Hotline: Mo + Mi 08:00 - 13:00 Uhr +49 (0) 5192 / 98 62 81 freundeskreis@panzertruppe.com
Detailansicht

Umgang mit Verwundung und Tod

2015-06-05 20:25
von Marco Pracht
Band-6

- Panzergrenadierbataillon 112

Oberstleutnant Heiko Diehl
Oberstleutnant Heiko Diehl

Dass das Symposium nicht nur die erfreulichen Seiten von Einsatz, Ausbildung, Entwicklungen für die Zukunft und Technik zum Thema hatte, zeigte der Vortrag des Kommandeurs des Panzergrenadierbataillons 112 aus Regen, Oberstleutnant Heiko Diehl, und seines Kompaniechefs, Hauptmann Marcel Gatsche, die die Erfahrungen des Bataillons im Umgang Tod und Verwundung greifbar machten. Das Bataillon verlor am 18. Februar 2011 in Afghanistan drei seiner Soldaten durch einen "Insider Attack". s. Bild unten.

Der einerseits sehr emotional-ernste und zum Nachdenken anregende Vortrag, der die Herausforderungen deutlich machte, denen sich die Bataillonsangehörigen ausgesetzt sahen, zeigte andererseits jedoch auch die hoffnungsvollen und effektiven Unterstützungsmöglichkeiten und unglaubliche Hilfsbereitschaft auf, die den betroffenen Soldaten und Familienangehörigen zuteil wurde. Diehl und Gatsche sehen ihren Beitrag für das Symposium als einen Vortrag, der die Erfahrungen der Soldaten des Verbandes weitergeben soll. Es sollte deutlich vor Augen geführt werden, was ein Bataillon im Zuge solcher Ereignisse erfahren und bewältigen muss. Diehl – zum Zeitpunkt des Anschlags zwar in Afghanistan eingesetzt, aber noch nicht Funktion als Bataillonskommandeur, schilderte seine Erfahrungen aus seinem Erleben, Gatsche war zum Zeitpunkt des Anschlags im Standort Regen und kann deshalb aus erster Hand seine Eindrücke aus dem Standort schildern.

Die Ereignisse in Afghanistan

Teile des Panzergrenadierbataillons 112 bildeten ein Ausbildungs- und Schutzbataillon des Regionalkommando Nord im Raum Kunduz / Afghanistan. Ein Zug des Verbandes war von September 2010 bis März 2011 einem Außenposten südlich Kunduz, dem sogenannten "OP North" eingesetzt. Einem Außenposten, der zur Überwachung eines der wichtigsten strategischen Punkte, dem Highway-Triangle im Bereich Baghlan, eingerichtet worden war. Nach monatelangem Kämpfen und offensiv geführten Operationen im Kunduz – Baghlan – Korridor hatten die Aufständischen an Schlagkräftigkeit deutlich verloren und ihre volle Leistungsfähigkeit eingebüßt. Nach zahlreichen Offensivoperationen konnten die ISAF-Kräfte die Handlungsfähigkeit im Regionalkommando Nord wiedergewinnen. Die Kräfte des Ausbildungs- und Schutzbataillons im OP North hatten gerade die Operation Jadid erfolgreich abgeschlossen. Diese Operation war eine der ersten großen Operationen mit an die 1000 Soldaten, bestehend aus ISAF- und afghanischen Sicherheitskräften. Die komplette Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung wurde gemeinsam bestritten, es war ein permanentes Miteinander. Auch lebten deutsche und afghanische Soldaten Seite an Seite innerhalb des OP North.

Trümmer nach dem Anschlag

Die deutschen Soldaten haben erfolgreich mit den Afghanen zusammen gekämpft, so dass der gegenseitige Umgang von Vertrauen geprägt war. Am 18. Februar 2011 war die Operation abgeschlossen. Ein Panzergrenadierzug führte innerhalb des OP North technischen Dienst durch, Panzergrenadiere arbeiteten an der Kette eines Schützenpanzers Marder. Ein afghanischer Soldat, der zuvor mit in die gemeinsame Operation und Ausbildung eingebunden war, war in der Wachablösung und eröffnete völlig unerwartet das Feuer auf die deutschen Soldaten. Ein Soldat wurde sofort getötet und acht weitere Soldaten schwer verletzt. Ein deutscher Soldat tötete den Angreifer mit seiner Pistole. Bilder des Anschlags gingen um die Welt.

Die verwundeten Soldaten wurden mit Hilfe amerikanischer Hubschrauber in Lazarette evakuiert, wo jedoch zwei der Verwundeten ihren schweren Verletzungen erlagen. Tagelang wurde um das Leben der noch verwundeten Soldaten in den Lazaretten gerungen. Es folgten die Trauerfeierlichkeiten im Regionalkommando Nord und Verabschiedung der Einsatzsoldaten von ihren drei gefallenen Kameraden. Die Soldaten des betroffenen Zuges waren stark demoralisiert und verlegten mit Masse in die Heimat zurück. Aufgrund der Tatsache, dass nahezu alle Richtschützen und Kraftfahrer des Zuges ausgefallen waren, war der Zug nicht mehr einsatzbereit.

Die Ereignisse in Regen

Heimkehr

Hauptmann Gatsche berichtete im Anschluss an den Vortrag von Oberstleutnant Diehl über die Ereignisse im Standort Regen. Die Informationen über den Anschlag trafen am Freitag, den 18. Februar kurz vor Mittag im Panzergrenadierbataillon 112 in Regen ein. Der damalige Kommandeur – ebenfalls im Einsatz in Afghanistan und unmittelbar betroffen von diesem Anschlag – informierte den Verband. Bereits ab Mittag berichteten sämtliche Medien über die Ereignisse und die Gefallenen bzw. Verwundeten aus Regen. Anrufe von besorgten Angehörigen und Medienvertretern waren die Folge. Zeitgleich machten sich drei Teams mit Bataillonsangehörigen auf den Weg zu den Angehörigen, um die schlimmen Nachrichten vom Tod oder der Schwerstverwundung zu überbringen.

Anschlag

Am frühen Nachmittag wurde das Bataillon alarmiert und für den Folgetag, Samstag, den 19. Februar, zum Dienst befohlen. Am frühen Abend regelte ein Krisenstab des Bataillons die weitere Betreuung der Hinterbliebenen. Teilweise wurden die Familien pressefachlich abgeschirmt, da das Medieninteresse überhand nahm. Der Pressestabsoffizier der Division traf zur Unterstützung des Bataillons in Regen ein und übernahm die Informationsarbeit. Am Samstag, den 19. Februar fand in der Kaserne in Regen ein Bataillonsappell statt, um die Soldaten über die Ereignisse zu informieren und den Gefallenen zu Gedenken. An diesem Tag erhielt das Bataillon auch Unterstützung aus dem Brigadestab durch Psychologen.

Vier Tage nach dem Anschlag wurden die Gefallenen nach Deutschland überführt. Die Familien der gefallenen Soldaten reisten in Begleitung ihrer Betreuer an den Flughafen nach Nürnberg an und im Laufe des Tages wurden das militärische Zeremoniell, eine Andacht in der Flughafenkapelle und eine Familienzusammenführung im Kongreßzentrum des Flughafens durchgeführt. Die Familienzusammenführung, bei der sich alle hinterbliebenen Familien trafen und miteinander austauschen konnten, war der Anfang einer tiefgreifenden Verbundenheit der Angehörigen untereinander sowie der Beginn eines bemerkenswerten Engagements für alle Hinterbliebenen von Soldaten, die mittlerweile bis in das Bundesministerium der Verteidigung hineinreicht. Am Freitag, den 25. Februar 2011, fand unter großem Medieninteresse die zentrale Gedenkfeier in der Kirche des Standortes Regen statt.

Unmittelbar vor der Gedenkfeier sprachen die Bundeskanzlerin und der Verteidigungsminister mit den Angehörigen der gefallenen Soldaten. Die Stadtkirche von Regen war über Nacht für die Bedürfnisse der offiziellen Trauerfeier vorbereitet worden. Die Angehörigen des Bataillons, Abordnungen weiterer Verbände und die breite Öffentlichkeit konnte die zentrale Gedenkfeier auf dem Stadtplatz von Regen über große Videoleinwände verfolgen, da es in der die Kirche keinen Platz mehr gab. Der Stadtplatz in Regen war überfüllt mit Soldaten und zivilen Trauergästen An den folgenden Tagen nach der offiziellen Gedenkfeier fanden in den Heimatorten der Gefallenen die Beerdigungen mit militärischen Ehren statt. Auch hierbei war die Anteilnahme der Bevölkerung sehr groß. Mit der Beisetzung am Heimatort endete offiziell die Betreuung der Familie durch das Bataillon und durch die Betreuungsoffiziere.

Gatsche: "Für das Bataillon und seine Soldaten sind die Ereignisse des 18. Februar 2011 natürlich sehr prägend und werden es auch bleiben. Aber man muss feststellen, jetzt auch vielleicht im Rückblick, es sind nicht nur negative Erfahrung gemacht worden, sondern wir haben auch sehr viele positive Dinge auf den Weg gebracht." Der derzeitige Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112 setzte die Ausführungen weiter fort: "Mit der Beisetzung am Heimatort endete unsere Verantwortung für die Angehörigen der Gefallenen nicht, wir fanden eine neue Aufgabe; auch die Begleitoffiziere verließen nicht gleich an diesem Tag die Familien, sondern waren noch mehrere Tage dort. Die Begleitoffiziere waren immer auf 'Stand-By', um sofort dann unterstützen zu können, wo es notwendig wurde."

Das Engagement des Panzergrenadierbataillons 112

Die Fürsorge für die Hinterbliebenen und die Genesung der Verwundeten war im Bataillon nun der absolute Schwerpunkt. Es wurde versucht, einen gewissen Alltag zurückzugewinnen. Oberstleutnant Diehl hat nach Übernahme des Bataillons auch die Verantwortung für das "Kümmern" um die Hinterbliebenen und Verwundeten übernommen. Diese Aufgabe war und ist bis heute nicht abgeschlossen, da auch die Betreuung und Fürsorge für die Verwundeten, die sich teilweise noch im Verband befinden, weitergehen, koordiniert und weiter voran getrieben werden muss.

Wie konnten die Hinterbliebenen unterstützt werden, was kann für eine gegenseitige Bewältigung der Trauer gemacht werden? Dafür gibt es keine Vorschrift oder eine Ausbildung, nicht für die Kompaniechefs, die Bataillonskommandeure und auch nicht für die Kompaniefeldwebel, die es unmittelbar mit den Angehörigen der Gefallenen oder Verwundeten zu tun hatten. Dennoch hat das Panzergrenadierbataillon 112 einen Weg gefunden, die Angehörigen zu einer Gemeinschaft zusammenzubringen. Trotz oder vielleicht gerade aufgrund der Trauer waren die Angehörigen offen für alle Bemühungen.

Diehl: "Sie haben unsere Hilfe, unsere Hand angenommen und das ist bis zum heutigen Tage so, die Gemeinschaft der Angehörigen wird größer und nicht kleiner. Das zeigt uns dass wir die richtigen Schritte gemacht haben. Wir haben uns in regelmäßigen Abständen getroffen, gemeinsam getrauert. Die Trauer wechselt mehr und mehr zum Gedenken, wobei der Schmerz unverändert geblieben ist." In Abstimmung mit dem Einsatzführungskommando wurde eine Reise an den Anschlagsort in Afghanistan organisiert, da einzelne Angehörige schon sehr früh diesen Wunsch äußerten. Eine zweite Reise wird in Kürze folgen. Das Bataillon hat zusammen mit der Panzerbrigade 12 aus Amberg ein Netzwerk der Hilfe gegründet. Dabei wurden alle Fürsorgeelemente der Bundeswehr zu einem Netzwerk zusammen gebracht. Die Mittlerfunktion des Bataillons wechselte vom betreffenden Kompaniefeldwebel zu einer nun dauerhaft eingerichteten Familienbetreuungsstelle in Regen, um die Verbindungen zu halten und den Hinterbliebenen einen nachhaltigen Rückhalt und weiterführende Hilfe bieten zu können.

Auf jeden Fall muss auch Erwähnung finden, dass viele "informelle" Bemühungen des Bataillons zusätzlich zu den Maßnahmen kamen, die die Bundeswehr bzw. die Bundesrepublik Deutschland für die Hinterbliebenen leistet. Verwaltungstechnische Angelegenheiten wurden relativ schnell erledigt, für die Verwundeten hat sich diesbezüglich Vieles zum Guten gewendet. Dennoch stellte Oberstleutnant Diehl fest, dass er "…. noch nicht genau sagen [kann] wie viele Verwundete wir tatsächlich nach dem Einsatz haben, da ich hier nicht nur von den Verwundeten am Körper erwähne, sondern wir auch die Verwundeten am Geist berücksichtigen müssen." Diese Verwundungen treten zum Teil erst später auf, weil unterschiedliche Erfahrungen noch nicht verarbeitet worden sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Kameraden dauerhaft ausfallen. Diese Verwundung müssen genauso ernst genommen werden wie die körperlichen Verletzungen. Aufgrund der Komplexität kann die Verantwortung, auf solche Umstände acht zu geben, nicht auf den Schultern eines Einzelnen ruhen.

Das Bataillon hat sogenannte "Lotsen" ausgebildet, die dem Kompaniechef, dem Kompaniefeldwebel und den Bataillonskommandeur helfen, diese Verantwortung wahrzunehmen: "….Alleine schaffen Sie dies alles nicht, da allein die rechtlichen Grundlagen, die es zu beachten gilt, aber auch die eigenen Handlungsoptionen, so umfangreich sind, dass es ohne Unterstützung nicht möglich ist, diese Aufgaben wirklich richtig wahrzunehmen", so Diehl. Sechs Verwundeten des 18. Februar 2011 wurde auf Grundlage des Einsatzweiterverwendungsgesetzes der Bundeswehr die Möglichkeit geboten, sich wieder relativ schnell in den soldatischen Alltag und das zivile Umfeld hineinzubringen.

Ein schwer verwundeter Soldat ist wieder bedingt dienstfähig. Sein größter Wunsch war es, der Bundeswehr erhalten zu bleiben und Berufsoldat zu werden. Dieser Soldat wird nun Berufssoldat und das Bataillon konnte ihm eine langfristige Perspektive am Standort bieten, ein weiterer Soldat hat sich nach Genesung von seiner Verwundung durch Sport nach vorne gebracht. Er wurde in die Feldwebellaufbahn eingesteuert und ist mittlerweile einer der Spitzensportler in einer Sportfördergruppe der Bundeswehr, ein anderer Soldat, der am 18. Februar 2011 Verwundungen erlitten hat, war auf eigenen Wunsch schon wieder im Einsatz. Dieser Einsatz hat ihm geholfen, seine nicht sichtbaren Verwundung besser verarbeiten können. Es war für ihn der richtige Weg damit abzuschließen. Drei weitere Soldaten planen ihren Einstieg in das zivile Leben und werden dabei vom Bataillon unterstützt, zwei werden eine Lehre beginnen – so wie sie es sich gewünscht hatten –, einer hat sich beruflich selbstständig gemacht und steht auf eigenen Beinen. Dennoch - bei allen positiven Entwicklungen hielt Diehl fest: "Es ist nicht alles gut, seelisch geht es nicht allen gut, der eine oder andere hat immer noch sehr unter seinen körperlichen Beeinträchtigungen zu leiden."

Koordination der Hilfe ist notwendig!

Veränderung

Diehl verwies in seinem weiteren Vortrag darauf, dass es dringend geboten war, die unterschiedlichen Hilfsangebote zu koordinieren. Als außerordentlich wichtig und hilfreich erachtet der Kommandeur die tiefe Verwurzelung des Bataillons in der Region, dem Bayerischen Wald, die auch bereits schon vor den Ereignissen des 18. Februar 2011 sehr ausgeprägt war.

Es war unwahrscheinlich schwierig, die Hilfsangebote und die anteilige Solidarität in richtige Bahnen zu lenken. Viele Helfer wollten mehr oder weniger direkt an die Angehörigen der gefallenen oder verwundeten Soldaten herantreten und ihnen im wahrsten Sinne des Wortes Geld in die Hand drücken, Spendenschecks waren keine Seltenheit. Daher war es der richtige Schritt, Fördervereine zu gründen. Die Fördervereine "18. Februar" und "Brücke 112" wurden ins Leben gerufen, um die Hilfsangebote koordinieren und auch in rechtlich richtige Bahnen lenken zu können. Diese Vereine gewährleisten aber auch, dass die Solidarität von außen mit dem Bataillon und den Angehörigen der betroffenen Soldaten bis heute anhält und die noch immer anhaltende Unterstützung schnell, gezielt und unbürokratisch an die Angehörigen weitergegeben werden kann, z.B. für Geschenke, Einladungen an die Hinterbliebenen zu Gedenkveranstaltungen, die regelmäßig durchgeführt werden. Natürlich wird die Hilfe auch dafür verwandt, das Gedenken an die drei gefallenen Soldaten aufrecht zu erhalten.

Einige Angehörige engagieren sich aus Dank für die vielfältige Unterstützung auch in den Fördervereinen und möchten sich vor allem den Soldaten des Bataillons gegenüber erkenntlich zeigen. Sie handeln nach dem Motto "…die Soldaten haben für mich soviel getan, jetzt möchte ich einiges für die Soldaten tun und – wenn jemand Hilfe braucht – möchten wir unsere Erfahrungen bei der Familienbetreuung weitergeben." Der zweite Verein unterstützt nicht direkt die Hinterbliebenen, sondern kümmert sich allgemein um die Soldaten im Einsatz. Weitere Einsätze des Bataillons werden folgen und dieser Verein unterstützt bei Familienbetreuungsveranstaltungen, um den Zusammenhalt zwischen den Familien und dem Bataillon zu stärken.

Das Panzergrenadierbataillon 112 hat die Familienbetreuung aus unterschiedlichen Initiativen auf völlig neue Beine gestellt. Zwar gibt es die offiziellen Familienbetreuungszentren an verschiedenen Orten in Deutschland, doch die Angehörigen Verbandes haben die Vorteile erkannt, die Familienbetreuung auszuweiten, da die Initiativen mit einem langen Vorlauf vorbereitet werden müssen. Die Familienangehörigen müssen von Anfang an Vertrauen in diese Organisationen haben. Wenn Familien und die Soldaten direkt aus der heimatlichen Region unterstützt werden und die Betreuungsstellen und ihr Personal kennen, kann Vertrauen leichter aufgebaut werden. Gerade in Regen hat die Familienbetreuungsorganisation auch die Hinterbliebenen- und Verwundetenbetreuung übernommen. Dies hat sich bewährt.

Gedenken an die gefallenen Kameraden

Wie schaffen es die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 112 nach der Trauerphase das Gedenken an ihre gefallenen Kameraden aufrecht zu erhalten? Das Bataillon hat entschieden, dafür zwei Gedenktage zu nutzen: Der Volkstrauertag. Bataillonsangehörige nehmen während des gängigen Volkstrauertags an den Veranstaltungen der Ortschaften teil, wo die gefallenen Soldaten beerdigt worden sind. Natürlich findet auch im Standort Regen eine entsprechende Gedenkfeier statt. Die Gemeinden haben Gedenktafeln für die drei Gefallenen aufgestellt.

Der zweite Gedenktag ist der 18. Februar. An diesem Tag treffen sich die Angehörigen und die Soldaten des Bataillons in der Bayerwaldkaserne in Regen. Am letzten 18. Februar waren nicht nur 40 Angehörige zu Besuch im Bataillon, sondern auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages. Ohne Medienpräsenz und ohne die Tore für die Öffentlichkeit zu öffnen wurde intern den Gefallenen gedacht und an die Ereignisse des 18. Februar 2011 erinnert. Durch diese Gedenkveranstaltung soll vermieden werden, dass aufgrund des Personalwechsels innerhalb des Bataillons die Erfahrungen in Vergessenheit geraten:

"In zehn Jahren sind nur noch wenige da, die diese Tage miterlebt haben. Aber es darf nicht vergessen werden. Deshalb überlegen wir jetzt auch eine kleine Gedenkstätte in unserem Bataillon einzurichten," so Diehl. Eine zentrale Fragestellung ist, was mit dem Gedenkstein an den Anschlag geschieht, der in Afghanistan im OP Nord aufgestellt worden ist. Diehl: "Diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt. Wir haben da natürlich eine ganz klare Meinung. Wir hätten den Gedenkstein natürlich gern in Regen, weil er sich auf uns, auf unser Bataillon und auf unsere drei Gefallenen bezieht."

Medienpräsenz

Zusammenfassung

Eine weitere extreme Erfahrung im Zusammenhang mit den Ereignissen der 18. Februar 2011 war der Umgang mit den Medien. Die ersten Erfahrungen waren recht negativ und von unberechenbarer Wucht. Zunächst mussten die Familien vor den Medien regelrecht geschützt werden. Mittlerweile haben die Angehörigen der Gefallenen aber auch die Erfahrung gemacht, dass die mediale Präsenz zur Verarbeitung der Ereignisse im einem positiven Sinne beiträgt. Eine Familie ist mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen und das Bataillon hat die Familie auch durch Beratung unterstützt.

Mittlerweile gibt es sehr viele Artikel, Radio- und Fernsehinterviews, z.B. auch bei Günther Jauch. In der Sendung hat die Mutter eines Gefallenen die Anwesenden überrascht: Sie trat nicht als zerbrochene Familienangehörige mit einer unbändigen Wut auf die Bundeswehr auf, sondern als Mittlerin im Sinne der Bundeswehr. Sie bestätigte im Interview, dass sie eine intensive und gute Bindung zur Bundeswehr hat, dass sie sich dort aufgehoben und gut behütet fühlt.

Diese Aussagen in der Öffentlichkeit zeigten den Bataillonsangehörigen, dass sie mit ihren Initiativen auf dem richtigen Weg sind. Nach und nach öffneten sich auch die anderen Familien und möchten über ihre Erlebnisse berichten. Dies stellt vor allem für den Bataillonskommandeur ein großes Spagat dar: Auf der einen Seite wollen die Familien zunehmend an die Öffentlichkeit gehen und ihre Erfahrungen verarbeiten. Dabei findet das Panzergrenadierbataillon 112 durchweg eine positive Erwähnung. Auf der anderen Seite können diese schlimmen Erfahrungen des 18. Februar auch Auswirkungen auf die Nachwuchswerbung haben – vor allem in der hiesigen Region. Wenn die ständige Verbindung "Einsatz und Gefallene", "Einsatz und Verwundete" permanent in der Region besteht, wird es zukünftig schwierig sein, Nachwuchs zu gewinnen.

Generalmajor Spindler dankte OTL Diehl für seinen beeindruckenden Vortrag
Generalmajor Spindler

Zusammenfassung und lessons learned "Man kann sagen, dass der Einsatz 2010/2011 nicht endet. Er wird auch nicht enden: Die Fürsorge für unsere Verwundeten und Hinterbliebenen wird ein permanenter Auftrag und eine ständige Verpflichtung sein, die wir erhalten müssen und wollen." Die Familienbetreuung wurde als ein zentraler, ständig und permanenter Kernpunkt der Erfahrungen identifiziert. Familienbetreuung muss frühzeitig vorbereitet werden. Fördervereine können in Extremfällen unbürokratisch und unkompliziert helfen und unterstützen und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Überzeugend versicherte Diehl: "Wir werden unsere drei Kameraden, den Hauptfeldwebel Georg Missulia, den Stabsgefreiten Konstantin Menz und den Hauptgefreiten Georg Kurat nie vergessen. Sie bleiben in unseren Herzen und die Familien und die Angehörigen sind jetzt Teil unseres Bataillons geworden. Wir haben es geschafft! Das Bataillon ist wieder in den Alltag zurückgekehrt, doch nicht nur das: Ich glaube, wir sind auch professioneller geworden als noch vor einigen Jahren. Wir werden uns um die Verwundeten kümmern und haben die Fürsorge auf ein neues Niveau gehoben. Ich kann feststellen, dass wir mit dem Bataillon in Regen ganz, ganz tief am Boden waren, aber wir sind wieder aufgestanden. Und das ist das Wichtige, dass ist die Kernbotschaft: Wir sind jetzt wieder bereit, wir gehen wieder mit über 300 Soldaten in den Einsatz, mit dem ganzen Bataillon wieder nach Kunduz."

Zurück

© Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe e.V. | Webdesign von webdesign24.biz
Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender