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VN Aussbildungszentrum Bw

2015-06-04 18:34
von Marco Pracht
Band-6

Das Vereinte Nationen Aussbildungszentrum Bundeswehr

Vom Einsatz her denken

Autor: Oberst Reinhard Barz

Die Realität der Bundeswehr wird durch die aktuellen Einsätze geprägt. Fähigkeiten, die dort benötigt werden, sind die Gradmesser für die Einsatzvorbereitende Ausbildung im Rahmen der Systematik Zusatzausbildung Einsatzvorbereitende Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung (ZA EAKK). Das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum Bundeswehr (VNAusbZentr Bw) ist diesem Anspruch verpflichtet.

Oberst Reinhard Barz
Oberst Reinhard Barz

War das VNAusbZentr Bw bei seiner offiziellen Indienststellung am 27. Oktober 1999 noch ein Baustein der Infanterieschule, ist es seit dem 22. April 2010 eine eigenständige Ausbildungseinrichtung die truppendienstlich dem General der Infanterie unterstellt ist. Es ist ein nationales und internationales Markenzeichen für eine einsatzrelevante und einsatzgebietspezifische Ausbildung von Soldaten, Bundespolizisten und Zivilpersonen verschiedenster Nationalitäten für Einsätze im Rahmen der Konfliktverhütung und Krisenbewältigung.

Das VNAusbZentr Bw besitzt mit der Ausbildungsdrehscheibe Hammelburg- Wildflecken hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten. Die Truppenübungsplätze Hammelburg und Wildflecken liegen etwa 30 Kilometer voneinander entfernt. Übungen können so realistisch über größere Entfernungen angelegt werden. Mit den besonderen Ausbildungseinrichtungen wie unter anderem "Übungsdorf Bonnland", "VN-Lager Felschental", "Housing Area" und einer C IED-Trainingbahn auf den Truppenübungsplätzen Hammelburg und Wildflecken sowie mit der Mittelgebirgsstruktur des Ausbildungs- und Übungsgeländes besitzt das VNAusbZentr Bw eine auf die Einsätze zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung bestens optimierte Ausbildungsinfrastruktur. Hieraus entsteht das "System VNAusbZentr Bw".

Wir sind:

Wappen
  • ein Ausbildungszentrum für die aktiven Soldatinnen und Soldaten sowie Reservisten und das Zivilpersonal der Einsatzkontingente der Bundeswehr und bilden im Jahr rund 18.000 Soldaten und Zivilpersonen für einen Einsatz zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung aus
  • ein Partnership for Peace Training Centre (PfP) der NATO und unterstützen die Einsatzausbilder befreundeter Nationen im Rahmen der NATO-Kooperationsstruktur
  • eine Ausbildungseinrichtung für Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die auch Personal anderer Ministerien (unter anderem im Rahmen des Ressorts übergreifenden Konzeptes der Bundesregierung in Afghanistan/AA/BMI/BMZ) und Hilfsorganisationen sowie Journalisten ausgebildet
  • in einem Ausschreibungsverfahren ausgewählt worden, EU-Parlamentarier auf den Einsatz in Krisengebieten vorzubereiten
  • eine für die Ausbildung von UN-Militärbeobachtern von den Vereinten Nationen zertifizierte Ausbildungseinrichtung die nicht nur deutsche Soldaten, sondern auch Soldaten befreundeter Nationen für UN-Einsätze weltweit ausbildet
  • beauftragt mit der Ausbildung der Kommandanten und Richtschützen für Sonderkraftfahrzeuge, die aufgrund einer geringeren Verfügbarkeit zentralisiert sind, u. a. für das Allschutz-Transportfahrzeug Dingo
  • mit der Expertengruppe Schutz aktiv beteiligt an konzeptioneller und praktischer Weiterentwicklung der Ausbildung (lessons learned) und beraten die Truppe (Schwerpunkt Force Protection)
  • Mitglied der NATO-Arbeitsgruppe Training and Education for Peace Support Operations (TEPSO) und wirken dort an der Erstellung international harmonisierter Ausbildungsprogramme mit
  • Mitglied der International Association of Peacekeeping Training Centers (IAPTC), deren Ziel die verstärkte Kooperation und Koordination aller Kräfte, die bei Peace Support Operations (PSO) agieren, ist
  • im engen Kontakt zur United Nations- Department of Peace Keeping Operations (UN-DPKO) und arbeiten aktiv bei der Entwicklung von Standardised Training Moduls für United Nations- Peace Support Operations (UN-PSO) mit
  • im engen binationalen Kontakt zu anderen Peacekeeping Training Centers. Im Focus stehen der gegenseitige Informations- und Erfahrungsaustausch in der Ausbildung für Einsätze zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sowie der gegenseitige Ausbilder- und Lehrgangsteilnehmeraustausch (in den letzten 3 Jahren mit insgesamt 83 Nationen)

Struktur und Ausbildung

Militärbeobachter einer UN Mission
Militärbeobachter einer UN Mission

Der Bereich "Internationale Ausbildung" zeichnet verantwortlich für die lehrgangsgebundene Ausbildung. So werden hier künftige Militärbeobachter in einer mehrwöchigen Ausbildung, deren Schwerpunkt der dreiwöchige "United Nations Military Observer Course" (UNMOC) ist, auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Das zugehörige Grundlagenseminar und die ebenfalls dreiwöchige Sprachenausbildung finden auch am VNAusbZentr Bw statt.

Die Lehrgänge "Einsatz in multinationalen Stäben" und "Englisch für Multinationale Stäbe" vermitteln Grundkenntnisse und Fähigkeiten für Stabsarbeit im multinationalen Rahmen. In Seminaren für Personal der EU ("Hostile Enviroment Awareness Training "HEAT"), Journalisten sowie in Lehrgängen u. a. des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) werden Zivilpersonen und Angehörige von Non-Governmental Organisations (NGO) auf ihren Einsatz in Krisengebieten eingestimmt. Dabei werden sie für die besonderen Gefahren, unter denen sie arbeiten müssen, sensibilisiert.

Journalistenausbildung
Journalistenausbildung

Der Bereich "Internationale Ausbildung" schult militärische Führer der Bundeswehr und von PfP-Staaten für ihre Aufgaben als Ausbilder im Rahmen der "Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung". Er pflegt die Kontakte zu Peacekeeping Training Centers weltweit und ist wesentliches Bindeglied im quadrolateralen Ausbildungsverbund mit den VN-Ausbildungszentren in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden.

Wesentlicher Teil des Auftrages des VNAusbZentr Bw ist die Einsatzvorbereitende Ausbildung der Soldaten der Divisionen des Heeres, der Angehörigen der Streitkräftebasis sowie der Angehörigen der anderen Teilstreitkräfte im Bereich "Nationale Ausbildung". Hier wird im Rahmen der ZA EAKK – einsatzlandbezogen – ein abschließendes Handlungstraining durchlaufen. Dieses ist als "vertiefende Individualausbildung" mit dem Charakter eines "Worst-Case-Szenario" angelegt: Aktion und Reaktion stehen im ständigen Wechsel.

Die 4-tägige Ausbildung ist in vier Abschnitte gegliedert: Der Ausbildungsabschnitt "Verhalten bei Geiselnahme/-haft" in der Robustheitsausbildung wird zukünftig ersetzt durch die Station "Verhalten in besonders belastenden Situationen (V.i.b.b.S.).

"Handlungstraining bei Komplexen Lagen" ist im Schwerpunkt um das Thema "sanitätsdienstliche Unterstützung in Gefechtssituationen" erweitert worden. "Verhalten in unterschiedlichen Bedrohungslagen" hat im Schwerpunkt den Schusswaffengebrauch unter Beachtung der Rules of Engagement.

Das "Verhalten unter Kampfmittelbedrohung" beinhaltet als Schwerpunkt die Counter-Improvised Explosive Device (C-IED) Ausbildung. Neben der Ausbildung der Einsatzkontingente leistet der Bereich "Nationale Ausbildung" u. a. die Ausbildung von Observation Mentoring Liaison Teams (OMLT) ISAF sowie der Bundespolizei für verschiedenste Missionen in Afghanistan. Der immer schnelllebigeren Einsatzrealität wurde durch Schaffung einer "Gruppe Grundlagen" Rechnung getragen. Diese Gruppe führt im Kern die Arbeit in den Bereichen "Lessons identified / Lessons learned" durch und unterteilt sich in die "Expertengruppe Schutz" sowie die "Internationale Kooperation". Im Rahmen der internationalen Kooperation nimmt das VNAusbZentr Bw Aufgaben der konzeptionellen Weiterentwicklung von Ausbildungsprogrammen für Peace Support Operations (Friedensmissionen) wahr. Hierbei stellt die Arbeit in der NATO-Arbeitsgruppe "Training Education for Peace Support Operations (TEPSO)" einen wesentlichen Eckpfeiler des Aufgabengebietes dar. In dieser Arbeitsgruppe werden international abgestimmte, standardisierte Ausbildungsprogramme für Peace Support Operations erarbeitet.

Der Leiter des VNAusbZentr Bw steht dieser Gruppe als Chairman vor. Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Bereich ist die Zugehörigkeit zu den Partnership for Peace and Education Centers. Diese stimmen ihre Ausbildung untereinander ab um Duplizitäten zu vermeiden und das Gesamtangebot an Ausbildungsthemen zu erhöhen. Die Ausbildung der UN-Militärbeobachter wird im Rahmen von "Fo(u) r Peace Central Europe" zwischen DEU, NLD, AUT und CHE koordiniert.

Darüber hinaus arbeitet das VNAusbZentr Bw eng mit verschiedenen Institutionen wie der "International Association of Peacekeeping Training Centers (IAPTC)", dem "United Nations – Department for Peacekeeping Operation (UN-DPKO)" sowie weiteren Staaten zusammen mit dem Ziel der Verbesserung von Koordination und Kooperation aller Kräfte, die in Friedensmissionen mitwirken. Die Ausbildungs-/Unterstützungskompanie VN (Ausb/ UstgKp VN) wurde am 01.04.2006 aufgestellt und leistet seither die Ausbildung für nationale und internationale Lehrgänge durch das Bereitstellen von Rollenspielern, Kraftfahrern und Unterstützungspersonal. Darüber hinaus werden durch die Kompanie Fahrer, Kommandanten und Richtschützen für die gepanzerten Sonderfahrzeuge der Bundeswehr (DINGO I und DINGO II) ausgebildet.

Herausforderungen

Handlungstraining
Handlungstraining

Diese Gegner versuchen ihre konventionelle Unterlegenheit bei Truppenstärke, Ausrüstung und Ausbildung durch "unkonventionelle" Taktiken einschließlich Terror und unbegrenzter Gewaltanwendung unter Missachtung anerkannter Regeln des Kriegsvölkerrechts auszugleichen. Irreguläre Kräfte gehen immer mehr dazu über, ihre Angriffe militärisch zu strukturieren sowie diese koordiniert vorzubereiten und durchzuführen. Es sind aber auch nach den "Regeln" der organisierten Kriminalität operierende Gegner und Einzeltäter, die zur Durchsetzung ihrer Ziele bewaffnete Überfall-, Anschlags- oder Raubtaktiken anwenden. Die Einsatzrealität ist heute dynamischer denn je, mit wechselnder Intensität in einem komplexen Umfeld. Der taktische Führer bis zur unteren Ebene ist "mittendrin", die Verantwortung (auch Handlungsverantwortung) ist massiv auf die untere taktische Ebene verlagert worden. Dies impliziert für die Ausbildung dreierlei:

  • Schaffen grundlegender Voraussetzungen (u.a. psychische und physische Robustheit) und Handlungssicherheit durch realistisches Training
  • ständige Anpassung der Ausbildungsinhalte sowie schnelle Reaktion auf sich ändernde "Tactical and Technical Procedures" (TTP)
  • die Lehrgangsteilnehmer zu befähigen, auch bei unklaren Lagen durch Rückgriff auf Erlerntes und unter Anwendung der Führungsphilosophie "Führen mit Auftrag" erfolgreich den Auftrag durchzuführen
Rollenspieler im Einsatz
Rollenspieler im Einsatz

Diesem Dreiklang folgt die Ausbildungssystematik des VNAusbZentr Bw. Im Hinblick auf die neuen Fähigkeitskategorien der Streitkräfte leisten wir so unseren Beitrag zum "Erhöhen der Überlebensfähigkeit". Die durchgängig hohen Bedarfszahlen der Ausbildung (ca. 500 Soldaten/Woche allein im Bereich nationale, Einsatzvorbereitende Ausbildung sowie Ausbildung Sonder-Kfz) lassen sich, auch unter Einbringen aller Ressourcen des VNAusbZentr Bw, nur unter Heranziehung eines großen Personalanteils der Leitdivisionen bewerkstelligen. Zur Ausbildungsunterstützung in Wildflecken werden als Unterstützungsverband bis zu 250 Soldaten der Leitdivision und ein selbständiger Unterstützungszug ZA EAKK seitens der SKB für das VNAusbZentr Bw herangezogen.

Autor Oberst Reinhard Barz, Jg 1953, seit 2005 Leiter VNAusbZentr Bw, erfahren in vielfältigen Stabs- wie TrVerwendungen BtlKdr PiBtl 801 StvBrigKdr PiBrig 50 Im Einsatz Führungsverwendungen bei IFOR, KONGO, ISAF in FEYZABAD und KUNDUZ

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Generalleutnant Jacobson
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General a.D. Wolfgang Brüschke
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Oberst a.D. Schneider
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