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Von der Offizierlaufbahn

08.06.2015 17:17
von Marco Pracht
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Band-6

– Truppendienst –

in die zivile Wirtschaft

Autor: Jochen Dehner, ehem SaZ 13, Vertriebsbeauftragter Heer LFK Lenkflugkörpersysteme
Jochen Dehner
Jochen Dehner

Ein chronologischer Rückblick in Phasen Der Sprung vom Soldatsein in den Zivilberuf. Die folgende kurze Abhandlung gibt die eigenen Erfahrungen des Autors sowie dessen Beobachtungen seines Umfeldes wieder. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit sondern ist lediglich die Darstellung eines von vielen möglichen Wegen mit Hinweisen und Empfehlungen, wie man den Sprung vom Soldatsein in den Zivilberuf meistern kann.

Studium

Wer sich als Offizier nicht schon vor bzw. während seiner bisherigen Dienstzeit damit beschäftigt hat, setzt sich vermutlich spätestens in dieser Lebensphase mit der Frage auseinander, ob es nicht auch die Möglichkeit einer zivilberuflichen Erfüllung gäbe. Idealerweise hat der geneigte "Nochzivilist" solche Überlegungen bereits in die Wahl des Studienganges mit einfließen lassen. Wie solch eine Möglichkeit in der Praxis wirklich aussieht, kann man trotz diverser Gespräche mit "Ehemaligen" oder entsprechenden Vorträgen an der UniBw zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewerten. Die letzte reelle Hürde in der Offizierausbildung hat so manchem (Panzer-)Kameraden – leider in zu vielen Fällen und zu spät – die Augen geöffnet. Sie hat ihm klar gemacht, dass es nicht der "Highscore" oder der nächsthöhere "Level" diverser moderner Versionen von "Mensch-ärgere-dich-nicht" ist, an der sich die sogenannte Leistungsgesellschaft misst. Für mich war die konsequente 2er-Lerngemeinschaft mit einem Panzerkameraden einer der Einflussfaktoren für ein mit gutem Erfolg bestandenes Studium. Der jetzige Lehrer fühle sich an dieser Stelle besonders gegrüßt. Die erfolgreichen Autodidakten waren in sehr deutlicher Minderheit.

Entscheidungsfindung BS/ SaZ

Das nächste Mal setzt man sich mit den zivilberuflichen Möglichkeiten auseinander, wenn der Zeitpunkt der Entscheidung für oder gegen einen Wechsel vom Dienstverhältnis eines Zeit- in das eines Berufssoldaten ansteht. Für die meisten ist das aufgrund des Geburtsjahrganges und der erforderlichen Voraussetzungen, wie das abgeschlossene Studium, die im Abstand von einem Jahr folgende Beurteilung.

Nach einem Jahr in der Truppe (nach dem Studium) hat dann so mancher Kamerad die Freuden des Offizierberufes wiederentdeckt und hat – sofern hierzu nicht sogar vorgeschlagen – den Antrag auf BS gestellt. Ein zu einem früheren Zeitpunkt gestellter Antrag war für Nicht-Scharnhorst-Preisträger in den meisten Fällen nicht von Erfolg gekrönt. Die Gründe sich für den BS oder für das zivile Berufsleben zu entscheiden sind unglaublich vielschichtig. Die Spanne reicht von monetären Gründen über das Renteneintrittsalter, Flexibilität, Unzufriedenheit über Entwicklungen innerhalb der Bunsdeswehr bis hin zu familiären Begründungen. Oft ist es jedoch die Summe aus mehreren dieser Gründe, häufig aber auch die demokratische Stimmenmehrheit des Lebenspartners welche zu einer Entscheidung führen. Die größere Einflussmöglichkeit auf die Wahl der Tätigkeit – eingeschlossen den Fortlauf der Karriere, die Firmengröße/ -art etc. – und nicht zuletzt die Familienplanung, waren damals die bei mir entscheidenden Faktoren.

Vorbereitung

Hat man sich nun für den in wenigen Jahren beginnenden Weg in Zivilkleidung entschieden, beginnt man erneut mit der Überlegung, welche Tätigkeit man in ein paar Jahren denn nun ausüben bzw. erreichen möchte und wie der Weg bis dahin möglichst zielführend zu gestalten ist. Im Wesentlichen gibt es zwei Ansprüche an die erste Stelle nach der Bundeswehr in Bezug auf die vorherige Verwendung(en). Es soll ein annähernd kompletter Neuanfang, sprich branchenfremd und nicht in Zusammenhang mit den Tätigkeiten bei der Bw, gerne jedoch verwandt zum Studienschwerpunkt gemacht werden.

Mit dem Ziel einer möglichst kurzen Einarbeitungszeit im zivilen Berufsleben und um "die 12 Jahre" nicht ´wertlos´ erscheinen zu lassen, soll ein möglichst großer Teil des Erlernten aus dieser Zeit genutzt werden können. Zur Vorbereitung auf diese Tätigkeit wird hierzu häufig ein Zweitstudium als Ergänzung oder das "International Management Programm" (IMP) genutzt. Hierzu und für eine Vielzahl anderer Wege bietet der BFD ungeahnte Möglichkeiten. Erstaunlicher Weise werden diese von einigen Kameraden nicht genutzt. Dies gilt insbesondere und gerade auch für Studienabbrecher. Ich selbst habe neben kaufmännischer Weiterbildung im Schwerpunkt die Ausbildung zum zertifizierten Projektmanagementfachmann (GPM, IPMA) genutzt.

Eine 100%-Schnittmenge der eigenen Erwartung / Befähigung mit den Erwartungen eines möglichen, zukünftigen Arbeitgebers ist in den seltensten Fällen in den herkömmlichen Stellenausschreibungen zu finden. Dies trifft noch weniger für den Fall des arbeitsuchenden "Nochoffiziers" zu. Hier empfiehlt sich aus eigener Erfahrung ein der Initiativbewerbung vorgelagertes Telefonat mit der Personal- oder Fachabteilung des Wunschunternehmens. Eine letzte militärische Verwendung mit enger Zusammenarbeit mit der (Verteidigungs-) Industrie scheint sich in den letzten Jahren immer weniger einschränkend (Stichwort: Abteilung ES) auf die Zivilberufswahl auszuwirken. Viele Umsteiger vom Soldatsein in den Zivilberuf wünschen sich ein "Auszeit" vor dem Beginn der neuen Berufsperiode. Dies stößt – je nach Branche und Gegenüber – i.d.R. auf wenig Verständnis bei zukünftigen Vorgesetzten und ist meist nur mit einem Abschluss einer weiterführenden Ausbildung bzw. einem Studium begründbar. Nicht zuletzt weil Unternehmen offene Stellen häufig recht kurzfristig zu besetzten haben. In meinem Fall lagen drei Tage Urlaub zwischen Uniform und Anzug.

Einarbeitung

Die Aneignung bestimmter Fähigkeiten findet zum Teil durch Weiterbildungen, größtenteils jedoch durch die praktische Anwendung ("training on the job") statt. Einem gewissen Ruf der Industrie entsprechend, darf man "draußen" anscheinend mit aufkommendem Seitenwind in Form von Ellenbogen rechnen. Erfreulicher Weise hat sich dies in meinem Falle nicht bestätigt. Viel häufiger traf ich auf kollegiales, um nicht zu sagen kameradschaftliches Verhalten. Dennoch sind größere Umstellungen zu erwarten, dafür jedoch keine militärischen Selbstverständlichkeiten. Hier fiel mir am deutlichsten die "Meldung bei Auftragsnichterfüllung" auf. Diese Art des Vorgehens ist gänzlich unüblich. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, ist der Führungsvorgang noch konsequenter anzuwenden.

Bewährung

Ist die Einarbeitung bewältigt, lässt das Jonglieren mit der Kenntnis und Anwendung sowohl des Geschäftssystems als auch der informellen Strukturen ein Höchstmaß an Selbstverwirklichung zu. Dies ist zwar nur schwer mit den 14 Leos und den über 100 Mann der Kompanie zu vergleichen, bietet aber ebenfalls ein Maximum an Erfüllung. In dieser Zeit musste ich leider mehrere Anfragen bzgl. einer Wehrübung als Ausbildungsoffizier Leopard 2 A4 für die Chilenischen Streitkräfte ausschlagen, da sich die Kombination von Projektleitung und ca. viermonatiger Abwesenheit nur schwer vereinbaren lässt.

Weg aus dem Job = keine Ausführung spezifischer Tätigkeiten = fehlende Erfahrung / nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Dies ist durchaus vergleichbarer mit einer Auslandstätigkeit für das Unternehmen, welche weniger karrierefördernd wirkt als das vermeintlich positive Image einer solchen Abstellung vermuten ließe. Dies steht im Gegensatz zu den "unbezahlbaren" persönlichen Erfahrungen bei einem solchen Unterfangen.

Weiteres ziviles Anstellungsverhältnis

Sind die Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der jeweiligen Firma begrenzt, so bietet ein externer Wechsel vielfältige Möglichkeiten. Je nach Branche existieren unterschiedliche Erwartungshaltungen über den Zeitraum, in dem man dem ersten Unternehmen nach der Armeezeit seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen sollte. Sicherlich könnten Zeiten < 2 Jahre ohne überzeugende Begründung als anrüchig empfunden werden. Ich habe diesen Schritt nach knapp vier Jahren gewagt.

Resümee

Die Laufbahn des Offiziers auf Zeit bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, sein Persönlichkeitsprofil zu schärfen und ein Großteil der Elemente der Offizierausbildung finden – sei es beruflich oder privat – auch nach der Dienstzeit gute bis sehr gute Anwendungsmöglichkeiten. Zuweilen begegnet man gleichaltrigen oder jüngeren Kollegen, welche in der Karriereleiter die ein oder andere Sprosse mehr erklommen haben, weil sie durch Zivil- oder Wehrdienst ein paar Jahre "gespart" haben und deshalb früher in Reichweite der Leiter waren. Dennoch lassen mich die im Laufe meiner Offizierlaufbahn absolvierten Ausbildungen und die Erziehung, die positiven Erfahrungen und Erlebnisse und nicht zuletzt die gewonnenen Freundschaften zu dem Urteil kommen: Beim "nächsten Mal" wieder so!

Lebenslauf des Autors

  • 07/93-09/96 Ausbildung zum Offizier der PzTr (PzBtl 363 Külsheim; KfAusbZ Külsheim; PzTrS Munster; InfS Hammelburg; OSH Hannover mit Deutsch-Türkischem- Kadettenaustausch; PFIFF)
  • 10/96-08/00 Studium Maschinenbau FH, Studienschwerpunkt Waffentechnik, UniBw München
  • 09/00-03/02 Zugführer PzBtl 393, Bad Salzungen, inkl. Klassenleiter HUS Weiden (VII. Insp)
  • 04/02-01/04 KpChef 2./PzBtl 393 u.a. RÜZ Nord, GÜZ, Elbeflut, Staff-Ride Fort Knox (US Army)
  • 02/04-09/06 LtrStudFBerGrp UniBw München für Maschinenbau (FH)
  • 10/06-03/07 Projektingenieur Leopard 2, Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co.
  • 03/07- 06/10 Projektleiter Leopard 2 PSO/ A7+, Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG
  • 07/10 - heute Vertriebsbeauftragter Heer, LFK-Lenkflugkörpersysteme GmbH/ MBDA Deutschland

Kontaktdaten

LFK-Lenkflugkörpersysteme GmbH PGV Hagenauer Forst 27 86529 Schrobenhausen

Telefon: +49 8252 99 9008

Fax: +49 8252 99 8931

e-mail: jochen. dehner@mbda-systems.de

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