenden Einsatzverpflichtungen in den Jahren 2014 und 2015 umgegliedert werden und der Zeitbedarf für die Einnahme der künftigen Struktur beläuft sich voraussichtlich auf 4 bis 5 Jahre; d.h. Abschluss Ende 2016.

Zum Schluss seiner Ausführungen ging BG Westphal noch auf das der Gliederung der Panzer- und Panzergrenadiertruppe zugrundeliegende Rational hinsichtlich der Anzahl der Bataillone ein. Es verbleiben im HEER2011: 9 PzGrenBtl (mit drei KpfKp'n) und 4 PzBtl (mit vier KpfKp'n). Die jeweilige Anzahl der Bataillone folgt stringent den Ableitungen aus dem LoA/StabOp, der letztendlich strukturbestimmend ist. Den beiden Zahlen (9x PzGren / 4x PzBtl) liegt folgendes Rational zugrunde: Rechenweg 9 PzGrenBtl: 2 + 1 = 3 Kp für beide EinsVbd gem. LOA x 1,5 Faktor (70/30) = 4,5 x 6 Rhytmus(4/20) = 27 = 9 Btl á 3 Kp. Rechenweg 4 PzBtl: 0,66 + 0,66 = 1,3 Kp für beide EinsVbd gem. LOA x 1,5 = 2 x 6 = 12 = 4 Btl á 3 Kp'n. Oder: Alle 4 Mon Bedarf von 1 PzKp (2 Züge) für den Eins ergibt 3 PzKp'n im Jahr x 1,5 (wg. 70/30) = realer Bedarf von 4,5 PzKp'n im Jahr x 3 (wg. 4/20, 2 Jahre zw den Eins) = 13,5 Kp'n. PzBtl im Unterschied zu PzGrenBtl künftig mit 4 KpfKp'n. Rational für die Aufstellung von zwei na PzBtl für die Landesverteidigung (LV) GebPzBtl 8 und PzBtl 414. Rational am Beispiel PzBtl 414: Die 3./414 kommt vom PzLBtl 93 MUNSTER), die zweite aktive PzKp (4./414) kommt vom PzBtl 203 aus AUGUSTDORF. Damit werden für die LV bis zu 6 Btl á 3 Kp bereitzustellen, bzw. bei LV im Bündnisrahmen das 5. Btl + freiwillige Reservisten. Das Gerät einheitlicher Standard Leo 2A6 = 225 EA (damit alle genutzt) reicht allerdings gerade für 5 Btl. Die Feinstrukturplanungen auf Ebene Vbd / Kp werden voraussichtlich Mitte des Jahres entschieden. Pz / PzGren verbindet das gemeinsames Element der 4er Gliederung im Zug und die Abkehr von der Vollausstattung sowie das dynamisches Verfügbarkeitsmanagement.

Ich fasse zusammen:

Das HEER2011 wird seine Reformziele sicher erreichen

  • Zur verbesserten Einsatzorientierung gehört insbs. die verbesserte Befähigung zum Kampf, v.a. die Stärkung der Infanterie
  • Der mechanisierte Kern des Heeres wird aber auch zukünftig unverzichtbarer Bestandteil des Heeres sein
  • Vorrangig strukturbegründend war der LoA StabOp
  • Die Basisstrukturen im Heer werden durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen gezielt und nachhaltig gestärkt
  • Für die dem Heer gestellten Aufgaben haben wir – vor dem Hintergrund der verfügbaren Ressourcen – die richtige Struktur

Aussprache

Im Anschluss daran folgte eine sehr intensive und teilweise auch kontroverse Diskussion, die im Kern um Laufbahnfragen, das Ausrüstungskonzept und das Verfügbarkeitsmanagement von Großgerät sowie dem richtigen Kräftedispositv im Hinblick auf den LoA bei den gepanzerten Truppen und der zu erreichenden Nachhaltigkeit kreisten. Besonders das einsatzorientierte Ausrüstungskonzept hinterließ doch starke Skepsis hinsichtlich seiner Praktikabilität und Auswirkungen auf die Ausbildung und Motivation der Soldaten, die sich z.B. nicht in der Einsatzvorbereitung bzw. Einsatz befinden.

Veränderungsmanagement Heer

Wo gibt es uns? Wir haben eine eigene Seite und eigenes Logo (Kompass) im Intranet des Heeres, daneben auch im Internet für unsere Reservisten verfügbar. Zentrale Aufgaben des VMH sind: – Steuerung – Koordinierung und – Überwachung der Maßnahmen zur Neuausrichtung des Heeres sowie die Begleitung dieser Maßnahmen durch nachhaltige Informations- und Kommunikationsarbeit.

Aktuelles aus dem Einsatz in Afghanistan

Ein Bericht vom Decos security, HQ RC North, Brigadegeneral Bernd Schütt
Brigadegeneral Schütt, General der Panzertruppen und Kdr AusbZentrum Munster
Brigadegeneral Schütt, General der Panzertruppen und Kdr AusbZentrum Munster

Mit dem Vortrag von BG Bernd Schütt, dem frisch gekürtem General der PzTr und Kdr AusbZentrum Munster, wurde der thematische Bogen des Symposiums komplettiert und im Besonderen dem Anspruch an die bisherigen Symposien, Einsatzaspekte zu thematisieren, in herausragender Weise Rechnung getragen. BG Schütt, der gerade von seinen Einsatz zurückkehrte, kann somit nicht nur "brandaktuell" über die derzeitige Lage im Bereich des Regionalkommandos Nord (RC N), das unter Deutschem Kommando steht, informieren, sondern auf Grund seiner Verwendung auch dem Aspekt der zukunftsorientierten Entwicklungslinien großen Raum einräumen. Seine Dienststellung als DECOS security, (verantwortlich für die operativen Planungen des Regionalkommandos Nord) ermöglicht es ihm, die operative Ebene aus Sicht des Stabes des Regionalkommandos NORD kompetent darzustellen.

Rahmenbedingungen

Zunächst stellte der Vortragenden kurz den Stab des RCN vor, der insgesamt 450 Stabsangehörige aus 17 Nationen umfasst, davon 225 Deutsche. In seiner Abteilung waren rund 250 Soldaten/ innen eingesetzt, die Arbeitssprache war Englisch und die Stabsverfahren entsprachen dem NATO Standard. Die Aufgabenspanne war dreigeteilt und umfasste dabei die Zuständigkeit über fünf Führungsebenen für

  • Operationsplanung und Führung
  • Entwicklung Afghanischer Sicherheitskräfte, einschl. der Führung von Verbindungselementen zu AFG Koordinierungszentralen
  • der Begleitung/bearbeitung von Finanzierungsfragen
  • Bereich mil Nachrichtenwesen, mit zahlreichen Unterfähigkeiten

die Auftragstaktik unverzichtbares Führungskriterium wird, die sich im Übrigen bestens bewährt hat

Mit einer kurzen Lagebeschreibung machte BG Schütt an einigen exemplarischen Ereignissen deutlich, durch welche Komplexität, Unberechenbarkeit und Dynamik die Lageentwicklung bereits in seiner Übergabewoche gekennzeichnet war und das man keinesfalls von einer ruhigen und stabilen Sicherheitslage ausgehen konnte.

Hierzu zählten die "Unbedachte Verbrennung" von Koranbüchern durch junge GIs in BAGRAHM, mit Ausstrahlung auf Gesamtafghanistan, die Ankündigung der formalen Transitionsfeier in der Provinz TAKHAR, die aufgrund eindeutiger Hinweise auf Selbstmordattentäter und beabsichtigte Mörseranschläge mehrfach verschoben wurde (Provinz in der am 28. Mai GenMaj Kneip im selben Gouverneurspalast angesprengt wurde ), der offiziell angekündigten Rückkehr des Provinz Gouverneurs von SAR-POL (SWE Verantwortungsbereich), der durch gewalttätige Proteste der Bevölkerung vertrieben worden war, aber sein Amt nicht niederlegen will und im Bereich BAGRAHM, die durch ISAF geforderte und nach Jahren durch Kabul angeordnete Auswechselung eines Distriktgouverneurs, der seinerseits bewaffneten Widerstand gegen seine Auswechslung angekündigt hat.

Diese Ereignisse zogen umfangreiche Demonstrationen der AFG-Bevölkerung nach sich, auf die es sich seitens der Führung des RC N einzustellen galt und die die Erkenntnis erneut bestätigten, dass neben der Beherrschung der unmittelbaren Auswirkungen der gewalttätigen Demonstrationen (Handgranaten, Molotow, Steine etc.) vor allem Innentäter eine besondere Herausforderung für die Truppe darstellen und verschärfte Selbstschutzmaßnahmen gegen diese Bedrohung erforderlich seien. Aber auch die Führungsfrage gewinnt besondere Bedeutung, da die Geschwindigkeit der Ereignisse, bzw. Operationstempo keine Zeit für Rückfragen lässt und so die Auftragstaktik unverzichtbares Führungskriterium wird, die sich im Übrigen bestens bewährt.

Vor diesem Hintergrund und angesichts des Charakters der Mission wurde deshalb reaktiven Maßnahmen mit Schwerpunkt Deeskalation, parallel dazu der Schutz der eigenen Truppe, der Vorrang eingeräumt. Allerdings macht der Vortragende auch deutlich, dass der entscheidende Gesichtspunkt bei der Bewältigung dieser Probleme die Verantwortungsbereitschaft, der Wille und die Fähigkeiten der Afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) sei.

Die Bedeutung des Nordbereiches für die Operationsführung von ISAF. Der Raum des RC N umfasst ca. 45 % der Landmasse im Vergleich zur Größe der Bundesrepublik Deutschland, ist besiedelt von 30% der AFG Bevölkerung und nimmt ca25% des Raumes von AFG ein. Er grenzt an fünf Nachbarländer, verfügt über die beiden zentralen Grenzübergangstellen nach Norden, wird durchquert durch die erste und einzige Eisenbahnlinie, beinhaltet den Flughafen Masar E Sharif (Nürnberg vergleichbar) und stellt die direkte Verbindung von den Grenzübergangstellen via Salang Pass nach Kabul sicher. Zudem verfügt er über Bodenschätze und hier wird die Ringroad AFG durch Vollendung Hwgh No 1 geschlossen werden.

Bedeutung des Nordens
Bedeutung des Nordens

Fazit:

Fazit: Für ISAF wird die strategische Bedeutung durch folgende Faktoren und Zahlen belegt. CARGO Land und Betriebsstoff liefen seit der Sperrung der Pakistanischen Grenze zu 100 % über den Norden. Der Schutz des Northern Distribution Network gewinnt damit für die Durchhaltefähigkeit der Mission zunehmend an Bedeutung. Dennoch ist das Verhältnis der Sicherheitskräfte zur Bevölkerung mit 1: 185 das geringste in Afghanistan. (Vergleich RC SW 1: 18.)

Allein die Bewertung dieser Kräfteverhältnisse bedeutet für die Operationsführung im RC N ein Haushalten mit den Kräften, die Inkaufnahme von Lücken, eine eindeutige Schwerpunktsetzung und die bewusste Risikoname, und dies als Bestandteil der Operationsführung für alle Führungsebenen.

Die Zusammensetzung der Kräfte in Verantwortung des RC N wird durch Multinationalität gekennzeichnet und ist mit 17 truppenstellenden Nationen mit Abstand das multinationalste Regionalkommando. Diese multinationale Lastenteilung ist Stärke aber auch gleichzeitig Herausforderung. Information, Kooperation und Koordination sind zentrale Begrifflichkeiten und Erfordernisse für das Regionalkommando und das "Centre of Gravity" ist die Kohäsion der Verbündeten. Bricht diese oder wird sie einseitig gebrochen ist die Auftragserfüllung gefährdet.

Der Auftrag ist bekanntermaßen zweigeteilt

Zum einen die Unterstützung der AFG Regierung bei der Schaffung von Sicherheit und zum anderen die Unterstützung des Aufbaus afghanischer Sicherheitskräfte. Hierzu stützt sich die Auftragserfüllung auf vier Säulen ab: Entwicklung: Träger: Provincial Rekonstruction Team (PRT) Sicherheit: mit den zentralen Manöverelementen beider DEU Task Forces (ASB) Ausbildung: getragen von den Mentorings Units OMLT (Operational Mentor and Liasion Teams) Befähigung: vorrangig gebildet durch Aufklärung, indirekte Feuerunterstützung, MEDEVAC (Sanität) und Luftnahunterstützung (CAS), aber auch PionierUstg. Derzeit sind alle diese Eckpfeiler im Umbruch, national wie international und durch die Übergabe der Regionalen Wiederaufbau Kräfte (PRT) an eine zivile Leitung, der Zusammenführung bei gleichzeitiger Reduzierung bzw. Umgliederung der ASB, OMLT und der Ustelemente betroffen.

Aber es gibt bei aller Bedeutsamkeit der Aktivitäten durch die Aufständischen (INS) in AFG durchaus Licht am Ende des Tunnels. Im RC N ist wie in anderen RC eine deutliche Reduzierung der sicherheitsrelevanten Vorfälle im Jahresvergleich 2010/2011 zu verzeichnen. Ursache hierfür sind der Aufwuchs eigener Fähigkeiten, gezielter sehr erfolgreicher Einsatz von Spezialkräften, insbesondere gegen die örtliche und regionale mittlere Führungsebene, last but not least die zunehmende Befähigung AFG Sicherheitskräfte, einschl. deren Spezialkräfte sowie die Generierung und der Einsatz von lokalen Sicherheitskräften unter AFG Verantwortung.

Die Herausforderung in 2012 wird sein, den Druck auf die Aufständischen (INS) trotz Truppenreduzierung aufrecht zu erhalten, um damit die Voraussetzungen für positive Entwicklungen auf den Operationslinien Entwicklung und gute Regierungsführung zu ermöglichen.

Feindlage

Der Vortragende machte zunächst einmal deutlich, dass aufgeklärte Haupteinflussgebiete der Aufständischen (INS) sich über den gesamten Nordraum verteilen. Diese nicht zusammenhängenden, weiträumig verteilten Hochburgen und Stützpunkte der INS erfordern aufgrund der geringen eigenen Stärke ein Operieren in überdehnten Räumen und eine Schwerpunktsetzung auf Schlüsselgelände und Bevölkerungszentren.

Entwicklung sicherheitsrelevanter Vorfälle
Entwicklung sicherheitsrelevanter Vorfälle

Die Hauptgefahr für die AFG Bevölkerung, die ANSF und ISAF stellen weiterhin IED-(Sprengstoff)-Anschläge) dar. Dieser Gefahr zu begegnen erfordert einen umfassenden Ansatz mit Schutz und Ausbildung der eigenen Truppe, Bekämpfung der Netzwerke (Spezialkräfte), Vernichtung der IED mittels eigener route clearence teams (RCP) sowie eine weitgehende Unterrichtung der Bevölkerung. Auch hierbei kommt den ANSF eine zentrale Bedeutung zu. Daraus folgert, dass eine ausschließliche Konzentration auf passive Schutzmaßnahmen nicht ausreichend ist, sondern vielmehr die Elemente Kampf und Aufklärung in vielerlei Richtungen angesagt seien.

BG Schütt machte eindringlich deutlich, dass der Kampf ein Schwerpunkt im RC N ist, der in den letzten sieben Monaten recht erfolgreich geführt werden konnte!

Die zweitgrösste Gefahr für eine anhaltende positive Entwicklung stellt das gezielte Töten von AFG Amtsträgern dar. Seit März 2011 fielen vier hohe Amtsinhaber feindlichen Anschlägen im Nordbereich zum Opfer. Das zieht die Gefahr eines Vertrauensund Ansehensverlust der ANSF wie der ISAF-Kräfte nach sich und führt vor allem in der Bevölkerung zu Zweifeln hinsichtlich einer erfolgreichen Regierungsführung. Das RC N begegnet dieser Gefahr mit einem Schutzprogramm, das eine close protection team (CPT) Ausbildung, die Verstärkung von Infrastruktur, eine gemeinsame Absicherung von Großveranstaltungen sowie die Sensibilisierung, insbesondere der gefährdeten Führer vorsieht, deren Mentalität allerdings einem zusätzlichen offenem Schutz widerspricht. Key Leader Tötung besitzt strategische Relevanz und gefährdet die Mission.

Eigene Lage

Wesentliche Einflussfaktoren: In 2012 werden die nachfolgend sich gegenseitig beeinflussenden 4 Faktoren wesentlichen Einfluss auf die eigene Operationsführung haben: Dazu zählen:

  • die Transition, d.h. Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die AFG Behörden und Sicherheitsorgane
  • die ISAF Truppenreduzierung, bis zu ca. 30%
  • die Implementierung des neuen Kooperations- und Ausbildungsansatzes "Security Force Assistance Concept" (SFAC)
  • die ISAF Operationsplanung der übergeordneten HQs.

Der Prozess der Transition beinhaltet sowohl politische wie militärische Aspekte. Politisch bedeutet es die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung und ihre Organe. Absicht der Transition ist die abgestufte Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte, die grundsätzlich auf der Basis weiterentwickelter afghanischer Fähigkeiten erfolgen soll und auf die Dauer von maximal bis zu 24 Monaten geplant ist. Dabei ist ein Einsteigen der Provinzen in den Prozess in unterschiedlichen Stufen, auf der Grundlage der Entscheidung von afghanischer Seite, möglich. Dies macht die Sache nicht unbedingt einfacher oder berechenbarer.

ISAF wird entsprechende Truppenreduzierung grundsätzlich nur proportional zum Fähigkeitsaufwuchs der AFG Sicherheitskräfte vornehmen. Damit einhergehend verlagert sich der Schwerpunkt der eigenen Operationsführung vom Bereich der Sicherheit zunehmend zur Unterstützung von Entwicklung und guter Regierungsführung. Militärisch besitzt dieser Prozess mehrere Herausforderungen, wobei von zentraler Bedeutung die Führungsfrage und das Koordinierungserfordernis ist.

Hier wird auf die Stärkung der eingerichteten AFG Koordinierungscentren (OCCP/R) gesetzt, die allerdings in ihrer Wirkung stark von der Akzeptanz der AFG/ANSF abhängig sind. Eine weitere Herausforderung wird auch der Erhalt eines aktuellen und umfassenden Lagebildes sein, da sich ISAF aus der Fläche Stück für Stück zurückziehen wird. Hier gilt es gemeinsam mit den OCCP/R in Zusammenarbeit mit den ANSF das Lagebewusstsein zu erhalten. Dabei wird es bei verringerten eigenen Kräften immer weniger möglich sein, den gesamten Verantwortungsbereich abzudecken. Der gezielten Schwerpunktbildung und der Verfügbarkeit eigener Reserven – über die z.Zt nicht verfügt wird –, kommt damit zunehmende Bedeutung zu. Schließlich wird es darauf ankommen, die AFG Sicherheitskräfte dauerhaft durchhaltefähig zu machen und dies in jeder Hinsicht, finanziell, strukturell und infrastrukturell.

Die zweite zentrale Herausforderung der Folgekontingente ist die eigene Truppenreduzierung. Immer gilt, dass bei einseitigen Reduzierungen die Auswirkungen auf andere Nationen zu berücksichtigen sind. Entscheidungen der Haupttruppensteller über Kräftereduzierungen haben unmittelbaren Einfluss auf die anderen Partner.

Herausforderungen in der Transition
Herausforderungen in der Transition

Die truppenstellenden Nationen im RC N lassen sich in 5 Gruppen einteilen

DEU und US sind dabei aufgrund des Gesamttruppenumfangs, der Gestellung von entscheidenden Unterstützungselementen und der Bereitstellung von Infrastruktur von strategischer Bedeutung. Türkisches PRT stellt eine unabhängige Größe, dar, die zwar formal ISAF untersteht, aber ausschliesslich das Ziel der Entwicklung und Regierungsführung verfolgt und militärisch keine Rolle spielt. Die TUR wird ihr Engagement voraussichtlich unverändert fortsetzen. Die skandinavischen Länder kooperieren in praktischen Belangen, allerdings verhindern politische Unterschiede größere Synergieeffekte. Ab dem Jahr 2013 sind sie von besonderer Bedeutung, wenn es um die Abdeckung des westlichen Teils des Verantwortungsbereichs geht. HUN und NLD werden vermutlich an ihrer örtlichen Fokussierung auf Kunduz Stadt bzw. BGAHLAN festhalten.

Gegenseitige Abhängigkeiten
Gegenseitige Abhängigkeiten

Allerdings könnten Finanzierungsfragen zu Reduzierung des HUN Anteils führen. Um die kleineren Nationen gilt es ständig zu werben. Sie geben ein deutliches Signal des internationalen Engagements und tragen zur Entlastung der Haupttruppensteller bei.

Wie wird sich das Regionalkommando vor diesem Hintergrund auf der Zeitachse entwickeln?

Die US-Streitkräfte haben bereits ein neues Ausbildungs- und Unterstützungsmodell eingenommen und ihre Kampfverbände drastisch reduziert, sodass sie zu einer eigenständigen Operationsführung auf Ebene des Verbandes nicht mehr befähigt sind. Noch stellt das 1st US ACB die Masse der Hubschrauberunterstützung für das RC N. Der Rückzug aus der Fläche im Bereich RC N ist schrittweise eingeleitet und bis Ende des Jahres soll auch das oftmals im Fokus stehende PRT Kunduz in zivile Verantwortung übergehen. Gleichzeitig wird im April mit der Operation zur Schaffung der Voraussetzung des Ausbaus des Hwy1 in GORMACH im Westen des Verantwortungsbereichs begonnen, was erhebliche Kräfte binden wird und voraussichtlich auch Gefechte bedeutet.

Eine der größten Herausforderungen wird die Umgliederung der DEU AusbSchtzBtl zu sogenannten partnering task force (PATF) unter gleichzeitiger Aufgabe der bisherig eigenständigen OMLTs werden, was voraussichtlich ab Juli geplant ist. Zudem wird die eigene Raumverantwortung für den Schwerpunkt RC N, das Schlüsselgelände KDZ/BAGHLAN, an die Afghanische Armee (ANA) übergeben. Als Ergebnis dieser Umgliederung ist festzuhalten, dass alle TrTle RCN von den Umstrukturierungen betroffen sein werden und dies im Wesentlichen während des laufenden Operationsgeschäftes stattfinden wird.

Damit wird deutlich dass der zeitgerechten Bereitstellung entsprechend ausgebildeter ANSF herausragende Bedeutung zukommt. Der Schwerpunkt der Gefechtsführung im RC N verlagert sich aufgrund dieser Entwicklung (wieder) von der Ebene des Gefechtsverbandes auf die Zug- und Kompanieebene.

Wie steht es nun um die AFG Sicherheitskräfte, speziell um die ANA?

Die Streitkräfte sowie die drei Polizeiorganisationen haben im Bereich RC N bereits die doppelte Stärke der ISAFKräfte. Ihr Aufwuchs ist mit 90% nahezu abgeschlossen und quantitativ sind sie auf sehr gutem Wege. Nun ist der Fokus auf Qualität mit Schwerpunkt auf Führerleistung und kritische Fähigkeiten zu richten. Diese sind neben Führungsfähigkeit insbesondere im Bereich Nachrichtengewinnung und Aufklärung, Logistik und der Kampfmittelabwehr/ bzw. – Beseitigung zu suchen.

Diesem Ansatz der Qualitätssteigerung und Führerfokussierung trägt das RC N bereits seit einem Jahr Rechnung, wobei auch deutlich ist, dass eine personelle und materielle Unterstützung durch ISAF noch lange erforderlich sein wird. Dabei soll auch das neu entwickelte Partner- und Ausbildungskonzept, das Security Force Assistance (SFA) Modell helfen. Leitidee ist dabei die KampfUstg und Ausbildung aus einer Hand auf niedrigerer Ebene zu ermöglichen mit dem Ziel einer besseren Integration / Kooperation. Bei dieser Zielsetzung muss ein Beraterteam (Advisor Team) dazu befähigt werden, mehrere ANSF Einheiten, wenn immer möglich sowohl AFG Armee als auch AFG Polizei an unterschiedlichen Orten zu betreuen. Unter Berücksichtigung der Fähigkeitsentwicklung der ANSF und bereits erster, als einsatzbereit deklarierter Einheiten, besteht bei diesem Konzept Aussicht auf Erfolg. Für die Planung der Operationen gilt:

  • Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Fähigkeiten der ANSF
  • Deutlich reduzierte Absichten/ Aufträge. Die Konzentration der Operationsführung gilt den Hauptverkehrswegen/ Bevölkerungszentren.

Im RC N gilt: keine Operation ohne Partner und weiter zunehmend die Übertragung der Verantwortung für Operationsplanung- und Führung auf die ANSF.

ANSF Aufwuchs 2012 - 2014
ANSF Aufwuchs 2012 - 2014
Absicht COM RC N
Absicht COM RC N

Weiterhin die Unterstützung von Programmen zur Schaffung lokaler Sicherheitskräfte, sowie der Reintegrationsbemühungen für Aufständische (hier ist das RC N das erfolgreichste in ganz Afghanistan). Dem Gegner wird im Winter keine Pause gegönnt und der Druck aufrechterhalten. Konzentration auf Schlüsselgelände sowie auf den Raum KUNDUZ BAGHLAN und die Grenzübergangsstellen, beide sind von strategischer Bedeutung.

Befähigung ANSF zur Verantwortungsübernahme
Befähigung ANSF zur Verantwortungsübernahme

Im Zuge anstehender Truppenreduzierungen – nicht nur der Amerikaner – kommt es darauf an, die Kohäsion mit unseren multinationalen Partnern zu erhalten und die Auswirkungen der eigenen Truppenreduzierungen durch ein kluges Konzept zur Implementierung einer noch mehr auf das Partnering ausgerichteten Struktur abzumildern. Schließlich muss es gelingen, durch eine verbesserte zivil-militärische Zusammenarbeit in Verbindung mit Informationsoperationen, das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die Regierung und ihre Sicherheitskräfte nachhaltig zu stärken.

BG Schütt stellte in seinen Schlussbemerkungen noch einmal deutlich heraus, dass sich der RC N – zu einem gewissen Grad – von anderen Regionalkommandos unterscheidet. Dies u.a. aufgrund der Geschichte, der geographischen Situation, der ethnischen Verteilung, der strategischen Rolle, aber auch der beschriebenen Truppenstärke im Vergleich zur Bevölkerung. Wenn wir derzeit über Bedrohung sprechen so stellt die die größte Gefahr für dieses Land eine schlechte Regierungsführung dar. Diese ist leider in allen Bereichen und auf allen Ebenen festzustellen. Das Problem lässt sich aber nicht mit militärischen Mitteln lösen, ein "Vernetzter Ansatz" bleibt unabdingbar. Hier ist politische Initiative und langer politischer Atem gefordert.

Deshalb wird auch militärisch nicht über Erfolg sondern über Fortschritt gesprochen, der im Bereich der Streitkräfte täglich voranschreitet. Es hat ziemlich lange gedauert aber inzwischen macht die ANA einen recht guten Job. Der Weg der Planung und Durchführung von Operationen in enger Kooperation mit den Afghanen, und dabei diese immer mehr in die Verantwortung bringen, isr der richtige, der aber der ständigen Anpassung bedarf. Eine ausgewogene und abgestimmte Kräftereduzierung unter Beibehaltung eines starken Zusammenhalts der Koalition ist die Voraussetzung, das angestrebte Ziel für 2014 zu erreichen.

Dank und Ausblick

Die Vorsitzenden der Freundeskreise und der Gastgeber
Die Vorsitzenden der Freundeskreise und der Gastgeber

Zum Abschluss des Symposiums dankte Generalleutnant a. D. Korte allen Vortragenden, den für die Organisation verantwortlichen Angehörigen des Ausbildungszentrums MUNSTER, an erster Stelle Herrn Oberstleutnant i. G. Klaus-Peter Lohmann und seinen zahlreichen Helfern im Hintergrund, sowie den Gästen und übergab symbolisch den Stab mit der Verantwortung für die Ausrichtung der Folgeveranstaltung letztmalig an den Vorsitzenden des Freundeskreises der Panzergrenadiere, Herrn Generalmajor Wolf-Joachim Clauß. Der Amtschef des Heeresamtes nahm den Stab auf und gab einen kurzen Ausblick für 2013. Danach soll das Symposium 2013 am 07. und 08. März an gewohnter Stelle stattfinden. Eine inhaltliche Festlegung erfolgte mit Blick auf die zu erwartenden Entwicklungen einerseits in Verbindung mit der neuen Einsatzstrategie der NATO in AFGHANISTAN, andererseits den zu erwartenden Entscheidungen zur Zukunft der Bundeswehr noch nicht.

Jedoch werden die beiden Freundeskreise in ihren Publikationen und auf ihren Internetseiten zeitgerecht darüber informieren. Alle Beteiligten schienen sich einig, einer sehr informativen und insbesondere die Kameradschaft zwischen den Generationen fördernden Veranstaltung beigewohnt zu haben. Als besonders erfreulich wurde es zum einen empfunden, dass aktive Kommandeure mit jüngeren Offizieren und Offizieranwärtern auch weite Wege nicht gescheut haben, um beim Symposium dabei zu sein. Zum anderen waren wie schon im letzten Jahr wiederum zahlreiche Reserveoffiziere und Vertreter von Traditionsverbänden mit kleinen Abordnungen unter den Gästen. Diese so positive Rückkopplung hat die Vorstände der beiden Freundeskreise darin bestärkt, auch in den Folgejahren an der Durchführung dieser herausgehobenen Veranstaltungen in gewohnter Form festzuhalten.

GenLt a.D. Korte bedankte sich besonders bei der Leiterin der gemeinsamen Geschäftsstelle der Freundeskreise, Frau Heidmarie Brammer
GenLt a.D. Korte bedankte sich besonders bei Frau Heidmarie Brammer

Das Symposium hat sich in den letzten Jahren neben den jeweiligen Publikationen wirklich zum Markenzeichen der Aktivitäten der beiden Freundeskreise der Panzertruppen entwickelt. Allen, die zum Gelingen beigetragen haben, in erster Linie dem gastgebenden Ausbildungszentrum MUNSTER, gebührt dafür ein besonderer Dank. Bleibt zu hoffen, dass auch zukünftig für ein attraktives Angebot der Symposien gesorgt werden kann, welches Teilnehmer aller Generationen gleichermaßen anspricht und für die lohnenswerte Reise in das Mutterhaus unserer beiden Truppengattungen motiviert. Nach Abschluss des Symposiums trennten sich Panzerleute und Panzergrenadiere, um in den danach anberaumten Mitgliederversammlungen über die weitere Zukunft der Freundeskreise zu beraten und zu entscheiden.

Die hilfreiche Mannschaft im Hintergrund, die für einen reibungslosen und gut organisierten Ablauf Sorge trug
Die hilfreiche Mannschaft im Hintergrund, die für einen reibungslosen und gut organisierten Ablauf Sorge trug

Zurück

© Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe e.V. | Webdesign von webdesign24.biz
Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender