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Vom Rhein zur Elbe

2015-06-02 17:27
von Redaktion
Band-5

Vom Rhein zur Elbe – Der Vormarsch der 5. (US) Panzerdivision im Frühjahr 1945

von Karl-Heinz Heineke und Karl-Theo Schleicher

Das Land NIEDERSACHSEN, konkret der Großraum HANNOVER, war das Ziel der Kriegsgeschichtlichen Exkursion 2009 des Freundeskreises Offiziere der Panzertruppe. 40 Mitglieder und Gäste unseres Freundeskreises nahmen vom 15.-18. Oktober daran teil.

Einleitungs Collage
To the Elbe

Referent für die militärische Thematik war Oberstleutnant Dipl.-Päd. Karl-Heinz Heineke, Angehöriger des Heeresamtes in KÖLN. Für die Organisation der Exkursion war der Beauftragte für Militärgeschichtliche Exkursionen, Oberst a.D. K.-T. Schleicher, verantwortlich. Nach Vortrag am ersten Tag zur Einweisung in die Gesamtlage der 9. (US) Armee (Simpson), die den Rheinübergang bei WESEL und die Bildung des RUHRKESSELS einschlossen, stellte der Referent an drei weiteren Tagen im Gelände an mehreren Besprechungspunkten Gefechtsausschnitte zwischen WESER und dem SALZGITTER-STICHKANAL im Raum HAMELN-HANNOVER-BRAUNSCHWEIG - HILDESHEIM nach, um den Vormarsch der Amerikaner in Richtung ELBE aufzuzeigen. Hierbei ging er speziell auf das XIII. (US) Korps (Gillem) und dessen Speerspitze ein, die von der 5. (US) Panzerdivision (Oliver) gebildet wurde. Schilderungen über den Vormarsch benachbarter Großverbände, so der 2. (US) Panzerdivision und der 30. (US) Infanteriedivision, rundeten das Bild ab. Sie wurden durch das rechts eingesetzte XIX. (US) Korps (McLain) geführt.

Weserübergang bei Hameln am 8. April 1945
Weserübergang bei Hameln am 8. April 1945

Die Authentizität der Ereignisse wurde durch mehrere Zeitzeugen - Deutsche und auch ein Amerikaner - vor Ort bestätigt. Auch Berichte von kriegsgedienten Herren aus unserer Mitte, so der Herren Beckmann, Hagelüken, Wecker und Werner (erstere als Panzeroffiziere, letztere als Offizieranwärter) trugen dazu bei. Die Geländebegehungen begannen am Freitag, 16.10., an den WESER-Übergängen im Raum HAMELN , führten durch die DEISTER PFORTE bei SPRINGE und durch das CALENBERGER LAND über die LEINE bis nach PEINE und endeten am Sonntag, 18.10., am SALZGITTER- STICHKANAL.

Ein Höhepunkt der Exkursion war ein Besuch in PEINE am 16.10. Dort befand sich im Mai/Juni 1945 das Hauptquartier des XIII. (US) Korps und es fanden dort besondere Feierlichkeiten mit russischer Beteiligung statt. (Näheres s. S. 82) Als kleine kulturelle Einlage besuchten wir am 17.10. auch die Gutskirche in EQUORD, die uns der evangelische Pfarrer Bähr nahebrachte. Hierbei wurde auf die Geschichte der Familie von Hammerstein eingegangen. Sie war dort über Jahrhunderte angesiedelt. Der Großvogt Georg Christoph v. Hammerstein gilt als der Erbauer der Gutskirche. Sie ist ein echtes Kleinod und wird im Volksmund als der kleine Petersdom bezeichnet. Am 18.10. besichtigten wir das Bergbau- Museum in LENGEDE, wo wir über das "Grubenunglück von Lengede" und die an ein Wunder grenzende Rettung von Bergleuten informiert wurden.

Generalmajor a.D. Beckmann gedachte am Ehrenmal der Gefallenen
Generalmajor a.D. Beckmann gedachte am Ehrenmal der Gefallenen, die dort in den letzten Kriegstagen ihr Leben für das Vaterland gaben. Unter ihnen 17jährige Flakhelfer. Im Hintergrund der Trompeter , der das Lied „ Ich hatt´ einen Kameraden....“spielte.

Am Gefallenenehrenmal in WASSEL legten wir am 17.10. im Beisein der Bürgermeisterin, Frau Almuth Gellermann, ein Gebinde nieder. Unser Ehrenvorsitzender, Generalmajor a.D. Beckmann, gedachte der toten Soldaten beider Seiten. Junge Leute, die ihr Leben eigentlich noch vor sich hatten, wie auch gestandene Familienväter ließen (am 9. April 1945 bei WASSEL) ihr Leben für das Vaterland und haben ihre Pflicht und Schuldigkeit getan. (Anmerkung: Die Geburtsdaten auf den Grabsteinen der Gefallenen weisen dies aus.) Joachim Zimmermann, Leiter des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr WASSEL, spielte das "Lied vom guten Kameraden".

Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord
K. Freiherr von Hammerstein-Equord

Dass im Gelände auch die dort im "Kalten Krieg" durchgeführten NATO-Manöver angesprochen wurden, ergibt sich von selbst. Oberstleutnant Heineke erinnerte in diesem Zusammenhang besonders an die freilaufenden Übungen des I. (UK) Korps. Oberstleutnant a.D. Piontek bekam darüber hinaus Gelegenheit, als Ausschnitt aus dem "Siebenjährigen Krieg" kurz die Schlacht von HASTENBECK zwischen Franzosen und hannoveranisch-braunschweigisch- hessischen Truppen im Jahre 1757 zu erläutern.

1. Tag.

Unsere Gruppe vor dem kleinen Petersdom in Equord
Unsere Gruppe vor dem kleinen Petersdom in Equord

Unsere Fahrt führte uns von ERFTSTADT über den Hauptbahnhof KÖLN, wo weitere Teilnehmer zustiegen, an den DEISTER nach BAD NENNDORF. Dort trafen wir im Ringhotel Tallymann mit weiteren direkt Angereisten zusammen. Am Nachmittag führte uns Oberstleutnant Heineke in einem Grundsatzreferat, unterstützt durch Power-Point-Präsentation und Filmausschnitte in das Thema ein. Dabei wurden die handelnden Personen der höheren Ebene beider Seiten, die Kräfteverhältnisse und Gliederungen dargestellt. Hierbei lag der Schwerpunkt auf den Großverbänden der 9. (US) Armee, um deren Vormarsch zwischen Harz und Heide aufzuzeigen. Auf deutscher Seite wurden die im Wehrbereich XI (Hannover) verbliebenen Kräfte aufgeführt. Hierbei handelte es sich in der Masse um Flakverbände und wenige Alarmeinheiten.

Oberstleutnant Heineke ist Verbindungsstabsoffizier im Heeresamt und koordiniert im Dezernat II 3 (2) die vielfältigen Aufgaben der Heeresverbindungsorganisation Ausland. Er hat in Vorbereitung der Exkursion sowohl in deutschen als auch in amerikanischen Archiven gründlich recherchiert und auf zahlreiche amerikanische und deutsche Zeitzeugen zurückgreifen können. Darüber hinaus pflegt er eine Patenschaft mit der Vereinigung der 5. (US) Panzerdivision und hat sich eingehend mit deren Geschichte und Einsätzen im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. So war er beispielsweise in 2008 von den US-Veteranen nach Louisville, Kentucky, eingeladen worden, um im Rahmen des jährlichen Treffens (Reunion) den Angriff dieser Division in Richtung Elbe zu schildern.

Marschwege rund um Hanover
Marschwege rund um Hanover

2.Tag:

Themen der Geländebesprechung am Vormittag des 16.10. waren die Übergänge der 2. (US) Panzerdivision "Hell on Wheels" und der 5. (US) Panzerdivision "Victory" über die WESER. Bei der Anfahrt in die WESER-Niederung hatten wir Nebel, so dass man die beherrschenden Höhen beiderseits der WESER, die sowohl für die amerikanischen Angreifer als auch für die deutschen Verteidiger eine wesentliche Rolle spielten, nicht deutlich ansprechen konnte. So konnte auch die Tiefe der amerikanischen Brückenköpfe an den Übergangsstellen der 2. (US) PD bei OHR und GROHNDE manchmal nur erahnt werden, während bei der Übergangsstelle der 5. (US) PD bei HAMELN der Wettergott uns einen besseren Überblick ermöglichte.

V.l. Oberstleutnant Heineke, Cathy McDevitt, Zeitzeuge John F. McDevitt, Oberst a.D. Schleicher
V.l. Oberstleutnant Heineke, Cathy McDevitt, Zeitzeuge John F. McDevitt, Oberst a.D. Schleicher

In HAMELN nahm ein Veteran der 5. (US) Panzerdivision, der sich mit seiner Tochter auf einer Deutschland-Reise befand, die Gelegenheit wahr, aus seiner Erinnerung über den Übergang zu berichten. Im Wesentlichen konnten die Amerikaner ohne große Feindeinwirkung übersetzen. Lediglich in HAMELN gab es bis zur endgültigen Einnahme am 07. April 45 leichten Widerstand, vermutlich von schnell zusammengestellten Alarmeinheiten. Die Übergänge begannen am 05. April 45 südlich von HAMELN und endeten mit dem Bau von Pontonbrückengerät in HAMELN und im Zuge der Autobahn bei BAD OEYNHAUSEN. Sie wurden von Pionieren der 9. (US) Armee errichtet. Im Vorbeifahren warf man auch einen Blick auf den BÜCKEBERG, dem Ort vieler deutscher Erntedankfeste im Dritten Reich in den Jahren von 1933 - 37.

Die Deister Pforte bei Springe
Die Deister Pforte bei Springe: „Durch diese Enge müssen sie kommen“

Nach einer mittäglichen Stärkung in der Waldgaststätte "Deisterpforte" wurden dann vom Referenten, unterstützt durch den Zeitzeugen, Herrn Eike Rehren, der damals Schuljunge war, die Kämpfe um die DEISTERPFORTE bei SPRINGE geschildert. Eingesetzt waren hier deutscherseits ein Infanterie- und ein Mörserbataillon des Regiments "Deister". Es wurde durch 3 Flakgeschütze 8,8cm an den Ortsrändern verstärkt. Sie waren aus dem Raum HANNOVER zugeführt worden.

Auf amerikanischer Seite griff am späten Nachmittag des 8. April 45 ein verstärktes PzGrenBtl (Task Force Boyer) über ALTENHAGEN voraus im Zuge der heutigen B 217 an. Ein Teil der alten Landstraße ist noch heute zu sehen. Dieses Bataillon bildete die Spitze der 5. (US) Panzerdivision und war dem Combat Command Reserve (CCR) unterstellt (Anm.: CCR war eigentlich die Divisionsreserve, wurde aber wie ein drittes Brigadeelement eingesetzt). Zuvor hatte die 2. (US) Panzerdivision von Osten gegen SPRINGE aufgeklärt. Die Kräfte waren jedoch durch das Feuer aller Waffen abgewiesen worden. SPRINGE wurde stützpunktartig verteidigt und nahm auch die vorn angreifenden Teile der TF Boyer auf Höhe SPIELBRINK mit Mörsern unter Feuer. Die Stadt wurde daraufhin aus der Luft angegriffen. Die angreifenden P-47 Thunderbolt stießen zuerst auf die DOMÄNE herab. Dort war deutsches Militär aufgeklärt worden. Kurz darauf brannte der Kornspeicher des Domänenpächters Bode. Das anschließende Artilleriefeuer leitende den Panzerangriff ein. Durch Ausfall der Flak am westlichen Ortsausgang gelang der Einbruch. Offenbar war die Minensperre im Zuge der DEISTER- PFORTE nicht rechtzeitig geschlossen werden. Da halfen auch nicht die drei Loks, die parallel zur Straße die Bahngleise sperrten. Die Infanterie allein war nicht in der Lage, den entschlossen vorgetragenen Angriff des Combat Command Reserve abzuwehren.

Am frühen Nachmittag unterbrachen wir die Geländebesprechung und verlegten zu einem besonderen Programmteil nach PEINE. Auf der Fahrt nach PEINE erläuterte der Referent das weitere Vorgehen der 5. (US) Panzerdivision durch das panzergünstige CALENBERGER LAND. So konnten die Kräfte des Combat Command noch am Abend des 8. April 45 bis in den Raum VÖLKSEN - GESTORF - THIEDENWIESE - OERRIE vorstoßen und die Leinebrücken bei RETHEN und KOLDINGEN mit Störfeuer belegen. In den traditionellen PEINER FESTSÄ- LEN, im ehemaligen "Officers Club" des XIII. (US) Korps, ging der Referent zunächst auf die Umstände der Einnahme der Stadt ein. Danach erläuterte er anhand von US-Archivaufnahmen das Zusammentreffen von hochrangigen Vertretern der Sowjetarmee und der Amerikaner am 26. Mai 1945.

Amerikanische Truppenparade mit sowjetischen Gästen am 26.Mai 1945 in Peine.
Amerikanische Truppenparade mit sowjetischen Gästen am 26.Mai 1945 in Peine.

In den Filmen wurde noch einmal die Erinnerung an die amerikanische Truppenparade in PEINE, den großen Militärappell mit gegenseitigen Ordensverleihungen der damaligen Siegermächte und an deren gemeinsame Feier in den PEINER FESTSÄ- LEN wach gerufen. Es wurde bei dieser Gelegenheit von den damaligen Alliierten auf eine langandauernde Freundschaft angestoßen, die - wie wir wissen - nicht lange vorgehalten hat. Seitens des Landkreises und der Stadt PEINE nahmen die Stellvertretende Landrätin, Frau Schlaugat, und der Stellvertretende Bürgermeister, Herr Leunig, an der Veranstaltung des Freundeskreises teil. Sie bekundeten damit das Interesse von Landkreis und Stadt an der Aufarbeitung der Geschehnisse im Frühjahr 1945.

3. Tag

Am Vormittag setzten wir die Geländebesprechung in WASSEL fort. Der Vorstoß der Amerikaner in Richtung WESER-ELBE-KANAL (heute MITTELLANDKANAL) wurde durch die Sprengung der Brücke WASSEL sowie durch die alles beherrschende Flak auf dem KRONSBERG und durch die Batterie SEHNDE abgewiesen. Die fehlende USLuftunterstützung führte am Vormittag zu einem vorrübergehenden Stillstand auf amerikanischer Seite. Die vordersten USKräfte blieben förmlich im BOCKMER HOLZ stecken und mussten zunächst auflockern. Nach Eintreffen des Divisionskommandeurs in RETHEN (LEINE) fiel der Entschluss, den Feindwiderstand zu umgehen. Major General Lunsford E. Oliver kam es nunmehr darauf an, rasch zur ELBE vorzustoßen, um eine der Brücken im Handstreich zu nehmen. Die Einnahme HANNOVERS sollte durch die 84. (US) Infanteriedivision "Railsplitters" erfolgen. Bei WASSEL waren bei dem Versuch, das Gewässer zu forcieren, ein Flakvierling mit jungen Flak-V-Soldaten durch den vordersten Sherman Panzer bekämpft worden. Auch sind Angehörige des Volkssturms am ostwärtigen Kanalufer gefallen. Der Gefechtsbericht Flakregiment 25 hielt sehr eindringlich fest, dass die Amerikaner bald danach über HOHEMHAMELN fuhren, wo sie sich außerhalb der Reichweite der eigenen Flakgeschütze befanden. Das Vorgehen der Amerikaner wurde vom KALIBERG SEHNDE aus sehr genau beobachtet. Noch am Abend des 9. April 45 unterbrachen die Amerikaner die Autobahn westlich von PEINE, um Aktionen deutscher Kräfte aus dem Raum HANNOVER in den Rücken der US-Divisionen zu vereiteln.

Auf der Altdeponie SCHWICHELDT konnten wir uns von den Beobachtungsmöglichkeiten der Deutschen in das gesamte Angriffsgelände der vorrückenden 5. (US) PD überzeugen. Am Nachmittag befassten wir uns dann mit den Kämpfen der 5. (US) Panzerdivision gegen Teile der II./Panzer-Lehr-Regiment 130, die mit der 8,8 cm PAK des Jagdpanther den amerikanischen Sherman, nur mit der 7,5 cm oder 7,6 cm Bordkanone ausgerüstet, Respekt abverlangten. Durch das kurze Abwehrfeuer mehrerer Jagdpanther im Raum EQUORD - SCHWICHELDT traten am 09. April 45 zunächst Verzögerungen ein. Man war auf US-Seite mehr als überrascht, schon wieder auf Kräfte der Pz-Lehr-Division zu stoßen. Zuletzt war die Division im RUHRKESSEL an der SIEG gemeldet worden. Insgesamt fielen zwei Jagdpanther aus. Am Nachmittag kamen auch die P-47 Thunderbolt zum Einsatz.

An dieser Stelle endete der 9.April 1945. Nach Übergabe der Stadt PEINE am 10. April 45 trafen die A-Kompanien der Task Force (Einsatzverband) Hamberg erneut auf den Widerstand der Jagdpanther. Diesmal wurde die US-Spitze südlich EDEMISSEN bekämpft. Zurück blieben ein Sherman und ein Halftrack (Halbkettenfahrzeug). Ein weiterer Sherman rutschte nach Treffer in den Graben, wurde aber nicht durchschlagen. Eine Kuriosität ist die Tatsache, dass die Panzerplatte eines Jagdpanzers noch heute als Richtplatte in einer Landmaschinenschlosserei Verwendung findet. Sie stammt aus einem der Jagdpanther, die in EDEMISSEN zurückblieben.

Anmerkung: Neben den bereits genannten Zeitzeugen trugen auch die Herren August Brandau an der WESER, Walter Mollus bei SCHWICHELDT, Rudolf Gerecke in KLEIN-SCHWÜLPER und Werner Bollmann bei KLEINLAFFERDE mit den Schilderungen ihrer Erlebnisse dazu bei, ein abgerundetes Bild der Ereignisse von 1945 zu erhalten.

Vortrag und Filmvorführungen in den Peiner Festsälen
Vortrag und Filmvorführungen in den Peiner Festsälen

Um 19.30 Uhr fand dann der Festliche Abend statt, der mit einem Toast auf unser deutsches Vaterland eröffnet wurde. Der Beauftragte für Exkursionen zog ein Resümee des Ablaufs der Exkursion. Er dankte unter großem Beifall aller Teilnehmer Oberstleutnant Heineke für die exzellente Vorbereitung der Exkursion, für seine mit modernen Kommunikationsmitteln vorgetragene Einführung und die interessanten Erläuterungen an den verschiedenen Besprechungspunkten im Gelände. Besonders hob er dessen akribische Recherchen im Inland und in den USA hervor. Gerade die Aussagen von Zeitzeugen, sowohl durch den Referenten geschildert, als auch von diesen selbst im Gelände vorgetragen, haben zum Verstehen der Situationen vor Ort beigetragen.

