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VJTF PzLBrig 9

2019-01-26 15:14
von Redaktion
Band-7
Wappen Panzerlehrbrigade 9
Wappen Panzerlehrbrigade 9

Die Bewältigung einer der anspruchsvollsten Aufgaben liegt vor der Panzerlehrbrigade 9 mit der Gestellung des Kerns des multinationalen Brigadestabes (rund 200 Soldaten) und der Hauptkräfte (rund 2.500 Soldaten aus allen Verbänden der Lehrbrigade).

Seit Januar 2018 befindet sich die Brigade in der Stand Up-Phase für die Schnelle Eingreiftruppe Very High Readiness Joint Task Force Land 2019 (VJTF (L) 2019). Unter Führung des Kommandeurs, Brigadegeneral Ullrich Spannuth, stehen rund 8.000 Soldaten aus neun Nationen (Deutschland, Belgien, Frankreich, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen und Tschechien) in einer abgestuften dreijährigen Bereitschaft für Einsätze mit kurzer Reaktionszeit im Rahmen der NATO bereit. Dabei werden der Lehrbrigade dann neun Bataillone und sieben Brigadeeinheiten unterstellt sein. In der gegenwärtigen Stand Up-Phase ist nach einer Alarmierung eine Abmarschbereitschaft (Notice to Move) von 45 Tagen sicherzustellen.

Gliederung VJTF
Gliederung VJTF

In der Stand By-Phase, welche zum 01.01.2019 beginnt, muss das Spearhead- Bataillon als Vorausverband innerhalb von zwei bis drei Tagen, die Hauptkräfte innerhalb von fünf bis sieben Tagen verlegen können. Im dritten Jahr, in der sogenannten Stand Down-Phase, hat der Verband eine Abmarschbereitschaft von 30 Tagen sicherzustellen.

Wofür steht VJTF (L)

Die VJTF (L) „[…] ist ein Markenzeichen für Multinationalität und steht für die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Bündnis […]“, fasst Brigadegeneral Spannuth den Kern zusammen, „[...] Sie ist sichtbares Zeichen für den Willen und die Befähigung der NATO sich gegen äußere Bedrohungen zu verteidigen.“, so Brigadegeneral Spannuth weiter.

Die Aufstellung der VJTF (L) gehört zu den Reaktionen der NATO auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch die Russische Föderation und dem andauernden Konflikt in der Ost-Ukraine. Mit ihren Beschlüssen auf dem NATO-Gipfel von Wales im September 2014 hat die NATO mit dem sogenannten „Readiness Action Plan“ in zwei Bereichen reagiert. Zum einen mit den Rückversicherungsmaßnahmen (Assurance Measures), die die Bündnissolidarität deutlich machen und verstärken sowie zum anderen den Anpassungsmaßnahmen (Adaptation Measures) zur Reform der Allianz, die eine verbesserte Reaktionsfähigkeit und eine Refokussierung auf die Bündnisverteidigung (Collective Defence) vorsieht. Teil dieser Anpassungsmaßnahmen ist die Weiterentwicklung und Verstärkung der NATO Response Force (NRF) auf 40.000 Soldaten zur so genannten Enhanced NRF (eNRF). Sehr schnell verlegbare Einsatzkräfte sollen auf eine unmittelbare Bedrohung des Bündnisgebietes antworten und Zeit für das Heranführen der Folgekräfte gewinnen. Genau in diesem Bereich ist Very High Readiness Joint Task Force, die VJTF konzeptionell verortet.

Die Vorbereitung

Den ersten Schritt in Richtung VJTF (L) 2019 vollzog die Brigade mit der Übung HEIDESTURM vom 19. Mai bis 09. Juni 2017. Rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten übten mit ca. 400 Fahrzeugen die Verlegung vom Truppenübungsplatz Senne im Kreis Paderborn zum Truppenübungsplatz Bergen, einschließlich der Gewässerübergänge über Weser und Aller. Mit dem sich anschließenden zweiwöchigem TrÜbPl-Aufenthalt der Brigade und dem abschließenden Gefechtsschießen auf Bataillonsebene übte die Panzerlehrbrigade 9 das hochintensive Gefecht. Die Soldatinnen und die Soldaten der Panzergrenadierbrigade 41 aus Mecklenburg-Vorpommern und der Divisionsartillerie, dem Artillerielehrbataillon 325, unterstützten dieses Ausbildungsvorhaben bereits zielgerichtet für die VJTF (L) 2019.

Die Herstellung der Führungsfähigkeit des MN Brig HQ VJTF(L) 2019 sollte den Stab der Panzerlehrbrigade 9 noch weitere Wochen und Monate beschäftigen. Sämtliche Handlungsanweisungen und Meldungen, die sogenannten SOPs/SOIs, mussten für das HQ VJTF durch den Stab Panzerlehrbrigade 9 erstellt werden. Selbstverständlich in Englisch, der Arbeitssprache der VJTF.

Weiterhin mussten Lösungen zur Herstellung der Führungsfähigkeit für die MN VJTF Brigade gefunden werden, um die bevorstehende Zertifizierung im März 2018 bestehen zu können.

Der Schlüssel zum Erfolg bildeten dabei die S6 Abteilung und die Stabs-/Fernmeldekompanie (St/FmKp) der Panzerlehrbrigade 9, welche in kürzester Zeit ein Gefechtsstandkonzept für das HQ VJTF mit hoch beweglichen und stationären Anteilen entwickelte und technische Lösungen für die Anbindung der MN Gefechtsverbände fand.