US Panzer SHERMAN
Die Kontrahenten: US Panzer SHERMAN mit 7,5cm Bordkanone

Wissen bis in Details hinein. Dies habe uns sehr beeindruckt und seinen erfrischend vorgetragenen Ausführungen seien wir mit großem Interesse gefolgt. Oberst a.D. Schleicher ging nochmals auf die Gründe für den schnellen Vormarsch der US-Kräfte ein.

Dies lag vor allem daran, dass:

  • Deutschland alle verfügbaren Kräfte gegen die den Osten Deutschlands bedrohende Sowjetarmee geworfen hatte,
  • mit dem Abzug der 6. SS-Panzerarmee am 12. Januar 1945 nach der gescheiterten Ardennenoffensive von der WESTFRONT nach UNGARN die letzten Reserven verbraucht waren,
  • die Einkesselung der deutschen Heeresgruppe B (Ruhrkessel) eine riesige Bresche in die WESTFRONT geschlagen hatte,
  • das deutsche Heer im WESTEN nicht jenen von Verzweiflung und Panik befeuerten Kampfesmut an den Tag legte wie im OSTEN
Jagdpanther mit 8,8cm Panzerabwehrkanone
Jagdpanther mit 8,8cm Panzerabwehrkanone

Dies bestätigt auch ein Feindaufklärungsbericht des Alliierten Oberkommandos mit der Aussage: "Die simple Tatsache sticht hervor, dass der Feind im Westen nicht genügend Kräfte hat, um unser Vordringen auch nur zu verlangsamen". Zum Dank überreichte Schleicher dem Referenten das Buch "Sturmpanzerwagen A7V - Vom Urpanzer zum Leopard 2". Der Ehrenvorsitzende des Freundeskreises, Generalmajor a.D. F.-H. Beckmann, ergänzte die Anmerkungen von Schleicher aus eigener Erfahrung in den letzten Kriegstagen (Leutnant und Panzerkompanieführer) und dankte unter dem Beifall aller Teilnehmer Oberst a.D. Schleicher für die Planung, Vorbereitung und die organisatorische Durchführung der Exkursion 2009. Schleicher ging dann noch auf die Durchführung der Exkursionen in den nächsten Jahren ein. (s. nächste Seite) Mit interessanten Gesprächen in gemütlicher Runde klang der Abend aus.

4. Tag

In der Mitte Zeitzeugen der Gefechte bei EDEMISSEN: Horst Giesecke (Sacco), Heinrich Hansen (schildert die Lage), daneben rechts Oberst a.D. Schleicher.
In der Mitte Zeitzeugen der Gefechte bei EDEMISSEN: Horst Giesecke (Sacco), Heinrich Hansen (schildert die Lage), daneben rechts Oberst a.D. Schleicher.

Der letzte Tag führte uns in den Raum westlich des SALZGITTER-STICHKANALS, wo uns der Kampf der 30. (US) Infanteriedivision gegen deutsche Flak- Einheiten vorgestellt wurde. Auf dem SEILBAHNBERG in LENGEDE, ca.65 m über dem umliegenden Gelände, wies uns der Referent in das Annäherungsgelände der Amerikaner und die Stellungen der RAD-Batterie 10,5cm bei ÜFINGEN ein.

Schnell wurde uns klar, dass die Angehörigen des RAD, die ohne eigenen infanteristischen Schutz eingesetzt waren, chancenlos gegen die vorrückenden Amerikaner waren. Nachdem die B-Stelle auf dem SEILBAHNBERG ausgeschaltet worden war, konnten die Amerikaner über BODENSTEDT - VALLSTEDT - ALVESSE auf ÜFINGEN vorrücken und von Norden her angreifen. Gleichzeitig nahm ein USArtillerieflieger die Flakstellung gezielt unter Feuer. Das Feuer zwang die RAD-Soldaten in Deckung. Schon kurze Zeit später erhielt das Flakgeschütz DORA einen Volltreffer. Ein Teil Flaksoldaten konnte noch rechtzeitig ausweichen und durch einen im Bau befindlichen Düker unterhalb des STICHKANALS in Richtung BRAUNSCHWEIG ausweichen. Der Rest wurde in der Stellung gefangen genommen. ÜFINGEN selbst wurde durch Infanteriekräfte bis Mitternacht unter Einsatz von Sperren und Panzerfäusten verteidigt. Danach konnte die 30. (US) Infanteriedivision das Kanalufer besetzen und mit der Bildung von Brückenköpfen beginnen. Zwei Tage später wurde BRAUNSCHWEIG vollständig eingenommen.

Dank von Oberst a.D. K.T. Schleicher an den Referenten Oberstleutnant Heineke für eine gelungende Exkursion
Dank von Oberst a.D. K.T. Schleicher an den Referenten Oberstleutnant Heineke für eine gelungende Exkursion

Mit dem Blick von dieser überragenden Höhe über das Gefechtsfeld von der DEISTER PFORTE bis zum SALZGITTERSTICHKANAL fand der taktische Teil seinen Abschluss. Es schloss sich nun die Besichtigung des Bergbaumuseums in LENGEDE an. In einem Vortrag durch den Ortschronisten Werner Cleve wurden uns noch einmal die Ereignisse im Oktober/November 1963 vor Augen geführt wurden, die als "Das Wunder von Lengede" um die Welt gingen. Vom Wasser eingeschlossene Kumpel der Eisenerzgrube LENGEDE-BROISTEDT mussten um ihr Leben kämpfen und einige konnten erst nach Tagen unter dramatischen Umständen unter Zuhilfenahme der Dahlbuschbombe gerettet werden. Für 29 Bergleute des Schachtes Mathilde wurde die Grube zum Grab. Die Funktion der Dahlbuschbombe wurde uns durch Emil Pohlai, einem der geretteten Kumpel, am Nachbau erläutert. Mit deren Hilfe wurden drei Bergleute nach 8 Tagen aus einer Luftblase und 11 Bergleute nach 14 Tagen aus einem Bruchhohlraum gerettet.

Um ca. 13:00 Uhr traten wir mit vielen interessanten Eindrücken die Heimreise an.

Übersicht über geplante und durchgeführte Exkursionen seit 1998

Oberst a.D. K.T. Schleicher
Oberst a.D. K.T. Schleicher

1.) Vorbemerkung

Seit Mitte der 90er Jahre führt der Freundeskreis Offiziere der Panzertruppe Kriegsgeschichtliche Exkursionen durch. Bis 1997 wurden diese durch die Geschäftsführung organisiert. Seit 1998 hat Oberst a.D. Schleicher diese dann als Traditionsbeauftragter, seit 2006 als Beauftragter für Exkursionen als "Einzelkämpfer" organisiert.

2.) Folgende 11 Exkursionen wurden ab 1998 bis 2009 durchgeführt, 1 fiel aus:

  • 1998 "Eben-Emael" am 23.10. als eintägige Veranstaltung mit 34 Teilnehmern, Führung: OTL a.D. Ekkehard Tautz.
  • 1999 "Sedan-Entscheidung 1870", geplant als 3-tägige Veranstaltung vom 08.- 10.10, fiel wegen zu geringer Anmeldungen aus, gepl. Führung: OTL a.D. Tautz.
  • 2000 "Die Schlacht um die Seelower Höhen - Die Berliner Operation - Die letzte Schlacht der 9. Armee" vom 20.-22.10. als 3-tägige Veranstaltung mit 37 Teiln., Führung: OTL a.D. Tautz.
  • 2001 "Die Invasion der Alliierten in der Normandie vom Juni 1944" vom 25.- 28.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 41 Teilnehmern, Führung: OTL a.D. Tautz.
  • 2002 "Die Völkerschlacht bei Leipzig von 1813" vom 17.-20.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 45 Teilnehmern, Führung: Gert Pfeifer von Historia-Souvenir Leipzig.
  • 2003 "Verdun 1916" vom 16.-19.10. als 4- tägige Veranstaltung mit 47 Teilnehmern, Führung: O a.D. Klaus Hammel und O a.D. Ulrich Quante von MILEX, Internationale Militärhistorische Exkursionen München.
  • 2004 "Westwall / Hürtgenwald / Remagen" vom 14.-17.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 42 Teilnehmern, Führung: OTL a.D. Uwe Piontek für den Abschnitt "Westwall" und OTL a.D. Tautz für die Abschnitte "Hürtgenwald" und "Brücke von Remagen".
  • 2005 "Die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806" vom 27.- 30.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 42 Teilnehmern, Führung: O a.D. Hammel.
  • 2006 "Der Donaugraben zwischen Ulm und Passau - die militärgeschichtliche Bedeutung einer Landschaft in Deutschland" (am Beispiel der Schlachten von Höchstädt und Eggmühl) vom 12.-15.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 35 Teilnehmern, Führung: O a.D. Hammel.
  • 2007 "Die Flandernschlachten im Ersten Weltkrieg 1914-1917, Ausklang 1918" vom 18.-21. als 4-tägige Veranstaltung mit 40 Teilnehmern, Führung: O a.D. Hammel.
  • 2008 "Kämpfe um die Vogesen im Ersten Weltkrieg" und "Festungsbau Vauban und Maginot" vom 09.-12.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 36 Teilnehmern, Führung: FKapt. a.D. Dr. Hein-rich Walle.
  • 2009 "Vom Rhein zur Elbe- Der Vormarsch der 5. (US) Panzerdivision im Frühjahr 1945" v. 15.-18.10. als 4-tägige Veranstaltung mit 40 Teilnehmern, Führung: OTL Karl-Heinz Heineke.

3.) Folgende Exkursionen sind konkret geplant und in Vorbereitung:

  • 2010 "Der Kessel von Halbe vom 28.04.- 02.05.1945" als 4-tägige Veranstaltung vom 14.-17.10., Führung: OTL a.D. Reiner Bones. Gekoppelt mit "Die Bunker im Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres in Zossen" und /oder "Die Panzertruppenschule Wünsdorf".
  • 2011 "Vorstoß der Panzergruppe Kleist/ PzKorps Guderian zur Kanalküste (Dünkirchen)" als 3-4-tägige Veranstaltung Mitte Oktober. Führung FKapt. a.D. Dr. Walle

4.) Folgende Exkursionen werden von den Teilnehmern danach gewünscht :

  • 2012 Ardennenoffensive 1944, Vorstoß der Panzerkampfgruppe Peiper im Raum Malmedy 3-4- tägige Veranstaltung Mitte Oktober, Führung: O a.D. Klaus Hammel.
  • 2013 "Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 (Düppeler Schanzen)" als 4-tägige Veranstaltung Mitte Oktober, Führung: FKapt.a.D. Dr. Walle

5.) Weitere Möglichkeit:

  • "Die Kämpfe um Bautzen im April 1945; dabei Einsatz der Sturmartillerie- Brigade 300 Feld im Rahmen des Angriffs der 20.Panzerdivision" als 4-tägige Veranstaltung Mitte Oktober, Führung: ggf. OTL Nehring unterstützt durch Oberst a.D. Timpe. Die Redaktion

Weitere Vorschläge, Empfehlungen und Anregungen zu den Kriegsgeschichtlichen Exkursionen nimmt Oberst a.D. K.T. Schleicher entgegen.

Tel: 02235/84191

Fax: 02235/989667

eMail: ktschleicher@online.de

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Generalleutnant Jacobson
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General a.D. Wolfgang Brüschke
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Oberst a.D. Schneider

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Oberst a.D.
Stellvertretender Vorsitzender