HEIDEBLITZ 2018 – die erste multinationale Übung

Im Januar 2018 begann die Stand Up- Phase für die VJTF(L) 2019. Zu Beginn des Jahres wurde der Ausbildungsschwerpunkt auf das MN HQ VJTF(L) 2019 gelegt. In der Übung HEIDEBLITZ 2018, die vom 29. Januar bis zum 09. Februar 2018 am Gefechtssimulationszentrum des Heeres durchgeführt wurde, bereitete sich die Brigade unter Leitung des 1. DEU/NLD Korps auf die Überprüfung durch die NATO vor. Erstmals wurde das Zusammenspiel zwischen den Gefechtsständen der künftigen VJTF (L)-Brigade mit multinationaler Besetzung geübt und das Gefechtsstandkonzept unter „Volllast“ getestet.

Die durchweg englischsprachige Übung ermöglichte insbesondere eine intensivierte Zusammenarbeit mit Soldaten aus den Partnernationen Norwegen, Niederlande, Belgien, Tschechien und Gewässerübergang über die ALLER Gewässerübergang über die WESER BERGEN 2018 Luxemburg. Das abschließende Fazit der Übung von Brigadegeneral Ullrich Spannuth lautete danach auch: „Well done – Wir alle, vom Gefreiten bis zum Brigadegeneral, haben enorm viel bei dieser Übung gelernt. Ich bin stolz darauf, welchen Leistungsstand wir am Ende der Übung erreicht haben.“

Die Zertifizierung des multinationalen VJTF (L) -Hauptquartiers

Nach einem kurzen Etappenhalt in Munster, verlegte der Brigadestab erneut nach Wildflecken. Vom 09. März bis 22. März 2018 wurde das HQ VJTF(L) 2019 am Gefechtssimulationszentrum des Heeres in Wildflecken während der CPX „Wizard Sword“ nach NATOKriterien zertifiziert. Unter der Führung der Panzerlehrbrigade 9 stellten sich Soldaten von Heer, Marine, Luftwaffe, der SKB, dem Zentralen Sanitätsdienst sowie aus sechs Partnerländern der Zertifizierung.

Im Kern mussten die Soldaten nachweisen, dass das multinationale Hauptquartier (HQ) der Brigade mit seiner Expertise in typischen Stabs-Aufgaben, also rund um Planung und Führung von militärischen Operationen, dem im Fokus stehenden Aufgabenspektrum der VJTF (L) entspricht.

Landes- und Bündnisverteidigung sowie hybride Bedrohungen waren die bestimmenden Übungsszenarien.

Komplexe Planungsaufgaben, etwa von hybriden, also von militärischen oder auch nicht militärischen Bedrohungen, bis hin zum hochintensiven Gefecht, galt es zu bewältigen.

Bei der Zertifizierungsübung Wizard Sword wurde dabei die höchste NATO-Wertungsstufe „Exzellent“ vergeben.

Damit ist der Stab für die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) (L) für das Jahr 2019 bestens vorbereitet.

Zertifizierung der Bataillone

Nach der Vorgabe des Brigadekommandeurs mussten die Deutschen Verbände der VJTF ihre Einsatzfähigkeit im Rahmen einer Gefechtsstandübung (CPX) und einer Gefechtsübung mit Volltruppe (FTX) nachweisen. Dies erfolgte im Zeitfenster von Februar bis März 2018

  • im Gefechtssimulationszentrum Wildlfecken,
  • auf dem TrÜbungsplatz Bergen und
  • im Gefechtsübungszentrum des Heeres in der Altmark.

In allen Bereichen wurde die Zertifizierung von NATO-Vertretern überwacht. Gerade die Übungen mit Volltruppe machten deutlich, welch guter Ausbildungsstand in allen Verbänden erreicht worden ist. In allen Verbänden ist Multinationalität das „New Normal“. Übungen auf Bataillonsebene – ob GefÜbZ oder SIRA – finden grundsätzlich nur noch in englischer Sprache statt. Und durch eine intensivierte Übungstätigkeit – mehr als 30 Wochen Übungstätigkeit in achtzehn Monaten – wurde die Kernbefähigung zum „Gefecht der verbundenen Waffen“ wiedererlangt.

Letzte Bewährungsprobe – TRIDENT JUNCTURE 2018

Ab September 2018 wird die VJTF(L) 2019 an der freilaufenden Volltruppenübung „Trident Juncture“ in Norwegen teilnehmen. Dabei steht neben der strategischen Mobilität, also das der Verlegung einer Brigade über bis zu 1000 Kilometer im Luft-See- und Landtransport vor allen Dingen die weitere Steigerung der Interoperabilität auf Zug- und Kompanieebene im Mittelpunkt. Abschluss bildet eine einwöchige freilaufende Volltruppenübung in Norwegen.

An der Übung „Trident Juncture“ werden neben den NATO-Mitgliedsstaaten auch schwedische und finnische Streitkräfte teilnehmen. Mit insgesamt etwa 50.000 Soldatinnen und Soldaten ist dies die größte NATOÜbung seit 2002. Aus der VJTF(L) kommen dabei etwa 6.500 zum Einsatz. Rund 4.000 deutsche und etwa 2.500 Soldatinnen und Soldaten weiterer NATO-Staaten.

Die Kräfte der Brigade werden dabei teilweise bis zu drei Monate in Norwegen verbleiben. Nach der Rückkehr Anfang Dezember, beginnt dann das Stand By-Jahr ab 1. Januar 2019. Die Panzerlehrbrigade 9 ist für diesen Auftrag bestens vorbereitet.

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Generalleutnant Jacobson
Generalleutnant Jacobson

Carsten Jacobson

Generalleutnant
Vorsitzender

General a.D. Wolfgang Brüschke
General a.D. Wolfgang Brüschke

Wolfgang Brüschke

Brigadegeneral a.D.
Stellvertretender Vorsitzender

Oberst a.D. Schneider
Oberst a.D. Schneider

Wolfgang Schneider

Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender